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Die Welt · 1910-01-07 · 1 (7.1.1910) · page 5

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
14 (1910)
Issue
1 (7.1.1910)
Date
1910-01-07
Page
– (sequence 5)
Language
German
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anderm Sinne beschließen würden, daß wir aber aus Gründen der t Parteidisziplin, der Einheit des Zionismus, der weitern Arbeit im ' Zionismus und vor allem aus Gründen auch des Gehorsams gegenüber dem Wunsch, den Herr Wolffsohn ausgesprochen hat, zwar nicht für den Antrag des Permanenzausschusses stimmen können, aber uns auch nicht entschließen können, dagegen zu stimmen; d. h. wir enthalten uns der Abstimmung. Über den Antrag des Permanenzausschusses wird nunmehr satzweise abgestimmt. Die einzelnen Sätze werden unter Stimmenthaltung der in der ersten Erklärung Dr. Lowes bezeichneten Delegiertengruppen angenommen. Vorsitzender Dr. Bodenheimer: Damit ist der Antrag des Permanenzausschusses angenommen. Dr. Israel Wald mann: Im bisherigen Statut steht die Bestimmung, daß der Präsident vom Kongreß gewählt werden muß. Diese Bestimmung ist hier einfach gestrichen. Darüber muß noch abgestimmt werden. (Zustimmung und Widerspruch.) Die Streichung muß doch .vom Kongreß ausdrücklich beschlossen werden, wenn sie gültig sein soll. Dr. Waldmann formuliert den Antrag: Dieser Passus des alten Organisationsstatuts ist nicht zu streichen. Dr. Friedemann: Wir sind zu unserm Bedauern nicht in der Lage, bei dem von Dr. Löwe mitgeteilten Beschluß zu verbleiben. Wir sind zu der Überzeugung gekommen, daß es unbedingt notwendig ist, daß Präsident Wolffsohn weiter an der Spitze bleibt. Wir werden uns an den Abstimmungen weiter beteiligen. (Große Bewegung.) Wir nehmen die Anträge des Dr. Löwe wieder auf. (Stürmischer Beifall.) David Wolffsohn: Jch kann nur wieder meine Bitte wiederholen. Es fällt mir schwer, bei einer solch treuen Freundschaft, die ja in erster Linie dem Zionismus gilt, aber doch auch zum Teil meiner Person, die Herren bekämpfen zu müssen. Ich richte die dringende Bitte an Sie, es führt ja doch zu nichts. Sie haben sich der Abstimmung enthalten, es ist das der einzige Ausweg. Sie wollen nicht dafür stimmen, nun, so stimmen Sie nicht dagegen. Überlassen Sie den Herren die gesamte Verantwortung, besser verfahren können Sie nicht. Ich bitte Sie, meine lieben Freunde, den Antrag Friedemann nicht zu akzeptieren. Vorsitzender Dr. Bodenheimer: Mir wird mitgeteilt, daß ein Teil der Delegierten sich im Zweifel darüber befunden hat, ob mit der Annahme des Paragraphen auch eine Änderung in der Richtung beabsichtigt sei, daß der Präsident nicht mehr vom Kongreß gewählt wird. (Sehr richtig!) Ich werde darauf aufmerksam gemacht, daß es parlamentarische Regel ist, daß in diesem Fall ausdrücklich bekannt gegeben wird, der und der Passus ist zu streichen. Bei der Verlesung war mir nicht bekannt, daß eine Stelle aus dem frühern Statut in der Neufassung des Paragraphen fehlt. Es ist daher begreiflich, daß unterlassen worden ist, es dem Kongreß mitzuteilen, und es ist nur recht und billig, daß über die Frage der Streichung nochmals abgestimmt wird. (Sehr richtig!) Ich werde also darüber abstimmen lassen. Es ist ein Antrag gestellt: „Die Wahl des Präsidenten des E. A. C. erfolgt durch den Kongreß." David Wolffsohn: Im Interesse der Sache, damit die neuen Herren nach ihren Begriffen arbeiten können, bitte ich Sie dringend, stimmen Sie für die Streichung des Passus. (Lebhafter Widerspruch.) Lassen Sie mich doch ausreden: ich gebe Ihnen mein Wort darauf, wenn es sich in den nächsten zwei Jahren nicht bewähren sollte, werde ich auf dem nächsten Kongreß den Antrag stellen, den Passus wieder aufzunehmen. Heute aber streichen Sie ihn, es ist notwendig. (Widerspruch.) Es wird abgestimmt. Der Antrag auf Streichung des Satzes aus dem bisherigen Statut wird mit 148 gegen 128 Stimmen abgelehnt. Hermann Struck: Im Namen der Zionistischen Föderation Misrachi habe ich zu erklären, daß wir bei den Beschlüssen beharren, die Dr. Heinrich Löwe verlesen hat, und daß wir wünschen, daß David Wolffsohn Präsident unserer Bewegung bleibt. (Stürmischer Beifall der Mehrheit.) Dr. Weizmann ersucht als Obmann des Permanenzausschusses den Kongreß, sich zu gedulden, da er in diesem Augenblick nicht in der Lage sei, Vorschläge wegen der zu wählenden Personen zu machen. Der Permanenzausschuß habe seine Vorschläge auf Grund bestimmter Voraussetzungen gemacht, diese Voraussetzungen sind nicht eingetroffen. Infolgedessen wird die Sitzung um II5" auf eine halbe Stunde unterbrochen, um dem Permanenzausschuß Zeit zu neuer Beratung zu lassen. Die Verhandlung des Kongresses kann aber erst nach zwei Stunden wieder begonnen werden, um l8/* Uhr. David Wolffsohn: Geehrter Kongreß! Es ist mir wirklich peinlich, und ich finde kaum die nötigen Worte, um das zu wiederholen, was ich bereits gesagt habe. Ich habe jetzt im Permanenzausschuß mit verschiedenen Freunden, die durch ihre Tätigkeit für den Zionismus einen großen Einfluß besitzen, gesprochen und sie dringend gebeten, meinen Wunsch, den sie mir bisher nicht erfüllt haben, was nur dazu geführt hat, daß wir jetzt einige Stunden verloren haben, nunmehr zu erfüllen, indem sie den Beschluß von vorhin wieder rückgängig machen. Ich sehe keinen andern Weg, als daß die Beschlüsse des Permanenzausschusses, die er nach fünftägiger Beratung gefaßt hat, angenommen werden. Es ist zwar noch nie, jedenfalls nur selten, auf unserm Kongreß vorgekommen, daß ein Beschluß nach kurzer Zeit wieder aufgehoben werden muß. Aber es ist besser, wenn man einen Irrtum gleich wiedergutmacht, als wenn man eigensinnig darauf besteht; und da ich sicher weiß, daß die Delegierten, die vorhin für die Aufrechterhaltung des Satzes gestimmt haben, wenigstens viele von ihnen, in ihrem Eifer geglaubt haben, mir damit einen großen Gefallen zu erweisen, — ich bin ihnen dankbar dafür, aber ich werde ihnen noch viel dankbarer sein, und ich hoffe, sie werden mir diesen Dienst erweisen, wenn sie jetzt füt den Antrag stimmen werden, den ich hier stelle: Ich stelle den Antrag, den Passus, daß der Präsident vom Kongreß gewählt wird, in unserm Organisationsstatut zu streichen. Ich kenne keinen andern Ausweg. Dr. Heinrich Löwe: leb habe die Erklärung abzugeben, daß die durch mich vertretenen vereinigten Landsmannschaften die Absicht haben, sich der Abstimmung zu enthalten. Es wird abgestimmt. Der Antrag Wolffsohn wird unter Stimmenthaltung der Mehrheit angenommen. Die Bestimmung, daß der Präsident des E. A. C. durch den Kongreß gewählt wird, ist also gestrichen. § 23 des Organisationsstatuts ist in der vom Permanenzausschuß vorgeschlagenen Fassung vom Kongreß beschlossen. Dr. Friedemann gibt folgende Erklärung ab: Die vereinigten Landsmannschaften haben beschlossen, sich auch an der Abstimmung über die Wahlen nicht zu beteiligen. Wir erklären aber ausdrücklich, daß wir zu der Person des Herrn Professors Warburg das unbegrenzteste Vertrauen haben, und daß wir hoffen, daß seine Mitarbeit der Bewegung erhalten bleiben möge wie bisher. (Beifall.) Dr. Weizmann: Wir haben für das E. A. C. folgende Mitglieder vorzuschlagen : Herrn Professor War bürg (Beifall), Herrn Sokolow (Beifall), Herrn Dr. Tschlenow, Herrn Ussischkin (Äußerungen des Mißfallens und Zischen, Beifall auf der andern Seite), Herrn Dr. Hantke, Herrn Dr. Stand (Beifall), Herrn Dr. Sandler. Im Namen des Permanenzauschusses beantrage ich En bloc- Annahme dieser Liste. Dr. Hantke: Es ist für mich eine hohe Ehre, wenn mich der Permanenzausschuß für das Actions-Comite vorschlägt. Ich danke für die Ehre, bitte aber, von meiner Wahl Abstand zu nehmen, denn ich bin nicht in der Lage, eine derartige Wahl anzunehmen. (Beifall.) Vors. Dr. Bodenheimer: Ich frage den Permanenzausschuß, ob er eine andere Wahl vorschlägt. Dr. Weizmann: Nein. Dr. Sandler: Auch ich danke dem Permanenzausschuß für die Ehre, die er mir durch seinen Vorschlag erwiesen hat, erkläre aber, daß ich unter diesen Umständen die Wahl nicht annehmen kann. (Lebhafter Beifall.) Vors. Dr. Bodenheimer: Es liegt also folgende Liste vor. 1. Herr Professor Warburg, 2. Herr Sokolow, 3. Herr Dr. Tschlenow, 4. Herr Ussischkin, 5. Herr Dr. Stand. Es ist En bloc-Annahme dieser Liste beantragt. Tschlenow verlangt das Wort zur Geschäftsordnung. Der Präsident erklärt: Ich gebe jetzt Niemanden das Wort zur Geschäftsordnung. Dr. Tschlenow: Ich muß aber erklären, daß ich unter diesen Umständen eine Wahl nicht annehmen kann und mich mit meinen Freunden beraten muß. Hierauf verlangt Prof. Warburg das Wort zu einer Erklärung. Professor Dr. Warburg: Hochverehrter Kongreß, so ehrenvoll auch die Wahl 'für mich sein würde, so muß ich doch auch erklären, daß ich unter diesen Umständen nicht in der Lage bin, die Wahl anzunehmen. (Stürmischer Beifall. Außerordentlich große Bewegung. Es tritt eine lange Pause ein. Das E. A. C, die vorgeschlagenen Kandidaten sowie der Präsident Dr. Bodenheimer ziehen sich zu einer Beratung zurück. Dann fordert Jabotinski die russische Landsmannschaft auf, sich in ihrem Zimmer zu versammeln. Die Sitzung wird unterbrochen.) 2*

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