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Die Welt · 1910-01-07 · 1 (7.1.1910) · page 3

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
14 (1910)
Issue
1 (7.1.1910)
Date
1910-01-07
Page
– (sequence 3)
Language
German
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No. 1 DIE^ELT 5 Meinung von mir; eine positive Behauptung habe ich nicht aufgestellt. Meine Zahlen über die Unkosten des Nationalfonds habe ich aus authentischer Quelle. Ich bin der letzte, der den Wert meiner Zeitschrift schätzt, im Gegenteil. (Gelächter.) Ich wollte den Beweis erbringen, daß man eine zionistische Zeitschrift ohne Unterstützung vom Zentralbureau unterhalten kann, nicht den Beweis der Güte einer Zeitschrift, irn Gegenteil. (H.iterkeit.) Aber daß mir der Vorwurf des Antizionismus gemacht wird, bedauere ich. Die Berichtigung ist mir am 28. November zugestellt, damals war die Zeitung schon vollkommen gedruckt, das habe ich den Herren in Köln mitgeteilt. (Wolffsohn: Sie haben ja eine Berichtigung gebracht, nur eine verkehrte. Hört, hört!). Dr. Hoppe: Wenn Sie die zehn Prozent nicht bewilligen wollen, dann ist es Ihre verdammte Pflicht und Schuldigkeit, das Geld aus Ihrer eigenen Tasche zu nehmen; vielleicht wird das E.A.C. mit 5 °/o zufrieden sein. Es liegen drei Anträge vor: 1. Antrag Wolffsohn: „Zehnprozentige Besteuerung aller Institutionen." 2. Antrag Melamed: „Freilassung des Nationalfonds und cjer Ölbaumspende von der Steuer." 3. Ein Antrag des Inhalts, „daß zu Zwecken der zionistischen Organisation Nationalfondsgelder nur aus den Zinsen des N. F. verwendet werden dürfen." Die Abstimmung über den Antrag Wolffsohn bleibt zweifelhaft und soll wiederholt werden. Wolfjsohn: Geehrter Kongreß! Ich habe den Antrag aus innerster Überzeugung gestellt, weil ich unsere Organisation kenne und ihn für notwendig halte. Ich habe nun jetzt mit den Herren, die Sie bald als die Mitglieder des neuen E. A. C. wählen sollen, gesprochen (Zuruf: Noch sind sie nicht gewählt!) — ja, aber die Ihnen vorgeschlagen werden; also bitte, keine Formalitäten! Und diese Herren erklären mir — die Gründe kenne ich nicht; wahrscheinlich sind es dieselben, die Sie haben — daß sie nicht für den Antrag sind. Deswegen ziehe ich den Antrag zurück (Stürmischer Beifall). Katzenelson erklärt sich als Direktor der Bank gegen die Besteurung der Bank, auch als Zionist. Er fürchte ein Nachlassen der Arbeitslust. Wolffsohn: Da der Hauptantrag erledigt ist, hat es gar keinen Zweck, die andern Anträge anzunehmen, da diese Mittel nicht im geringsten ausreichen würden. Ich bitte Sie, lehnen Sie diese Anträge ab (Beifall). Dr. Becker nimmt den Antrag Wolffsohn wieder auf. Die Abstimmung ergibt die Ablehnung sämtlicher Anträge. Um acht Uhr abends vertagt sich der Kongreß nunmehr auf halbzehn zur Schlußsitzung. Schon lange vor dem angesetzten Beginn der Schlußsitzung sind die Tribünen, wie während der ganzen Dauer der Verhandlung des Kongresses, bis auf den letzten Platz besetzt. Als Wolffsohn erscheint, wird er von der Mehrheit der Delegierten lebhaft begrüßt. Dr. Bodenheimer eröffnet die Sitzung um 10 Uhr abends und erteilt zunächst das Wort Dr. Franz Oppenheimer. Dieser macht die Mitteilung, daß für die Siedlungsgenossenschaft bis jetzt 38 000 Kronen gezeichnet seien; eine Reihe von Delegierten habe darauf aufmerksam gemacht, daß ihnen die Liste zur Eintragung noch nicht vorgelegt worden sei. Da der Permanenzausschuß seine Beratung noch nicht beendet hat, tritt eine längere Wartepause ein. 1020 Uhr erscheint der Permanenzausschuß. Weizmann nimmt als sein Obmann das Wort und unterbreitet irn Auftrage des Permanenzausschusses dem Kongreß folgenden Antrag, betr. die Abänderung des Organisationsstatuts. §23 soll folgenden Wortlaut erhalten: „Das Exekutivorgan des Kongresses ist das von diesem für die Zeit bis zum nächsten Kongreß gewählte und nur ihm verantwortliche Actions-Comite. Es besteht aus mindestens 21 Mitgliedern. Drei bis sieben von diesen bilden das Engere Actions-Comte. Mindestens drei Mitglieder des Engern Actions-Comites müssen an einem Orte wohnen. Die Mitglieder des E. A. C. und die Mitglieder des Großen A. C. werden in getrennten Abstimmungen vom Kongreß gewählt. Der Wahl der Mitglieder des Großen A. C. durch den Kongreß soll die Vorlage von Vorschlägen des Personalausschusses der Landesorganisationen (Föderationen) vorangehen. Das passive Wahlrecht des Actions-Comites ist von dreijährigen ununterbrochenen Schekelzahlungen abhängig. Der Präsident des Aufsichtsrats des J. C. T. hat im E. A. C. Sitz und Stimme, ebenso die Präsidenten der Landesorganisationen (Föderationen) im Großen A. C. Die Mitglieder des Großen A. C. haben auf dem Kongreß beratende Stimme." Vorsitzender Dr. Bodenheimer: Wir werden den Antrag in folgender Form behandeln. Die Vertreter der Landsmannschaften und Föderationen können das Wort ergreifen, um ihre Stellungnahme zu diesem Antrage anzugeben und kurz zu begründen. Es sind dann Anträge in jeder Art zulässig. Dr. Heinrich Löwe: Ich habe eine Erklärung abzugeben. Namens der überwiegenden Mehrheit der deutschen Landsmannschaft, namens der geschlossenen südafrikanischen, der geschlossenen ungarischen Landsmannschaft, namens der geschlossenen Misrachi, der geschlossenen bulgarischen, belgischen, italienischen, eines Teils der türkischen Delegierten, namens des geschlossenen Order Knights of Zion, namens der Mehrheit der holländischen Delegierten, eines Teils der rumänischen Delegierten, namens der geschlossenen englischen Zionisten-Föderation (Dr. Daiches undBentwich protestieren) — es war mir so angegeben worden; ich konstatiere dann, namens eines Teils der englischen Zionisten — habe ich folgende Erklärung abzugeben, der sich ein Teil der russisch-polnischen Landsmannschaft, und zwar mit 11 Unterschriften, anschließt: 1. der Präsident des E.A.C. wird vom Kongreß gewählt; 2. der Kongreß wählt Herrn Wolffsohn zum Präsidenten des E.A.C. Präsident des E. A. C. David Wolffsohn (mit lebhaftem Beifall begrüßt): Geehrter Kongreß! Ich werde zunächst an die Landsmannschaften, die soeben durch den Delegierten Dr. Heinrich Löwe vertreten worden sind, eine Bitte richten und mich erst dann an den gesamten Kongreß wenden. Ich richte die Bitte an Sie, von Ihrem Vorhaben abzustehen, keine Schwierigkeiten zu bereiten, die schließlich doch zu nichts führen werden. Ich habe am Montag Ihnen hier gesagt, daß ich nicht mehr in der Lage bin, unter den heute gegebenen Umständen die Leitung weiter fortzuführen. Es könnte mancher glauben, ich hätte es nur aus einer verärgerten Stimmung herausgesagt; aber, meine Herren, ich habe es aufrichtig gemeint. Seit zwölf Jahren habe ich die Ehre und das Glück, immer mit zur Leitung zu gehören. Manche Vorfälle haben bei uns, wie es nicht ausbleiben kann, zu Demissionen geführt, und ich selbst war oft genug in einer solchen Lage, aber ich habe es niemals getan. Ich habe mir immer die Frage vorgelegt: Wird es dann besser, wenn ich gehe? und als ich mir sagte, nein, da habe ich weder meine Demission gegeben, noch damit gedroht. Die Sache ist mir viel zu ernst und viel zu teuer, als daß ich damit ein Spiel treiben könnte. Nun habe ich Ihnen erklärt, daß ich die Leitung nicht weiter führen kann; es ist mein Ernst gewesen, ich habe Ihnen die Gründe ausführlich genug gesagt, und ich kann heute abend nur dieselben Gründe wiederholen, und ich richte die Bitte an Sie, keine Schwierigkeiten zu machen. Es geht niclit an, daß wir in unserer Bewegung uns nur auf eine Majorität stützen könnten; wir müssen alle zusammenarbeiten. Wir sind noch nicht so weit, daß wir uns den Luxus erlauben könnten, uns in Parteien zu spalten; wir müssen Hand in Hand arbeiten. Ich habe mir oft genug die Frage vorgelegt und habe geprüft, ob ich es nicht doch tun soll, ob ich den Kampf aufnehmen soll, und ich bin zu dem Schluß gekommen, das würde ganz bestimmt nicht zum Wohle der Bewegung sein. Ich bin zu dem Entschluß gekommen, mein verehrter Kongreß, und die Worte stehen vor mir, die ich erst jetzt begriffen habe: Echah essa l'wadi torchachem massaachem weriwehem, — wie soll ich allein eure Last, eure Mühe und den Hader ertragen können! Ich kann es nicht und will es jetzt einmal versuchen mit den Vorschlägen, die von einem großen Teil unserer Organisation kommen, aus dem Lande, wo die meisten Juden wohnen. Ich bin überzeugt davon, daß sie es gewiß gut meinen, und wir werden ja in kurzer Zeit sehen, wer recht behalten wird. Ich bin anderer Meinung, aber Sie mögen gewiß darin recht haben: ich bin ja nur einer, und ich kann mich ja gewiß irren. Vielleicht werden sie recht haben, und dann werde ich nur eins bedauern: daß sie nicht schon früher mit diesem Vorschlag gekommen sind. Und sollten sie sich geirrt haben, so bin ich überzeugt davon, daß sie es bedauern werden, und wir werden uns dann wieder auf einer andern Grundlage einigen. Geehrter Kongreß! Es scheint fast so, als wenn man nicht ins gelobte Land kommen kann, bevor man nicht vorher eine Wüstenwanderung durchgemacht hat. Wir befinden uns auf der Wüsten Wanderung, wir müssen noch von einem Ort nach dem andern ziehen, wir müssen noch kämpfen nach innen und nach außen. Wir müssen nach außen kämpfen, um uns Achtung und Anerkennung zu erringen, und wir müssen auch unter uns noch den Kampf austragen. Wir sind noch in der Wüste, und wir müssen stark bleiben und die Wüsten Wanderung überstehen, damit es uns möglich wird, ins gelobte Land zu kommen, den Wunsch unseres Volkes zu erfüllen, damit wir selbst noch die Zeit erleben, daß dieses unser Ziel erreicht wird. Ich richte daher die dringende Bitte an Sie: Der Permanenzausschuß hat in tagelangen Sitzungen und Arbeiten den Weg gesucht. Man wird Ihnen von der Mehrheit des Permanenzausschusses hier Vorschläge unterbreiten. Nehmen Sie diese Vorschläge an, man könnte

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