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Die Welt · 1910-01-07 · 1 (7.1.1910) · page 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
14 (1910)
Issue
1 (7.1.1910)
Date
1910-01-07
Page
– (sequence 2)
Language
German
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4 DIE^E LT No. 1 wir der Richtung der praktischen Palästinaarbeit angehören, können mit den Herren der andern Richtung nicht arbeiten. Nach weiterer Aussprache wird der Antrag betr. die Föderationen dem großen A. C. zur Erledigung überwiesen. Dr. Tschlenow erstattet den Bericht des Agrarkreditaus-* Schusses. Der Ausschuß beantragt: Der Kongreß wählt eine Kommission, welche die zur Gründung eines Instituts für Bodenkredit erforderlichen Maßnahmen durchführen soll. Die Kommission hat das Recht der Kooptation. Sie soll ihre Arbeiten im Einverständnis mit dem A. C. durchführen. Im Namen des Agrarkreditausschusses beantragt Dr. Tschlenow Enblocannähme dieses Antrags. Der Kongreß beschließt demgemäß unter Beifall. Hugo Schachtel stellt folgenden Antrag: Die Namen von Zionisten, die bereit sind, außerhalb ihrer Ortsgruppen für einen Kongreß ein Mandat zu übernehmen, sind in der „Welt" und andern zionistischen Organen in der Reihenfolge des Eingangs der Meldungen rechtzeitig zu veröffentlichen. Einer weitern direkten Vermittlung haben sich alle offiziellen zionistischen Institutionen zu enthalten. Der Antrag wird ohne Debatte angenommen. Wolffsohn, der soeben aus dem Perrnanenzausschuß kommt, erstattet an Stelle des Dr. Hantke, der dort den Vorsitz führt, den Bericht, der von der letzten Jahreskonferenz eingesetzten „Finanzkommission". Ein Budget ist unbedingt nötig. Die Schekeleinnahmen sind schwankend, und es gibt kein anderes Mittel, als die Besteuerung der Finanzinstitute. Wir sind es, die diese Institute geschaffen haben, die sie weiter erhalten, indem wir für sie arbeiten; da ist es nur gerecht, wenn diese nach dem alten Prinzip Maisser zahlen, ein Zehntel der reinen Einnahmen. Man hat auf der Jahreskonferenz gegen die Besteuerung des Nationalfonds eingewendet, das sei heiliges Geld; Aber von diesem heiligen Geld werden doch auch die Beamten bezahlt und die Auslagen. An erster Stelle sind wir es, die für den Nationalfonds arbeiten; daher solle auch er, nicht nur zum Wohl der gesamten Organisation, sondern zum eigenen Besten zahlen. Andere Vorschläge sind heute noch nicht reif. Wir wollen langsam vorangehen, Mathun, mathun mea suse schawje — langsam, langsam, das ist hundert Schekel wert! Wolffsohn beantragt demgemäß im Namen Hantkes, daß sämtliche finanziellen Institute, die der Zionistischen Organisation unterstellt sind, zehn Prozent der Reineinnahmen zu den Kosten der Organisation beisteuern sollen. Melamed: Den Nationalfonds können wir dazu nicht heranziehen; denn zu ihm steuern auch Nichtzionisten bei. Schachtel erklärt sich gleichfalls gegen die Besteuerung des Nationalfonds, auch gegen die der Ölbaumspende. Der Nationalfonds trage ohnedies zu den Kosten des Zentralbureaus in Köln bei. Wolffsohn: Der Nationalfonds soll nicht behandelt werden wie eine Schnorrersache, wie eine Zdokogdoloh oder wie Armengelder. Gerade das Gegenteil von der Behauptung Schachteis trifft zu. Wenn der Nationalfonds bei uns im Bureau vier Zimmer und sieben Beamte und unser Licht verbraucht, so können Sie vom Zentralbureau nicht verlangen, daß es die Kosten trägt. Wenn das Palästinaamt dreiviertel seiner Arbeit, vielleicht auch noch mehr, für den Nationalfonds verwendet, so ist es doch selbstverständlich, daß der Nationalfonds auch die Kosten bezahlt. (Zuruf: Schekel. erhöhen!) Mit dem Erhöhen des Schekels ist es eine eigene Sache. Aber Sie können ja beides machen, und ich garantiere Ihnen, auf dem nächsten Kongreß stelle ich selbst den Antrag, alles Geld, das das Aktionskomitee übrigbehalten hat, dem Nationalfonds zurückzuerstatten mit Zins und Zinseszins. Ich bitte Sie dringend, wollen Sie, daß die Organisation arbeitet, so nehmen Sie den Antrag an. In den letzten zwei Jahren ist mir das Kunststück gelungen, die Schulden zu bezahlen und die erforderlichen Mittel zu beschaffen; ob das so weiter gelingen wird, die Gewähr übernehme ich nicht. Sie müssen es beschaffen, nicht die Leitung, und ein besseres Mittel weiß ich nicht, als daß die Institute, für die die Organisation arbeitet, von ihrem Gewinn ein Zehntel abgeben. Dr. Bodenheim er: Ich bedauere außerordentlich, daß ich mich in dieser Frage der Ansicht unseres verehrten Präsidenten nicht anschließen kann. Als Präsident des N. F. kann ich die Verantwortung, zehn Prozent der Einnahmen herzugeben, nicht übernehmen (Zuruf: zehn Prozent der Zinsen!) — das wäre was anderes, aber unser Präsident nieint, zehn Prozent der Einnahmen (Wolffsohn bestätigt das). Der Nationalends trägt die Kosten des Palästinaamts zu einem sehr erheblichen Teil, sonst hätte es überhaupt nicht geschaffen werden können. Wir müssen fürchten, daß die großen Aussichten, die der Nationalfonds bei zielbewußter Propaganda unter den Massen sich noch erringen kann, die heute vom Zionismus noch nichts wissen, durch die Besteuerung verloren gehen. Der Nationalfonds ist ein Fonds, der für die Nichtzionisten geschaffen ist. Wenn wir anfangen, ihn in ausschließlichem Parteiinteresse zu verwenden, dann werden alle die Kreise, die ihn\ bisher ihre Sympathie zuwandten, sich wieder von uns entfernen. Die Populärität des Nationalfonds ist imstande, die zionistische Bewegung selbst populär zu machen. Dazukommt, daß die Sammelstellen des Nationalfonds auch für unsere andern Institutionen von großer Bedeutung sind. Löbel Taubes (Czemowitz) spricht gegen den Antrag. Sekretär J. Berger (Köln): Ich bin nicht Delegierter, aber ich glaube, ich habe das Recht, darüber zu sprechen, weil ich als Beamter der Organisation einer der Wenigen bin, die die ganze Gefahr kennen, in der sich die Organisation in den letzten vier Jahren aus Mangel an Mitteln befand. Wenn Sie nüchtern an die Tatsachen herangehen, werden Sie nicht umhin können, zuzugestehen, daß der Organisation jedenfalls ein Minimum von Mitteln zur Verfügung gestellt werden muß, wenn Sie von ihr auch nur ein Minimum an Erfolg erwarten. Dieses Minimum an Mitteln hat sie in den letzten vier Jahren nicht gehabt. Gäbe es einen andern Weg, unser Präsident wäre sicher nicht mit diesem unpopulären Vorschlage gekommen. Seit zwei Jahren hat der Finanzausschuß versucht, andere Mittel zu finden, aber sie waren undurchführbar und nicht geeignet, eine Gesundung unserer Finanzen herbeizuführen. Die Erhöhung des Schekels wurde hier vorgeschlagen. Vor zwei Jahren haben Sie eine minimale Erhöhung des Schekels beschlossen, überall auf eine Mark, wo er bisher eine Krone oder ein Frank war: und wissen Sie, daß es nicht einmal möglich war, dies durchzuführen, und daß deshalb zwei Wahlen kassiert werden mußten? Und aus Rußland höre« wir dasselbe. Bei einer Erhöhung des Schekels würden die Einnahmen um genau soviel gemindert, als die Erhöhung zunimmt. In Deutschland und vielleicht noch einigen andern Ländern mag es gehen; aber in den Ländern, wo die jüdische Masse wohnt und wo der Schekel ebenso in Groschen und Pfennigen erhoben wird wie der Nationalfonds, ist es nicht möglich. Wir hätten keine Sammlungen für den N. F., wenn die Organisation nicht wäre, und von der Organisation können Sie Erfolge nicht verlangen, wenn Sie ihr nicht die nötigen Mittel geben. Theilhaber: Die Mittel des Nationalfonds sind nicht dazu bestimmt, um von Köln aus Politik zu treiben. 30 °/o muß der Nationalfonds schon jetzt hergeben; kommt die Besteuerung hinzu, dann sind es 40 V Bekommt die Organisation ihre Mittel aus dem Nationalfonds, dann wird das Schekelsammeln lässiger werden. Wolffsohn: Herr Theilhaber, sind Sie derHerausgeber derZeitung „Palästina"? (Ja!) Ich konnte wegen Störung JhreRede nicht genau anhören, aber ich hörte Sie von 30, 40° o sprechen. Ähnliche Angaben über unsere Organisation habe ich auch in Ihrer Zeitung gelesen, eine Berichtigung die wir Ihnen geschickt haben Sie nicht aufgenommen. (Hört! hört!) Sie haben in Ihrer Zeitung geschrieben, daß die in den letzten Jahren für den Nationalfonds gesammelten Millionen nutzlos in London und in Köln aufgehoben würden. Eine solche Angabe hätte man von einer antizionistischen,aber nicht von einer zionistischen Zeitung erwarten können (Sehr wahr!), zumal sie vollständig unwahr ist. Im Namen des N. F. und der Bank haben wir sofort eine Berichtigung geschickt, und Sie haben sie nicht aufgenommen (hört! hört!), statt dessen schrieben Sie, Sie hätten sich in den Zahlen geirrt! Ich lese die Zeitung nicht; ich habe nur die ersten Nummern gelesen und habe darin Dinge gefunden, die uns nur schaden können, Dinge, gegen die wir vom Palästinaamt gewarnt wurden. Aber gegen eine zionistische Zeitschrift, gleichviel welchen Wert sie hat, wollten wir nicht gerichtlich vorgehen, deshalb haben wir es unterlassen, die Aufnahme der Berichtigung zu erzwingen. Nun zur Sache. Herr Teilhaber sagt, der Nationalfonds solle nicht Gelder hergeben," um Politik zu treiben. Die Politik des Zentralbureaus besteht darin, daß wir in der ganzen Welt, — und mindestens die Hälfte seiner Arbeit beruht darauf, — daß dieZionisten für den Nationalfonds sammeln und arbeiten (Sehr richtig!). Herr Teilhaber meint weiter, wir würden lässiger sein im Schekelsammeln. So übermütig wird das Zentralbureau nicht werden, denn diese Mittel, die aus dem Nationalfonds und unsern Instituten einkommen werden, werden kaum ein Drittel der Kosten des Zentralbureaus decken; es soll nur die Grundlage sein, damit das Aktionskomitee nicht gleich damit anfangen muß, Schulden zu machen, damit unsere Beamten rechtzeitig bezahlt werden können. Es ist nicht richtig, wenn Sie sagen, der Nationalfonds ist etwas besonderes; er ist nur ein Teil unsrer Bewegung, und unsere Bewegung ist alles, und wenn Sie unsere Bewegung nicht unterhalten, dann nützt Ihnen nicht der Nationalfonds, nicht die Banken. Ich wundere mich nur, daß diejenigen Herren, die berufen werden sollen, die Leitung zu übernehmen, nicht auch mit aller Schärfe dafür eintreten. (Lebhafter Beifall.) Teilhaber: Wenn ich betont habe, die Schekelgelder würden in Zukunft langsamer eingezogen werden, so ist das eine

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