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Die Welt · 1910-01-14 · 2 (14.1.1910) · page 6

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Journal
Die Welt
Volume
14 (1910)
Issue
2 (14.1.1910)
Date
1910-01-14
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Bei der Ausdehnung, die durch den letzten Kongreßbeschluß dem A. C. gegeben worden ist und die in meinem Entwurf weiter entwickelt wird, besteht in der Zusammensetzung des A. C. kein wesentlicher Unterschied gegenüber derjenigen der Jahreskonferenz, Es liegt also durchaus kein vernünftiger Grund mehr vor, diese Einrichtungen parallel nebeneinander hergehen zu lassen, das A. C. ist vielmehr durch seine Zusammensetzung mit solcher Autorität auszustatten, daß die Jahreskonferenz überflüssig wird. Durch den Wegfall dieser Institution wird unser Statut wesentlich vereinfacht. Die Zusammensetzung des Großen A. C. nach dem bisherigen Modus erschwert aber die Handhabung der Geschäfte der Bewegung aus verschiedenen Ursachen. Dadurch, daß die Wahl sämtlicher A. C.¬ Mitglieder unterschiedslos auf Vorschlag der Landsmannschaften erfolgt, ist es möglich, daß Mitglieder in das A. C. gewählt werden, die zwar in einem Lande ein bedeutendes Ansehen genießen, aber durch anderweitige Geschäfte oder durch die große Entfernung gehindert sind, an der Arbeit des A. C. regen Anteil zu nehmen. In zweiter Linie wird durch die Form der Wahl die Kontinuität der Leitung wesentlich erschwert. Durch verschiedene Parteigruppierungen in den einzelnen Ländern ist es möglich, daß Männer, die jahrelang mit Erfolg und Eifer im A. C. tätig gewesen sind, durch den Zufall, daß in ihrer Landsmannschaft die Parteigruppierung gegen sie entscheidet, dem Kongreß nicht zur Neuwahl in das A. C. präsentiert werden. Auf diese Weise gehen dem A. C. wertvolle Kräfte verloren. Der dritte Übelstand besteht darin, daß die Wahlen in das A. C. lediglich nach dem Verhältnis der Stärke der einzelnen Landsmannschaften vorgenommen werden und hierdurch zahlreiche Mitglieder ins A. C. gewählt werden, die dauernd außerstande sind, an den Arbeiten des A. C. teilzunehmen. Bei der bisherigen Art der Zusammensetzung des A. C. hat man übersehen, daß die Mitglieder des A. C. in Wirklichkeit nicht die Repräsentanten der Landesorganisationen und Föderationen darstellen sollen, sondern in erster Linie eine zweckmäßig zusammengesetzte Körperschaft zur Leitung der Gesamtbewegung. Es kann vorkommen, daß in einer kleinen Landesorganisation sich eine außergewöhnlich große Zahl von tüchtigen Gesinnungsgenossen findet, die zur Mitarbeit im A. C. zuzuziehen wünschenswert wäre. Da aber diese Landsmannschaft nach dem bisherigen Statut nur ein oder zwei Mitglieder ins A. C. zu wählen berufen ist, ist es nicht ausgeschlossen, daß die tüchtigsten Kräfte außerhalb der Führung der Bewegung verbleiben. Diesen Übelständen sucht der neue Organisationsentwurf abzuhelfen, indem er einen Stamm von Mitgliedern des A. C. schafft aus solchen Personen, die seit langen Jahren in den verschiedenen Institutionen, welche die Bewegung geschaffen hat, mit Erfolg an der Spitze gestanden haben, wie die Vorsitzenden der großen Finanzinstitute, die Präsidenten verflossener Kongresse und die Präsidenten der anerkannten großen Landesorganisationen und Föderationen. Hierdurch wird es möglich, den Kreis der vom Kongreß zu wählenden Mitglieder des A. C. auf eine bestimmte kleinere Anzahl zu beschränken, und halte ich dafür die Zahl von 21 Mitgliedern für völlig ausreichend. Die Wahl dieser 21 neuen Mitglieder kann vom Kongreß ohne Rücksicht auf das Landsmannschaftsprinzip mit solcher Gründlichkeit vorbereitet werden, daß bei jedem einzelnen Mandat die Frage der Würdigkeit und der Eignung für dieses wichtige Ehrenamt vom Kongreß selbst beurteilt werden kann. Bei der Wahl dieser 21 Mitglieder ist es möglich, verschiedene Listen aufzustellen und die Wahl nach demokratischen Prinzipien gemäß der Stärke der im Kongreß vertretenen Parteien bezw. Fraktionen vorzunehmen. Heute ist es klar, daß die Wahl der A.-C.-Mitglieder durch den Kongreß lediglich eine Form ist, während in Wirklichkeit die Wahl ins A.-C. von den einzelnen Landesorganisationen außerhalb des Kongresses gemacht wird. Diese vom Kongreß gewählten Mitglieder bilden gewissermaßen einen jungen Nachwuchs, der allmählich in die Leitung der einzelnen Institutionen nachrückt, die nötigen Erfahrungen in den Geschäften der Belegung sammelt und die Gewähr dafür leistet, daß die Politik der Bewegung im Sinne des Kongresses geführt wird. Ein eigentlicher Widerspruch hat sich auch gegen diese Neuordnung, die im Statutentwurf vorgesehen ist, nicht erhoben. Ein heiß umstrittener Punkt ist jedoch die oberste Leitung der Bewegung, die in dem neuen Entwurf als Präsidium bezeichnet ist. Auf diese Bezeichnung lege ich übrigens kein allzu großes Gewicht. Ob wir diese Körperschaft E. A. C. oder Präsidium nennen, ist lediglich eine Frage des Geschmacks, über den sich bekanntlich streiten läßt. Ich habe den Namen Präsidium gewählt, weil dieser Name nach außen deutlich zu erkennen gibt, daß es sich um die oberste Leitung der Bewegung handelt. Die von mir vorgeschlagene Neuerung bezüglich der Führung soll einem Übelstand abhelfen, der bisher tief empfunden worden ist. Die Leidenschaftlichkeit und das große Interesse, welches die Erörterung dieser Frage hervorgerufen hat, ist übrigens der deutlichste Beweis, wie groß das Interesse unserer Gesinnungsgenossen an Organisationsfragen ist, sobald es sich um bestimmte Personen handelt. Die Lösung dieser Frage ist aber erst dann völlig gelungen, wenn sie sachlich und ohne Rücksicht auf die in Betracht kommenden Personen lediglich durch die Forderungen der Bewegung bestimmt wird. Ich fürchte aber, auch ein Kolumbus könnte diese Frage nicht befriedigend beantworten. Die Schwierigkeit dieser Frage besteht für uns darin, daß wir über die ganze Welt zerstreut sind und noch unter dem Goluselend seufzen, das die zionistische Bewegung beseitigen will. Ebenso wie unsere Anhänger über die ganze Welt zerstreut sind, so leben auch diejenigen in allen Teilen der Welt zerstreut, die geeignet wären, die gemeinsame Spitze, die Regierung unserer Organisation zu bilden. Es hat deshalb keinen Zweck, in einem Organisationsstatut zu bestimmen, daß eine bestimmte Anzahl Mitglieder der Leitung an einem Platze wohnen müssen, denn vielleicht wohnen gerade an dem Platze, nach welchem die Leitung zweckmäßig verlegt wurde, nicht die geeigneten Persönlichkeiten, um ein Kollegium zu bilden, welches zweckmäßig miteinander arbeiten kann. Anderseits sind vielleicht an einem andern Orte, der für die Leitung der Geschäfte ungeeignet ist, eine solche Anzahl von Personen zusammen. Wir müssen aber, wenn wir das Statut nicht auf die Personen zuschneiden wollen, in unserm Statut mit der Tatsache rechnen, daß die Personen, welche die Leitung bilden sollen, in verschiedenen Ländern zerstreut wohnen. Das ist der wichtigste Grund für die von mir vorgeschlagene Dezernateinteilung. Durch die Schaffung dieser Dezernate ist es möglich, daß die Leitung und das Hauptbureau sich in einem andern Orte befinden als die Mehrzahl der Mitglieder des Kollegiums. Gegenüber den großen Ausgaben, welche der Bewegung erwachsen, wird es keine große Mehrbelastung unseres Budgets verursachen, wenn verschiedene Dezernate gebildet werden und den Leitern dieser Dezernate ein Sekretär beigegeben wird, um die Geschäfte ihres Dezernats mit einer gewissen Selbständigkeit führen zu können. Hierbei ist es nicht ausgeschlossen, daß, sobald die Möglichkeit dafür gegeben ist, die fünfgliedrige Leitung an einem Piatze vereinigt wird, der sich hierfür als zweckmäßig erweist. Auch dieser Vorschlag ist übrigens nichts Neues, sondern von Dr. Nordau und vielen hervorragenden Führern früher vertreten worden und auf meinen Vorschlag vom Großen A. C. schon in einer Sitzung vom 5. Januar 1905 mit großer Mehrheit angenommen worden. Was die gegenüber meinem Vorschlag auftauchenden Reorganisationspläne anlangt, so kann ich mich bezüglich einzelner derselben des Gedankens nicht erwehren, als ob man den Teufel durch Beizebub austreiben wolle. Die Idee, welche das Wilnaer Zentralkomitee propagiert, ist nach zwei Richtungen hin bereits erprobt und als schlecht befunden worden, und hätte ich nicht geglaubt, daß unsere sonst so überaus tüchtigen russischen Freunde auf ein solches Projekt zurückkommen würden. Der Vorschlag ist nichts anderes als eine Neuauflage des Siebenerkomitees oder des alten Dreizehnerausschusses, der nach dem Tode Herzls als ein Provisorium geschaffen worden war. Dieser Dreizehnerausschuß ist aus der Idee hervorgegangen, das in Wien ansässige E, A. C. durch Zu wähl von außerhalb Wiens wohnenden Mitgliedern zu ergänzen. Den Mitgliedern des russischen A. C, welche den neuen Reformplan unterbreiten, dürfte es wohl bekaunt sein, welche kläglichen Resultate diese Kombination gezeigt hat. Das Komitee in Wien war beim besten Willen nicht in der Lage, die übrigen Mitglieder des Dreizehnerausschusses auf dem laufenden zu halten. Diese Mitglieder blieben bloße Schattenfiguren, denen jede Mitwirkung an den Geschäften unmöglich war. Diejenigen, welche den Sitzungen des A. C. in Wien beigewohnt haben, werden sich erinnern, daß ich selbst auf Grund dieser Umstände damals die bittersten Vorwürfe gegen das Engere A. C. erhoben habe, die durch das A. C. einstimmig als begründet erachtet wurden. Auch bei einem 7- oder 8gliedrigen Ausschuß wird es unmöglich sein, daß die am Orte des Zentralbureaus befindlichen Mitglieder die außerhalb desselben wohnenden Kollegen über den Gang der Geschäfte auf dem laufenden unterhalten. Aus diesem Grunde hat auch unser Präsident auf dem letzten Kongreß mit Recht darauf bestanden, daß an Stelle des 7gliedrigen Ausschusses ein kleinerer Ausschuß von drei Personen eingesetzt wurde, innerhalb dessen eine Verständigung rascher und leichter zu erzielen ist wie innerhalb eines schwerfälligen größern Komitees. Sie mögen die Katze werfen, wie sie wollen, sie fällt immer auf ihre Füße, d. h. die am Sitze des Hauptbureaus wohnenden Komiteemitglieder erledigen die Geschäfte und die außerhalb wohnenden Personen sind mehr oder weniger Dekoration. Ob Sie die Wahrung dieser Geschäfte dem bisherigen Präsidium überlassen oder an Stelle

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