Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 13 (1909)
- Issue
- 53 (31.12.1909)
- Date
- 1909-12-31
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Ein Antrag Bentwich, der eine Vertrauenserklärung für Prof. Warburg ausspricht, deckt sich inhaltlich mit dem bereits angenommenen Antrag Böhm. Nunmehr wird folgender Antrag des Dr. Kohan-Bernstein zur Verhandlung gestellt: Ich beantrage: 1. Die Vereinigung aller Bureaus für die zionistische Tätigkeit in Palästina zu einem Bureau, das unter Kontrolle und kollegialer Leitung der in Palästina wohnenden Mitglieder des A. C. stehen soll. 2. Die Aufgabe des Bureaus zerfällt in fünf Teile: a) Auskunft und Hilfe bei Landankäufen in Palästina, auf Wunsch auch Parzellierung; b) Informationen jeder Art zum Zweck der Ansiedlung; c) ein Vermittlungs- und Auskunftsbureau für Arbeiter und Kolonisten; d) Inspektion und Registratur der Kulturaufgaben; e) Organisation der palästinensischen Juden. 3. Es ist wünschenswert, auch aus Palästina ein Mitglied des E. A. C. zu wählen. 4. Von der A. P. C-Leitung in Jaffa soll zur Beratung aller geplanten neuen Unternehmungen in Palästina das Landeskomitee hinzugezogen werden. Professor Warburg: Ich möchte im Namen des E. A. C. als Vertreter der Palästinaarbeiten darauf hinweisen, daß, wenn Sie diesen Antrag annehmen, Sie vielleicht das neue A. C. mit Aufgaben belasten, die es nicht ausführen kann. Ich halte es überhaupt für ganz außerordentlich gefährlich, daß ein Kongreß derartige Maßnahmen direkt beschließt; es ist dies Sache des Palästinaressorts des Actions-Comitös. Der Kongreß darf wohl Anregungen geben, darf es wohl als seine Meinung aussprechen, daß das E. A. C. in der Richtung sich bemüht, darf aber das A. C. nicht mit" solchen schwierigen Aufgaben beauftragen. Daher bitte ich, den Antrag in dieser Form abzulehnen, obwohl mir die einzelnen Punkte, wenigstens die meisten davon, als erstrebenswert erscheinen. Vielleicht liegt es absolut nicht an der Möglichkeit des Durchführens. Vielleicht ist das eine oder andere direkt schädlich. Es sind Dinge darunter, die wir von hier aus nicht übersehen können. Der Kongreß soll es also nur als Anregung dem Actions-Cornite" überweisen. Dr. Kohan-Bernstein: Es gibt für derartige Vorschläge zweierlei Formen: die der Resolution und die des Beschlußantrags. Eine Resolution ist unverbindlich; ein Beschluß sagt, daß, wenn es möglich ist, die Sache zur Ausführung gebracht werden soll. Wir wissen genau, daß nicht alle Beschlüsse des Kongresses ausgeführt werden können. Ob dieser Beschluß ausgeführt wird, werden wir dann sehen. Wir haben sogar schon vier Mitglieder des A. C. in Palästina gehabt. Also ist es möglich. Wolffsohn: Dr. Kohan-Bernstein beschwert sich wie immer darüber, daß man Palästina schlechter behandelt. Davon kann keine Rede sein. Er verlangt aber für Palästina ein Privlegium. (Trietsch ruft: Warum nicht — für Palästina!) Wolffsohn: Ich habe Sie auch nicht unterbrochen, warten Sie den Satz ab, dann werden Sie hören.. Für Privilegien, die man Palästina geben könnte, wäre ich gewesen. Hier aber verlangt man Privilegien, die vollständig undurchführbar sind. Wir können nicht für die Mitglieder in Palästina eine Ausnahme machen, daß sie dort eine spezielle Behörde bilden. Sind es Mitglieder, die arbeiten können, so werden sie imstande sein, sich dort dieselbe Achtung und denselben Einfluß zu verschaffen, wie die Mitglieder des A. C. in den andern Ländern, und sie werden gefragt und gehört werden. Aber der Kongreß ist nicht in der Lage, die Behörde dort einzusetzen, da er sie nicht kontrollieren kann. Ich hätte nicht das Wort genommen, wenn nicht der letzte Antrag wäre, daß bei der A. P. C.-Leitung in Jaffa zur Beratung aller neuen Anregungen in Palästina das Landeskomitee hinzugezogen werden soll. Als Präsident der A. P. C. protestiere ich ganz entschieden dagegen, daß man für die Geschäfte der A. P. C. eine Oberkommission einsetzt, die über die Geschäfte mitberaten soll. Wir brauchen Beamte, die das Geschäft verstehen. Wir können aber nicht Beamte anstellen, die hier im Kongreß durch Zufall gewählt werden, und deren Qualifikation als Bankbeamte wir nicht beurteilen können. Ich bitte Sie dringend: Lehnen Sie alle diese Anträge ab, denn es sind keine Anträge für den Kongreß. Es sind Anregungen, die man den betreffenden Behörden gibt, die die Sache prüfen werden. Ich sagte bereits, daß ich in bezug auf die Zusammenfassung der Bureaus auf demselben Standpunkt stehe wie Prof. Warburg. Aber an den Herren, die im Actions-Cornite sitzen, ist dieser Wunsch gescheitert, und so haben wir zwei Bureaus. Das sind Angelegenheiten, die ich ein halbes Jahr lang bearbeitet habe, und da sind Sie nicht in der Lage, in 5 Minuten hier zu entscheiden. Das sind Wünsche, die man den Behörden einreicht, und nicht dem Kongreß. Der erste Antrag gehört dem Palästina - Amt eingereicht. Dr. Kohan - Bernstein hat ja Gelegenheit, mit den Leitern des Palästina - Amtes sich darüber zu besprechen, und er kann sicher sein, daß das Engere Actions-Cornite ihm in jeder Beziehung behilflich sein wird. Wenn man etwas für die A. P. C. hat, dann soll man sich an das Direktorium oder den Aufsichtsrat oder an das Actions-Comitö wenden. Aber nicht mit derartigen Anträgen an den Kongreß kommen, die rein geschäftlicher Natur sind, die ja nicht mit großen Ideen und der Kultur und, was weiß ich sonst, zusammenhängen. Es sind reine Geschäftssachen. Deshalb bitte ich Sie, lehnen Sie die Anträge sämtlich ab. (Lebhafte Zustimmung.) Eisenstadt (Palästina): Herr Wolffsohn hat selbst gesagt, daß ein Mitglied des E. A. C. in Palästina sein kann. Wolffsohn: Es ist gerade das Gegenteil von dem, was ich gesagt habe. Ich habe gesagt: Wir sind heute noch nicht in der Lage, ein Mitglied in Palästina zu haben. Dr. Kohan-Bernstein erklärt im Schlußwort, die Debatte gebe ihm Recht, daß es sich um eine Ausnahmestellung für Palästina handele. Es hat einen prinzipiellen Wert, wenn der Antrag angenommen wird, wenn er auch nicht sofort ausgeführt werde. Die Zeit wird doch kommen. Man hat immer die Befürchtung, daß hinter dem Antrag etwas steckt Ich habe nicht verlangt, daß in geschäftlichen Sachen oder mit beschließender Stimme oder etwa als Obergericht das Landeskomitee zugezogen werden soll. Ussischkin: Der Antrag ist sehr wichtig; es ist die Frage der Organisation der Arbeiter in Palästina, und das erfordert Studium. Das können wir nicht ohne weiteres annehmen oder ablehnen. Daher schlage ich vor, über diesen Antrag nicht jetzt zu beschließen, sondern ihn dem Großen Actions-Cornite zum Studium zu überweisen. Blitz (Dessau): Man muß einen Unterschied machen zwischen Jerusalem und Jaffa. In Jaffa herrscht noch eine solche Zerfahrenheit, daß es nicht angebracht wäre, dort eine Leitung zu schaffen. Präsident Wolffsohn hat sehr recht; wenn die Herren in Palästina arbeiten wollten, würden sie wirklich etwas leisten können. Der Antrag Ussischkin wird unter starkem Beifall einstimmig angenommen. Berichtigungen Der in iinserm gestrigen Bericht als Absender eines Begrüßungstelegramms erwähnte Herr Rousso ist nicht Mitglied der türkischen Deputiertenkammer, sondern Sekretär im türkischen Finanzministerium. Herr Leopold Lebowits-Budapest hat in seiner gestrigen Rede nicht gesagt: „Aber wenn man uns fragt, was wir lieber wollen, das versprochene goldene Land oder das alte Krankenhaus, dann sage ich, das alte Krankenhaus ist uns nicht nur lieber, sondern auch heiliger", sondern hat wörtlich gesagt: „Uns hat nicht die Größe und der Glanz der zionistischen Organisation zum Anschluß bewogen, denn wir haben uns zu einer Zeit angeschlossen, wo der Zionismus geschwächter war, als vorher. Aber wir wollen an seiner Erstarkung und an seiner Größe mitarbeiten und wünschen nur, daran nicht durch Maßnahmen der Leitung gehindert zu werden. Denn sollte der Zionismus noch so großartig sein, in dem Momente, wo unsere religiösen Überzeugungen tangiert werden, verhalten wir uns in dieser Frage wie bei der folgenden Frage: Wenn wir vor der Entscheidung stehen: das Arba-Kanfaus, dieses einfache unscheinbare Abzeichen mit den Schaufäden oder ein äußerlich farbenschillerndes goldgesticktes Band, — werden wir uns von dem Schimmer des Bandes nicht blenden lassen und entschieden das Arba-Kanfaus wählen, denn uns sagt das letztere unendlich viel, es sagt uns: Welau sosuru achare lewawehem weachare enechem, ascher atem saunim acharechem", daß wir uns nicht von den übermütigen Herzen und geblendeten Augen zur Untreue verleiten lassen sollten." Zur gefl. Beachtung! Den Schlußbericht über die Nachmittagssitzung des letzten Tages usw. werden wir in der nächsten Nummer der „Welt" bringen, die Freitag, den 7. Januar 1910 erscheint.