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Die Welt · 1909-12-31 · 53 (31.12.1909) · page 40

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
13 (1909)
Issue
53 (31.12.1909)
Date
1909-12-31
Page
– (sequence 40)
Language
German
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wie es noch nie während der ganzen Dauer der Diaspora war. Die Zusammenhänge mehren sich, tausend Fäden werden gesponnen, unzählige Verbindungen entstehen zwischen Palästina und der Judenschaft der ganzen Welt, Nachdem der Osmanenstaat in die Reihe der Rechtsstaaten eingerückt ist, wird Palästina auch früher oder später ein kulturelles Land werden. Wir werden es sein, wir sollen es sein, die diesen Kulturfortschritt betätigen werden. Wir befinden uns noch im Stadium der Experimente, aber wir gewinnen, — und das kann man auch von den letzten zwei Jahren sagen, — immer neue Orientierungen, die von großem Wert sind, und eine gedeihliche Entwicklung ermöglichen werden. Wir ebnen die Wege — nicht für eine gewöhnliche Einwanderung, sondern für die Ausgestaltung eines Heims und für die Neubildung unseres Volkes. In der Diaspora ist nur weniges von dem, was wir schaffen, Kultur, und nichts gehört dem ganzen Volke in gleichem Maße. In Palästina hingegen ist alles, was wir schaffen, Kultur, und alles gehört dem ganzen Volke. Alles befindet sich noch dort im Stadium der Entwicklung und muß auch die Schwierigkeiten und die Wehen des Wachstums erleiden. Aber die Linien steigen aufwärts. An dem festen Punkt Palästina kommt die Flucht des Goluth zum Stehen, die bewegte Empfindung zur Sammlung. Diese Sammlung der Volkskräfte wird noch tausend neue Wege beschreiten und tausend neue Mittel ersinnen, aber das Ziel wird erreicht werden, muß erreicht werden! Zum allerletzten Schluß müssen wir noch zwei Momente erwähnen, welche die verflossene Kongreß - periode mit ihrem Glänze bestrahlt haben: Die Kattowitzer Feier und die Feier des sechzigjährigen Geburtstages unseres Max Nordau. Das silberne Jubiläum der Zionsliebe: Kattowitz, hat eine große Begeisterung in unseren Reihen hervorgerufen. Es war ein herrliches Verbrüderungsfest der Zionisten und Chowewe-Zion. Fürwahr, ein vollgültiger und geeigneter Anlaß, sinnend, dankend und jubelnd auf das hinter uns liegende Vierteljahrhundert zionistischen Wirkens zurückzuschauen. Während der Nordau-Feier fand die ganze Fülle von herzlicher Liebe und Anhänglichkeit, von dankbarer Verehrung, die sich der Altmeister gesammelt hatte, einen Ausdruck von Kraft und Innigkeit, wie er nicht größer gedacht werden konnte. Die Liebe' zu Zion, die in tausend Strahlen aus seinen Schriften und Reden warm und leuchtend hervorbrach, wurde ihm in aufrichtiger Liebe seitens des Volkes erwidert. Indem das Volk seine verdienstvollen Männer ehrt, ehrt es sich selbst. Wir haben zum Andenken der Nordaufeier Nordaus „Zionistische Schriften und Reden" gesammelt und herausgegeben. Alles läßt erkennen, daß der Zionismus, wenn nicht mit Bezug auf seinen Besitzstand, so doch mit Bezug auf seine Pflichttreue, seine Begeisterung und seine Ideenreichtum an der Spitze aller jüdischen Parteien und Organisationen steht. Die Bewegung greift nach allen Seiten und zieht in ihren Kreis Elemente, die für uns verloren schienen; die Juden des Kaukasus und auch die — Karäer, in deren Bereich, wie man behauptete, der nationale Gedanke niemals dringen könnte. Alles erwacht, alles strebt uns zu. Die Leistungen, die das jüdische Volk für den Zionismus auf sich genommen hat, sind ein Ruhmesblatt in der Geschichte der jüdischen Selbsthilfe und — ein Schuldbrief, die ungeheuren Verpflichtungen, die uns obliegen, mit viel größern Kräften und mit viel größern Mitteln zu erfüllen. XVIII

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