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Die Welt · 1910-01-14 · 2 (14.1.1910) · page 11

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Journal
Die Welt
Volume
14 (1910)
Issue
2 (14.1.1910)
Date
1910-01-14
Page
– (sequence 11)
Language
German
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logischen, also wissenschaftlichen Gesetzes, und hiergegen kann ebenfalls nicht angekämpft werden. Das Symbol der ersten Gruppe ist Lord Beaconsfield, der trotz seiner jüdischen Abstammung Führer der englischen Aristokratenpartei geworden ist, dasjenige der andern Spinoza, der die jüdische Religion irn Stiche ließ und sich zu seinem großartigen philosophischen Glaubensbekenntnis erhoben hat. Diese Schichten werden zu keinen Zionisten mehr, sind aber auch keine Juden." Dann führt Szäsz die Bedeutung des Zionismus für die Ostjuden aus „für die die Auswanderung «ach Palästina eine Erlösung wäre". Es wäre wirklich wünschenswert, daß sich auch andere Schriftsteller in ähnlicher Weise mit der auch in Ungarn immer mehr anwachsenden Bewegung befassen möchten, was leider hierorts zum erstenmal geschehen ist. L. B. Kanada Zehnte Jahreskonferenz der Federation of Zionist Societies of Canada Durch die Kongreßberichterstattung gelangt der nachstehende Bericht über die zehnte Jahreskonferenz der kanadischen Zionistenfederation verspätet zur Wiedergabe. Die Konferenz fand Ende November in Montreal statt und galt gleichzeitig der Feier des zehnjährigen Jubiläums der kanadischen Zionistenfederation. Hatte man aus diesem Grunde mit einem imposanten Verlauf der Konferenz gerechnet, so wurden doch alle Erwartungen durch die geradezu glänzende Anteilnahme nicht nur der kanadischen Zionisten, sondern auch der Judenheit des Landes übertroffen. Aus allen Teilen des Landes waren Vertreter zu der Konferenz herbeigeeilt, so daß die Versammlung zu einer der größten Konferenzen aus wuchs, die überhaupt je in der Hauptstadt des kanadischen Reiches abgehalten worden sind. Mr. Clarence I. de Sola leitete die Verhandlung. Auch er konnte auf eine zehnjährige Tätigkeit als Präsident der kanadischen Federation zurückblicken, und es wurden ihm daher große Huldigungen zuteil. Den einstimmigen Bitten der Führer der kanadischen Bewegung gelang es, Herrn de Sola 2u bewegen, von seiner ursprünglichen Absicht, eine Neuwahl nicht wieder anzunehmen, abzustehen. Herr de Sola erklärte sich schließlich bereit, auch weiterhin als Präsident zu fungieren, nachdem durch eine Neueinrichtung des Bureaus ihm eine Erleichterung der Geschäftsführung gewährleistet worden war. Damit ist eine gedeihliche Entwicklung der zionistischen Bewegung in Kanada auch für die Zukunft verbürgt. Die Konferenz wurde durch weihevolle Festgottesdienste eingeleitet, bei denen Rev. Meldola de Sola und Dr. Hermann Abramowitz die Festpredigten hielten. Am Sonntagvormittag wurde die Konferenz mit der Erstattung der Berichte eröffnet. Daraus geht' hervor, daß die Bewegung in Kanada unaufhörliche Fortschritte macht. Es bestehen mehr als 50 Vereine, die sämtlich im Berichtsjahre an Mitgliederzahl zugenommen haben. Die Berichte wurden sehr beifällig aufgenommen. Nachmittags wurde eine Reihe von Begrüßungen verlesen, die aus allen Teilen der Welt eingelaufen waren. Die Organisationsfragen wurden nachmittags in dem schon oben berichteten Sinne erledigt. Äm andern Morgen setzte eine lebhafte Palästinadebatte ein. Es lagen Anträge vor, die verlangten, daß von den kanadischen Zionisten ein Fonds zur Errichtung einer eigenen Kolonie in Palästina aufgebracht würde. Es wurde beschlossen, dieser Anregung stattzugeben und den Plan im Einverständnis mit dem Palästinaressort durchzuführen. Abends fand eine Feier zu Ehren des Herrn de Sola statt die von mehr als 1200 Vertretern jüdischer Gemeinden aus allen Teilen des Landes besucht war. Die Feier nahm einen überaus erhebenden Verlauf. Montagvormittag wurde über den Nationalfonds, dem Jewish Colonial Trust und die andern Finanzinstitutionen der Bewegung verhandelt. Die Schlußsitzung am Monragnachmittag beschäftigte sich u. a. mit der Berichterstattung über die Sammlung für den Parteifonds, die ein ausgezeichnetes Ergebnis gehabt hat Bei der Beratung der Propagandafrage wurde u. a. beschlossen, sich mit besonderer Energie der Agitation an den Universitäten zu widmen. Heute schon seien fast 80" o der jüdischen Studenten in Kanada den zionistischen Bestrebungen geneigt Die Wahlen ergaben die Wiederwahl des Herrn Clarence I. de Sola zum Präsidenten. Zum Vizepräsidenten wurden gewählt die Herren: I. S. Leo, H. Bernstein, M.Markus in Montreal, Alexander Cash in Toronto, I. D. Holofcener in Ottawa, Josef Abramson in Kingston, zum Kassierer Herr A. Levin in Montreal. Mit einem Dankwort des Präsidenten und dem Gesang der Hatikwah schloß die imposante Veranstaltung. Ankündigung der auf Sonntag den 30. Januar 1910. vormittags 11 Uhr verschobenen ersten ordentlichen Hauptversammlung des Vereins Ölbaumspende (E. V.) in den Räumen des Vereinsbureaus Berlin W. 15, Bleibtreustr. 34/35. Die Tagesordnung lautet: 1. Bericht des Vorsitzenden über die Tätigkeit des Vereins in Palästina und der Diaspora. . 2. Genehmigung der Bilanz für das erste Geschäftsjahr 1908. 3. Bericht über das Ergebnis der Sammlungen im Jahre 1909. 4. Vornahme der Wahlen der Ausschußmitglieder. 5. Geschäftliche Mitteilungen und Propagandafragen. 6. Eventualia. Der Verein Ölbaumspende (E. V.) Der Vorsitzende, gez. 0. Warburg l^NACHRICHTEN - - -<?=^J Deutschland Allgemeine Jüdische Kolonisationsorganisation Man hätte annehmen dürfen, daß die A. J. K. O. nach der Abfertigung, die ihr auf dem Kongreß zuteil geworden ist, in ihrer Sucht nach Effekthascherei etwas zurückhaltender geworden wäre. Nun erha-Iten wir aber neuerdings ein Zirkular der Gesellschaft zur Veröffentlichung, das die alten bereits hinreichend richtiggestellten Behauptungen in neuer verbesserter Form enthält. Demgegenüber verweisen wir lediglich auf das Dementi in unserer Nr. 53 vom 31. Dezember 1909 und auf die in dem Konstantinopeler Brief der vorliegenden Nummer enthaltenen weitern Richtigstellungen. Die Bodenkulturbestrebungen in Deutschland Da über die neuern Bestrebungen, jungen Israeliten das Fortkommen im landwirtschaftlichen Betrieb zu erleichtern und deren Berufsmöglichkeiten zu erweitern, noch viel zu wenig Klarheit besteht, hat sich Herr Dr. Arthur Kahn, einer der eifrigsten Anhänger und Förderer der Bodenkultur unter den Juden Deutschlands, bereit erklärt, über dieses Thema in allen Städten, wo das nötige Interesse dafür vorhanden ist, Vorträge zu halten. Herr Dr. Kahn würde insbesondere auch gern einige Aufschlüsse geben über das Steinhorster Unternehmen, das von der Simonschen Stiftung zu Hannover gerneinsam mit dem Verein zur Förderung der Bodenkultur in Berlin ins Leben gerufen worden ist. Wir bemerken, daß besondere Honorarkosten durch diese Vorträge nicht entstehen. Hoffentlich wird von dem freundlichen Anerbieten des Herrn Dr. Kahn in möglichst weitem Umfang Gebrauch gemacht. Ein neues hebräisches Blatt in der Türkei Aus Konstantinopel wird der „N. J. K.<1 von ihrem dortigen Korrespondenten geschrieben: Seit kurzem erscheint hier ein neues hebräisches Wochenblatt „Hamevasser" („Der Verkünder"), zu dessen Hauptmitarbeitern N. Sokoiow und Wladimir Jabotinski gehören. In dem Programmartikel der ersten Nummer, die einen vielversprechenden Eindruck macht, heißt es u a.: „Die Golusplage hat unsere türkischen Brüder fast unberührt gelassen. Das Gleichgewicht ihrer nationalen Psyche ist nicht gestört. Sie werden nicht, wie die Juden anderer Länder, zwischen Judentum und Menschentum hin und her geschleudert. Seit altersher zeichnen sie sich durch geistige Einheitlichkeit und Ganzheit aus. Halbheit und innere Zerissenheit sind den ottomanischen Juden fremd. Sie waren immer treu ihrem Lande und ihrem Volke zugleich." — „Die Ottomanen, die nicht engherzig sind, haben niemals irgendwelche seelische Opfer verlangt, wie dies auch die Jungtürken der Gegenwart nicht forden. Sie verlangen nur von allen Nationalitäten im Staate die Kenntnis der Landessprache und wir unterstützen diese Forderung mit allen Kräften. Sie verlangen aber von den Juden keine Assimilierung und Aufgabe ihres Nationalbesitzes. Das nationale Bewußtsein der jüdischen Massen in diesem Lande ist unerschüttert. Und auf der Basis dieses natürlichen und gesunden Bewußtseins wollen wir unser Werk für das türkische Judentum errichten, das von der Geschichte dazu berufen scheint, der Pionier der gesamtjüdischen Renaissance im Orient zu werden." — Das Blatt verdient die besondere Beachtung aller Kreise, die den kulturellen Bestrebungen der türkischen Juden Sympathien entgegenbringen.

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