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Die Welt · 1910-01-21 · 3 (21.1.1910) · page 7

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
14 (1910)
Issue
3 (21.1.1910)
Date
1910-01-21
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Xo. 3 DIE^ELT 57 und unterstreiche das Wort „Bauernstand", weil es sich nicht um eine kleine beschränkte Gruppe handelt. Es ist nicht ein Versuch im Laboratorium sozialer Unternehmungen, den wir als Kuriosität machen wollen; es handelt sich urn eine ernste Rückkehr zur Mutter Natur. Die Periode der kleinen Versuche kann als abgeschlossen betrachtet werden; mit Erfolg wurde der Nachweis tatsächlich erbracht sowohl in Palästina wie auch in Argentinien und anderwärts, daß wir ebenso fähig sind, den Pflug wie den Hammer, den Meißel und die Feder zu handhaben. Wenn wir die Schaffung eines jüdischen Bauernstandes befürworten, so geschieht das nicht, um hierdurch die sinnlosen Angriffe unserer Feinde zu entkräften, sondern in unserm eigensten Interesse, und nicht nur in unserm materiellen Interesse, denn eine gleiche Arbeit auf dem Gebiete des Handels und der Gewerbe, für die wir vorzugsweise befähigt sind, könnte uns größere Vorteile sichern, sondern in unserm sittlichen Interesse, um in uns selbst das Gleichgewicht der Kräfte herzustellen, das uns leider fehlt. Diese Rückkehr zur Natur, wäre geeignet, unsere nervöse Überreiztheit zu beschwichtigen, die Unmittelbarkeit unseres Naturempfindens zu erneuern und unserm innern Wesen eine gesunde Frische zu verleihen. Da wir die Wiedergeburt unserer Rasse als Ideal im Auge behalten, so ist es nicht die Zahl, sondern das Verhältnis der ackerbautreibenden Elemente zur Gesamtheit, das uns interessieren muß. Ob wir 10 000, 50 000 oder 100 000 Bauern haben, — das bedeutet nichts, wenn diese nicht ein hohes Verhältnis darstellen, wenn sie nicht wenigstens den vierten Teil unserer Gesamtbevölkerung ausmachen. Leider sind wir von diesem Ziel noch sehr weit entfernt. Trotz aller Bemühungen der letzten Jahre sind es kaum 200 Juden in der Türkei, die ihr tägliches Brot durch Ackerbau verdienen. Unter den 500 000 ottomanischen Juden, die in allen Teilen des Gesamtreiches zerstreut sind, bebauen nur 10 000 als Eigentümer, Pächter oder Arbeiter den Boden, — und die sind alle in Palästina. Das ist wenig, das ist gar nichts, wenn man das Ganze in Betracht zieht, trotzdem zugegeben werden muß, daß das Resultat, welches wir ja nur einzig und allein der Zionsidee zu verdanken haben, ziemlich befriedigend ist. Die Zahl von 10 000 jüdischen Bauern müßte durch eine unaufhörliche Arbeit verdoppelt, verdreifacht, vervierfacht werden. Die Schaffung neuer jüdischer Ackerbatikolohien müßte in allen Teilen der Türkei, insbesondere in Palästina gefördert werden, da Palästina durch die Wucht altheiliger Erinnerungen seiner großen Vergangenheit die unvergleichliche Anziehungskraft besitzt und uns den Glauben einflößt, der den Erfolg sichert. Die Erfüllung dieser Pflichten, die Verwirklichung dieses Projekts, die Veröffentlichung eines Jahrbuches, die, Schaffung von Bibliotheken, die Reform unserer Schulen, die Gründung von Mittel- und Hochschulen, die Vergrößerung der Banken und die Inangriffnahme verschiedener Arbeiten für die Schaffung eines Ackerbaustandes werden zu natürlicher Folge haben, daß die zerstreuten Glieder jenes großen Körpers ohne Seele, den leider jetzt das ottomanische Judentum darstellt, sich vereinigen und ein normales Leben beginnen werden. Brief aus Konstatitinopel (Von unserm Berichterstatter) Dr. Nasirn Bej und der Zionismus Das „Journal de Salonique" schreibt unter dem 9. Januar an leitender Stelle, wie folgt: „Der Hamburger Kongreß hatte soeben seine Arbeiten beendet. Wir sprachen mit Dr. Nasini Bej über dies und jenes. Er hatte das „Journal de Salonique" entfaltet, und. wir zeigten ihm die Depesche aus Hamburg und den Artikel unseres Mitarbeiters King. Er las beides, dann sagte er gesetzten Tones: Ich bin absolut der Meinung Ihres Redakteurs. Ich beklage die vom Zionistenkongreß angenommene Resolution. Ich beklage sie, wohlverstanden, wegen des Schadens, den diese Resolution den Juden selber tun wird. — Was für einen Schaden? — O, unberechenbaren. Vor allem glaube ich, da(3 die Juden nicht sämtlich die Beschlüsse der Kongressisten billigen werden. Hieraus entsteht schon eine Spaltung unter den Juden, die an sich bereits ein Übel ist, da die Feinde Ihrer Rasse aus dieser Spaltung für ihre Angriffe Profit ziehen werden. — Die Judenfeinde wissen im Notfalle die Angriffsgelegenheiten zu erfinden, seien wir nun einig oder nicht. — Pardon, wenn Sie einen Block bilden, wird der Anslurm der Antisemiten sich leichter brechen. Sie sind eine vollkommen unbegreifliche Rasse. Die Juden, die man so prosaisch nennt, stürzen sich in Utopien, in absolut unrealisierbare Ideen. — Wer sagt Ihnen, daß das zionistische Ideal in den Bereich der Träume gehört? — Aber wir alle behaupten das, und ich glaube nicht, dato wir uns täuschen. Ihre Zionisten erschrecken die türkische Masse. Und unsere Elite wird niemals eine jüdische Konzentration in Palästina gestatten. Niemals, absolut niemals, solange wir am Leben sind, und ich glaube, wir stehen noch nicht mit dem einen Fuße im Grabe. Wenn wir einer Judenein Wanderung günstig gesinnt sind, so ist es nicht einzig d irum, weil wir unsere Rechnung dabei finden werden. Die Juden werden uns offene Köpfe, materielle Hilfe bringen, sie werden sehr gute ottomanische Untertanen abgaben, das ist alles wahr. Aber wir werden ihnen unsere Arme öffnen, um ihnen aus ihrem moralischen Elend herauszuhelfen. Wir werden die Juden auch aus Tradition aufnehmen. Als das katholische Spanien sie verbannte, waren wir glücklich, sie aufzunehmen, und wir haben uns nicht schlecht dabei gestanden. Heute, da Rumänien sie allen Pflichten unterwirft, ohne ihnen irgend ein Recht zuzugestehen, sind wir erneut bereit, sie zu empfangen. Ich glaube, es ist ein menschliches Empfinden, dem Leidenden die Hände entgegenzustrecken. Wenn wir aber die Juden aufnehmen wollen, so geschieht das unter der Voraussetzung, daß wir selber die Gegenden auswählen, wohin sie einzuwandern haben werden. Sie kommen zu uns, und schon bevor sie kommen, stellen sie Bedingungen. Gestehen Sie, das ist zu anspruchsvoll. Sie verbergen nicht, daß sie als Nationalität mit fertigen Forderungen nach Palästina kommen wollen. Wir, die wir genug zu tun haben mit den Ansprüchen der verschiedenen Nationalitäten, wir haben nicht die geringste Lust, uns neue Sorgen zu schaffen, — Aber man verspricht ja, nur ganz beschränkte Privilegien zu verlangen. — Versprechen und Halten sind zweierlei. Und dann, die Privilegien sind wie eine Düte Kirschen. Sie stecken die Hand hinein, um eine Kirsche herauszuziehen, und Sie sehen den ganzen Inhalt der Düte sich hinterdrein schleppen. Und dann: hätten wir auch alle Versicherungen der Welt, wir würden es doch zurückweisen, in Unterhandlungen einzutreten. — Aber, Dr. Nordau hat ges3gt, wenn es sein muß, so werden die Zionisten eben warten. Wir werden sie nicht daran hindern, zu warten. Sie können uns ebensowenig daran hindern, zu denken, daß sie unrecht haben. Sie können auch Ebbuzzia Tewfik beispielsweise nicht hindern, den Zionismus anzugreifen. Sie können die ottomanischen Juden nicht hindern, entgegengesetzter Ansicht zu sein wie die Kongressisten von fiambuig, denn ich vermute, daß unsere jüdischen Patrioten sich nicht in eine Affäre stürzen werden, bei der sie wüßten, den Empfindungen des Landes zuwider zu handeln. Die AI Ii an ce Israelite hat den türkischen Juden Gutes getan, scheint mir. Nun denn, die Alliance hat d e Juden nie dazu angehalten, andere Rechte zu fordern als die, welche allen ottoma-

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