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Die Welt · 1910-01-14 · 2 (14.1.1910) · page 8

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Journal
Die Welt
Volume
14 (1910)
Issue
2 (14.1.1910)
Date
1910-01-14
Page
– (sequence 8)
Language
German
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34 DIEE^ELT No. 2 er den einzelnen Schekelzahler als die Keimzelle bezeichnet hat, aus der sich das organische Lebewesen entwickelt und aus der jeder Organismus besteht. Dieses Bild hat sich leider als nicht ganz zutreffend erwiesen, und meine damalige Gegnerschaft gegen diese Idee hat sich als berechtigt. herausgestellt. Der einzelne Schekelzahler ist nicht der Zelle in einem organischen Körper zu vergleichen, sondern vielmehr den einzelnen Atomen, welche die ganze organische und anorganische Welt erfüllen. Die Zelle des organischen Körpers ist nicht ein solches fluktuierendes Element wie das einzelne Atom, sondern bildet schon einen kleinen Organismus, eine Vereinigung, eine zweckmäßig gegliederte Zusammenfassung von Atomen zu einem bestimmten Lebenszweck. Der Schekelzahler ist ein fluktuierendes Element. Die Gewährung eines so wichtigen Rechtes wie das Wahlrecht zum Kongresse an die zufällige einmalige Zahlung des Schekels zu binden, ist ein Unrecht gegen diejenigen Mitglieder, welche jahraus, jahrein durch Mitgliedschaft bei zionistischen Vereinen und Arbeiten in allen Angelegenheiten des Zionismus ihre Gesinnung betätigen. Sie ist aber auch unklug, weil sie den Wert der Befugnisse, welche die zionistische Organisation gewährt, herabsetzt. Das wichtigste Moment ist aber folgendes: Wie soll eine Wahlhandlung nach vernünftigen Grundsätzen erfolgen können, wenn Schekelzahlergruppen zum Zwecke der Wahl zusammengelegt werden, welche im Laufe des Jahres nicht miteinander in Berührung kommen und sich über die wichstigsten Fragen der Bewegung in keiner Weise ausgesprochen haben. So wird jede Parteigruppierung der organisierten Zionisten zum Zwecke der Wahl erschwert und die Kandidaten für den Kongreß vielfach nicht nach ihrer Gesinnungstüchtigkeit als wirkliche Repräsentanten einer Genossenschaft, sondern lediglich auf Grund von Empfehlungen gewählt, deren Wert oft nicht nachgeprüft werden kann. Wollen Sie diesen Mißstand zu einem Erbübel werden lassen? Wollen Sie Delegierte von zufällig zusammengewürfelten Schekelzahlergruppen haben oder wollen Sie Vertreter einer stramm organisierten Partei im Kongreß vereinigt sehen? Nur wenn Sie meinen Vorschlag akzeptieren, wird der Kongreß* eine nach wirklichen demokratischen Grundsätzen gewählte Vertreterschaft der Zionisten der ganzen Welt darstellen. Die gegenwärtige Einrichtung hat überdies zur Folge gehabt, daß in den kongreßlosen Jahren die Zahl der Schekelzahler außerordentlich zusammengeschrumpft und so eine ordnungsmäßige Finanzierung der Bewegung auf Grund eines Budgets bis heute völlig unmöglich gewesen ist Nur wenn Sie die Bewegung auf eine konstante, stabile Basis stellen, wie ich sie vorschlage, wird es möglich sein, die fundamentalste Voraussetzung jeder demokratischen Bew egung zu schaffen, daß nämlich die Geschäfte der Leitung nach einem im voraus geregelten Budget erfolgen, dessen Genehmigung dem Kongresse vorbehalten ist. Die Gegnerschaft, welche sich gegen den Plan geltend gemacht hat. ist mir bis heute unverständlich geblieben. Man hat gesagt, daß diese Neuordnung des Statuten entwurfs die Entw cklung der Bewegung in Österreich, speziell Galizien, unmöglich machen würde. Ein vernünftiger Grund für diese Behauptung ist nicht geltend gemacht worden, und ist es mir auch völlig unerklärlich, weshalb es in Österreich, wo es so viele andere Vereine gibt, nicht möglich sein sollte, auch Vereine von Schekelzahlern zu bilden, welche nicht bloß einmal im Laufe von zwei Jahren zum Zwecke der Kongreßwahl zusammenkommen, sondern regelmäßig im Laufe der Zeit in energischer Tätigkeit die Ausbreitung der m zionistischen Idee propagieren. Soviel mir bekannt ist, steht in Österreich das Vereinsg^setz solchen Vereinsbildungen nicht entgegen, und gerade in Österreich, wo der Zionismus in so viele verschiedenartige Richtungen zerfällt, würde die Neueinrichtung von großem Segen sein, da die verschiedenen Richtungen, ohne in einer Schekelgruppe vereinigt zu sein und zu Reibereien uiri Streitigkeiten Veranlassung >u geben, in einzelnen Vereinen nebeneinander sich gleichstrebend entwickeln könnten. Merkwürdigerweise hat man gegen diese Einrichtung auch geltend gemacht, daß einzelne Personen aus prinzipiellen Bedenken nicht Mitglieder eines bestimmten Vereins werden wollen, und demnach nicht in der Lage sein würden, zum Kongreß zu wählen oder gewählt zu werden. Diese Ansicht hat mich befremdet, denn wenn solche prinzipiellen Bedenken im Wege stehen, ist es eben Sache dieser Personen, einen Verein zu schaffen, der ihre Prinzipien zum Ausdruck bringt, und wenn das nicht möglich ist, d inn ist auch dieses Prinzip nicht lebensfähig. Dann sehe ich nicht ein, weshalb ein solcher Prinzipienreiter nicht so lange das allgemeine zionistische Vereinsroß reiten soll, bis er in der Lage ist, seine Prinzipien in einer besondern Vereinsbildung zu betätigen. Das einzige Land, welches mit Recht Bedenken gegen die Neuerung geltend machen könnte, ist Rußland. Allein nach reiflicher und ruhiger Prüfung der geäußerten schwerwiegenden Bedenken komme ich zu dem Schlüsse, daß auch in Rußland das neue Organisationsstatüt einen Fortschritt gegenüber dem bestehen* den Zustand bedeuten würde. Ich möchte vorab bemerken, daß ich nichts dagegen einzuwenden habe, daß in meinen Statutentwurf das Ortskomitee des alten Statuts aufgenommen wird, mit dem einzigen Unterschied, daß sich auch in Rußland dieses Örtskomitee aus Mitgliedern der Landesorganisation zusammensetzt. Auch das jetzige Statut ist in Rußland nicht anzuwenden, und unsere russischen Freunde befinden sich in der Zwangslage, entscheiden zu müssen, ob ihnen die Illegalität auf Grund unseres Statutes oder die durch Umgehung des Landesgesetzes sympathischer ist. An diesem Zustand wird durch das neue Organisationsstatut nichts geändert. Wenn es aber möglich sein wird, was im Interesse der Bewegung außer* ordentlich wünschenswert wäre, unter Genehmigung der Regierung zionistische Organisationen in Rußland auf gesetzlicher Grundlage einzurichten, dann bietetder von mir unterbreitete Orgartisatiörisentwurf hierfür eine sicherere und annehmbarere Grundlage als das frühere Statut. Durch diese Notwendigkeit, neben dem Schekel den Landesbeitrag zu entrichten, werden aber nicht nur unsere Finanzen gekräftigt und der Gesundung zugeführt, die Landesorganisationen in die Lage versetzt, ihre Aufgaben zu erfüllen, sondern es wird auch eine starke Kontrolle des Wachstums unserer Bewegung in allen einzelnen Ländern geschaffen, die bisher vollkommen mangelte. Wenn ich also die Neuerungen zusammenfasse, welche in dem Entwurf enthalten sind, so bestehen sie in folgendem: 1. Die oberste Leitung wird durch die Schaffung von Dezernaten unabhängiger von dem Wohnsitz der einzelnen leitenden Persönlichkeiten, ohne daß die Einheitlichkeit der Leitung dadurch beeinträchtigt würde. 2. Das Große A. C. erlangt diejenige organische Ausgestaltung, die erforderlich ist, um die Kontinuität in der Leitung der Geschäfte zu sichern und; eine Auswahl unter den tüchtigsten unserer Gesinnungsgenossen zu treffen, die geeignet sind, die Geschäfte später zu übernehmen. 3. Die durch die gegenwärtige Form der Federationen bedingten Mißstände werden beseitigt. Durch die freie Vereinsbildung und die Möglichkeit der Bildung von Vereinsverhänden und Fraktionen wird jeder Richtung innerhalb der zionistischen Bewegung der freieste Spielraum der Entwicklung gewährt, ohne daß die Landes-Organisationen hierdurch beeinträchtigt werden, weil jedes Mitglied der zionistischen Organisation außer dem Schekel auch den Landesbeitrag zu entrichten hat. 4. Dadurch, daß das Wahlrecht und die Organisationen der zionistischen Bewegung nicht mehr auf dem Schekelzahler, sondern auf dem zionistischen Verein aufgebaut wird und jeder Zionist Mitglied seiner Landes-Organisation werden muß, wird eine organische Gliederung, eine Kontinuität der Entwicklung und eine gesündere bessere Ausgestaltung der Finanzen ermöglicht. Dadurch, daß die Propaganda im wesentlichen in die einzelnen Vereine verlegt wird, wird die Möglichkeit einer großen und gewaltigen Ausbreitung der zionistischen Idee, unter den Massen der Judenheit geschaffen. Ich glaube, nach diesen Ausführungen dürfte es sich erübrigen, auf die Bemängelung, die von verschiedenen Seiten bezüglich Einzelheiten des Statut-Entwurfes gemacht worden sind, des nähern einzugehen. Es ist klar, daß bei der Eile, welche bei der Abfassung des Statutes obgewaltet hat, und durch den Umstand, daß spätet Zusätze und Verbesserungen durch die Mitwirkung von Mitgliedern des A. C. und anderen Personen erfolgt sind, einzelne Bestimmungen des Statuts noch unklar sind und sich auch redaktionelle Unebenheiten in demselben vorfinden. Wegen solcher kleinen Mängel des Stils haben einzelne Gesinnungsgenossen mit ganz unbegreiflicher Heftigkeit das Statut im ganzen angegriffen. Ich habe bei genauer Prüfung dieser Angriffe leider feststellen müssen, daß diese Einwürfe davon herrührten, daß die betreffenden Kritiker die Bestimmungen des Statuts gar nicht richtig gelesen, jedenfalls nicht verstanden hatten. Besonders hervorgetan hat sich in dieser Richtung ein Herr aus Altona, der sich sogar die Mühe gemacht hat, einen ganz neuen Organisationsentwurf herzustellen, von dem ich nur sagen möchte, daß.ihm jedei schöpferische Gedanke fehlt. Derselbe ist lediglich eine willkürliche Auswahl aus Bestimmungen des gegenwärtigen Statuts und aus meinem Entwurf, die ohne Kenntnis der Erfordernisse der Bewegung zusammengestellt sind. Bei dem neuen Organisationsstatut kommt es weniger auf eine scharfe, logische, juristische Formulierung an, als darauf, daß es den praktischen Anforderungen der Bewegung in den verschiedensten Ländern genügt Niemand wird verkennen, daß es gerade

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