Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 13 (1909)
- Issue
- 53 (31.12.1909)
- Date
- 1909-12-31
- Page
- – (sequence 28)
- Language
- German
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Vortragssprache) waren zionistische Parolen. In Hunderten von Schulen dieser Art wurde dank dieser Methode der Unterricht modernisiert und der Schuljugend die reinen Begriffe der jüdischen Nationalität und der historischen Ideale beigebracht. In Rußland, wo infolge des ungeheuren Druckes alles, was unternommen wird, im einzelnen vergänglich, flüchtig und unsicher ist, war diese Tätigkeit im Laufe der letzten zwei Jahre sehr schwach. In Qalizien hingegen hat die Zahl der zionistischen Schulen zugenommen, und ihre Tätigkeit wurde intensiver. Mit Bezug auf die rastlose innere Bewegung in den jüdischen Massenzentren können wir von einem "Zuge des Bildens sprechen, der in den verschiedenen Volksteilen lebt, an ihnen erscheint und zu besondern Gestaltungen [aneinanderbindet und von einem gleich mächtigen Zuge, der in dem Gebundenen dessen Auflösung wird, und es dem allgemeinen Weben zurückgibt, so daß es frei wird für andere Bildungen. So erklärt Sich die Tatsache, daß nicht nur organisierte Zionisten, sondern auch nicht organisierte, auch solche, die sich nicht formell zum Zionismus bekennen, sich bewußt oder unbewußt an einer Arbeit beteiligen, die wir als eine zionistische bezeichnen müssen. Zu dieser Kategorie gehört der Organisationsversuch hebräischer Lehrer in Rußland; zu ihr gehört auch die hebräisch-kulturelle Bewegung der Jünglingsvereine („Bachurim") in Galizien. Das rühmenswerte Bestreben, einen Hebräischen Kongreß einzuberufen, als dessen einleitende Vorbereitung die Hebräische Konferenz in Berlin dienen soll, — ein Unternehmen, welches die größte Anerkennung verdient, gehört auch zu der Kategorie zionistisch-nationaler Ausstrahlungen, die, ob wir sie in unserer Rubrik buchen oder nicht, einen tiefen geistigen Zusammenhang mit uns aufweisen. h. Die Notwendigkeit der Einzelbestrebungen — Die Judische Studentenschaft in England Wie die Nationalisierung der Schule, so tragen auch unsere sonstigen Kulturaufgaben denselben Charakter. Ihre Rubrizierung muß unter dem formellen Standpunkt schwankend erscheinen. Es ist schwer, mit Bestimmtheit zu*behaupten, sie seien zionistisch, aber anderseits unterliegt eskeinem Zweifel,daß sie zum Zionismusführen. Versuchen wir]dieses Verhältnisgenauer zu bezeichnen. All diese Arbeiten können nur gedeihen, sofern sie durchdrungen werden von der Bildekraft des Zentralgedankens. Es ist aber, als ob eben auf Grund dieser Bildekraft sich in jeder von ihnen ein neuer Faktor erhöbe, versehen mit ausreichender Vollmacht, nach Maßgabe der ihm zu Gebote gestellten Kräfte die nationale Arbeit in einem besondern Bezirk der Tätigkeit selbständig zu handhaben, sie dessen spezifischen Bedürfnissen anzupassen, und so zu bewirken, daß etwas beinahe Selbständiges gewonnen wird, um nach einer gewissen Zeit abgeschlossen und im Dienste des Ganzen weiter verwandt zu werden. Es verharrt nicht lange in geschlossener Form in der eignen Werkstätte. Was es leistet, wird dem Ganzen zugewandt, welches die Sprödigkeit des Einzeldaseins überwindet und es in seinen Dienst zieht. Denn jede nationale Arbeit reicht in ihrem Streben über ihre Individualität hinaus, und dient eben dadurch der nationalen Bildekraft, daß ihre individuelle Eigenschaft sich voll entfalte. 'Und wie soll sich unser Verhältnis diesen ßinzelbestrebungen gegenüber gestalten? Ganz wie das der zionistischen Organisation zur Privat- Initiative in Palästina. Sache der Gesamtorganisation ist, den Enthusiasmus und die Opferwilligkeit der Volksmassen zu erregen, die kompetenten Kräfte zusammenzufinden, zu fordern, zu mahnen, zu treiben, höchstens die Bedingungen für eine gedeihliche Geistesarbeit zu schaffen. Wir wollen ein Beispiel anführen, wie auch ohne jede Initiative von Seiten der Leitung diese Arbeit in verschiedenen Teilen unserer Partei in Erscheinung tritt. Im Laufe der letzten Kongreßperiode hat sich in England eine zionistische Bewegung unter einem Teil der jüdischen Studentenschaft bemerkbar gemacht. Der Zionismus dieser Kreise ist um so höher einzuschätzen, als er nicht auf der Basis der gewöhnlichen'Parteizugehörigkeit, sondern auf der Grundlage einer persönlich erworbenen Weltanschauung entstanden ist. Diese Bewegung, die als eine rein intellektuelle bezeichnet werden kann, berechtigt uns zu den schönsten Hoffnungen. Die Jugend wird sich mit der Zeit als die Kerntruppe des Zionismus erweisen. Sie wird in die Partei mehr Temperament hereinbringen, sie wird mehr das Geistige hervorkehren und sich mehr dem volkstümlichen ursprünglichen Grundzug des Zionismus anpassen. Werden ja einmal die Studenten, nachdem sie ihre Studien absolviert haben, ins öffentliche Leben treten und auf dieses den Einfluß der Idee ausüben, von der sie durchdrungen sind. Wir unterstreichen den idealen Charakter dieser Bewegung. Jeder Kreis muß den Zionismus seinem Kulturgrade gerrteß auffassen. Wenn es für den jüdischen Kleinhändler genügt, aus Pietät für den Zionismus etwas beizusteuern, so genügt das nicht dem jüdischen Studierenden. Er sucht im Zionismus die Lösung der geistigen Probleme, die ihn beschäftigen, er sucht in ihm den Ausbau und die Betätigung seiner Ideale, und der Zionismus muß ihm die Nahrung liefern für seine jüdische Seele, die Nahrung, die er in andern Theorien und Bestrebungen nicht findet. Die Studenten haben auch ihr zionistisches Glaubensbekenntnis in einer Broschüre dargelegt, die von ihrem tiefen Denken ein beredtes Zeugnis ablegt. Die Bedeutung dieser Bewegung wurde auch von unsern Gegnern erkannt und hat sie zu einer scharfen Stellungnahme gegen das Prinzip der jüdischen Nationalität veranlaßt. Daraus entspann sich eine lange Polemik in der jüdisch-englischen Presse, in der sämtliche Argumente für und gegen den Zionismus zum Ausdruck gelangt sind. Es ist selbstverständlich, daß das Auftreten der Gegner nur geeignet ist, den überzeugten Zionisten eine neue Anregung für eine Betonung ihres eignen Standpunktes zu geben und sie zu einer energischeren Aktion anzuspornen. 7. Weltanschauungsfragen — Ein hebräischer Kongreß in Manchester — Die englisch-jüdischen Literaturvereine Noch eine Lehre ergab sich aus der um und in dem Zionismus im Laufe der letzten zwei Jahre geführten Polemik. Es zeigte sich namentlich, daß die Fragen, welche das jüdische Gemüt bewegen und die öffentliche Meinung interessieren, nicht die Fragen sekundärer oder VT