Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 14 (1910)
- Issue
- 4 (28.1.1910)
- Date
- 1910-01-28
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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78 DIE3q£ELT No. 4 Kontrolle der zionistischen Organisation entzogen sind, gewarnt wird. Den weitern Gegenstand der Beratung bildeten Beschlußfassungen über Presse -Angelegenheiten, die Vorbereitung des Agrarkreditinstituts und einige andere Fragen. Deutschland Konstanz: Am 23. Januar hielt die hiesige neugegründete zionistische Ortsgruppe ihren ersten öffentlichen Vortragsabend. Das Referat: „Der IX. Zionisten-Kongreß in Hamburg" hatte Herr Dr. Meinrath übernommen. In 1V2 stündiger Rede setzte er den zahlreichen Zuhörern die wichtigsten Momente auseinander, gleichzeitig die Ziele der Zionistenbewegung. Eine sehr interessante Diskussion folgte. 23 Neuanmeldungen, welche die Zahl der Ortsgruppe auf 33 steigerten. Unter den Zuhörern befanden sich zahlreiche Nichtjuden, während der Vorstand der jüdischen Gemeinde und der hiesige Stadtrabbiner trotz offizieller Einladung sich von dieser Versammlung ferngehalten hatten, vielleicht interessieren sie sich nicht für jüdische Angelegenheiten. Ratibor. In unserer zionistischen Ortsgruppe hielt am Sonntag vor zahlreich erschienenem Publikum Parteisekretär Blumenfeld- Berlin einen sehr instruktiven Vortrag über den IX. Kongreß,, der mit großer Begeisterung aufgenommen wurde. — Aus dem Überschuß des Chanukka stattgefundenen Bezahltestes konnten 50 Mark dem Bezalel überwiesen werden. Hamburg. Die Zionistische Ortsgruppe Hamburg-Altona hielt am 13. d. M« eine Mitgliederversammlung ab. Vor Eintritt in die Tagesordnung gedachte der Vorsitzende in warmen Worten des am 23. Dezember v. J. im Alter von 63 Jahren verstorbenen langjährigen Mitgliedes der Ortsgruppe, Herrn Samuel Cohen. Der Verstorbene gehörte mit zu den Gründern der Ortsgruppe, seit vielen Jahren war er Mitglied des Vorstandes und verwaltete in mustergültiger Weise und mit nie versagender opferfreudiger Tätigkeit das Amt eines Schatzmeisters. Die Versammlung erhob sich zu Ehren des Andenkens des Verblichenen von ihren Sitzen. Der Vorsitzende teilte sodann mit, daß die Zionistische Ver-" einigung für Deutschland in einem Schreiben ihrer Anerkennung und ihrem Dank für die Vorbereitung des Kongresses Ausdruck .gegeben habe. Bei dieser Gelegenheit dankte der Vorsitzende auch namens des Vorstandes allen denen, die sich an den umfangreichen Vorarbeiten zum Kongreß so bereitwillig und opferfreudig beteiligt haben. Der Vorsitzende gibt ferner bekannt, daß die Zionistische Vereinigung für Deutschland den Deutsch-Israelitischen Synagogenverband in Anerkennung seines gelegentlich des Kongresses bewiesenen liebenswürdigen Entgegenkommens ins Goldene Buch habe eintragen lassen. Schließlich berichtet der Vorsitzende, daß seit dem Kongreß etwa 10O neue Mitglieder der Ortsgruppe beigetreten sind, und daß der Reinerlös aus dem Nordauvortrage die stattliche Summe von ca. 1900 Mk. beträgt, die nach dem Wunsche von Herrn Dr. Nordau dem zu Ehren des Kongresses gestifteten Stipendienfonds zufließen soll. In der hieran sich anschließenden Diskussion über den Kongreß gibt zunächst Dr. Kalmus einen Überblick über die praktischen Ergebnisse des Kongresses und bespricht sodann eingehend das Verhältnis der Kongref3majorität zur Minorität. Er sowohl wie auch Dr. Victor Estermann, der eingehend über die Verhandlungen im Permanenzausschuß referiert, Michael Heinrich Mayer, Referendar Möller, Referendar Hirsch, Referendar Dr. Oscar Nathan billigen durchaus das Verhalten der deutschen Landsmannschaft und der Majorität. Dr. Halpern beschäftigt sich eingehend mit dem von der Minorität vertretenen Standpunkt und kommt zu dem Schluß, daß eine Wiederbeteiligung der russischen Zionisten an der Leitung unbedingt erforderlich sei. Erst gegen 1 Uhr nachts erreichte die außerordentlich stark besuchle Versammlung— es waren etwa 150 Personen anwesend — ihr Ende. Österreich (Von unserm Berichterstatter) Distriktstag der Zionisten Innerösterreichs Samstag den 15. d. Mts.,-1 28 Uhr abends, wurde in Anwesenheit der Vertreter aller zionistischen Vereine Wiens, sowie von Delegierten aus Graz und Stockerau, die zum erstenmal zu einer Wiener Tagung erschienen sind, der ordentliche innerösterreichische Distriktstag eröffnet. Unter den Gästen waren auch zwei misrachistische Kongreßdelegierte aus Palästina. Dem Bericht des Obmanns des Distriktskomitees, Herrn Dr. Pollak, ist zu entnehmen, daß das Distriktskomitee fleißige Arbeit geleistet hat. Die Schekel sind gegenüber 1908 um das Doppelte gestiegen, die Parteisteuer wurde zum erstenmal seit ihrer Einführung konsequent und stramm eingehoben und von allen Organisationen tatsächlich abgeführt. Die Einnahmen des Distriktskomitees betrugen gegen 1100 Kr. Es wurden zahlreiche Propaganda und Organisationsversammlungen abgehalten, die traditionell gewordenen Makkabäerfeiern wieder ins Leben gerufen. Für die letzte Feier im Sophiensaal wurde ein Garantief onds aufgebracht, der aber mit Rücksicht auf den Reingewinn unangetastet geblieben ist. Der nicht unbedeutende Betrag soll den Grundstein für einen Agitationsfonds bilden. Um die kontinuierliche Leitung der Organisation zu sichern, beantragt das D.-K. die Gründung eines Parteisekretariats, worüber ein Spezialreferat erstattet werden soll. Zur Erhaltung des Parteisekretärs soll ein Distriktsfonds geschaffen werden. Er soll gebildet werden aus einer einzuhebenden Vereinssteuer und durch die Besteuerung der Veranstaltungen. In der Debatte wird die Durchführung der Kongreß wählen bemängelt, im allgemeinen der Strammheit und Rührigkeit des Distriktskomitees Anerkennung gezollt. Der Antrag, dem abtretenden D.-K. Dank und Vertrauen zu votieren, wird einhellig angenommen. Ebenso wird beschlossen, eine Vereinssteuer in der Höhe der von jeder Organisation abgeführten Parteisteuer einzuheben und einen Prozentsatz der Einnahmen der Vereinsveranstaltungen dem Distriktsfonds zuzuführen. Schließlich gelangte nachstehende Resolution Waldmann zur Annahme: Der am 15. ds. Mts. versammelte Distriktstag der innerösterreichischen zionistischen Organisationen erklärt das in der Wiener israelitischen Kultusgemeinde geltende Wahlrecht als den airjüdischen und modernen Anschai.;r.;$en widersprechend, und fordert den Vorstand der Wiener Kul'u; gemeinde mit aller Entschiedenheit auf, dieses reaktionärste aller1 Wahlsysteme raschestens zu beseitigen. (Lebhafter Beifall.) Der Distriktstag beschloß, zu der Sonntag stattfindenden öffentlichen Vorstandssitzung eine Deputation behufs Übermittlung dieser Entschließung zu entsenden. Die hierauf vorgenommenen Neuwahlen ergaben folgendes Resultat: Dr. Leopold M eis ei (Obmann), Dr. Pollak, Dr. Löwy, Dr. Sofer, Samuel Strauß, Dr. Zuckermann, Kugel, Skutezky und Dr. Beer. Das durch den Referenten Herrn Dr. Meisel unterbreitete neue Organisationsstatut wurde genehmigt. Sonntagnachmittag nahm der Distriktstag seinen Fortgang. Die Deputation, mit Herrn Dr. Pollak an der Spitze, erhielt inzwischen vom Prädisenten der Wiener Kultusgemeinde, Herrn Dr. Stern, dem sie die Resolution bezüglich der Wahlreform übermittelte, eine ablehnende Antwort und macht davon dem Bezirkstag Mitteilung. Dr. Stern erklärte, es falle ihm auch im Traumenichtein, das Wahlrecht zur Kultusgemeinde abzuändern; es sei den Wiener Verhältnissen angepaßt, eine Erweiterung sei überflüssig. Das Referat des Herrn Stein über die Anstellung eines Parteisekretärs wird beifällig aufgenommen. Der Parteisekretär hätte die Wiener Organisation zu leiten und zu repräsentieren, sowie die Provinz zu bereisen. Die Wahl einer geeigneten Person wird bis zur Sicherung des Distriktsfonds vertagt. Herr Böhm beautragt die Gründung eines freien, zionistischen Seminars und eines Palästinavereins. Der Antrag wird dem D.-K. überwiesen. Die Debatte über den Bericht der Kongreßdelegierten wird für Dienstagabend den 18. ds. Mts. bestimmt. Der Distriktstag wird abgebrochen. Kongreßnachklänge Dienstag den 18. d. M. fand in den Räumen des Zionistischen Zentralvereins ein außerordentlicher innerösterreichischer Distriktstag statt, der den Bericht der Kongreßdelegierten entgegengenommen hat. Die zwei Richtungen des Kongresses kamen auch hier zum Vorschein. Herr B öhm . kennzeichnete die kämpfenden Gruppen des IX. Kongresses als die der alten Judenstaatler und der Kolonisationszionisten. Die Haltung der Wiener Delegierten wurde schließlich gebilligt, und der Bericht zur Kenntnis genommen. In einer Versammlung der Poale-Zion Wiens bezeichnete der Delegierte Kaplansky den IX. Kongreß als denkwürdigen, der durch seine Beschlüsse bezüglich der Genossenschaft und der Agrarbank seine Leistungsfähigkeit in hervorragender Weise bewiesen hat.