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Die Welt · 1910-01-07 · 1 (7.1.1910) · page 1

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Journal
Die Welt
Volume
14 (1910)
Issue
1 (7.1.1910)
Date
1910-01-07
Page
– (sequence 1)
Language
German
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DIE KÖLN AM RHEIN, KAROLINGERRING 31 ELT ERSCHEINT JEDEN FREITA6 ZENTRALORGAN DER ZIONISTISCHEN BEWEGUNG XIV. JAHRG. KÖLN, 7. Januar 1910 I3iir6 ND'nnVt i"OD )"d No. DER IX. ZIONISTENKONGRESS Schluß des Berichts (Spezialbericht) Fünfter Verhandlungstag Donnerstag den 30. Dezember 1909 Portsetzung der Nachmittagssitzung (Nach dem Referat Dr. Bodenheimers über die Organisation) Die Rednerliste zählt bereits mehr als 50 Namen. Bettelheim stellt fest, daß sich eine Fraktion korporativ eingetragen habe, um bei der Wahl von Generalrednern im Vorteil zu sein (hört! hört!), und beantragt daher, daß jede Landsmannschaft einen oder, falls in ihr eine Opposition vorhanden, zwei Redner steilen solle. Dr. Bodenheim er beantragt, es solle ein Organisationsausschuß aus 21 Mitgliedern zusammentreten, der in Verbindung mit dem Permanenzausschuß organisatorische Bestimmungen über das Große Aktionskomitee und das E. A. C. trifft. Im übrigen soll die Frage der Änderung der Statuten dem großen Aktionskomitee bzw. der Jahreskonferenz zur Erledigung übertragen werden. In einer längern Geschäftsordnungsdebatte betont Wolffsohn die Notwendigkeit, ein gutes Statut zu erhalten; man dürfe es nicht einreißen lassen, daß jeder Kongreß das Statut ändere. Diesmal habe man nun nicht die Zeit dazu. Auf dem Programm waren für die Organisationsfrage l1/* Tage vorgesehen, aber da schrieb ein offizielles Organ des Zionismus, man beabsichtige, den Kongreß l1,2 Tage lang mit unnützen Dingen aufzuhalten! Daher schlägt Wolffsohn vor, auf diesem Kongreß lediglich unter Zugrundelegung des alten Organisationsstatuts die wichtigsten Punkte zu ändern, d. h. die Punkte, die im Zusammenhang mit der Wahl der Leitung stehen, gemäß den Vorschlägen des Permanenzausschusses. Dieser Antrag wird unter Beifall angenommen. Gegen den Antrag Bodenheimers, die Neufassung des Statuts im übrigen dem Großen Aktionskomitee zu überlassen, und zwar mit bindender Kraft, erheben Kaplanski und andere entschiedenen Widerspruch. Das sei Statuten widrig; nur der Kongreß selbst könne die Statuten ändern. Mit Rücksicht hierauf und weil das Große Aktionskomitee mit dieser Arbeit vermutlich auch nicht so rasch werde fertig werden, beantragt Wolffsohn, das Große Aktionskomitee zu beauftragen, den Statutenentwurf auszuarbeiten und dem nächsten Kongreß vorzulegen. Dies wird beschlossen und bestimmt, daß die Organisationsfrage den ersten sachlichen Verhandlungsgegenstand des nächsten Kongresses bilden soll. Der Permanenzausschuß tritt zur Beratung der Vorschläge für die neue Leitung zusammen. Allen (Amerika) bringt die Föderationsfrage zur Sprache. Er führt Beschwerde darüber, daß der Order Knights of Zion mit dem Sitz in Chicago die Rechte einer Föderation erhalten habe, ohne daß man die Leitung der amerikanischen Föderation gefragt habe. Der Zionismus in Amerika sei durch die Neubildung zersplittert worden; denn dort sei die Organisation nicht ein Mittel zum Zionismus, sondern der Zionismus selbst. Daher solle man den Status quo herstellen und die Ansicht der Federation hören. Zolotkoff erwidert, daß man mit dem status quo nicht vorwärts gekommen sei. Amerika könnte 12 Föderationen haben. Von Newyork aus lasse sich nicht der ganze amerikanische Zionismus leiten; dadurch werde die Entwicklung gehindert. Wolffsohn: Diese Angelegenheit sollte mehr Aufmerksamkeit finden. Es handelt sich hier nicht nur um die Knights of Zion, sondern um das ganze Prinzip, ob wir außer den Landesorganisationen noch andere Föderationen zulassen sollen. Sie können nicht den Order Knights of Zion ablehnen, ohne auch zugleich die Misrachi und die Poale Zion abzulehnen. Nach den Statuten können wir eine Föderation, die 3000 Schekel einzahlt, gar nicht verbieten. Die Idee von den 3000 Schekelzahlern ist meine Idee gewesen und kam das vorige Mal in das Organisationsstatut hinein. Um kaufmännisch zu sprechen: Ich wollte in den Landsmannschaften, wo man nicht arbeitet, eine Konkurrenz schaffen. (Lebhafter Beifall.) Sie finden vielfach in den Landsmannschaften zwei verschiedene Richtungen, und da ist es vorgekommen, daß die eine Partei deshalb nicht gearbeitet hat, weil die andere am Ruder war, und die am Ruder hat nicht gearbeitet, weil die andere nicht mithalf; die Folge davon war, daß beide nicht arbeiteten. Da sagte ich mir: Wenn zwei Parteien vorhanden sind, die sich bekämpfen oder untätig sind, dann soll die eine die andere zu überflügeln suchen, dann werden beide arbeiten. (Beifall.) Freilich hat dieses System auch seine Schattenseiten, das haben wir in Amerika gemerkt. Daß die Federation of American Zionists nicht gefragt worden ist, ist nicht ganz richtig. Als der Order Knights of Zion uns anzeigte, daß er 3000 Schekelzahler habe und die Rechte der Föderation verlange, das war vier Wochen vor der Jahreskonferenz, schrieb ich nach Amerika an die Federation. Dieser Brief traf etwa zehn Tage vor der Jahreskonferenz ein. Auf der Jahreskonferenz hatte ich noch keine Antwort aus Amerika, obgleich sie sogar brieflich hätte eintreffen können. Erst nach der Jahreskonferenz kam ein Telegramm aus Newyork. Die Ursache war, daß der Präsident der Federation in Baltimore wohnt und sich der Sitz der Federation in Newyork befindet. Wird das Statut nicht geändert, so können wir den Knights of Zion die Rechte der Föderation nicht nehmen, solange sie die 3000 Schekel zahlen. Wir könnten höchstens den Wunsch aussprechen, da ja auch eine territoriale Trennung vorliegt, daß der Order Knights of Zion sich auf sein Gebiet beschränkt. Auch die Maccabeans, die hier so zahlreich vertreten sind, haben beim A. C. den Antrag auf Anerkennung als Föderation gestellt, und nach dem Statut kann das nicht verweigert werden. Deshalb sollte der Kongreß seine Meinung aussprechen, ob er das Prinzip der Föderation aufzugeben gedenkt oder nicht. Dr. Meiseis beantragt, der Kongreß möge das zukünftige E. A. C. beauftragen, die Genehmigung zur Bildung einer Föderation nur aus zwingenden Gründen zu erteilen. Dr. Daiches: Präsident Wolffsohn hat durchaus recht. Bei uns in England ist es fast unmöglich, mit der gegenwärtigen Föderation irgendwelche zionistische Arbeiten zu betreiben. Wir, die

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