Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 14 (1910)
- Issue
- 4 (28.1.1910)
- Date
- 1910-01-28
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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No. 4 ME^ELT 73 gewiß nicht versäumen, alles, was in seiner Macht steht, dazu beizutragen, um das Gelingen der so wichtigen Unternehmung zu sichern. Es schätzt sich glücklich dabei, auf die tatkräftige Hilfe unseres ausgezeichneten Gesinnungsgenossen Dr. Franz Oppenheimer rechnen zu können. * * Es gilt aber nicht nur, neue Unternehmungen zu schaffen. Weit wichtiger ist noch die Kräftigung und der Ausbau der Institutionen, die wir bereits besitzen. In erster Reihe kommen da die Banken und der Jüdische Nationalfonds in Betracht. Daß unsere Banken, namentlich soweit sie im Orient arbeiten, einen höchst erfreulichen Aufschwung zeigen und voraussichtlich einer gesicherten Zukunft entgegengehen, dürfte wohl jetzt allbekannt sein. Am Kongreß war wenig die Rede davon. Man liebt es bei uns nun einmal, das Geschehene wenig zu achten und nur dem Nichtgeschehenen und dem noch zu Schaffenden seine Aufmerksamkeit zuzuwenden. Vielleicht ist das auch gut so; es behütet uns jedenfalls vor Selbstzufriedenheit und Erschlaffung. Nur soll man immer im Auge behalten, daß wir unklug daran tun würden, unsere Kräfte zu verzetteln, und wenn wir irgendwo angesetzt haben, und wir sehen, daß uns die Arbeit gelingt, so wollen wir vor allem dort weiterarbeiten, wo uns der Erfolg sicher ist. Daß es die Aufgabe unserer Finanzinstitute ist, ihre Kräfte immer mehr und mehr auf Palästina, das Land unserer Zukunft, zu konzentrieren, darüber sind wir uns alle einig, und es war wahrlich nicht nötig, daß man aufgeregte Debatten über technische Bankfragen führte, um der Bankleitung diese selbstverständliche Tatsache klarzumachen. Überhaupt sollte man in der Öffentlichkeit der Kongreßdebatten etwas mehr Rücksicht auf die geschäftlichen Interessen der Bank nehmen und, beispielsweise, nicht das Schlagwort „Liquidation", in welcher Beziehung es auch immer sei, in die Welt schleudern, wenn man schließlich etwas ganz anderes meint. Wer mitverwalten will, soll auch das Verantwortlichkeitsgefühl des Verwalters haben! Die zweite der Institutionen, die wir hegen und pflegen müssen, ist der Jüdische Nationalfonds. Da ist eine Idee, die im jüdischen Volk feste Wurzel geschlagen hat. Da ist eine Institution, die nach einer Periode des Stillstandes, jetzt in erfreulicher Weise blüht und gedeiht, und sich zu einer Höhe emporschwingen kann, die noch gar nicht zu übersehen ist. Eine solche Institution, die zu einem Mittelpunkt neuer Unternehmungen geworden ist und in dieser Beziehung in der Zukunft gewiß noch unvergleichlich mehr leisten kann und wird: eine solche Institution hat in allererster Linie ein Recht auf unsere sorgfältige Pflege. . . Wenn mit allem Nachdruck erklärt worden ist, daß das E. A. C. den Schwerpunkt seiner Arbeiten in Palästina sieht, so sei mit nicht geringerm Nachdruck hervorgehoben, daß es auch außerhalb Palästinas Aufgaben gibt, denen sich die Leitung der zionistischen Organisation niemals wird entziehen können, denen sie im Gegenteil einen' beträchtlichen Teil ihrer Energie wird zuwenden müssen. Und dies um so mehr, weil doch schließlich jede zionistische Arbeit außerhalb Palästinas zum Endzweck Palästina hat. Die meisten unter uns sind sich wohl darüber klar, daß eine starke Organisation unbedingt erforderlich ist, um unser Ziel zu erreichen. Ist dies doch einer der Grundsätze, die Herzl uns hinterlassen hat. Und Herzls ewiges Verdienst ist es, daß er die Grundlagen der Organisation, deren das jüdische Volk bedarf, aus dem Chaos geschaffen hat. Daß sie indessen noch nicht entfernt die Kraft besitzt, das zu leisten, was dem jüdischen Volke nottut, steht für uns alle fest. Das E. A. C. wird es sich also zur Aufgabe machen müssen, die zionistische Organisation fester zu fügen und weiter auszugestalten. Schon in der abgelaufenen Verwaltungsperiode hat sich die Leitung die Sorge um die Organisation besonders angelegen sein lassen. Daß sie auf diesem Gebiete etwas geleistet, daß sie Ordnung geschaffen hat, wo Zerfahrenheit herrschte, daß sie der Bewegung das richtig funktionierende materielle Instrument gegeben hat, ohne welches eine geistige Bewegung nur ein Gedanke bleibt, der es niemals zur lebendigen Tat bringt, das hat man in Hamburg allgemein erkannt. Nur daß diese Anerkennung in den Reden mancher Kritiker fast wie ein Tadel klang. Der Hörer konnte manchmal glauben, daß es eine Herabwürdigung der Idee wäre, Ordnung in den Bureaus zu schaffen. Die Leitung ist dagegen der Überzeugung, daß auf dem Gebiete der Organisation das Geschehene noch nicht entfernt genügt, und sie wird, unberührt von einer Kritik, die nur von einem mangelnden Verständnis für die realen Bedürfnisse des Zionismus zeugt, der weitern Ausgestaltung und Kräftigung der Organisation ihre sorgfältige Aufmerksamkeit zuteil werden lassen. Es ist gewiß nicht ihr Zweck, den Zionismus in Bureaukratie erstarren zu lassen. Aber die Erfahrung hat gelehrt, daß ohne diese vielgeschmähten bureaukratischen Formen, ohne Ordnung, die Organisation außerstande ist, den befruchtenden zionistischen Gedanken vorwärts zu bringen und die stürmisch verlangte zionistische Arbeit tatsächlich zu leisten.- Schon werden neue Pläne ausgearbeitet. Vor dem Kongreß waren bereits geeignete technische Einrichtungen getroffen worden, um die Zentrale der allgemeinen Organisation und die Zentrale des Jüdischen Nationalfonds, der sich in fortgesetzter Arbeit eine eigene Organisation geschaffen hat, enger zu verknüpfen. Es wird nun die Möglichkeit erwogen, auch in den einzelnen Ländern, die Sammelorganisation der N. F.¬ Zentralen für die Zwecke der allgemeinen Organisation zu benutzen. Hoffentlich wird dadurch, zu beiderseitigem Vorteil, eine einheitliche Gestaltung aller Sammlungen für zionistische Zwecke erzielt werden. Mit Hinsicht auf die kulturellen Bestrebungen, die sich im jüdischen Volke regen, wird die Leitung den im vorigen Artikel skizzierten Standpunkt einnehmen müssen. Sie wird die jüdische Kulturbewegung nachdrücklich fördern, soweit ihre Mittel es gestatten und diejenigen Institutionen und Unternehmungen unterstützen, die der Verjüngung unserer jüdischen Kultur dienen sollen. Als der zionistische Gedanke anfing, innerhalb des jüdischen Volkes die Geister zu erobern, da traten ihm weite Kreise, und wohl am meisten die einflußreichsten, 2*