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Die Welt · 1909-12-31 · 53 (31.12.1909) · page 16

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
13 (1909)
Issue
53 (31.12.1909)
Date
1909-12-31
Page
– (sequence 16)
Language
German
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erkläre, es sei ein geschäftlicher Nonsens, wenn man keine Geschäfte erzielt, daß die Gelder parat seien. Meine Auffassung ist nur die organische Fortsetzung der Auffassung der Direktoren, die, — ich weiß nicht aus welcher Ängstlichkeit, — sich scheuen, mit den Geldern nach Palästina zu gehen. Ich will nur die Auflösung eines Komplexes von Geschäften, so wie man z. B. beschließt, ein Kontokorrent aufzugeben zugunsten des Wechselgeschäfts. Um aber Ihre Besorgnis vollkommen zu beseitigen, will ich meinen Antrag im zweiten Teil etwas anders formulieren, und vielleicht finde ich da auch die Zustimmung der Direktoren. Ich beantrage also im zweiten Teil: ..Der Kongreß fordert, daß allmählich die möglichste Einschränkung des europäischen Geschäftes der Bank erfolge und daß die freiwerdenden Mittel nach Palästi na ü b ergefüh rt vv erden." In der Abstimmung wird zunächst der erste Teil des Antrages Simon mit III gegen 106 Stimmen abgelehnt. (Lebhafter Beifall und Zischen.) Da die Richtigkeit des Ergebnisses der Stimmenzählung bezweifelt wird, wird die Abstimmung wiederholt. Das Ergebnis ist wieder die Ablehnung mit 138 gegen 121 Stimmen. (Stürmischer Beifall.i Zum zweiten Teil erklärt David Wolffsohn: Wir haben nie gesagt, daß die Gelder nicht nach Palästina hinkommen sollen. Wir wollen daher den Antrag in folgender Weise formulieren: ..Der Kongreß wünscht, daß die Mittel des J. C. T. allmählich nach Palästina hinübergeleitet werden." Damit werden wir lins alle einverstanden erklären. (Lebhafter Beifall.) Die Abstimmung wird einstweilen zurückgestellt, um inzwischen eine eventuelle Verständigung zwischen den Antragstellern zu ermöglichen. Der Vorsitzende erteilt Prof. Warburg das Wort-zu einer Erklärung. Prof. Warburg: Es handelt sich um eine Richtigstellung zu den Mitteilungen, die gestern in der Angelegenheit der A. J. K. O. gemacht worden sind. Ich bin darauf aufmerksam gemacht worden, daß das Memorandum, aus dem gestern einige Stellen verlesen wurden, -- darum erkannte ich es nicht und dachte, es wäre in Konstantinopel verfaßt worden, — in einer Sitzung in Berlin erörtert worden ist an der ich und Dr. Hey mann teilgenommen haben, während Dr. Friedemann früher fortgegangen war. Die einzelnen Sätze, die verlesen wurden, fallen in dem Zusammenhang, in dem sie drin stehen, gar nicht auf und haben auch gar keine Bedeutung für den Zionismus. Wenn man sie aber zusammenträgt, dann machen sie den eigentümlichen Eindruck, der gestern mit Recht hervorgehoben wurde. Ich möchte bemerken, daß es sich um die Grundlagen einer Mission des Dr. Nossig nach Konstantinopel handelt, und das Schriftstück, das er mit andern Berliner Vertretern verfaßt hatte, wurde von uns noch durchredigiert. Es war darin eine Reihe von Stellen, die wir gestrichen haben. Es wird nur ein einzigesmal der Zionismus berührt, und es heißt da, daß die Mitglieder, die das Memorandum unterschrieben haben, dem Zionismus nicht angehören; das ist auch tatsächlich richtig. Ich stelle das fest und bemerke nochmals, daß Dr. Friedemann vorher aus der Sitzung fortgegangen war und daß auch Dr. Ginzberg keine Schuld daran trifft. Ob bei der A. J. K. 0. ein gewünschtes Resultat herauskommt, können wir nicht wissen. Wir halten es für unsere Pflicht, jedes philanthropische Unternehmen in der Türkei, namentlich in der asiatischen Türkei, welches, wenn auch nicht in Palästina, so doch in den Nachbarländern, Juden ansiedeln will, zu unterstützen, so weit es in unserer Macht ist. Dr. Bodenheim er: Der größte Teil von Ihnen war zugegen, als gestern die Angelegenheit erörtert und das Dokument verlesen wurde, aus dem sich ergab, daß die Behauptung unseres geehrten Präsidenten Wolffsohn durchaus richtig ist, daß in dem offiziellen Dokument der A. J. K. O. Verdächtigungen der zionistischen Organisation enthalten sind. (Zuruf: So ist es!) Wir haben heute nun eine authentische Erklärung von Herrn Prof. Warburg über diesen Punkt vernommen, inwiefern es ihm nicht möglich war, an einer Änderung des Schriftstückes mitzuwirken. Ich möchte Ihnen ex praesidio noch sagen, daß es dem Ansehen und der Würde des Kongresses nicht entspricht, sich mit andern,- besonders mit jüdischen Organisationen hier in Formen irgendeiner Art auseinanderzusetzen. Erst auf Grund eines Telegramms, das hierher gerichtet worden war, und um den Herren, die sich durch die Äußerung des Herrn Präsidenten beschwert fühlten, Gelegenheit zu geben, zu Worte zu kommen, weil sie nicht in dem Saale vertreten sind, wurde gestern diese Angelegenheit zur Sprache gebracht. Wir haben keine Veranlassung, auf solche Äußerungen anderer Organisationen hier auf unserm Kongreß einzugehen. Wir haben deshalb auch davon Abstand genommen, auf eine offiziöse Mitteilung in einer Hamburger Zeitung einzugehen, in der sich irreführende Angaben über Umfang und Bedeutung der zionistischen Bewegung und unserer Organisation befinden, und die eine ganz unsachliche Erklärung gegenüber einer freundlichen Einladung enthält, welche die Leitung des Actions-Comites an Sie gerichtet hat. Ich will hier keine Kritik üben, ob es taktvoll und richtig von einer jüdischen Behörde war, die Gastfreundschaft in Hamburg in dieser Weise zu üben. Wenn man es nicht schon wüßte, wäre es nötig, darauf hinzuweisen, daß es leider eine jüdische Behörde ist. Wir haben bisher noch keine Veranlassung gehabt, uns gegen irgendwelche Erklärungen nichtjüdischer Behörden zu wehren, und ich glaube, der Fall wird auch nicht eintreten. Aber wenn wir von einer jüdischen Organisation in dieser Weise angegriffen werden, wie es von der A. J. K. 0. geschehen ist, dann sind wir berechtigt, uns dagegen zu wehren. (Lebhafter Beifall) Dr. Friedemann: Die Angelegenheit ist natürlich für uns endgültig erledigt. Ich bitte nur noch um einen Augenblick zu meiner eignen Rechtfertigung. Der Präsident der A. J. K. 0. hat an den Präsidenten des Kongresses, Herrn Dr. Nordau, eine Depesche gerichtet (der Redner verliest sie), in der ersucht wird, mitzuteilen, daß Dr. Friedemann bei der Lektüre des Memorandums nicht anwesend gewesen ist, aber von vornherein sein Einverständnis erklärt hat. Also ich konstatiere nochmals ausdrücklich, daß ich jener Sitzung nicht beigewohnt habe, sondern daß ich mich darauf verlassen habe, daß die andern Zionisten, die anwesend waren, alles aus der Denkschrift herauslassen würden, was unter Umständen den Zionismus schädigen könnte. Also mich trifft keine Verantwortung. Damit ist diese Angelegenheit erledigt. Vizepräsident Dr. Bodenheimer: Es ist mir gesagt worden, daß einzelne Ersatzdelegierte vorhin zu Unrecht an der Abstimmung sich beteiligt haben. Wenn ein Delegierter auf dem Kongreß erschienen war und inzwischen abgereist ist, hat der Ersatzdelegierte kein Recht, an der Abstimmung teilzunehmen. Ich bitte davon Kenntnis zu nehmen. Man kommt nunmehr auf den zweiten Teil des Antrags Simon zurück. Simon hält seinen Antrag aufrecht. Der Vorschlag des Präsidenten des Aetions-Cornitäs enthalte eine Selbstverständlichkeit, wegen deren es nicht erforderlich ist, den Kongreß um eine Abstimmung zu bemühen. Der zweite Teil des Antrags Simon wird angenommen. Es folgt ein Antrag Dr. Loewe: Der Kongreß konstatiert mit Befriedigung die außerordentlichen Fortschritte und Erfolge des Bezalel und gibt der Zuversicht Ausdruck, daß unser Finanzinstitut in Palästina durch Eröffnung eines angemessenen größeren Kredites zur pekuniären Sicherung der Schule beitragen wird. David Wolffsohn: Ich glaube kaum, daß jemand auf dem Kongreß sein wird, der nicht dafür eintritt, den Bezalel zu unterstützen. Nur möchte ich nicht, daß auf dem Kongreß über Kreditgewährung beschlossen wird (sehr richtig), denn sonst wird es auf jedem Kongresse allerlei Anträge regnen. Jeder, der Kredit haben will, wird nicht mehr zur Bank, sondern zum Kongreß gehen. (Sehr wahr!) Deswegen schlage ich Ihnen vor, den Antrag dem Direktorium der Bank zu überweisen, und ich gebe Ihnen namens des Direktoriums die Versicherung, daß wir alles, was in unsern Kräften steht, für den Bezalel tun werden. (Lebhafter Beifall.) Zur Verhandlung steht nunmehr folgender Antrag Dr. Daich es „Der Kongreß gibt hiermit seiner Entrüstung über die von Mr. Cowen an Prof. Warburg gerichteten Briefe lebhaften Ausdruck und hält es für ratsam, daß Mr. Cowen sein Amt als Direktor des J. C. T. niederlegt." Kann: Es ist mir nicht darum zu tun, Herrn Cowen zu verteidigen. Es ist viel über die Form des Briefwechsels gesagt worden. Mein Freund Cowen ist ein enfant terrible; er sagt Wahrheiten in einem sehr unpassenden Moment. Es war gewiß nicht angebracht, gerade jetzt vor dem Kongreß mit dieser Sache zu kommen; aber wenn auch von verschiedenen Seiten die Form, in der er gemeint hat, seine Bemerkungen zur Kenntnis bringen zu sollen, gerügt worden ist, so müssen wir doch anderseits gerecht verfahren. Ich würde dieses sagen, auch wenn Cowen nicht mein Freund wäre. Und die Tatsachen, die er erzählt hat, sind richtig. Ich verweise Sie auf den Brief Warburgs. Es wird damit angefangen, daß Warburg nichts ohne geschäftskundige Beratung unternommen habe. Die geschäftskundigen Berater, die dafür angewiesen sind, wären die Direktoren des J. C. T. und der A. P. C. und ich persönlich, der ich mit Warburg persönlich zusammen gearbeitet habe. Herr Professor Warburg hat in seinem Brief die Verantwortung auf andere geschoben, auf diese kundigen1 Berater; aber das geht doch nicht an. Herr Professor Warburg II

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