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Die Welt · 1910-01-14 · 2 (14.1.1910) · page 17

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Journal
Die Welt
Volume
14 (1910)
Issue
2 (14.1.1910)
Date
1910-01-14
Page
– (sequence 17)
Language
German
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No. 2 DIE3aEELT 43 der rußländischen Partei im Verbandsbureau ein und stellte die aufgelösten Verbindungen her, so daß die Abhaltung einer Parteikonferenz möglich wurde. Einen schönen Aufschwung nimmt die Organisation in Buenos-Aires (Argentinien), wohin das Bureau Herrn fCasriel entsendet, nachdem dieser eine Agitationstour in Amerika absolviert hat. Redner bespricht noch andere organisatorische Maßnahmen und Preßprojekte des Bureaus. Die letztern müßten sämtlich zurückgestellt werden, nachdem die jüdischsozialdemokratische Partei Poale-Zion Palästinas den Entschluß faßte, ein eigenes Organ zu begründen, und der Verlag „Achduth", der bereits drei Broschüren herausgegeben hat, ins Leben trat. — In Ausführung des Haager Konferenzbeschlusses unterbreitet Redner den Kostenanschlag eines Arbeitssekretariats in Palästina. Die Beziehungen zu der zionistischen Organisation waren normal. Das Verbandsbureau sicherte die Föderation und trat in direkten Verkehr mit dem zionistischen Aktionskomitee. Das Verbandsbureau erhob Einspruch gegen die zweckwidrige Vergeudung des Nationalfonds und verlangte die Durchführung des Beschlusses des VIII. Kongresses bezüglich der Genossenschaftssiedlung. Das Verbandsbureau setzte die Bemühungen fort, eine Vertretung im Internationalen sozialistischen Bureau zu erlangen. Nach dem Stuttgarter Kongreß unterbreitete der Poale-Zion- Verband dem Internationalen sozialistischen Bureau den Antrag, innerhalb der Internationalen Arbeiter-Association eine jüdische Sektion zu errichten. Da es sich um eine Angelegenheit der gesamten jüdischen Arbeiterschaft handelt wurde eine Aktion eingeleitet, um ein Zusammengehen aller jüdischen sozialistischen Arbeiterorganisationen in dieser Frage zu ermöglichen. Die Vereinigungsbestrebungen, die in Amerika ihren Ursprung haben, fördern diese Aktion. Der Berichterstatter gibt eine Darstellung der Unterhandlungen des Verbandsbureaus mit dem amerikanischen Z. K. bezüglich der Teilnahme des Bureaus an den Koordinierungsverhandlungen der jüdisch-sozialistischen Parteien Rußlands. Ferner müßte die Errichtung eines Arbeitssekretariats in Palästina beschleunigt werden. Seine Aufgabe wird es sein, den Arbeitsnachweis für die jüdischen einwandernden Proletarier zu organisieren, sowie den gewerkschaftlichen, kulturellen und politischen Zusammenschluß der jüdischen Arbeiter der Türkei zu fördern. Um die Errichtung von Informationsbureaus, Arbeiterwohnungen, die Unterstützung der Gewerkschaften, der Bildungsvereine, der Presse usw. zu ermöglichen, begründete das Verbandsbureau, ohne einen Beschluß der Weltkonferenz abzuwarten, den Palästin aarbeiterfonds (lebhafter Beifall), der mit den Sammlungen bereits begonnen hat. Redner schließt mit einem Rückblick auf die verflossenen zwei Krisen jähre, konstatiert den fühlbaren Mangel an Intelligenzlern — „die Bewegung scheint noch nicht salonfähig zu sein"—, dabei aber das unaufhaltsame Entstehen immer neuer Organisationen in allen Ländern der Welt. Das schwebende jüdische Proletariat lehnt sich gegen die zweifache Unsicherheit seiner Existenz auf und schließt sich zu gemeinsamer Aktion zusammen. Nach dem beifällig aufgenommenen Bericht geben Blumenfeld, Dr. Rosenfeld und Awrunin einen kurzen Überblick über die Tätigkeit und die Lage der Poale-Zion-Parteien in Rußland, Österreich und Amerika. Dem Geldbericht zufolge hatte das Verbandsbureau vom Juli 1908 bis Dezember 1909: K. 4763.22 Einnahmen und K. 4773.04 Ausgaben. Den größten Teil der Einnahmen bilden die Schekel. Die Maisteuer des Verbandes wurde in sehr geringem Umfang eingehoben. Für den Palästinaverlag „Achduth" wurden außerdem' etwa 3000Frs. gesammelt, vornehmlich in Palästina selbst und in Amerika. Der Berichterstatter bezeichnet das Ergebnis als unbefriedigend und führt es auf die Anstrengungen zurück, die die österreichischen Poale-Zion für die Erhaltung ihres Organs machen müssen, — es werden K. 6000 jährlich aufgebracht, — während die Amerikaner ihren „Kämpfer" wieder herstellen wollen und zu diesem Zwecke bereits einen Fonds von K. 10 000 beisammen haben. Der Palästinaarbeiterfonds, der vorderhand nur ein Sammelmittel — die Marke — verwendet, brachte in den zwei Monaten seines Bestandes mehr als K. 1100 auf. 2. Tag. Die eben eingetroffenen Delegierten Ben-Zwi (Jerusalem)und Shiff (Glasgow) begrüßen die Konferenz im Namen der palästinensischen und englischen Parteien. Nach einer kurzen Debatte werden dem abtretenden Verbandsbureau das Vertrauen und die Anerkennung der Konferenz votiert. Berichterstatter Blumenfeld unterbreitet ein Organisationsstatut des Verbandes. Wir führen die wichtigsten Bestimmungen an. . §■ 1. Der Universelle jüdisch-sozialistische Arbeiterverband Poale-Zion umfaßt alle Juden, die auf dem Boden der sozialistischen Lehre stehen, die Vergesellschaftung aller Produktionsmittel als Ziel, den ökonomischen und politischen Klassenkampf des Proletariats als Mittel anerkennen zur Beseitigung der kapitalistischen Gesellschaft sowie der Klassenherrschaft der Bourgeoisie und die die territoriale Lösung der Judenfrage durch die Schaffung eines jüdischen Gemeinwesens in und um Palästina erstreben. § 2. Mitglied des Verbandes (B.-Z.) ist jeder Angehörige der unten bezeichneten Landesparteien oder jüdischer sozialistischer Organisationen, die sich zu den Grundsätzen des Univers, jüd.-soz. Arbeiterverbandes Poale-Zion bekennen und denselben dauernd moralisch und materiell unterstützen. §§3-5 zählen die Poale-Zion-Parteien aller Länder auf, die dem Verbände angehören, statuieren die Autonomie der Landesparteien in allen Fragen ihrer innern Organisation und bestimmen den Verkehr der Vollzugsorgane des Verbandes mit den Einzelorgan isationen. § 6. Die oberste Körperschaft und Vertretung des Univers, jüd.-soz. Arbeiterverbandes Poale-Zion ist die Weltkonferenz, die in der Regel jedes 2. Jahr zusammentritt ... Zu den Aufgaben der Weltkonferenz gehören: a) Entgegennahme der Rechenschaftsberichte der Vollzugsorgane des Verbandes, der Z. K.'s (Exekutiven) der dem Verbände angegliederten Landesorganisationen, der von der Weltkonferenz eingesetzten Kommissionen, der Verwaltung des Palästina- Arbeiterfonds und ariderer Institutionen des Verbandes; b) Beschlußfassung über Programm und Taktik des Univers, jüd.- soz. Arbeiterverbandes Poale-Zion; c) Beschlußfassung über das Arbeitsprogramm und Budget der nächsten Verwaltungszeit, sowie die Organisation des Verbandes und seiner Institutionen; d) Beschlußfassung über die eingegangenen Anträge; e) Wahl der Vollzugsorgane des Verbandes; f) endgültige Entscheidung über Aufnahme und Ausschluß von Organisationen und Parteigenossen. § 7 enthält Bestimmungen über das Wahlrecht zur Weltkonferenz und die Vornahme und Durchführung der Wahlen. § 8. Alle Fragen der Landespolitik, sowie die Entscheidung über die Aufgaben und die Taktik der Parteiorganisationen innerhalb eines Staates fallen ausschließlich in die Kompetenz der betreffenden Landesparteitage. Erörterungen über die Landespolitik und das taktische Vorgehen einer dem Verbände angehörenden Partei auf der Weltkonferenz sind zulässig, doch kann darüber kein Beschluß gefaßt werden. § 9. in Angelegenheiten, die die Interessen der gesamten jüdischen Arbeiterschaft und des jüdischen Volkes berühren, fällt der Weltkonferenz die Beschlußfassung über die Grundsätze der gemeinsamen Aktion aller Landesparteien zu. § 10. Die Beschlüsse der Weltkonferenz werden mit einfacher Mehrheit der anwesenden Delegierten gefaßt. 10 Delegierte können die Vornahme einer namentlichen Abstimmung fordern. Auf Verlangen einer Landesorganisation erfolgt die Abstimmung nach Landesorganisationen, wobei die Mehrheit der zur Weltkonferenz erschienenen Landesdelegationen entscheidet. . . . Als das Votum einer Landespartei gilt der Beschluß der Mehrheit der Delegierten des betreffenden Landes. Jede Landespartei besitzt eine Stimmenanzahl, nach dem Verhältnis der von ihr abgelieferten Maibeiträge. Jeder Delegierte hat nur eine Stimme. Das Mandat ist nicht übertragbar. Die Bestimmungen über die Kompetenz der Konferenz und den Abstimmungsmodus riefen eine bewegte Debatte hervor. (Schluß folgt) Geehrter Herr Redakteur! Indem ich das Amt des Generalsekretärs der Zionistischen Organisation im Zentralbureau in Köln niederlege und aus der Redaktion der „Welt" zurücktrete, sei es mir gestattet, an dieser Stelle an alle geschätzten Gesinnungsgenossen und Kollegen, die mir im Laufe meiner Tätigkeit förderndes und aufmerksames Wohlwollen erwiesen, die Ausdrücke meines tiefempfundenen Dankes und recht herzlichen Abschiedes zu richten. Mit Zionsgruß! Nahum Sokolow Berlin, 11. Januar 1910.

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