Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 14 (1910)
- Issue
- 2 (14.1.1910)
- Date
- 1910-01-14
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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AUS DEM GESCHÄFTSBERICHT DES „BEZALEL" Ein arbeits- und erfolgreiches Jahr liegt hinter litis. Wir traten in das neue Geschäftsjahr nicht ohne Sorge wegen der weitem Zukunft der Schule ein. Durch Übersiedlung derselben in das neue, stattliche Haus, das sich als so überaus zweckentsprechend und wertvoll für die Schule erwies, waren uns aber für die Zwecke des Umbaues desselben und der Ausgestaltuug der Schulräume ganz erhebliche ungedeckte Schulden erwachsen. Die einzelnen Abteilungen hatten sich beträchtlich erweitert, und in denselben konnte eine weit größere Anzahl von Arbeitern und Arbeiterinnen, wie früher, Verwendung finden. So erfreulich an sich diese Tatsache für uns war, so mußte sie doch anderseits wegen der Beschaffung der nötigen Betriebsmittel mit banger Sorge erfüllen. Mit Beginn des neuen Geschäftsjahrs traf bei uns aus Jerusalem eine größere Sehdung von Erzeugnissen aus den verschiedenen Ateliers der Schule ein, die uns vor Augen führte, daß die Schule die Zeit der vorbereitenden Arbeit nunmehr hinter sich hatte und uns für die weitere Gestaltung derselben die günstigsten Aussichten eröffnete. Mit Freude konnte n wir und die hinzugezogenen Sachverständigen die gemachten Fortschritte feststellen. Dieser frohe Ausblick spornte uns dazu an, in eine ausgedehnte Propaganda für die Verbesserung der finanziellen Lage der Schule einzutreten. Unsere diesbezüglichen Bemühungen erwiesen sich als recht erfolgreich. Es meldeten aus allen Weltteilen viele neue Mitglieder ihren Beitritt zu unserm Vereine an, und für den zu schaffenden Betriebsfonds flössen uns erhebliche Mittel zu. Wir können daher heute mit Genugtuung konstatieren, daß es uns nicht nur gelungen ist, die durch den Umzug entstandene schwebende Schuld zu decken, sondern auch mit einem ^Barbestand von ca. 20 000 Frs. in das neue Geschäftsjahr einzutreten. Neben der Sicherstellung der Schule in finanzieller Hinsichf mußte es ferner unsere Aufgabe sein, den Leiter der Schule bei dem Einkauf von Rohmaterialien, Werkzeugen und sonstigen ATELIER FÜR DAMASKUS-METALL-ARBEITEN MUSEUM DES BEZALEL r» Utensilien so weit als möglich zu entlasten. Was nun die während des verflossenen Jahres in der Schule erzeugten kunstgewerblichen Arbeiten betrifft, so ist es unverkennbar, daß dieselben gegen die früher übersandten Erzeugnisse ganz bedeutende Fortschritte darstellen. Am auffallendsten war dieser Fortschritt bei den Teppichen wahrzunehmen. Die Qualität derselben wurde von den Sachverständigen als eine solche erkannt, daß die begründete Hoffnung auf eine Absatzmöglichkeit vorhanden ist. In der Komposition der Teppiche dürfte es freilich noch mancherlei zu verbessern geben. Es kann nicht Zweck der Schule sein, sich mit dem Problem der Schaffung eines neuen Kunstgeschmacks zu befassen. Bei der Herstellung der Teppiche wäre dies um so weniger angebracht, als die verschiedenen asiatischen Völkerschaften einen so guten Geschmack entwickelt haben, daß ein Abweichen von diesem bewährten Stile nur eine Verschlechterung, nicht aber eine Verbesserung desselben bedeuten würde. Wohl können; und sollen Teppiche mit religiösen und jüdischen Motiven auch zukünftig aus der Schule hervorgehen, das Hauptgewicht muß aber auf die Erzeugung von Teppichen, im persischen Geschmack gelegt werden. Die Leitung des Teppichateliers ist mit uns darin einig, daß die in dieser Manier hergestellten Teppiche die meisten Absatzchancen zu guten Preisen bieten. Man hat daher bereits den Anfang mit der Herstellung einer Anzahl persischer Teppiche gemacht und wird durch die Verwendung härterer Wolle und durch ein engeres Knüpfen derselben dazu gelangen, ungefähr dieselbe Qualität Teppiche wie in Persien herzustellen, j Viel Anerkennung fanden die in dem iFiligranatelier erzeugten Gegenstände. Es