Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 13 (1909)
- Issue
- 53 (31.12.1909)
- Date
- 1909-12-31
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3315709-3316349-3316405--52690-3346447- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
1242 D!E3§£ELT No. 53 Nachtrag zur Präsenzliste Alcalay, Dr. D., Belgrad Trietsch, Davis, Berlin Gabel, Dr., Lernberg Co wen, Joseph, London Cohen, Israel, London Malisson, Hillel, Czernowitz. Kommers der jüdischen Studentenschaft in Hamburg am 28. Dezember 1909 in der Ernst Merck-Halle Eine dreitausendköpfige Menge durchflutete den imposanten, mit zionistischen Emblemen und dem Bildnis Herzls geschmückten Saal des Zoologischen Gartens. Eine große Spannung erfüllt die Versammlung, die sich aus den in großer Zahl erschienenen Angehörigen der zionistischen Korporationen und der Vereine jüdischer Studenten, aus den Delegierten des Kongresses und der in großen Scharen herbeigeeilten Harnburger Bürgerschaft zusammensetzt. Da erscheint um xk 10 Uhr der Präsident Wolffsohn, begleitet von den Mitgliedern des E. A. C, in den Saal geleitet von den wehenden Bannern der jüdischen Korporationen und von einer Schar von 40—50 Chargierten, die wie eine Leibgarde den Führer geleiten. Auf den Kaisersalamander folgte eine ganze Reihe von Ansprachen der Vertreter der jüdischen Studentenschaft Deutschlands, des österreichischen Parlamentsklubs (Reichsratsabgeordneter Gabel), der österreichischen Studentenschaft, für die Mahler von jugendlichem Feuer erfüllte Worte findet. Es wird den Rednern nicht leicht, sich in der ungeheuren Versammlung, obwohl sie musterhafte Ordnung hält, Gehör zu verschaffen. Aber jedesmal durchbraust ein tosender Jubel die ganze Versammlung, wenn aus dem Munde der jungen Studenten immer wieder das Gelöbnis laut wird, den Führern unverbrüchliche Treue zu halten, in unbedingter Unterordnung und Hingabe ihnen zu folgen im Kampfe für das jüdische Ideal, das der Jugend einen neuen Lebensinhalt gegeben hat, das sie in gleicher Weise hinausgeführt hat über Selbstverachtung und Ideallosigkeit. Da erhebt sich Wolffsohn, und von nun an steht der ganze Abend unter seinem Zeichen. Was keinem der bisherigen Redner gelungen ist, mit einem Male herrscht lautlose Stille in dem großen Saale, und gespannt lauscht die ganze Versammlung seinem in gleicher Weise von Humor erfüllten und von tiefem Ernst getragenen Worte. Anknüpfend an seineErinnerungen aus den Anfängen der Bewegung, da er vor 13 Jahren nach Wien reiste, um unsern Führer Theodor Herz 1 kennen zu lernen, schilderte er das sieghafte Wachstum der jüdischen Studentenbewegung und sprach von den Aufgaben der jüdischen Jugend. Von den drei Grundlagen, die das historische Judentum anerkenne, der Wissenschaft, der Arbeit und der Wohltätigkeit, gelte es, die zweite, leider allzu vernachlässigte Forderung wieder wach werden zu lassen. Es müsse wieder jüdische Arbeit geleistet werden; keiner sei dazu mehr berufen als die jüdische Akademikerschaft. Es sei ein gewaltiges Schauspiel, das sich hier darbiete, und er stehe nicht an, zu erklären, daß der Kongreß, der neben aller innern Arbeit ja auch eine Demonstration sein müsse, gerade auch durch diesen Kommers seine Bedeutung erhalte. In dieser jugendlichen Schar liege gegen allen Pessimismus, der sich regen wolle, die Gewähr, daß der Zionismus nicht eine vorübergehende Erscheinung, an die Person eines Mannes gebunden, ist, sondern daß er lebt und seine Verwirklichung finden wird. Offizielle Begrüßungen sind Formsache, aber der begeisterte Gruß dieser jugendlichen Schar bedeutet mehr. Er bedeutet die Garantie für die Zukunft des jüdischen Volks. Die nicht endenwollende Begeisterung am Schluß dieser Rede löste sich in die Klänge der Hatikwah auf. Bedeutsam und von herrlicher Kraft getragen war der Damentoast Franz Oppenheimers. Er sprach von dem Wunder der Existenz des jüdischen Volks, von der Herrennatur unseres Stammes, die wir unsern Frauen, unsern Müttern verdanken. Seine oft von jubelndem Beifall unterbrochenen Ausführungen endeten in einem wahren Hymnus auf die jüdischen Frauen, denen wir die jüdische Gegenwart verdanken und auch die jüdische Zukunft verdanken werden. Besonders erwähnenswert ist auch die überaus freundliche Begrüßung des Vertreters der U. O. B. B.-Logen, der die Bedeutung des Zionismus für die Erhaltung des Judentums betonte. In später Stunde endete der Kommers mit den nochmals angestimmten Klängen des „Hatikwah"-Liedes, alles in allem eine Demonstration, wie wir sie in gleicher Weise nur zwei Tage vorher durch das jüdische Schauturnen erlebt hatten. Ein Dementi (Von unserm Berichterstatter in Konstantinopelj Wie europäische Telegraphenbureaus und Zeitungen verbreiten, soll der Vertreter der Allgemeinen Jüdischen Kolonisationsorganisation der türkischen Regierung namens seiner Gesellschaft ein Gesuch um Erlaubnis zur freien Einwanderung von Juden nach allen Teilen der Türkei, insbesondere nach Mesopotamien (nach anderer Version insbesondere auch nach Palästina) unterbreitet haben. Sein Plan soll vom Ministerrat akzeptiert worden und ein ottomanisches Komitee zur Durchführung desselben gebildet worden sein. Da die Schritte der A. J. K. O. auf Grund von Äußerungen Hamada Paschas getan worden sein sollen, habe ich es mir angelegen sein lassen, vom Minister des Efkaf authentische Informationen über den Stand der Angelegenheit einzuholen. Hamada Pascha erklärte nun ausdrücklich, daß, soweit sein Wissen reiche, bis heute von keiner jüdischen Seite ein offizielles Gesuch bezüglich solcher Kolonisationspläne, sei es für Mesopotamien oder für andere Teile des Reiches, an die Regierung gelangt sei und daß der Ministerrat sich bisher absolut nicht mit irgend einem derartigen Projekte beschäftigt habe. Die betreffenden anderslautenden Mitteilungen entsprechen also nicht den Tatsachen. Unsere geehrten Abonnenten, deren Bezugszeit am 31. Dezember 1909 abläuft, ersuchen wir um gefl. rechtzeitige Erneuerung des Abonnements, damit in der regelmäßigen Zustellung der Blätter keine Unterbrechung eintritt. Posterlagscheine an unsere Abonnenten in Österreich-Ungarn, sowie Zahlkarten an die Abonnenten in Deutschland haben wir diesmal direkt per Post eingeschickt und ersuchen, dieselben zur kostenlosen Überweisung der Abonnementsbetrage zu benutzen. Aus allen übrigen Ländern empfiehlt es sich, Beträge per Postanweisung einzuschicken. Den Abonnenten in Deutschland, die unser Blatt durch Postüberweisung zugestellt erhalten, bringen wir zur Kenntnis, daß die Anmeldung von uns aus bei der hiesigen Postzeitungsstelle rechtzeitig und ordnungsgemäß erfolgt ist. Bei etwaigen Unregelmäßigkeiten in der Zusendung der Blätter wolle man ausschließlich beim Postamte seines Wohnortes (Bezirkes, Amtes usw.) reklamieren. Expedition „Die Welt"