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Die Welt · 1909-12-31 · 53 (31.12.1909) · page 26

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
13 (1909)
Issue
53 (31.12.1909)
Date
1909-12-31
Page
– (sequence 26)
Language
German
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die ihr Wollen und Wünschen, ihre Kraft und Arbeit in den Dienst dieser guten Sache stellten, können darauf stolz sein, daß sie ihre Pflicht getan, und daß es nur durch die Schuld jüdischer Assimilanten nicht gelungen ist, die Erfüllung dieser gerechten Forderung diesmal durchzusetzen. Wir können die Entwicklung der Dinge ruhig abwarten, nur stark müssen wir sein, um jederzeit mit Entschiedenheit unsern Standpunkt zu vertreten. Dann werden sich unserm Gegenwartsprogramm immer neue Kreise anschließen. Ober die organisatorische Teilung und provinziale Autonomie (Galizien und Westösterreich) der zionistischen Tätigkeit wird im administrativen Teil berichtet. Hier soll nur mit Bezug auf das politische und kulturelle Moment hervorgehoben werden, daß diese Tätigkeit, reich an Problemen, einerseits mit dem Rechtskampf gegen den mächtigen Antisemitismus, anderseits mit dem Kampf für die Anerkennung der jüdischen Nationalität und den hieraus entstehenden Konflikten mit der Assimilation, die im Wahlkampf in den Gemeinden ihren Ausdruck finden, in Westösterreich, in der Bukowina und in Ostgalizien eine Menge von Gegenwartsfragen hervorrufen, die in Westgalizien weniger und in Böhmen noch viel weniger zur Geltung kommen. In Böhmen, wo eine wohlgeregelte Organisation existiert, gleicht der Zionismus mehr demjenigen Deutschlands; er entbehrt auch nicht gewisser Berührungspunkte und Beeinflussungen, die überhaupt nicht ausbleiben können und die auch, wie gesagt, in Deutschland vorhanden sind, er hat auch eine Presse und nimmt Stellung zu allen Fragen, aber er ist mehr auf das Administrative beschränkt. In Ostgalizien, wo infolge der Dreiteilung der Nationalitäten (Polen, Ruthenen und Juden) ein Spielraum für eine politische Betätigung vorhanden ist, verzweigt sich die Tätigkeit viel mehr. Im westlichen Galizien hingegen, wo die Juden nur den Polen gegenüberstehen, ist derSpielraurn sehr beschränkt: er gleicht mehr oder weniger denVerhältnissen inR u s s i s c h- Polen. Es ist auch noch ein Unterschied festzustellen zwischen der Stellung der polnischen und der böhmischen öffentlichen Meinung dem Zionismus gegenüber. Es muß konstatiert werden, daß die polnische öffentliche Meinung dem Zionismus sehr ungünstig gestimmt ist, die böhmische hingegen — eher duldsam und indifferent als feindlich. Der Hauptgrund liegt darin, daß die jüdischen assimilatorischen Kreise in Polen der polnischen Bevölkerung durch ihre unsinnige Verunglimpfung und Entstellung der zionistischen Idee große Vorurteile beigebracht haben; auch ist der polnische Patriotismus viel sentimentaler als der praktische böhmische Patriotismus. Unsere Brüder in Galizien haben also einen schweren Kampf zu bestehen. Sie bedienen sich hierfür ihrer eigenen sehr rührigen Presse. Im großen und ganzen ist der Zionismus in Österreich mit Rücksicht auf die großen jüdischen Massen, deren allergrößter Teil ein vollständiges Sonderleben führt, und im Hinblick auf den verschiedennationalautonomistischen Charakter des Gesamtreichs vielgestaltig und zukunftsreich. Ein mächtiges Kulturelement bildet hierbei die jüdische Studentenschaft, die schon seit vielen Jahren bahnbrechend auf dem nationalen Gebiete arbeitet. Auch die südslawischen Provinzen, Kroatien und Slawonien, arbeiten in ihren Grenzen sehr tüchtig mit Hilfe eines eigenen Preßorgans und tragen sehr viel dazu bei, jüdisches Leben zu fördern. Sie schaffen dort auch schätzenswerte Verbindungen mit den Sephardim Bosniens. - 4. Der Zionismus in Ungarn — Eine parlamentarische Debatte Der Zionismus in Ungarn verdient noch ganz besonders hervorgehoben zu werden, weil dort Erscheinungen an den Tag getreten sind, die an unsere ersten Kämpfe lebhaft erinnern. Die Stellungnahme jüdischer Gemeindevorstände hatte dazu geführt, daß auch die ungarische Regierung sich mit der Frage zu beschäftigen begann und daß von einer Maßregelung der Zionisten oder von einer Einstellung ihrer Tätigkeit durch Ausnahmegesetze ernstlich die Rede war. Seit den Tagen der Protestrabbiner hat es wohl kaum eine Zeit gegeben, in der das Problem der Vernichtung des Zionismus so lebhaft und teilweise mit so erfreulicher Offenheit in den Zeitungen und Kreisen unserer Gegner erörtert wurde wie in der gegenwärtigen. Der Grundgedanke der früher schon mißglückten Brandmarkung des Zionismus als einer staatsfeindlichen und unpatriotischen Bewegung wurde trotz der tausendmal erwiesenen Haltlosigkeit dieser Beschuldigung fleißig noch in vielen Kreisen kultiviert und nebenbei von neuem auf Mittel und Wege gesonnen, wie man den Zionismus in den Augen seiner Anhänger und vor allem in den Augen aller derer diskreditieren könnte, bei denen man nur irgendwie auf eine Zuneigung zum Zionismus schließen zu können glaubt.. Wer beobachtet hat, wie begierig alle Vorkommnisse innerhalb unserer Partei von unsern Gegnern aufgesogen und# in ihrer Presse zu Spaltungserscheinungen innerhalb des Zionismus aufgebauscht worden sind, wer den Eifer verfolgt hat, mit dem alles registriert und in zionsfeindlichem Sinne dargestellt wurde, was sich nur irgendwie in Beziehung zum Zionismus bringen ließ, dem wird zwar die Art und Weise dieses Manövers nicht besonders neu erschienen sein, sondern dem wird sich nur das Eine ganz besonders aufgedrängt haben, das Eine nämlich, daß unsere Gegner die Zeit gekommen erachteten, wo sie zu einem sorgfältig vorbereiteten und mit aller Kraft durchzuführenden Stoß gegen den Zionismus ausholen können. Dabei rechneten sie speziell in Ungarn mit zwei nicht zu unterschätzenden Faktoren: einmal mit dem Nationalismus der Ungarn und dann mit der Indolenz und der Abhängigkeit, aus der viele Juden sich erst zu befreien beginnen, die sie aber noch nicht ganz zu überwindenvermochten. Wer über dieSpekulation in der angedeuteten Richtung in Zweifel sein sollte, der wird am besten belehrt werden durch die im Mai vorigen Jahres unternommene Kampagne gegen den Zionismus in Ungarn. Diese Kampagne wurde von der klerikalen, offen antisemitischen oder antisemitisch angehauchten Partei gemacht und in einer Weise, die auch die jüdische Assimilation dazu zwang, für den Zionismus eine Lanze zu brechen. Ursprünglich waren es die offiziellen Genieindevorstände, die eine abfällige Meinung über den Zionismus abgegeben und der Regierung übermittelt hatten. Als dann aber die klerikale Partei aus der Zionistenhetze eine Judenhetze zu machen sich anschickte, traten auch die Preßorgane der Antizionisten für den Zionismus ein. Diese Kampagne hat uns nicht geschadet. Der Zionismus fing nämlich an, aus der allgemeinen Isolierung in die Öffentlichkeit überzugehen und weitere Kreise zu ergreifen. Mit zäher Beharrlichkeit, mit IV

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