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Die Welt · 1909-12-31 · 53 (31.12.1909) · page 18

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
13 (1909)
Issue
53 (31.12.1909)
Date
1909-12-31
Page
– (sequence 18)
Language
German
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Wolffsöhn, der inzwischen der Sitzung des Permanenzausschusses beigewohnt hatte, machte bei seiner Rückkehr die Mitteilung, daß die neuen Männer der Leitung, die der Permanenzausschuß vorschlagen werde, sichgegen die Besteuerung des Nationalfonds erklärt haben. Deshalb ziehe er den ganzen Antrag zurück und ersuche den Kongreß, auch den vorliegenden Abänderungsantrag, wonach die Institutionen mit Ausnahme des Nationalfonds und der Öl bäum spende besteuert werden sollten, abzulehnen, da in dem Falle, wenn diese beiden Institute von der Besteuerung ausgenommen würden, die ganze Sache für die Gestaltung der Parteifinanzen unerheblich erscheine. Nunmehr wurde der Antrag auf Besteuerung der Institutionen mit großer Mehrheit abgelehnt. Hierauf vertagte sich der Kongreß um 8 Öhr zur Schlußsitzung, die um 9 7« Uhr abends stattfinden soll. Nachtsitzung Die Sitzung wird um IOV'2 Uhr wieder eröffnet. Der Vorsitzende des Permanenzausschusses Dr. Weizmann beantragt im Namen des Permanenzausschusses eine Änderung des § 23 des Organisationsstatuts. Danach soll das Große Actions-Comite aus mindestens 21 Mitgliedern bestehen. Drei bis sieben davon bilden das E. A. C. Davon müssen mindestens drei an einem Orte wohnen. Die bisherige Bestimmung, daß der Präsident des E. A. C. vom Kongreß gewählt werden soll, ist im Vorschlage des Permanenzausschusses gestrichen. Dr. Heinrich Loewe gibt namens der überwiegenden Mehrheit der deutschen Landsmannschaft, der geschlossenen südafrikanischen, ungarischen, bulgarischen, türkischen und italienischen Landsmannschaften, der geschlossenen Misrachiföderation, des Order Knigths of Zion, ferner eines Teiles der rumänischen und englischen Förderation, sowie eines Teiles der russisch-polnischen Delegierten folgende Erklärung ab, die er als Antrag einbringt: „Der Präs ident soll vom Kongreß gewählt werden. David Wolffsohn soll Präsident des E. A. C. sein. Die Bureaus der Leitung sollen sich am Wohnorte des Präsidenten befinden." David Wolffsohn ersucht demgegenüber dringend, von diesem Antrage abzusehen. Er bittet, der Welt nicht das Schauspiel der Uneinigkeit der Zionisten zu bieten. Man soll den neuen Männern Gelegenheit zur Arbeit in ihrem Sinne geben. Falls sich die Neuordnung nicht bewährt, werde er, Wolffsohn, nach zwei Jahren der erste sein, der den Kongreß auffordern wird, die heute getroffenen Bestimmungen zu ändern. Man soll keine Gegenvorschläge gegen die Vorschläge des Permanenzausschusses machen. Es folgt eine Reihe von Erklärungen der einzelnen Landsmannschaften und Föderationen, die sich für oder gegen den Antrag der Permanenzausschusses aussprechen. Die galizische Landsmannschaft erklärt durch Dr. Leo Reich, daß sie zwar unter allen Umständen David Wolffsohn zum Präsidenten gewählt wünscht, daß sie aber auf die Verlegung des Bureaus nach Berlin bestehe. Dr. Heinrich Loewe erklärt, daß die von ihm vertretenen Organisationen mit Rücksicht auf die Erklärung Wolffsohns zwar nicht für den Antrag des Permanenzausschusses stimmen können, daß sie sich aber der Abstimmung enthalten werden. Der Antrag Dr. Loewe wird von Dr. Friede mann wieder aufgenommen. Es folgt die Abstimmung über deh Antrag des Permanenzausschusses in getrennten Abstimmungen über die einzelnen Teile... Alle positiven Vorschläge des Permanenzausschusses wegen der Änderung des Statuts werden bei Stimmenenthaltung der von Dr. Loewe vertretenen Landsmannschaften angenommen. Hierauf verlangt die galizische Landsmannschaft ausdrückliche Abstimmung darüber, ob die bisherige Bestimmung des Statuts, wonach der Präsident des E. A. C. vom Kongreß gewählt wird, gestrichen werden soll. Dr. Friede mann erklärt namens der deutschen Landsmannschaft, daß diese sich an der Abstimmung über diesen Antrag beteiligen werde. Der Antrag des Permanenzausschusses aufStreichung dieser Bestimmung aus dem Organisationsvertrag wird mit 148 gegen 128 Stimmen abgelehnt. Die Vertreter des Misrachi erklären nunmehr unter lebhaftem Beifall des Kongresses, daß sie die Wolffsohns zum Präsidenten vorschlagen. Dr. W ei t z m a n n erklärt, daß durch diese Abstimmung die Voraussetzungen für die Vorschläge des Permanenzausschusses beseitigt, diese daher gegenstandslos seien. Der Permanenzausschuß zieht sich nunmehr zu neuer Beratung zurück, während die Sitzung um die Mitternachtsstunde unterbrochen wird. Um l8/4 Uhr wird die Sitzung wieder eröffnet. Wolffsohn erklärt, der einzige Ausweg aus der durch die vorherige Abstimmung geschaffenen Lage sei die Umstoßung des gefaßten Beschlusses. Er richtet nochmals einen dringenden Appell an den Kongreß, der Außenwelt nicht das Schauspiel der Uneinigkeit zu bieten. Loewe gibt hierauf namens der vereinigten Landsmannschaften und Förderationen die Erklärung ab, daß dieselben sich der Abstimmung enthalten werden. Nunmehr wird die fragliche Bestimmung des Statuts, wonach der Präsident vom Kongreß gewählt wird, gemäß dem Vorschlage des Permanenzausschusses gestrichen. Alle diese Vorgänge spielen sich, in aller Stille, ohne alle Kundgebungen ab. Dr. Friede mann erklärt namens der vereinigten Landsmannschaften, daß dieselben sich an der Abstimmung über die Wahl des E. A. C. nicht beteiligen würden, gibt aber zugleich die Erklärung ab, daß die vereinigten Landsmannschaften unbegrenztes Vertrauen zur Person Warburgs haben. Weizmann verliest hierauf die Vorschläge des Permanenzausschusses für die Wahl des Engeren Actions-Comites. Auf der Liste des Permanenzausschusses befinden sich: Warburg, Sokolow, Tschlenow, Ussischkin (stürmische Mißfallskundgebungen, Pfeifen, Zischen), Hantke, Stand, Sandler. Der Permanenzausschuß beantragt die Annahme dieser Liste en bloc. Die Wahl erfolgt auch demgemäß en bloc bei Stimmenthaltung der Mehrheit des Kongresses. Hierauf erklärt Hantke, daß er die Wahl unter solchen Umständen ablehne. Dr. Sandler lehnt gleichfalls die auf ihn gefallene Wahl ab. Professor Warburg erklärt unter stürmischem Beifall, er sei unter diesen Umständen ebenfalls nicht in der Lage, die Wahl anzunehmen. (Große Bewegung.) Die einzelnen Landsmannschaften und der Permannzausschuß ziehen sich zu neuerlichen Beratungen zurück. Die Verhandlungen dauern mehr als anderthalb Stunden. Nach l/«4 Uhr wird die unterbrochene Sitzung wieder eröffnet. Dr. Boden heim er und Wolffsohn erklären, daß es in der gegebenen Zwangslage nur einen Ausweg gebe: ein Provisorium, Die bisherige Leitung und die bisherigen Kommissionen sollen unverändert bleiben, auch soll der Sitz der Bureaus bis zum nächsten Kongreß, der früher einberufen werden wird, in Köln bleiben. Der Kongreß stimmt diesem Antrage fast einstimmig zu. Nach den Schlußworten von Professor Weyl und Dr. Bodenheim er wird der Kongreß nach vier Uhr nachts unter den Klängen, der Hatikwa geschlossen. Verlag: „Die Welt, Verlagsges. m. b. H.", Köln. — Verantwortlicher Redakteur: Julius Berger, Köln. Für die Rubrik „Jüdischer Nationalfonds" verantwortlich: Dr. Moritz Zobel, Köln. Druck von M. DuMont Schauberg, Köln. IV

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