Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 14 (1910)
- Issue
- 1 (7.1.1910)
- Date
- 1910-01-07
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 1 DIES^ELT 19 Landessammelstellen informiert waren. Wir richten daher an dieser Stelle den dringenden Appell an die Sammelstellen einerseits, ihre Kommissäre stets mit sämtlichem Material zu versorgen, anderseits an die Kommissäre, sich von Zeit zu Zeit an ihre Landessammelstelle mit der Bitte um Einsendung des neu geschaffenen Materials zu wenden. Einer Anregung der österreichischen Sammelstelle gemäß wurde im Ausstellungsraum eine Riesenspendenbüchse aus Glas aufgestellt, in die die Besucher ihre Spenden in den Münzarten und Banknoten aller Länder zurEintragung des Kongresses ins Goldene Buch warfen. Das Ergebnis war ein befriedigendes. Durch die Liebenswürdigkeit eines Gesinnungsgenossen aus Bosnien, des Herrn Jochanan Thau (Banjaluka), waren wir in der Lage, dessen wunderschöne Sammlung von National- und Wohlfahrtsmarken aller Nationalitäten und Konfessionen auszustellen. Diese Sammlung enthält u. a. sämtliche Probe- und Fehldrucke unserer Nationalfondsmarken, welche bekanntlich die erste nationale Wohlfahrtsmarke gewesen ist, ferner einige Exemplare der alten Postmarke der jüdischen Kolonien in Palästina, sowie der neuen Petach-Tikwah-Marke und die verschiedenen Shareklubmarken. Ferner waren unter dem Ausstellungskasten, der das Goldene Buch barg, auch die galvanisierten Gipsabzüge einer von Gg. Roukhomovsky entworfenen N. F.-Münze zu sehen. Solche Münzen sollen bei den künftighin an Festtagen zu veranstaltenden Kindersammlungen den besonders fleißigen kleinen Sammlern als Belohnung überreicht werden. Der Entwurf, welcher auf der einen Seite über einer Reliefkarte von Palästina das Bild eines Knaben zeigt, der eine Spende in eine N. F.-Büchse wirft, fand bei den Besuchern der Ausstellung allgemeinen Beifall. Besonders interessant war eine Tabelle von Herrn Dr. E. M. Zweig, dem Leiter der österreichischen Sammelstelle, auf welcher die monatlichen Eingänge der verschiedenen Länder seit Beginn des Nationalfonds verzeichnet waren und durch ein besonderes Zeichen die Maximalhöhe kenntlich gemacht war. Aus dieser Tabelle war zu ersehen, daß z. B. Österreich als einziges Land seit Begründung des Nationalfonds in andauernd aufsteigender Linie Beiträge für denselben geliefert hat, während bei den übrigen Ländern von Zeit zu Zeit Rückgänge zu verzeichnen waren. Wir hoffen, daß die Ausstellung den Besuchern manche Anregung gegeben und ihnen vor allem gezeigt hat, daß der Jüdische Nationalfonds, diese populärste jüdische Institution, in Palästina ein weites Arbeitsgebiet finden kann, sobald ihm genügende Mittel zur Verfügung stehen. Konferenz der Nationalfondskommissäre in Hamburg Im Anschluß an die Verhandlungen des IX. Zionislenkonarosses fand am Montag den 27. Dezember, abends 9 Uhr. eine Konferenz der Nalionalfonclskommissäre im Kongreßgebäude statt. An derselben nahinen über 100 Personen teil, unter denen man die hervorragendsten Vertreter der meisten Landessamm eis teilen bemerken konnte. Es kamen auch Nalionalfonclskommissäre aus weiter Ferne, die nicht Kongreßdelegierle waren und nur aus Interesse für den Nationalfonds nach Hamburg gereist, waren. Als Zuhörer wohnten der Konferenz auch eine Reihe von Kongreßdelegierten bei, die keine Nalionalfondskominissäre sind. Zu Beginn der Versammlung zeichneten sich folgende Teilnehmer in die Präsenzliste ein: Abesgus, Baku. J. Blumberg, Rußland. Frau Brechner. Hannover, Brodsky. New York, Josef Canetti, Varna, Sol. Cohen, Liverpool. Dr. Lajos^Dümeny, Budapest, L. Eisen, London, Eisenstadt., Jerusalem, H. Farbstein, Warschau, Gustav Finzi. Troppau, Goddiner, Josef Glasinann, Bacau, Joseph Goldschmidt, Hamburg, J. K. Goldhloom, London, Ginzburg, London, Meier Henisch, Stanislau, Johann Kremenezky, Wien, Keisch, Rumänien, H. Londner. Hannover, Dr. .). Loeweiiheim. Berlin. Dr. Camille Lcvy. Biet. Dr. Landau, Lübeck, Dr.. Marlin Meyer. Lübeck. J. Mark. London. Ludwig Meyer. Hannover, J. Norodizky, London, Dr. Adolf Nathan, Hamburg. Xacheinsohn, Kopenhagen. J. Obstfeld. Krakau. Joseph L. Oppenheimer. Frankfurt a. M.. B. Paeder. Bendsin. I\ M. Raskin, Leeds. Zahnarzt Roischild, Lübeck. Nathan Roth, Budapest, A. J. Rosentbal, Mariampol, M. Sambursky. Königsberg, Karl Schwarz. Graz. Hugo Schachtel. Breslau. Schwarzfeld, Bukarest, IL Standelinan. Glasgow. Dr. Wahrhaft ig, Krakau. J. Zimmermann, Leeds. N. Zirnak. Berlin. Dr. Kgon Zweig. Wien. Es waren eine Reihe von BegTÜLhinf>slelegraininen eingelaufen, u. a. eine lebhaft akklamierte Depesche vom Gesinnungsgenossen M. Goroclichze in Konstantinopel. Der VorsiIzende Dr. B o d e n Ii e i m e r ei'öffneL die Konferenz mit der Bemerkung, daß die Debatten, da es sich um eine rein sachliche Besprechung handelt, keine Veranlassung bieten würden, die Gemüter aufzuregen, sondern daß vielmehr in zwangloser Weise über die Fragen der Organisation und Propaganda des Nationalfonds diskutiert werden soll. Er weist in seiner Ansprache ferner darauf hin, daß es von großem Werte sei, die Herren persönlich kennen zu lernen, die seit, mehreren Jahren mit der Leitung so erfolgreich für den Nationalfonds zusammenarbeiten. Die Aussprache werde auch sicherlich dazu beitragen, die Sammelmittel, die sich in den einzelnen Ländern bewährt haben, auch in den andern Ländern bekannt zu machen und einzuführen. Dr. Bodenheim er berichtet sodann im Anschluß an den Kongreßbericht des ilauptbureaus über die in der letzten Zeit durchgeführten und angebahnten Organisationsarbeiten, welche nunmehr eine stete Entwicklung des Nationalfonds verbürgen. Die Verwaltung habe jeden Bureaukralismus zu vermeiden gesucht, alle Anregungen mit Dank entgegengenommen und einer ernstlichen Prüfung unterzogen. Dem sei es zuzuschreiben, daß der Nationalfonds, wie keine andere Institution, über viele tausende von Mitarbeitern verfüge, denen er auch die großen Erfolge zu verdanken hat. Zum Schlüsse begrüßt Dr. Bodenheirner unter großem Beifall den ehemaligen verdienstvollen Leiter des Nationalfonds. Herrn Johann Kv em en ezky, der für den wannen Empfang dankt. Hierauf erteilt der Vorsitzende Herrn Nathan Groß das Wort zu einem kurzen Referat über die organisatorischen Fragen des Nationalfonds. Der Referent weist zunächst darauf hin, daß bei keiner nationalen Bewegung die Frage der finanziellen Mittel eine derart ausschlaggebende Rolle spiele, wie im Zionismus. Während andere Völker ihre nationale Befreiung zumeist durch eine einmalige heroische Anstrengung erreichen, bei der dem Geld eine wichtige, aber immerhin nur sekundäre Bedeutung zukommt, kann unser Volk sein Ziel nur auf dem Wege der unausgesetzten, friedlichen Arbeit, erreichen, die eben materielle Mittel erfordert. Es sei eine Reihe von sozialen Problemen zu lösen, wie Schaffung 'eines seßhaften Arbeilerstandes. einer Bauern- und Handwerkerbevölkerung. Die Privatinitiative sei gewiß von großem Werte, doch werde sie sich nur dann einstellen, wenn ihr vorher öffentliche Institutionen, wie der Nationalfonds, die ersten Schwierigkeiten aus dem Wege räumen und gleichsam als Pioniere das große Risiko des Anfangs auf sich nehmen werden. Die Nationalfondsverwältung hat darum neben der Förderung ihres Hauptzieles, des Ankaufs von Grund und Boden in Erez Israel, es als ihre Pflicht erachtet. Institutionen wie clenBezalel zu unterstützen, und geht nun daran, auch die Siedelungsgenossenschaft zu ermöglichen. In einer Versammlung von Vertrauensmännern des Nationalfonds erübrige es sich wohl, die Notwendigkeit der Vermehrung der finanziellen Mittel des längern nachzuweisen; vielmehr soll die Gelegenheit der Anwesenheit so sachkundiger Gesinnungsgenossen dazu benutzt werden, um den kürzesten Weg einer raschen Vermehrung seiner Mittel zu finden. Nach der Meinung des Referenten gibt