Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 14 (1910)
- Issue
- 2 (14.1.1910)
- Date
- 1910-01-14
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 2 DIE ELT 35 für die zionistische, Bewegung außerordentliche Schwierigkeiten bereitet, den richtigen Weg zu finden. Ich bin nicht anmaßend genug, die von mir unterbreiteten Vorschläge als ein Allheilmittel für die Entwicklung unserer Bewegung zu halten. Ich bestehe auch jetzt nicht auf meinem Schein, obwohl ich mir in Organisationsfragen eine gewisse Autorität zutraue. Ich stehe gegenüber einer fast unbezwinglichen Mauer von Gegnern. Ich glaube, diese Gegnerschaft beruht auf der Furcht vor einem operativen Eingriff, wie er nervöse und ängstliche Patienten oft befällt. Ich vertraue aber auf die E n sieht des Kongresses, denn hinter mir steht die Überzeugung von der Zweckmäßigkeit meiner organisatorischen Grundsätze und der Notwendigkeit der Operation an dem bestehenden Statut. Wenn Sie die Uberzeugung erlangen, daß meine Vorschläge einen Fortschritt gegenüber dem bestehenden Zustand bedeuten, dann hoffe und rechne ich darauf, daß Sie mir Ihre Unterstützung leihen. Ich bin überzeugt daß jeder Schritt, den Sie in dieser Richtung mit mir gehen, Sie davon überzeugen wird, daß Sie sich auf dem Wege dazu befinden, unsere Organisation zu dem mächtigsten Instrument der Bewegung zu machen, welches uns die Erreichung unseres Zieles sichern soll. Eine gute, stramme, gesunde Organisation ist ein bedeutenderes Machtmittel für ein Volk als sogar die Macht des Kapitals. In ihr tritt die gesammelte Kraft des Stammes in die Erscheinung, die der Welt den Beweis erbringen soll, daß das jüdische Volk noch da ist. und daß es lebenskräftig genug ist, um sich seinen Platz an der Sonne zu sichern. Dann brauchen wir auch unsere Fahne nicht in die Tasche zu stecken, sondern können das blauweiße Panier aufpflanzen als Symbol unsers unaufhaltsamen Marsches nach der Heimat. Theodor Herz! Pon Börries, Freiherrn uon ITlünchhausen Wasser des Lebens aus steinernen Herzen schlug deine Hand, Du führtest dein Volk aus der Fremde ins Vaterland Und sahst doch nur von den Bergen die heilige Flur, Die der ewige Gott der Väter dem Samen des Hbraharn schwur, — Du Illose der Zeit, da das Heimweh in Israel stieg, Du niose unserer Tage, Sott geb' deiner Sache den Sieg! Der Dichter des „3uda", der verhindert war, dem Kongreß bei' zuwohnen, hatte dem Kongre&bureau den obenstehenden Pers zur beliebigen Verwendung zur Perfügung gestellt. ö o o o o o o T| <~~7 ooooooojj AUS DER BEWEGUNG l o o o o o o < I o o o o o o o In einer Reihe von Blättern sind über den Verlauf der Schlußsitzung des Kongresses Berichte erschienen, die mit den Tatsachen in direktem Widerspruche stehen. Da die Vorgänge im Permanenzausschuß und deren Zusammenhang mit den Verhandlungen des Kongresses nicht allgemein bekannt sind und daher die Qefahr besteht, daß solche Berichte kritiklos nachgedruckt werden, so sei, um Legendenbildungen zu verhindern, folgendes festgestellt: 1. Zwischen dem Kongreß und dem Permanenz ausschuß ist zunächst dadurch ein Mißverhältnis entstanden, daß die Majorität des Permanenzausschusses, (welcher aus 51 Mitgliedern bestehen sollte, sich aber allmählich durch Cooptation auf 59 erhöht hatte), eine Minorität des Kongresses repräsentierte, während die Majorität des Kongresses im Permanenzausschusse durch eine Minorität vertreten war. ,2. Der Permanenzausschuß, dessen Aufgabe vor allem darin besteht, die Wahlen vorzubereiten, schlug dem Kongresse die Wahl des Herrn Dr. Hantke in das Engere Aktiorftkomite vor, obgleich dieser im Permanenzausschuß wiederholt in unzweideutiger Weise erklärt hatte, daß er die Wahl nicht annehmen werde. 3. Es sei nachdrücklich konstatiert, daß nach der Ablehnung der Herren Dr. Hantke und Dr. Sandler das Zustandekommen eines A.,C. aus fünf Mitgliedern (Warburg, Sokolow, Tschlenow, Ussischkin und Stand) daran scheiterte, daß Dr. Tschlenow sich äußerte, die Wahl nicht annehmen zu können und darauf erst Prof. Warburg erklärte, die auf ihn entfallene Wahl ablehnen zu müssen. 4. Endlich sei konstatiert, daß Herr Wolffsohn noch in letzterStunde die obengenannten fünf Herren dringendst ersucht hat, die Leitung zu übernehmen und die Bureaus •nach Berlin zu verlegen, daß aber die Herren sich dazu nicht verstehen wollten mit der Begründung, daß ihnen nach der Ablehnung der Herren Dr. Hantke und Dr. Sandler nunmehr die zur Bureauleitung erforderlichen Kräfte fehlten. Erst dann, nachdem kein anderer Ausweg mehr vorhanden war, haben die Mitglieder des frühern E. A.C. sich bereit erklärt, die Leitung bis zum nächsten Kongreß wieder zu übernehmen.