Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 14 (1910)
- Issue
- 4 (28.1.1910)
- Date
- 1910-01-28
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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72 DIE35 Jean Fischer, Antwerpen . ........Fr. 250.— Joseph Cowen, London.......Jt 102.— Dr. Charles Dreyfuss, Manchester .... Jt 100.— B. Goldberg,-Wilna...........Jt 100.— Dr. Franz Oppenheimer, Großlichterfelde- West...............Jt 100.— Dr. Siegfried Schwarzschild, Frankfurt a. M. Jt 100.— S. Epstein, Hornel..........Jt 100.— Frau G. G. Cohen, Hamburg......Jt 100.— Dr. Samuel Schur, St anislau......Kr. 100.— Dr. Alexander Hausmann, Lemberg . . . Kr. 100.— Dr. Samuel Rappaport, Lemberg .... Kr. 100.— Ludwig Steiner, Teplitz-Schönau .... Kr, 100.— :ELT - — —-- No. 4 Dr. Pollak (Unitas), Wien.......Kr. 100. Rabbiner Dr. Herrn. Baneth, Gablonz a. N. Kr. 100.-- Dr. E. W, Tschlenow, Moskau.....Fr. 100— Rechtsanwalt Dr. M. J. Bodenheimer, Köln Fr. 100.— Oskar Lieben, Ung.-Hradisch......Jt 50.— A. Gurewitsch, Moskau........Jt 50.— Wilhelm Waldmann, Drohobycz ., . . . . Kr. 50.— Dr. Leon Silbermann, Neusandez .... Kr. 50.— Ernst Freud, Dux...........Kr. 50. — Viktor Freud, Teplitz-Schönau.....Kr. 50.— L. Liebenstein, Lodz.........Fr. 50.— Ing. Hugo Slonitz, Prag........Fr. 50.- - NACH DEM Wir fragten in dem vorigen Artikel: Was war? Wir fragen heute: Was wird sein? Die Kongreßtage sind vorbei. Ein jeder von uns ist wieder zu seiner Tagesarbeit zurückgekehrt, wir sind mitten im Winter, und das Vereinsleben ist reger als je. In den Orts- und Landeskomitees rüstet man sich zu neuer Arbeit. Der Apparat der Organisation beginnt wieder zu funktionieren. Und in der Zentrale leitet nach wie vor ein Engeres Aktionskomitee die Geschäfte. Das E. A. C. fühlt die ernste Verpflichtung, die Organisation und die Bewegung in den kommenden schweren Tagen weder einschlafen noch sich in innerlichen Kämpfen zerreißen zu lassen. Der Kongreß hat dem E. A. C. positive Aufgaben gestellt, und das E. A. C. hat den ernsten Willen, sich ihnen, unter Mitwirkung der ganzen Organisation, zu unterziehen. Diese Aufgaben liegen in der Hauptsache auf dem Gebiete der Arbeit in Palästina. Der Kongreß war ein erneuter Beweis dafür, daß die ganze Organisation sich einmütig mit dem Gedanken vertraut gemacht hat, daß das Schwergewicht aller unserer Arbeiten und aller unserer Bestrebungen in Palästina liegen muß. Das E. A. C, das sei noch einmal nachdrücklich betont, bekennt sich voll und ganz zu dieser Anschauung, wie es das schon früher und gleich beim Anfang des Kongresses zum Ausdruck gebracht hat. Sagte doch der Präsident in seiner Eröffnungsrede schon: „Der Schwerpunkt unserer Arbeit liegt in Palästina ... Die geordneten Verhältnisse, denen wir in der Türkei entgegen gehen, werden uns jetzt die Möglichkeit geben, mit größerer Energie und besseren Erfoigaussichten vorzugehen, Arbeiten zu unternehmen, die notwendig sind, die Bedingungen für eine geordnete Einwanderung und zweckentsprechende Kolonisation zu schaffen." Aus dem Obenangeführten geht deutlich der Grund hervor, aus dem jetzt jeder Zionist, auch wenn er sich früher der „praktischen Arbeit" gegenüber kühl und öfter ablehnend verhalten mußte, warm für sie eintreten kann. Neue Verhältnisse — neue Taktik! Das ist das ewige Gebot jeder Politik. Kein Urteilsfähiger hat jemals die Palästinaarbeit als etwas an sich Unerwünschtes verurteilt. Nur hielten manche sie unter den obwaltenden Umständen für verfrüht, zwecklos oder gar schädlich. Jetzt, nach dem glänzenden Sieg der türkischen Freiheitsbewegung, KONGRESS jetzt, da unter dem Schutz des Gesetzes jeder in Ruhe schaffen und die Früchte seiner Arbeit genießen kann, jetzt, da die wirtschaftliche Entwicklung am Anfang einer Ära des Aufschwungs steht, jetzt wäre es töricht, wollten wir nicht mit aller Kraft danach streben, auf friedlichem Wege unsere wirtschaftliche Position im Lande unserer Zukunft..zu stärken. Es war niemals eine Prinzipienfrage, die Politiker und Praktiker getrennt hielt, es war eine Frage der Taktik. Die Politiker sind ihrem Prinzip, das ja kein anderes war als das der Praktiker, treugeblieben, indem sie die Taktik den veränderten Umständen angepaßt haben. Also, wir sind alle für die praktische Palästinaarbeit, und es wird die Aufgabe des E. A. C. sein, sie in vorsichtiger, aber energischerWeise auf dem eingeschlagenen Wege weiter zu führen. Schon vor dem Kongresse befaßte sich das E. A. C. mit der Prüfung neuer Pläne und zum Teil auch mit Vorarbeiten dafür. Hoffen wir, daß in der jetzt vor uns liegenden Periode wenigstens einige dieser Projekte zur glücklichen Ausführung heranreifen. Zu den praktischen Fragen, zu denen der Kongreß in ganz entschiedener Weise Stellung genommen hat, zählen in allererster Reihe die Frage des Agrarkredits und die der Arbeiteransiedlung auf kooperativer Grundlage. Hinsichtlich keiner dieser beiden Fragen ist dem E. A. C. ein positiver Auftrag erteilt worden. Es ist sich aber vollständig dessen bewußt, daß auf ihm, als auf der höchsten Instanz der Organisation, die Pflicht ruht, die richtige Ausführung der gefaßten Beschlüsse im Sinne des Kongresses zu überwachen und zu fördern. Das E. A. C. hält es für seine Aufgabe, darauf zu achten, daß alles getan wird, was unter den jeweiligen Umständen möglich ist, um das Zustandekommen eines starken Agrarkreditinstituts zu fördern. Wenn nun zwar die Angelegenheit der Agrarbank in der Hauptsache immer noch von der Gestaltung der legislativen Verhältnisse in der Türkei abhängt, so kommt diese Rücksicht in viel geringerm Maße bei der vom Kongresse beschlossenen Siedlungsgenossenschaft in Frage. Seien wir uns klar darüber, daß wir es hier mit einem Experiment zu tun haben, das auch, wie es der Initiator der Idee, Dr. Franz Oppenheimer, in seiner Kongreßrede deutlich betont hat, mißlingen kann. Daß wir aber imstande sein werden, das Experiment zu machen, daran ist ein Zweifel kaum möglich. Schon sind die vorbereitenden Arbeiten in Angriff genommen, und^das E. A. C. wird