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Die Welt · 1910-01-07 · 1 (7.1.1910) · page 18

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
14 (1910)
Issue
1 (7.1.1910)
Date
1910-01-07
Page
– (sequence 18)
Language
German
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20 D1E3 es zweierlei Arien von Sammlungen, denen in erster Linie unsere ganze Energie zngewendet werden müsse: die allgemeinen gelegentlichen Spenden und die Büchsensammluugen. Wenn auch die erslero Spendenart bis jetzt die größten Erträgnisse für den Nationalfonds lieferte, so darf eine Institution, die sich so gewaltige soziale Aufgaben wie der Nationalfonds gesetzt hat, nicht auf zufällige Spenden angewiesen sein: denn diese Spenden werden vornehmlich von freiwilligen Kräften gesammelt und diese können trotz aller Aufopferungsfähigkeit über eine gewisse Grenze nicht hinausgehen. Anders stehe es mit den Büchsen, dem Volkssammelmittel par excellence. Dieses sei weniger anhängig von politischen Strömungen und der Propaganda und finde leichten Eingang sowohl hei Zionisten wie Nichtzionisten. Allerdings bedürfe dieses Sammelmittel einer strammen Organisation und einer peinlich genauen Kontrolle, welche ausschließlich durch gut eingerichtete Bureaus an den einzelnen Landeszentralen bewirkt werden können. Die Nationalfonds Verwaltung hat darum dem Studium dieses Samrnelmittels in der Berichtsperiode seine größte Aufmerksamkeit zugewendet und ist nun in der Lage, der Konferenz die Kontrollmittel der Kartothek und neuer sehr praktischer Quittungen zur Beurteilung zu unterbreiten. Redner möchte nicht mißverstanden werden. Die Hervorhebung des letztgenannten Saminehn Ittels bedeute nicht etwa, daß den gelegentlichen Spenden und der überaus schätzbaren Mitarbeit unserer freiwilligen Kräfte weniger Bedeutung beigelegt weiden soll. Im Gegenteil, durch die Organisierung der Hureaus sollen die freiwilligen Kräfte frei werden für eine überwachende und leitende Tätigkeit, und was noch wichtiger ist, für eine Art von gelegentlichen Spenden, der bis jetzt noch nicht genügende Aufmerksamkeit gewidmet werden konnte. Ks sind dies nämlich die Z u w e n düngen v o n w o h 1 h a b e n d e n Ju den, die besonders bei letztwilligen Verfügungen den Nationalfonds mit großen Beträfen bedenken würden, wenn sie über ihn zur richtigen /eil informiert würden. Die vereinzelten, aber bedeutenden Schenkungen, die dein Nationalfonds in den letzten .Jahren seitens einzelner zur zionistischen Organisation nur in losen Beziehungen stehenden Personen gemacht wurden, beweisen, daß sich liier unsern freiwilligen ' Mitarbeitern ein reiches fruchtbares Feld der Tätigkeit für uYn Nationalfonds eröffnet. Wenn die Organisation und Propaganda der beiden erwähnten Spendenarten, der Büchsensammlungen und der gelegentlichen großen Zuwendungen, in der nächsten Zeit entsprechend ausgebaut sein werden, dann werden die Kinnahmen des Nationalfonds sich sehr bald vervielfachen. Der Redner schließ! seine Ausführungen mit dem Appell an die Anwesenden, nach wie vor dem Haupt bureau des Nationalfonds bei allen Fragen der Organisation und Agitation mit Bat und Tat zur Seite zu stehen. Es wird hierauf die Diskussion eröl't'nel. Als erster ergreift das Wort Abesgus, Baku (Kaukasus). Er weist auf die wachsende Beliebtheit hin. deren sich der Nationalfonds selbst in den entferntesten Gebieten Rußlands erfreut. Die Eingänge wachsen von Tag zu Tag; und berechtigen zu den schönsten Hoffnungen. Er wendet sich darum gegen den Gedanken, den Nationalfonds zu besteuern, wodurch er viel von seiner Popularität verlieren würde. Iin gleichen Sinne spricht auch Herr Glasmann, Baeau. Brod sky. New York, macht darauf aufmerksam, daß die neuen Marken in Amerika wohl vielen Beifall finden, indem dieselben für alle möglichen Karlen, besonders für die Eintrittskarten zum Gottesdienst an den hohen Feiertagen, verwendet werden, äußert aber anderseits Bedenken, daß diese Marken in Amerika leicht nachgemacht werden könnten. Dr. Bodenheim er stellt hierauf fest, daß die Marken gesetzlich geschützt seien und die Nachahmung daher nach dem internationalen Recht strafbar sei. Es möge daher jeder Fall einer versuchten Fälschung dem Haupt- [ELT - - - No. 1 bureau sofort zur Kenntnis gebracht werden. Durch ein eigenes Verfahren bei der Herstellung der Marken sei es möglich, Nachahmungen mit Leichtigkeit festzustellen. Dr. Loewenhe.im, Berlin: Es sei im allgemeinen schwer, für Stiftungen und Erbschaften Propaganda zu machen. Der Familiensinn sei bei den Juden ganz besonders stark ausgeprägt, und man errege daher sehr leicht Anstoß, wenn man zu veranlassen versuche. Vermächtnisse und Testamente zugunsten des Nationalfonds zu erwirken. Er schlägt daher vor, daß anstatt für Vermächtnisse zugunsten des Nationalfonds vielmehr dafür agitiert werden sollte, daß diejenigen, welche. eine Erbschaft machen, sich mit einem gewissen Prozentsatz selbst besteuern, das heißt} er schlage eine Erbschaftssteuer vor. Zahnarzt Rotschild, Lübeck: Als Mitglied der Misrachiföderation halte er sich für verpflichtet, sich gegen die Subventionierung des Jaffaer Gymnasiums zu wenden» Der Nationalfonds müsse jede Maßnahme vermeiden, die ihm die Animosität mancher Kreise zuziehen könnte. Dr. Bodenheim er erwidert, daß hier ein Mißverständnis vorliege. Der Nationalfonds bewillige absolut keine Subvention, vielmehr wurde ihm von Herrn Moser in großherziger Weise das Gebäude des Gymnasiums im Werte von 100 000 Frcs. zum Geschenk gemacht, jedoch unter der Voraussetzung, daß der Nationalfonds den Boden zur Verfügung stelle. Man denke sich nur den Fall, daß der Nationalfonds den ganzen Boden Palästinas in seinen J3esitz brächte; er Aväre dann naturgemäß verpflichtet, diesen Boden nicht nur dem Gymnasium, sondern jeder jüdischen Institution gegen entsprechenden Pachtzins zu überlassen. Hierin liege keine Schenkung, sondern lediglich eine zweckmäßige Verwendung des Grund und Bodens. M. H. Schein, Galatz. Leiter der rumänischen Sammelstelle schließt sich den Ausführungen Dr. Bodenheimers an. Eisenstadt. Jerusalem, möchte die Aufmerksamkeit der Verwaltung auf die mündliche Propaganda lenken. Es müßten Agitatoren angestellt werden. Auch lenke er die Aufmerksamkeil; auf gewisse Gebiete, in denen besonders viel für den Nationalfonds gesammelt werden könne. In Ägypten z. B. gebe es zwar nur 25 000 Juden, aber diese 25 000 Juden seien zum großen Teil sehr vermögend. Diese Leute, wissen aber nichts vom Nationalfonds. Er mache also den Vorsehlag. eine besondere Summe für einen guten Agitator zu assignieren. der eine gewisse Zeit in Ägypten tätig sein soll. Camille Levy. Biel, beklagt, daß die Nationalfondskommissäre meistens auch für andere zionistische Zwecke in Anspruch genommen seien. Er selbst, könnte z.B. viel mehr für den Nationalfonds leisten, wenn er nicht gleichzeitig allgemeine Propaganda machen müßte. Er unterbreitet den Vorschlag, die Selbstbesteuerung auch an andern Stellen zu propagieren, wie z. ß. durch einen Aufruf des Hauptburealis an alle jüdischen Gemeinden. Man werde dann wenigstens sehen, wie viele darauf reagieren. Dies werde zugleich eine sehr gute Propaganda sein. Die Eroberung der Gemeinden, die nicht immer leicht sei, könne auf diesem Wege gefördert werden. Wir haben manchmal nur wenige Vertreter in den Gemeindestuben, welche aber durch einen solchen Aufruf Gelegenheit hätten, das Wort zu ergreifen und für den Nationalfonds einzutreten. Er rege schließlich an. daß bei allen Broschüren des Nationalfonds ein Formular für die Abfassung von Vermächtnissen zum Abdruck gelange, damit es den Leuten leichter ermöglicht werde, den Nationalfonds letztwillig zu bedenken. Dr. Dömeny, Budapest, berichtet über die Entwicklung des Nationalfonds in Ungarn. Die Sammelbogen hätten sich in Ungarn ausgezeichnet bewährt, vor allem deshalb, weil er die Einrichtung getroffen habe; daß für jeden Sammelbogen, der ausgefüllt zurückkommt, sofort an den betreffenden Sammler ein neuer geschickt, wird. Auf diese Weise habe er sich eine besonders zuverlässige

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