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Die Welt · 1909-12-31 · 53 (31.12.1909) · page 12

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Journal
Die Welt
Volume
13 (1909)
Issue
53 (31.12.1909)
Date
1909-12-31
Page
– (sequence 12)
Language
German
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1246 DIE^ELT No. 53 „die nötigen Zustimmungen der Regierungen", sondern: „die nötigen Regierungszustimmungen"7 das heißt, die nötigen Zustimmungen der Regierung, in der Einzahl! (Heiterkeit. Beifall.) Daß mit dieser einen Regierang heute nur die türkische gemeint ist und sein kann, liegt doch auf der Hand, und wir erklären es hier noch ausdrücklich. (Beifall.) Daß aber die Erlangung der nötigen Zustimmungen der türkischen Regierung zur gesetzlichen Besiedeking Palästinas eine der Aufgaben des Zionismus ist, das wird hoffentlich in dieser Versammlung niemand bestreiten wollen. (Beifall.) Wir wollen und werden an unserm Programm kein Jota ändern. Nicht weil wir ihm etwa eine mystische ünantastbarkeit zuschreiben. Solcher Wortfelischismus ist uns vollkommen fremd. Aber weil das Baseler Programm unsere ganze Sehnsucht und all unsere Bestrebungen offen und klar ausdrückt. Diese Hoffnung schätze ich an ihm besonders hoch. Wir haben keine Hintergedanken. Wir bezeichnen in voller Aufrichtigkeit unser Endziel: nämlich, als modernes hochgesittetes Volk ungestört und unangefochten im Lande unserer Väter national zu leben. (Anhaltender Beifall.) Und diese Offenheit gibt uns das Recht, Vertrauen zu fordern und jedem mit Stolz und von sehr hoch herab zu antworten, der uns, ich weiß nicht, welche Hintergedanken, ich weiß nicht, wrelche unausgesprochenen Nebenabsichten zuschreibt. Gewisse Gegner sind gegenwärtig in der Türkei an der Arbeit, uns dort mit einer Erbitterung zu bekämpfen, die zwölf Jahre ohnmächtiger, ergebnisloser Feindseligkeiten in Europa und Amerika maßlos gesteigert haben. Sie haben uns in den politischen Kreisen der Türkei mit Verleumdungen verfolgt, die man in der europäischen Öffentlichkeit nicht mehr zu wiederholen wagen würde, die man aber zur Ausfuhr nach dem Morgenlande noch ganz brauchbar findet. (Heiterkeit und Beifall.) Man hat die türkischen Vaterlandsfreunde mit Mißtrauen gegen uns erfüllt. Man hat ihnen eingeredet, wir planten, eine Provinz vom türkischen Reich loszureißen, wenn wir erst in Palästina wären, dieses für unabhängig zu erklären und das Land zu einem selbständigen Königreich oder einer Republik der Juden zu machen. In Europa könnte niemand derartige Tollheiten herumschwatzen, ohne daß man ihm ins Gesicht lachen würde; türkische Zuhörer, die weniger gewarnt sind, lassen sich durch eine derartige alberne Fopperei zum Besten halten. Wir sagen ihnen deshalb: Laßt euch von unsern Gegnern keinen Bären aufbinden. Sie machen sich über euch sträflich lustig. Niemand von uns hat je daran gedacht, Palästina vom ottomanischen Reiche loszureißen, ein Königreich oder eine Republik zu errichten und dem ottomanischen Reich für die wohlwollende Aufnahme, die es den Zionisten gewähren würde, durch einen Anschlag auf die Reichseinheit zu danken. Was wir wollen, das ist, im ottomanischen Staatsverband eine Nationalität zu bilden, wie alle andern Nationalitäten im Reiche. Die Anerkennung unserer Nationalität verlangen wir allerdings, darüber soll kein Zweifel bestehen. Es soll unser Ehrgeiz sein, den Namen der loyalsten, der zuverlässigsten und der brauchbarsten aller türkischen Nationalitäten zu verdienen, an dem Wohlstand, am Fortschritt und an der Macht des Reiches am eifrigsten mitzuwirken (anhaltender Beifall), aber wohlverstanden: all das wollen wir nur als Nationalität leisten, als jüdis.che Nationalität. Das ist unsere offene Antwort auf gewisse türkische Äußerungen. Man hat uns gesagt: Kommt nur immer zu uns nach der Türkei, ihr sollt uns willkommen sein. Ihr findet bei uns alles, was ihr verlangt, fruchtbaren, billigen, vielleicht unentgeltlichen Boden, Sicherheit gegen Verfolgung, die Freiheiten, die jedem Bürger des ottomanischen Reiches gewährleistet sind, aber ihr müßt ottomanische Staatsangehörige werden, die türkische Sprache annehmen, im türkischen Volk aufgehen, so daß man euch von den andern Türken nicht unterscheiden kann. Und damit ihr ganz sicher diese Bedingungen auch einhaltet, werden wir euch nicht gestatten, in größerer Zahl oder gar in geschlossenen Verbänden beisammen zu siedeln. Wir werden euch gleichmäßig durch alle Provinzen des türkischen Reiches verteilen, und wir werden euch namentlich in Palästina nicht eindringen lassen. Palästina soll euch verschlossen bleiben, die einzige Provinz im türkischen Reiche.Ä Angesichts derartiger Anschauungen ist es ein Gebot der Ehre und der Selbstachtung, auf das Basler Programm hinzuweisen (Beifall, Händeklatschen) und zu erklären, daß wir es unverändert aufrecht halten und kein einziges Wort davon, liebedienerisch übertünchen wollen. Denn in der Grundtatsache des Zionismus kenne ich keinen Opportunismus, In diesem Punkte ist ein Zugeständnis nicht möglich. Wenn die Zionisten in die Türkei gehen wollen, so ist es, um als ottomanische Staatsangehörige palästinensische Juden zu sein, nicht um uns irgendwo in Mazedonien oder in Kleinasien zu Türken zu machen. Wenn sie sich assimilieren wollen, so haben sie das näher und billiger, dann tun sie es dort, wo sie sind, und sparen die Reisekosten und das Ungemach der Wanderung und der Einlebung in neue Verhältnisse. (Große Heiterkeit, Händeklatschen.) Sie sind aber Zionisten, weil Sie sich eben nicht assimilieren wollen. Sie drängen nach Palästina, um im Lande der Väter als jüdische Nationalität zu leben und sich auszuleben. (Beifall.) Sagt man uns daher: „In Palästina lassen wir euch nicht ein, jüdisch-national dürft ihr nicht leben, die Türkei nimmt euch nur auf, wenn ihr auf euren Zionismus verzichtet/ so werden wir eine Anstrengung machen, um kein Wort zu erwidern, das dauernde Feindschaft stiftet, und brechen eine Unterredung ab, die zurzeit kein Ergebnis verspricht. Die Zionisten haben so lange gewartet, sie werden noch länger warten. Inzwischen aber werden sie das zionistische Ideal unverbrüchlich aufrechthaiten. (Beifall.) Ich sage das vorläufig nur in meinem Namen. Sie werden unzweifelhaft Gelegenheit nehmen wollen, unzweideutig zu erklären, ob Sie mit mir einer Meinung sind oder nicht, ich bin ein Zionist, der seine Fahne nie und nimmer in die Tasche steckt. (Beifall.) Wenn andere Zionisten bereit sind, ihren Zionismus zu verheimlichen oder gar aufzugeben, dann trennen sich unsere Wege. Mein Ideal ist, ein jüdisches Volk im Lande seiner Väter zu sehen, geadelt durch seine zweitausendjährige Charakterfestigkeit, geachtet wegen seiner ehrlichen und ersprießlichen Kulturarbeit, ein Werkzeug des weisen Fortschritts, ein Streiter der Gerechtigkeit, ein Verkünder und Über der Bruderliebe. Von diesem Ideal gebe ich nicht ein I-Tüpfelchen auf. In diesem Punkte gibt es kein Zugeständnis. Dieses Ideal gebe ich um alle Schätze der Welt nicht auf, geschweige denn für ein Linsengericht. Widersetzt die heutige Türkei sich der Verwirklichung meines Ideals, so muß ich eben warten, länger warten, schmerzlich lange warten. Langes Warten ist ein

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