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Die Welt · 1910-01-14 · 2 (14.1.1910) · page 14

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
14 (1910)
Issue
2 (14.1.1910)
Date
1910-01-14
Page
– (sequence 14)
Language
German
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40 DIEE&TELT No. 2 Anfang dieses rJahres Herr Popowitz aus Hermannstadt durchgeführt. Infolge der Anregung unseres Ausschußmitgliedes Herrn Hermann Struck, hat der Lithograph Herr Abraham Gerzowitz am Bezalel eine Lithographische Abteilung eingerichtet. Die nötige lithographische Presse sowie die sonstigen Utensilien sind zum größten Teile durch freiwillige Beiträge einer Anzahl unserer Freunde aufgebracht worden. Im übrigen arbeiten Herr Gerzowitz und Herr Popowitz für eigene Rechnung, während wir deren Bestrebungen durch mietfreie Überlassung von Werkstätten im Bezalel erleichtert haben. Die Zahl der in der Schule im verflossenen Jahre tätig gewesenen Personen ist ganz beträchtlich gestiegen. Unter Einschluß des Lehrkörpers, der Bureauangestellten und der Diener wurden ca. 170 Personen an der Schule beschäftigt. Schon erweisen sich aber die Räume des erst vor einem Jahre bezogenen stattlichen Gebäudes als zu klein, so daß wir bereits jetzt schon mit der Idee umgehen, uns an den Jüdischen Naiionalfonds mit dem Ersuchen zu wenden, uns auch das zweite der Bezalelhäuser, das an eine amerikanische Schule vermietet ist, nach Ablauf des betreffenden Mietsvertrages gleichfalls für die Zwecke der Schule zu überlassen. Durch das im letzten Jahre plötzlich erfolgte Hinscheiden des Malers Hirszenberg ist uns eine wertvolle Lehrkraft entrissen worden, für welche bis heute noch kein richtiger Ersatz gefunden wurde. Wie an anderer Stelle bereits erwähnt, gestaltete sich die finanzielle Lage der Schule in diesem Jahre zu einer überraschend guten. Während wir im verflossenen Jahre über eine Einnahme von nur ca. 23 000 Mk. zu verfügen hatten, können wir in diesem Jahre Einnahmen in Höhe von ca. 50 000 Mk. verzeichnen. Die Zahl unserer Mitglieder hat sich in diesem Jahre bedeutend gesteigert. Über die Entwicklung der verschiedenen Ateliers der Schule können wir in folgender Weise referieren: Die Zahl der Schüler der Kunstabteilung hat im letzten Jahre durch den Weggang einer größeren Anzahl fertig ausgebildeter Schüler eine Verminderung erfahren. Sie ist in diesem Jahre wieder auf 22 gestiegen. Der Unterricht in der Mal- und Zeichenklasse wurde provisorisch von Herrn Maler Lachowsky erteilt, der am Ende des Schuljahres Palästina verließ und wieder nach Rußland zurückkehrte. Die Teppichabteilung hat sich im verflossenen Jahre in erfreulichster Weise entwickelt und beschäftigt 61 Arbeiterinnen. Der die Teppichabteilung leitende Werkmeister hat seine Ausbildung in .der Schule erhalten. Zwecks Unterweisung in der Knüpftechnik von Seidenteppichen und in dem Waschen der Teppiche wurde ein auf diesem Gebiete versierter, früher in Damaskus beschäftigt gewesener Meister gewonnen. Die bei der Herstellung von Seidenteppichen gemachten Erfahrungen wurden mit Vorteil auch bei den wollgeknüpften Teppichen angewandt. Wir wollen nicht unterlassen, davon Mitteilung zu machen, daß in der Teppichabteilung vor kurzer Zeit der tausendste Teppich fertiggestellt wurde. Die Technik der Arbeiterinnen hat sich in diesem Jahre in erfreulichster Weise vervollkommnet. Eine große Anzahl der Mädchen stellt jetzt pro Monat 2 qm von Teppichen her, und ihr Verdienst hat sich infolgedessen von 0.80 Frs. auf 1.05 Frs. pro Tag gesteigert. Selbstverständlich handelt es sich hier um Arbeiterinnen, welche bereits seit längerer Zeit an der Schule tätig sind, während bei den erst kürzlich eingetretenen Arbeiterinnen die Technik und der Verdienst entsprechend gesteigert werden müssen. Das Teppichatelier wird geleitet von Herrn Jacob Kantorowicz und Herrn Abraham Levi, denen eine weitere Anzahl von Gehilfen zur Seite steht. Das Filigranatelier hat sich während seines einjährigen Bestehens in ausgezeichneter Weise entwickelt. Mehr als 40 Arbeiter, meist Jemeniten, und zwar Familienväter, finden in dieser Abteilunglohnende Beschäftigung. Es ist besonders zu erwähnen, daß der größte Teil der im Filigranat eher beschäftigten Arbeiter vor Eintritt in dasselbe die verschiedensten Berufe ausübte und daß nur ein kleiner Teil auch schon vorher als Gold- oder Silberschmiede tätig gewesen war. Um so erfreulicher ist . die Wahrnehmung, daß sich trotzdem die Arbeiter in der kurzen Zeit eine große Fingerfertigkeit angeeignet und dadurch zur günstigen Entwicklung dieses Ateliers beigetragen haben. Da bei dem wertvollen zur Verarbeitung gelangenden Material auf Zuverlässigkeit der Arbeiter gesehen werden muß, werden neue Arbeiter nur auf Empfehlung und mit Zustimmung der bereits tätigen Arbeiter aufgenommen. Die einzelnen Arbeiten werden unter die verschiedenen Gruppen verteilt, deren Mitglieder gemeinschaftlich für das eingehändigte Material Bürge leisten. Das Atelier für Damaskus-Metallarbeiten, das gleichfalls erst ganz kurze Zeit besteht, hat sich ebenfalls in günstiger Weise ent" wickelt. Einen Stamm von Arbeitern hat man durch die Übersiedlung einer ganzen Familie aus Damaskus, die mit der Herstellung der Damaskuskupferarbeiten, besonders gut Bescheid weiß, gebildet. Als Meistergehilfe dieses Ateliers fungiert ein ehemaliger Schüler des Bezalel, dem eine Anzahl von Arbeitern, aus Damaskus stammend, zur Seite steht. Die Zahl der in diesem Atelier beschäftigten Personen beträgt z. Z. 15. Das Rahmenatelier und das mit demselben verbundene Atelier für eingelegte Holzgegenstände hat in diesem Jahre gleichfalls sein Personal beträchtlich vermehrt. Dasselbe beläuft sich jetzt auf ca. 15 Personen, die teils Bilderrahmen aus Holz, teils sonst mit Perlmutter und Steinen inkrustierte Gegenstände erzeugen. Die Bilderrahmen, die im übrigen gegen früher ganz bedeutende Fortschritte aufweisen, werden besonders von Jerusalem passierenden Touristen gekauft. Die dem Bezalel angegliederte Möbel- und Korbflechterei, die sich noch in dem Stadium der ersten Entwicklung befindet, hat bereits eine Anzahl ihrer Erzeugnisse zum Versand gebracht, die eine günstige Aufnahme gefunden haben. Wir nehmen an, daß infolge der Herstellung von Korbmöbeln, welche für das palästinensische Klima sehr geeignet sind, in dieser Abteilung gleichfalls in absehbarer Zeit eine weitere Vergrößerung erforderlich sein wird. Die lithographische Abteilung, von Herrn Gerzowitz geleitet, hat gleichfalls Beweise ihrer Leistungsfähigkeit an den Tag gelegt. Während wir früher die im Bezalel hergestellten Bilderrahmen mit Ansichtskarten und sonstigen Bildern montierten, werden zu diesem Zwecke jetzt die in der lithographischen Abteilung hergestellten Bilder verwendet. Diese stellen meist palästinensische Ansichten dar oder Porträts von palästinensischen Typen. Das Museum wird von dem Zoologen Herrn Aharony geleitet. Während er bisher in der Schule den Unterricht im Hebräischen erteilte, wird er sich in Zukunft ausschließlich mit der weiteren Ausgestaltung des Museums, und zwar insbesondere der naturwissenschaftlichen Abteilung desselben, beschäftigen. Zu diesem Zwecke gedenkt er Exkursionen in Palästina und den angrenzenden Ländern zu machen und die hierbei angelegten Sammlungen zur Vergrößerung der naturwissenschaftlichen Abteilung des Museums zu verwenden. Wenn auch die finanziellen Verhältnisse des Bezalel sich in unserm diesjährigen Berichte in ganz anderm Gesicht zeigen als früher, so soll uns sowie unsere Mitarbeiter dies nicht veranlassen, stehen zu bleiben und nicht weiter für eine Vermehrung des Betriebsfonds Sorge zu tragen. Es steht uns noch eine große Anzahl von Aufgaben bevor, deren Lösung ohne eine weitere Vermehrung unserer Barmittel nicht durchführbar ist. Auch wollen wir schließlich noch die Bitte aussprechen, uns bei dem Absatz der Erzeugnisse weiter behilflich sein zu wollen. Der größte Teil der im Bezalel hergestellten Gegenstände kann praktische Verwendung finden und eignet sich ganz besonders zu Geschenken. Unsere Stammesgenossen können daher unsere Bestrebungen auf das beste fördern, wenn sie bei Bedarf von Teppichen und beim Kaufen von Geschenken in erster Linie an unsere Schule in Jerusalem denken. Brief aus Konstantinopel (Von unserm Berichterstatter) Großwesirkrise So ist also Hilmi Paschas Sturz doch zur Wahrheit geworden, obwohl die häufigen Prophezeiuungen von seinem bald bevorstehenden Ende noch ein recht langes Leben seiner Wesirherrlichkeit erwarten ließen. Hussein Hilmi Pascha fiel über den Folgen der Lynchaffäre, im Grunde genommen aber, weil er noch zu den Resten der Männer gehörte, die schon unter dem alten Regime gedient hatten, die mit den neuen absolut in kein intimes Verhältnis kommen konnten und ihnen nach und nach vollkommen Platz machen müssen. Hilmi Pascha hat in der ganzen Periode seiner Amtsführung wenig Kraft bewiesen; vielleicht, daß gerade deshalb sein Fortgang von einer Reihe europäischer Kabinette mit so unfreundlichen Augen betrachtet wird. Es ließ sich unter ihm so gut auf neue Vorteile in der Türkei spekulieren; wer weiß, ob der neue Mann dem nicht ein Ende setzen'wird. Der neue Mann ist Hakki Bej, der bisherige Botschafter in Rom, und in der Tat traut man ihm mehr Stärke zu. Der IX. Kongreß und die Konstantinopeler Presse Es ist wohl kaum anzunehmen, daß der letzte Zionistenkongreß noch in irgendeinem andern Lande der Welt mit solcher Anteil-

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