Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 13 (1909)
- Issue
- 53 (31.12.1909)
- Date
- 1909-12-31
- Page
- – (sequence 41)
- Language
- German
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Die zionistische Organisation und ihre Institutionen (1907—1909) (Organisatorisch-administrativer Teil) I Allgemeines Die innere Entwicklung der zionistischen Organisation in der Berichtszeit war eine gesunde. Nach den Wirrnissen und Stürmen der vorhergehenden Jahre, die die Organisation an manchen Stellen nicht unbeträchtlich geschwächt hatten, ist eine Periode der Sammlung eingetreten, die allenthalben dazu benutzt wurde, die Organisation auszubauen, zu vergrößern und zu vertiefen. 1 Die finanzielle Lage In den einzelnen Ländern wurde fast überall eine straffere Zentralisation der Organisation durchgeführt. Die Berichte der Landesorganisationen verzeichnen fast ausnahmslos ein Anwachsen der Zahl der Vereine und der Schekelzahler. In fast allen Berichten kehrt aber auch die Klage wieder, daß durch Mangel an geeigneten Kräften und verfügbaren Mitteln die Möglichkeiten der Propaganda bei weitem nicht voll ausgenutzt werden konnten. Die Einnahmen der Landesorganisationen reichen durchweg nicht aus, um die Kosten einer größern Propaganda zu bestreiten. Wenn auch die Organisationen diese Schwierigkeiten im allgemeinen verhältnismäßig gut überwunden haben, so kann sich doch eine vorausschauende Politik dem Eindruck nicht verschließen, daß eine Kräftigung der Mittel der Landesorganisationen unbedingtes Erfordernis ist, wenn man nicht will, daß die Propaganda ins Stocken und die organisatorische Entwicklung der Bewegung damit in Stagnation gerät. Bei dem großen Umfang, den die zionistischen Sammlungen allmählich angenommen haben, ist es begreiflich, daß für rein administrative Zwecke nicht viel mehr übrig bleibt. Ganz natürlicherweise ist die Gebefreudigkeit für solche mehr abstrakte Zwecke, wie die Kosten der Organisation, der Bureauunterhaltung usw., nicht so groß wie der Eifer, mit dem man sich der Sammlung für konkrete Dinge widmet. Demgegenüber gewinnt der Umstand, daß es uns in diesem Jahre zum ersten Male gelungen ist, den Etat in Einnahmen und Ausgaben auszugleichen, und sogar noch einen Überschuß zu erzielen, eine umso größere Bedeutung, als der Etat außerdem zum ersten Male keinerlei ungedeckte Verpflichtungen mehr aufweist. Es liegt auf der Hand, daß dieses Resultat nur durch die größte Ökonomie in der Verwendung der Mittel urd durch den Parteifonds ermöglicht wurde. Anderseits muß aber in Betracht gezogen werden, daß heute schon die laufenden Ausgaben verhältnismäßig niedrig normiert sind und daß eine ganze Beihe von Aufgaben gezwungenermaßen notleiden, weil Mittel zur Deckung der durch sie verursachten Ausgaben nicht vorhanden sind. Hierzu rechnen wir in erster Linie die Propaganda, rechnen wir vor allem auch die kulturellen Aufgaben, hierzu zählt auch die Regelung der Verhältnisse der Landesorganisationen, denen, wie wir oben ausgeführt haben, unbedingt größere Einnahmen erschlossen werden müssen. Vor allem aber muß berücksichtigt werden, daß die allgemeine Lage jetzt und in Zukunft Ansprüche an unsere Organisation stellt, die, wenn sie auch nur zu einem Teil befriedigt werden sollen, die sofortige Bereitstellung größerer Mittel für das A. C. notwendig machen. Es ist unbedingtes Erfordernis, daß die Finanzen der Bewegung ein für alle mal auf eine gesicherte Grundlage gestellt werden und daß der Leitung dauernde größere Einnahmen sichergestellt werden. Das Engere Actions-Comite hat sich bereits seit langem mit dieser Frage beschäftigt und hat schon der Jahreskonferenz einen Antrag vorgelegt, der bezweckte, diese notwendige dauernde Erhöhung der Einnahmen durch eine Besteuerung der zionistischen, Institutionen herbeizuführen. Damals wurde der Antrag abgelehnt. Inzwischen aber scheint die Überzeugung, daß eine Sicherstellung größerer laufender Mittel Voraussetzung für eine ersprießliche Tätigkeit der Leitung und daß diese nur auf dem Wege der Besteuerung der Institutionen herbeizuführen ist, in weitere Kreise gedrungen zu sein. Wir hoffen daher, daß dieser Kongreß Mittel und Wege finden wird, um durchHeranziehung der zionistischen Institutionen zu den Kosten der zionistischen Organisation die erforderliche Regelung der Finanzverhältnisse herbeizuführen. 2 Die äußere Gestaltung der Organisation Die Zahl der zionistischen Landesorganisationen und Föderationen hat sich in der Berichtsepoche um vier vermehrt. Sowohl die in der Poale Zion-Organisation zusammengeschlossenen zionistischen Arbeiter wie die im Misrachi vereinigten Zionisten haben sich zu je einer Föderation zusammengeschlossen und sind als solche anerkannt worden. Desgleichen haben sich die Zionisten der südslawischen Länder der Österreich-ungarischen Monarchie in einer Landesorganisation vereinigt und die Bestätigung des Actions-Comites hierfür gefunden. In Amerika hat der Order Knights of Zion die zur Bildung einer besonderen Föderation erforderlichen Voraussetzungen erfüllt und fungiert nach seiner Bestätigung durch die zionistische Jahreskonferenz als selbständige Federation. Außerdem hat sich die frühere österreichische Landesorganisation in zwei Teile gegliedert und zwei Zentralkomitees, eines für Westösterreich und eines für Galizien, gebildet. Durch die vom VIII. Kongreß beschlossene Neufassung des Organisationsstatuts ist eine Erleichterung in der Bildung neuer Föderationen eingetreten, die in der Konstituierung der oben angeführten drei neuen Föderationen zum deutlichen Ausdruck gekommen ist und die auch anderwärts, z. B. in England, Bestrebungen XIX