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Die Welt · 1909-12-31 · 53 (31.12.1909) · page 17

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
13 (1909)
Issue
53 (31.12.1909)
Date
1909-12-31
Page
– (sequence 17)
Language
German
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hat uns wiederholt vorgeworfen, daß die A. P. C. die Phosphatangelegenheit in Palästina nicht gemacht hat. Ich habe vor mir einen Brief und einen Prospekt des Palästina-Industriesyndikats. Da steht: Die Geschäftsführung ist in den Händen von Warburg und Dr. Soskin, und dann wird davon gesprochen, daß verschiedene Sachen vorlägen, daß man aber vorläufig nur an die Ausführung des engern Programms denke. Was ist nun das engere Programm? Bergbauliche Unternehmungen, Ausbeutung der Salze des Toten Meeres und der Phosphate. Uns wirft Professor Warburg vor, daß wir die Sachen nicht machen, und Herr Professor Warburg, der die Leitung des Palästinasyndikats hat, hat diesen Satz geschrieben und bis heute nichts von sich hören lassen. Wenn Herr Dr. Pasmanik sagte, daß die Direktoren sich an den verschiedenen Projekten und Projektchen nicht beteiligt haben, so muß man doch fragen: Weshalb? Ich will es Ihnen sagen: Wir schätzen alle Herrn Prof. Warburg sehr hoch, aber was wir nicht billigen an ihm, das ist sein geschäftliches Disponieren, und das ist die Ursache, weshalb wir in diesen Sachen uns nicht, oder nur wenig beteiligt haben. Ich habe diese Erklärung für erwünscht gehalten. Ich glaube, die beste Lösung wäre die, daß Herr Warburg — und ich glaube, er ist selbst damit einverstanden —, die Dispositionen, die geschäftliche Leitung des Palästinaressorts dem Zentralbureau überläßt. Cowen hat in der Form gefehlt. Aber leider ist das nicht ein vereinzelter Fall. Wenn man allen denen, die auf Kongressen und außerhalb, in Komiteesitzungen unhöflich gewesen sind, die Mißbilligung ausspräche, ich glaube, der Kongreß müßte für einen großen Teil seiner Mitglieder das tun. Ich ersuche, den Antrag abzulehnen. Dr. Becker beantragt über die ganze Angelegenheit Cowen zur Tagesordnung überzugehen. Ein Antrag Bettelheim will die Angelegenheit ohne Diskussion dem Kongreßgericht überreichen. Ein anderer Antrag besagt: Der Kongreß erklärt, daß er mit der Art und Weise, in der Cowen Herrn Prof. Warburg angegriffen hat, nicht einverstanden ist. Israel Cohen beantragt: Der Kongreß spricht sein Bedauern über die Veröffentlichung der Korrespondenz aus. Dr. Isidor Margulies beantragt: Angesichts der Vertrauenskundgebung für Prof. Warburg, die der Kongreß einstimmig beschlossen hat, geht der Kongreß über die Angriffe Cowens zur Tagesordnung über. Prof. Dr. Boden heimer: Nach unserer Geschäftsordnung muß über die Anträge sofort abgestimmt werden, weil es ein Antrag auf Schluß der Debatte ist. Es hat der Antragsteller das Schlußwort. In diesem Falle, wo es sich um eine Kundgebung gegen ein Mitglied des Kongresses handelt, ist es selbstverständlich, daß Herr Cowen gleichfalls zu Worte kommt und dann Herr War bürg. Dr. Daiches (lebhafte Schlußrufe): Im Interesse des Zionismus und auch unseres Präsidenten Wolffsohn bitteich, meinen Antrag anzunehmen. Das Vertrauensvotum für Warburg genügt uns nicht, das würde nur als Höflichkeit gedeutet. Cowen kann nicht mehr Direktor der Bank sein. Herr Wolffsohn sprach von einem siamesischen Zwillingspaar, auch in England haben wir ein solches, das sind Cowen und Greenberg. Wenn Sie die Interessen Wolffsohns wahren wollen, — und Wolffsohn ist allright, — dann trennen sie Wolffsohn von Cowen und Greenberg. Cowen verzichtet aufs Wort. Prof. War bürg: Ich glaube, der Kongreß hat wirklich Wichtigeres zu tun. Ich habe schon verschiedentlich erklärt, daß ich nicht den Ehrgeiz habe, ein Geschäftmann zu sein und es auch nicht zu sein glaube. Also jede Möglichkeit, mir die Geschäfte persönlich abzunehmen und in einem großen Bureau zu vereinigen, würden meine ernste Unterstüzung finden. Wenn es sich ermöglichen läßt, bin ich jederzeit bereit. Ich habe nur bisher empfunden, daß die Bank in der jetzigen Weise nicht das genügende Verständnis für die Palästinaarbeit hat, — das kaufmännische Verständnis meine ich nicht —, da glaube ich, daß sie sehr gut. arbeitet. Aber wenn ich* erkläre, daß ich mich womöglich in geschäftliche Unternehmungen nicht einmischen werde, .glaube ich, daß auch die Unterlagen für diese Diskussion in der Zukunft nicht vorhanden sind. Und ich glaube, wir können nichts besseres tun, als wenn wir über diesen Antrag zur Tagesordnung übergehen. (Stürmischer Beifall.) Der Antrag auf Übergang zur Tagesordnung wird fast einstimmig angenommen. Schluß der Vormittagssitzung 2 Uhr. Nachmittagssitzung Tschlenow eröffnet die Nachmittagssitzung um 33 4 Uhr. Dr. Bodenheimer erstattet den Bericht über die Organisation. Dr. Bodenheimer: Ich werde Ihnen das Referat über die Organisationsfragen nicht mündlich erstatten, die Zeit des Kongresses ist zu weit vorgeschritten, als daß wir uns eingehend mit der wichtigsten Frage des Kongresses beschäftigen könnten, bevor wir zu den Wahlen kommen, auf die die große Masse der Delegierten schon mit Ungeduld wartet. Es ist gar keine Frage, daß das Interesse nur nach dem einen Punkt, die oberste Leitung, sich konzentriert und die andern organisatorischen Punkte doch nicht die Aufmerksamkeit des Kongresses finden würden. Es is ja bekannt, daß ein gewisses Vorurteil gegen Organisationsfragen besteht. Manche meinen daß sie das Interesse der großen Mehrheit nicht finden. Ich habe zwar eine bessere Meinung von dem Kongresse, aber man hat bisher die Organisation als das Stiefkind unserer Bewegung betrachtet und immer zu solcher Zeit und unter solchen Umständen zur Erörterung gebracht, daß unmöglich etwas Brauchbares geschaffen werden konnte. So auch diesmal. Ich habe ein eingehendes Referat ausgearbeitet; es wird gleich zum Schlüsse meiner Ausführungen verteilt werden. Nur noch ein kurzes Wort. Es betrifft den Punkt, über den die Landsmannschaften und der Permanenzausschuß seit gestern früh fast unausgesetzt beraten, den Punkt der obersten Leitung unserer Bewegung. Wir haben alle den Eindruck, daß es nicht möglich sein wird, ein Komitee zusammenzusetzen, bei dem eine zuverlässige, absolut den Anschauungen des Kongresses entsprechende Führung an der Spitze ist. Wir haben den Eindruck, daß die Führung stark sein muß. Man hat nun den Versuch gemacht, die Frage so zu lösen, daß man an Stelle weniger Personen ein größeres Komitee in Vorschlag gebracht hat. Bei diesem größern Komitee ist es unausbleiblich, daß der größere Teil der Mitglieder außerham des Sitzes der Leitung sich befindet. Die frühere Erfahrung hat gezeigt daß ein solches Komitee unmöglich arbeiten kann, denn die auswärts wohnenden Mitglieder haben den Wunsch, fortdauernd unterrichtet zu sein. Es fehlt ihnen aber die Möglichkeit, fortdauernd in die Leitung einzugreifen, und aus diesem Zwiespalt erwachsen fortwährend Reibungen die es unmöglich machen, die Leitung der Bewegung nach einheitlichen Grundsätzen zu führen. Die Sicherheit der Zukunft unserer Bewegung beruht meiner Ansicht nach darauf, daß wir nicht zu oft und nicht zu viel an der Form der Leitung ändern. Es muß einmal die Zeit kommen, wo wir in Ruhe, ohne die Personenfragen in den Vordergrund zu stellen, prinzipiell und formell die Frage der obersten Leitung der Bewegung endgültig entscheiden. Ein Schiff tritt die Fahrt an aus einem Hafen nach einem fernen Ziel. Auf der Kommandobrücke eines Schiffes stehen nicht fünf oder sieben Leute, die zusammen beraten, was in jedem einzelnen Falle zu tun ist. wenn das Nebelhorn ertönt und vor dem Bug des Schiffes ein Fels aus der Brandung auftaucht, dann muß ein Mann da sein, der das Kommando übt, damit das Schiff die Gefahr vermeidet und sicher den Hafen erreicht. Der Zionismus ist ein solches Schiff, das nach einem fernen Ziel seine Fahrt angetreten hat. Auch vor ihm tauchen Gefahren rechts und links auf. Man weiß, daß das Schiff der Maschine gehorcht, und es ist alles in Ordnung vom Kapitän herunter bis zum untersten Matrosen. Dann wird das Schiff sein Ziel erreichen. (Lebhafter Beifall.) Nach längerer Geschäftsordnungsdebatte beschließt der Kongreß das Große Actionscomite mit der Ausarbeitung eines Organisationsentwurfs bis zum nächsten Kongreß zu beauftragen. Dieser Entwurf soll dann der erste sachliche Verhandlungsgegenstand des zehnten Kongresses sein. Jetzt soll die Permanenzkommission bestimmte Vorschläge für die oberste Leitung der Partei machen und die hierzu etwa erforderliche vorläufige Änderung des Statuts vorschlagen. Inzwischen gelangen einige andere Punkte zur Verhandlung. Die endgültige Regelung der Federationsfrage wird im Anschluß an die Erörterung der amerikanischen und englischen Verhältnisse (Beziehungen des Order Knigths of Zion und des Order of Ancients Maccabeans zur amerikanisch- bzw. englischer Federation) dem Großen Actionscomite überwiesen. Dr. Tschlenow berichtet über die Sitzung der Agrarkreditkommission und stellt in deren Namen folgenden Antrag: „Der Kongreß wählt eine besondere Kommission, welche die zur Gründung eines Instituts für Bodenkredit erforderlichen Maßnahmen durchführen soll. Die Kommission soll das Recht der Kooptation haben und ihre Arbeiten im Einverständnis mit dem Großen Actions-Comit6 vornehmen." Der Antrag wird ohne Diskussion angenommen. Hierauf wird die Finanzfrage behandelt. Präsident Wolffsohn beantragt in Vertretung von Dr. Hantke, der durch die gleichzeitige Sitzung des Permanenzausschusses am Erscheinen verhindert war: „Der Kongreß beschließt, daß sämtliche von der zionistischen Organisation ins Leben gerufene Institute einschließlich des Nationalfonds einer zehnprozentigen Besteuerung zugunsten der Partei unterworfen werden sollen. Über diesen Antrag entspinnt sich eine lange stürmische Debatte. Ein großer Teil des Kongresses erhebt lebhaften Widerspruch gegen die geplante Besteuerung des Nationalfonds. III

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