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Die Welt · 1909-12-31 · 53 (31.12.1909) · page 10

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
13 (1909)
Issue
53 (31.12.1909)
Date
1909-12-31
Page
– (sequence 10)
Language
German
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1240 DIE^FIT Wn. 1244 - * =D1E3 möglichst lange Dauer zu wünschen und an diese Dauer auch zu glauben. Aber der Zionismus darf sich mit einer ottomanischen Partei nicht identifizieren. (Beifall.) Der Zionismus kann unmöglich seine Zukunft oder auch nur seine Gegenwart an das Schicksal einer ottomanischen Partei knüpfen. (Lebhafter Beifall.) Und vor allem: er darf sich nicht den Anschein geben, sich in die innerpolitischen Kämpfe der Türkei einmischen zu wTollen. Zügeln wir unsere Ungeduld! Wenn diejenigen Zionisten, die selbst das neue Leben des jüdischen Volkes in der alten Heimat ihrer Väter werden leben wollen, erst türkische Staatsangehörige geworden sind, werden sie das Recht und die Gelegenheit haben, am innerpolitischenLeben ihres Vater - landes mit der ganzen Hitze ihres Temperaments teilzunehmen, sich der Partei ihrer Wahl anzuschließen, für sie ohne Vorbehalt einzutreten und ihre Gegner mit beliebiger Heftigkeit zu bekämpfen. Einstweilen aber gebietet ihnen die Klugheit und der Geschmack eine Zurückhaltung, die von allen türkischen Parteien ungleich freundlicher gewürdigt werden wird, als vorlauter und unverlangter Eifer. Die jungtürkische Partei würde uns schwerlich Dank gewrußt haben, wenn wir uns vorzeitig an sie herangedrängt und ihr unsere Dienste angeboten hätten, die zu erweisen wir übrigens gar nicht in der Lage gewesen wären.;;Der Schwerpunkt des Zionismus muß von nun an in die Türkei verlegt werden/' So wurde von vielen Seiten stürmisch gerufen. Das ist eine Redensart und nichts anderes. Blasen wir den Wortschaum weg und dringen war bis zu den Tatsachen vor. Was soll damit gesagt sein, daß der Zionismus seinen Schwerpunkt nach der Türkei verlegen muß?" Soll das heißen, daß wir die Verhältnisse des türkischen Reiches so genau wrie möglich studieren,. ihren Wandlungen mit der größten Aufmerksamkeit folgen, mit ihren leitenden Persönlichkeiten und allen Parteien in Verbindung treten, sie und die öffentliche Meinung über unsere Bestrebungen, über unsere Wege und Ziele aufklären sollen, dann ist dies so selbstverständlich, daß es nicht erst ausdrücklich verlangt zu werden braucht, am wenigsten in aufgeregtem, alarmiertem Tone. Wir haben es auch bisher getan. Wir werden es mit Bedacht und Fleiß fortsetzen, und es ist uns durch die größere Freiheitlichkeit der Gesetzgebung und Verwaltung im ottomanischen Reiche von nun an hoffentlich erleichtert. Das türkische Reich ist uns nicht erst durch seine jüngste Umwälzung wichtig geworden. Das Ziel all unserer Hoffnungen, Wünsche und Mühen ist ein Bestandteil des ottomanischen Reiches. An der Küste und den Landgrenzen Palästinas halten türkische Soldaten Wacht. Die Schlüssel des Hauses, das die Zionisten zu ihrem Heim zu machen wünschen, liegen in den Händen der türkischen Regierung. Alle unsere Bestrebungen weisen auf die Türkei hin, wie die Nadel des Kompasses auf den magnetischen PoL Alle unsere lebendigen Werke, unsere Schulen, unsere Orientbank, unsere Auskunftstelle, unsere Versuchsfarm, liegen in Palästina, d. h. in der Türkei. Alles, was wir an unmittelbar zu verwirklichenden praktischen Schöpfungen planen und vorbereiten, hat das ottomanische Reich zum Rahmen. Wir haben es uns seit Jahren angelegen sein lassen, uns möglichst gründlich über das geltende Recht, namentlich die Landesgesetzgebung und die Verwaltungsregeln der Türkei, zu unterrichten. Mitglieder unserer Organisation sind in der Türkei, um unsere Leitung über alles zu unterrichten, was den Zionismus berührt, und gELT -= No. 53 gegebenenfalls für sein Interesse zu wirken. Was konnte unter den gegebenen Verhältnissen noch mehr geschehen? Die Leitung soll nach Konstantinopel, nach Palästina verlegt, unser Kongreß sollte dahin einberufen werden. Geehrter Kongreß! Die Vertreter des Zionismus aus beiden Welten in der Türkei zu versammeln, wäre voreilig, solange wir nicht sicher waren, daß diese sich unsern Bestrebungen wohlwollend gegenüberstellt. Und vollends die Verlegung der Leitung unserer Bewegung nach dem türkischen Reiche wäre ein schwerer Fehler. Denn wir dürfen nie vergessen, daß unsere Aufgabe zurzeit noch eine doppelte ist, eine innere und eine äußere. Gewiß ist es nötig, dem Zionismus die Zustimmung der Türkei, die Förderung durch die türkische Regierung zu erwirken, aber ebenso nötig ist es, daß wir ihm das Verständnis und die Unterstützung des jüdischen Volkes gewinnen. (Händeklatschen, Beifall.) Ich weiß nicht, ob ich mich dadurch in einen Gegensatz zu den sogenannten praktischen Zionisten bringe, aber ich meine, daß unsere wichtigste Aufgabe immer noch nicht die Anbahnung amtlicher Beziehungen zur türkischen Regierung, sondern die Ausbreitung des zionistischen Gedankens, der zionistischen Überzeugung im jüdischen Volke ist. (Händeklatschen.) Erwachen Sie doch aus der Selbsttäuschung, in die Sie sich hineinträumen, hineinreden, hineinsingen. Zählen Sie sich! Messen Sie Ihre Kräfte! Glauben Sie wirklich, daß wir schon stark genug sind, um in Palästina Werke von derartiger Bedeutung für das Judentum und die Zukunft des jüdischen Volkes schaffen zu können, daß Sie ganz von selbst und natürlich Palästina zum Mittelpunkt unserer Bewegung, zum Sitz unserer Leitung machen? Ich glaube es nicht. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Ich bin vielmehr überzeugt, daß wir noch betrübend schwach sind und alles daran setzen müssen, um im jüdischen Volke selbst noch sehr viel Boden zu gewinnen. (Beifall.) Bauen wir unsere Organisation aus, führen wir ihr neue Anhänger zu Hunderttausenden zu, verdoppeln, verzehnfachen wir unsere Werbetätigkeit in den jüdischen Zentren Europas und Amerikas. Gerade heute hörten wir ermutigende Worte aus dem Munde der Herren Dr. Levy und Dr. Franck, die uns den richtigen Weg weisen (Beifall), wie wir diese innere Aufgabe erfüllen können. Haben wir sie erfüllt, können wir auch ziffernmäßig das Recht für den Zionismus in Anspruch nehmen, daß er das organisierte jüdische Volk in der Zerstreuung ist, dann können wir uns mit ganz anderer Aussicht auf Erfolg .auch unseren äußern Aufgaben widmen, dann können wir in einer ganz anderen Haltung vor die türkische Regierung hintreten und ihr unser Anliegen unterbreiten. Unsere innere Aufgabe der Entwicklung und Stärkung des Zionismus aber erfordert, daß der Mittelpunkt und die Leitung unserer Bewegung außerhalb der Türkei, außerhalb des Machtbereichs der türkischen Regierung bleiben. Aus einer west- oder mitteleuropäischen Stadt wirkt man zurzeit auf Europa und die Länder europäischer Gesittung noch leichter als aus Jerusalem, Jaffa oder Konstantinopel. Für den Fall der Verhandlung mit der türkischen Regierung befinden wir uns in einer ganz andern Lage, wenn wir sie von außen führen können, als wenn wir sie im Verhältnis einer türkischen Organisation, das heißt im Verhältnis von Untergebenen zu ihrer gesetzlichen Obrigkeit zu verfolgen haben. (Sehr richtig.) In jedem andern Lande, wo wir von der Regierung nichts ver-

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