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Die Welt · 1910-01-21 · 3 (21.1.1910) · page 3

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
14 (1910)
Issue
3 (21.1.1910)
Date
1910-01-21
Page
– (sequence 3)
Language
German
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No. h blE^ELT 53 Nein, die jüdische Renaissance hat keinen gewählten Präsidenten, kein E. A. C. Sie hat überhaupt keine organisierte Leitung, sie hat nur Vorkämpfer und Mitstreiter, die sich ohne Wahl und Organisation in die Führung teilen. Auch Herzl war niemals ihr Führer; er war, und das genügte, einer ihrer größten Inspiratoren. Es kann nicht Sache des Engeren Aktionscomites sein, eine Kulturbewegung zu führen, es ist aber seine Aufgabe, sie zu fördern. Und diese Pflicht einer guten Leitung hat das E. A. C. nach besten Kräften erfüllt. Es hat einen der bedeutendsten Vertreter der jüdischen, der hebräischen Kulturbewegung zu seinem ersten Mitarbeiter erwählt. Es hat ihm die Leitung des Zentralorgans anvertraut und alle seine Wünsche in kultureller Beziehung, oft mit großen materiellen Opfern, in weitgehendstem Maße erfüllt. Es hat den „Ha-Olam" gegründet, das Hebräische Gymnasium, das jüdische Technikum in Haifa und den Bezalel in Jerusalem direkt oder indirekt nach Kräften gefördert. Es hat den Jüdischen Verlag übernommen und weitergeführt, und eine Reihe anderer kultureller Unternehmungen gefördert. Welcher vernünftige Vorschlag ist dem E. A. C. von den Wortführern der kulturellen Interessen unterbreitet worden, der nicht ausgeführt worden wäre? Und wenn es nun dennoch war wäre, daß die jüdische Kulturbewegung ins Stocken geraten sei, — wo sind die berufenen geistigen Führer dieser Renaissancebewegung geblieben? Herrscht denn unter ihnen, soweit sie Mitglieder unserer Organisation sind, eine solch erstaunliche Parteidisziplin, daß sie es nicht wagten, die Initiative zu ergreifen ohne Zustimmung des Kölner Bureaus? Wo ist denn — nicht der Wunschzettel, sondern das positive Arbeitsprogramm dieser Kritiker aus den Kulturkreisen? H* Ob nun schließlich die Unzufriedenheit berechtigt war oder nicht, sie hat uns zu einer Krise geführt. Zu einer Krise, die noch dadurch verschärft wurde, daß von einigen Seiten in die Behandlung der Streitfrage Motive hineingetragen wurden, die nichts weniger als sachlich waren. Es bildete sich eine geschlossene Opposition gegen die bisherige Leitung und man erblickte schließlich nur noch in einer radikalen Änderung, in einem Wechsel der obersten Leitung das letzte Rettungsmitte). Man beriet untereinander über eine Neugestaltung des E. A. C. Wohlgemerkt: untereinander, nicht mit der Leitung. Meinte man etwa, daß diese sich jedem Systemwechsel gewaltsam widersetzen würde, und daß deshalb eine Besprechung mit ihr zwecklos wäre? Das E. A. C. war anderer Meinung, es wollte nicht am Ruder bleiben gegen den Willen einer starken Opposition. Deshalb zog sich der Präsident zugunsten der von der Opposition vorgeschlagenen Kombination zurück und befürwortete diese vor dem Kongreß. Ja, es wurde sogar eine Einigung erzielt, wodurch viele Gegensätze sich hätten schlichten lassen, eine Einigung, die eine ehrliche Probezeit für das neue System hätte herbeiführen können. Da zeigte sich aber, daß die Opposition sich auf die neuzuschaffenden Verhältnisse nicht mit genügendem Ernst vorbereitet hatte. Sie hätte voraussehen können, daß sie bestenfalls eine Majorität bilden würde, der eine sehr starke Minorität gegenüberstände. Sie hätte wahrnehmen können und müssen, daß nicht entfernt die ganze Organisation einen Wechsel der Leitung wünschte, daß sehr starke Gruppen mit aller Entschiedenheit gegen jede Änderung waren. Dies alles hätte sie nicht nur wissen können und müssen, sondern wußte es auch tatsächlich. Dieser Umstand hätte also für sie kein Grund sein dürfen, die Übernahme der Leitung abzulehnen. Man hatte aber nicht einmal diejenigen, die man in die neue Leitung wählen wollte, und die man für so unentbehrlich hielt,"daß man ohne sie nicht auszukommen wußte, vorher befragt! So stellte sich denn zum Schlüsse heraus, daß den Führern der Opposition die Verantwortung für eine Übernahme der Leitung doch zu schwer erschien. Durch dieses Vorgehen hat die Opposition die Partei der großen Gefahr ausgesetzt, in einem der historisch wichtigsten Momente ohne Leitung dazustehen. In diesem kritischen Augenblick blieb dem alten E. A. C, das sich schon vollständig zurückgezogen hatte, nichts anders übrig, als sich in die absolute Notwendigkeit zu fügen und die Leitung aufs neue zu übernehmen. Es war sich dessen bewußt, daß man ihm nicht allgemein mit Vertrauen entgegen kam; es wußte, daß ihm eine schwere Zeit bevorstand, aber es wußte auch, daß die Organisation nicht ohne Leitung bleiben darf, und daß die Zioni'sten, sowohl die „regierungstreuen'' wie die oppositionellen, sich schließlich in dem einen großen Gedanken der Volksbefreiung zusammenfinden, und ungeachtet aller Streitpunkte stets bereit sein werden, für die gemeinsame Sache zu arbeiten. Was wird uns nun die Zukunft bringen? Wir können nicht prophezeien. Aber wir wollen versuchen, uns darüber klar zu werden, was wir zusammen schaffen können und sollen. Dieser Betrachtung soll der folgende Artikel gewidmet sein. Die kulturelle Lage der Juden in der Türkei Referat, erstattet dem IX. Zionistenkongreß Von David Florentin, Saloniki Verehrter Kongreß! Es ist mir eine angenehme Pflicht, Ihnen hier für die zahlreichen Sympathiekundgebungen, die Sie uns liebenswürdigerweise entgegenbrachten, und die sowohl in den wohlwollenden Worten des unermüdlichen Präsidenten, als auch in der Rede des Kongreßpräsidenten, unseres teuren Dr. MaxNordau, ihren stärksten Ausdruck fanden, den herzlichsten Dank auszusprechen. Ich danke euch, werte Brüder. Wir fühlen uns euch gegenüber sehr verpflichtet und betrachten diese Ehre als eine Ermunterung zur Arbeit an der nationalen Wiedergeburt, die von dem tapfern, unvergeßlichen Herzl begonnen und von seinen Schülern und euch allen fortgesetzt wurde. iMeine Damen und Herren! Die kraftvolle Eröffnungsrede des Herrn Wolffsohn hat uns, als ottomanische Bürger, besonders interessiert. Seine klare und präzise Erklärung über die Identität der ottomanischen Interessen mit den zionistischen Aspirationen hat uns tief befriedigt. Mit einer begreiflichen Ungeduld harrten wir dieser Erklärung und sind glücklich, konstatieren zu können, daß Sie durch den enthusiastischen Beifall ihre Bedeutung noch erhöht haben.

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