Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 14 (1910)
- Issue
- 4 (28.1.1910)
- Date
- 1910-01-28
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 4 DIE30KELT 77 zu entfalten, von ihrer Intelligenz, ihrem sittlichen Adel, ihrer treuen Anhänglichkeit und allen den vorzüglichen Eigenschaften, die den Schatz der jüdischen Volksseele ausmachen, den größten Nutzen ziehen kann. Wenn nun die jüdische Bevölkerung immer jüdisch bleiben wird, wenn die Assimilation ihr nichts anhaben kann, wenn sie nicht durch Parteiungen zerklüftet sein wird und die Bande der Brüderlichkeit in ihrer Mitte erhalten bleiben, kurz, wenn die jüdische Solidarität unverbrüchlich bestehen bleibt, wird der Antisemitismus zum Aussterben verurteilt sein. Und wenn es ein Land gibt, wo die jüdische Selbsthilfe nach dem Wunsche unseres verstorbenen Herzl wirksam sein wrird, so ist dies die Türkei, denn die jüdischen Bewohner des türkischen Reichs können einen einheitlichen und unteilbaren Block bilden, der für das ganze jüdische Volk eine große moralische Stärkung bedeuten wird. Dies hindert freilich nicht, daß der wahre, national selbstbewußte Jude zu gleicher Zeit auch ein guter Ottomane sei, ein Ottomane in der vollen Bedeutung dieses Wortes. Der ruhelose, ewige Jude, der sich so lange auf der Suche nach einem gastlichen Heim befindet, wird sicherlich, sobald er den belebenden Hauch der Freiheit einatmet, mit aller Kraft bestrebt sein, dieses Land zu seinem Vaterlande zu machen, den Boden, der ihn liebevoll aufnimmt, mit kindlicher Liebe zu umfassen. Die Geschichte aller Völker beweist, wie sehr der Jude zu allen Zeiten seinem Adoptivvater!ande treue Liebe und rührende Anhänglichkeit bewahrt hat. Qibt es ein Land auf dem weiten Erdenrunde, das nicht mit dem Blute jüdischer Vaterlandsfreunde getränkt wäre? Wurde jemals ein Kampf für die Qüter der Zivilisation ausgefochten, zu dem die Juden nicht Mitkämpfer und Helden geliefert hätten? Um nur die allerjüngsten Begebenheiten anzuführen, so waren die Juden in der Türkei das einzige nichtmoslemische Element, das sich mit den Jungtürken verband, um das hamidische Regiment, d. h. die Herrschaft des Terrors und der Tyrannei, zu bekämpfen. Es wäre ganz überflüssig, von den jüdischen Einwanderern erst zu fordern, daß sie gute ottomanische Vaterlandsfreunde werden sollten. Sie würden es ohne jede Aufforderung sein. Ohne die aufrichtige Ottomanisierung würde die ganze Einwanderungsbewegung im höchsten Qrade sinnlos sein, da ja in diesem Falle der Jude, der sein Geburtsland verläßt, um eine neue Zufluchtsstätte zu finden, weiter ohne Vaterland bliebe und die Verleumdungen der Judenfeinde rechtfertigte, die uns als vaterlandslos verschreien. Die zahllosen Anstrengungen und namenlosen Opfer, die die Wanderung der jüdischen Volksmassen im Gefolge haben, zielen ja bloß dahin, dem ewigen Juden endlich einen geschützten Erdenwinkel zu geben, auf dem er sich heimisch fühlen kann und wo er das Gefühl hat, daß ihn niemand als Fremden und Eindringling behandelt. Wie wäre es nun möglich, dieses Ziel in der Türkei zu erreichen ohne die unmittelbare und aufrichtige Ottomanisierung der einwandernden Juden? (Schluß folgt) o o o o o o o c O O O 0 o o o J) AUS DER BEWEGUNG tfrf O O O O ( y ==m o o o o o Jj Sitzung des Engeren Aktions-Komitees Am Montag den 24. und Dienstag den 25. Januar 1910 fand in Berlin im Bureau des Palästinaressorts eine Sitzung des Engeren Aktions-Komitees statt, an der, außer den Mitgliedern des E. A. C, Präsident Wolffsohn, J. H. Kann und Prof. Warburg, die Präsidenten des J. N. F. und des J. C.-T., Dr. Bodenheimer und Dr. Katzenelsohn, und Herr Hoofien teilnahmen. Für die Angelegenheit der Siedlungsgenossenschaft wurde Herr Dr. Franz Oppenheimer, für die Organisationsfragen Herr Dr. Hantke zugezogen. Den ersten Punkt der Tagesordnung bildete die Vorbereitung der Propaganda für die Siedlungsgenossensch*aft. Es wurde beschlossen, das Komitee für die Verwaltung des Genossenschaftsfonds aus den Herren Dr. Franz Oppenheimer, Prof. Warburg und Dr. Bodenheimer zusammenzusetzen. Zur Propaganda finden Fonds soll ein Aufruf veröffentlicht werden, der von den Mitgliedern des E. A. C, des Direktoriums des J. N. F. und drei Vertretern der Poale Zion unterzeichnet werden soll. Die weitere Agitation und Propaganda soll von den Sammelstellen des J. N. F. übernommen werden. Auf Vorschlag des Präsidenten wurde beschlossen: Die David- und Fanny-Wolffsohn-Stiftung soll als Grundstock zur Schaffung eines Fonds für den Bau von Arbeiterhäusern in Palästina verwendet werden. Auch für diesen Zweck soll eine Sammlung eingeleitet werden. Die vom IX. Kongreß gefaßten Beschlüsse wurden eingehend besprochen. Die Durchführung derselben wurde in die Wege geleitet. Eine Eingabe der amerikanischen Federation sowie ein Gesuch des Order of Ancient Maccabeans sollen dem Großen Aktionskomitee vorgelegt werden. Bezüglich der Verwaltung der Ölbaumspende wurde bestimmt, die bereits früher beschlossene Vereinigung der Propaganda und Sammeltätigkeit für die Ölbaumspende mit dem Hauptbureau des J. N. F. bis zum 1. April d. J. durchzuführen. Herr Prof. Warburg erstattete sodann Bericht über die Vorbereitungsarbeiten für das Mikrobiologische Institut. Das Komitee soll, nachdem der Vorsitzende, Herr Dr. Arndt, gestorben ist, anderweitig ergänzt werden. Es folgte eineBeratung über Organisationsfragen. Hier wurde beschlossen, innerhalb des Zentralbureaus ein besonderes Dezernat für die Schekeleinziehung und die Propaganda einzurichten. Zur Durchführung dieser Arbeiten wurde ein Komitee, bestehend aus den Herren Dr. Bodenheimer und Dr. Hantke, eingesetzt. In New York wird von privater Seite ein Aufruf für eine neue Sammlung zwecks Landerwerbs in Palästina verbreitet, der nach Form und Inhalt durchaus ungeeignet ist. Das E. A. C. beschließt, allen Landesorganisationen und Föderationen sowie der zionistischen Presse zur Kenntnis zu bringen, daß öffentliche Sammlungen für zionistische Zwecke lediglich mit Genehmigung der Landesorganisation und des E. A. C. erfolgen dürfen und daß vor allen privaten Sammlungen, die einer