Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 13 (1909)
- Issue
- 53 (31.12.1909)
- Date
- 1909-12-31
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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1240 DIEE^ELT No. 53 eine Probe, die meine eigene Wenigkeit betrifft. In Nr. 5 der „Welt" sind furchtbare Entstellungen. Da sind Schlußrufe, wo keine waren, und einige Sachen bitten ich die Herren richtig zu stellen. Ich sagte: Wenn es wahr ist, daß Prof. Warburg ein so schlechter Geschäftsmann ist, daß sogar Cowen nicht einmal ein Pfund aus seiner Tasche geben will, dann wäre es Hochverrat vom Aktionskomitee, wenn es Nationalfonds-Boden für die Gründung der Farm der P. L. D. C. gegeben hat. Kein Mensch kann verstehen, was ich nach dem Berichte an dieser Stelle gesagt haben soll. Es ist von allergrößter Bedeutung, daß die Außenwelt genau orientiert ist, und ich bitte, daß die offizielle Leitung der „Welt" dafür sorgt: erstens, daß die falschen Stellen berichtigt werden, und zweitens, daß die „Welt" in Zukunft wirklich ein zionistisches Organ bleibt. Vorsitzender Dr. Bodenheimer: Unser Präsident Herr Wolffsohn ist nicht anwesend. Ich höre nun, daß ihm daran liegt, auf diese Anwürfe, die der Vorredner gegen die „Welt" gerichtet hat, zu antworten. Präsident Wolffsohn wird also später eine Erklärung dazu abgeben. Wolffsohn (der inzwischen erschienen ist) gibt folgende Erklärung ab: Ich war bis jetzt im Komitee und konnte daher nicht hier sein. Ich höre, daß Herr Dr. Daiches einen Angriff gegen die Berichterstattung der „Welt" vorgebracht hat. Ich bitte ihn, das, was mir hier mitgeteilt worden ist, zu hören, ob ich es richtig aufgefaßt habe. Er soll gesagt haben, daß in der Hauptsache die R.den der Opposition gekürzt worden seien, dagegen die Reden pro ausführlich wiedergegeben werden. Ich weiß zwar nicht, welche Ausdrücke Herr Dr. Daiches gebraucht hat, ich kann es mir aber sehr wohl denken, da ich schon längere Zeit das Vergnügen habe, ihn zu kennen. (Heiterkeit.) Was er aber über diese Art der Wiedergabe der Reden gesagt hat, davon will ich jedes Wort unterschreiben, denn ich bin der erste, der es im höchsten Grade mißbilligt, und ich habe es gestern schon in der bestimmtesten Weise zum Ausdruck gebracht, nicht nur der „Welt" wegen, sondern auch meinetwegen, weil man glauben könnte, daß ich ein Interesse daran hätte, das, was die Opposition gesagt hat, nicht an die Öffentlichkeit kommen zu lassen. Im Gegenteil, mir wäre es lieber, wenn die andere, die Kontraseite, so ausführlich wie möglich wiedergegeben wäre, denn dann würde die ganze Welt, nicht nur die „gelbe", (Heiterkeit) diese Reden besser würdigen können. (Sehr gut und lebhafter Beifall.) Auf Antrag des Herrn Feiwel sichert der Präsident zu, daß diese Erklärung wörtlich in der ..WELT" abgedruckt werden wird. Nunmehr werden die Anträge zum Palästina-Ressort zur Erledigung gestellt. Einige davon sind schon gestern abend erledigt worden. Vizepräsident Dr. Bodenheimer: Es ist darunter eine Fülle von Anträgen, die, wie ich schon gestern bemerkte, ohne Diskussion erledigt werden können, die so einfacher Natur sind, daß selbstverständlich gar kein Zweifel ist, daß der Kongreß damit einverstanden sein kann. Der Vorsitzende bringt die Anträge der Reihe nach zur Verlesung: Die rumänische Föderation hat zwei Anträge eingebracht: 1. „Die rumänische Föderation, die im Begriff ist, eine Kolonie aus Bemittelten zu gründen, bittet um Förderung dieser Institution unserer Organisation, besonders durch den Nationalfonds, der von ihr 30 000 Frs. bekommen hat." 2. Die rumänische Landsmannschaft beantragt: „Der Kongreß möge die betreffenden Institutionen der zionistischen Organisation anweisen, die Gesellschaft Kehillath- Jakob, die sich aus angesehenen palästinensischen Juden gebildet hat, um aus den bisher auf die Chalukka angewiesenen Elementen eine Kolonie zu gründen, und die bereits eine namhafte Summe zu diesem Zwecke aus Privatmitteln zusammengebracht hat, nach Prüfling der Angelegenheit aufs kräftigste zu unterstützen." Der Präsident der Föderation, Schein, wird eine Begründung dieser Anträge zu Protokoll geben. Beide Anträge werden angenommen. Ein Antrag lautet: „Es wird dem E. A. C. der Auftrag erteilt: 1. die Frage des Ankaufs von Uniandboden in Palästina, welcher durch Investition erst urbar zu machen ist und sich zum Ankauf durch Privatpersonen oder Gesellschaften nicht eignet, durch den Nationalfonds zu studieren; 2. die Frage der Schaffung eines Zionistischen Melayagefonds zu studieren; 3. über beide Fragen dem weitern A. C. binnen einem Jahre Bericht und Vorschläge zu erstatten." Der Antrag wird durch Akklamation erledigt. Ein Antrag Pasmanik lautet: „Der Kongreß macht es dem E. A. C. zur Pflicht, alle Energie darauf zu verwenden, daß unsere Bankinstitute die Erwerbung von Konzessionen in Palästina in allernächster Zeit anstreben sollen." Vorsitzender Dr. Bodenheimer: Ich glaube, seitens der Bank besteht kein Bedenken, daß dieser Antrag angenommen wird. (Dr. Katzenelsohn: Nein!) Der Antrag wird angenommen. Ein Antrag P. M. Raskin besagt: „Das E. A. C. soll an das jüdische Volk appellieren, daß jeder einen Dunam Land in Erez- Israel kauft und es als Geschenk dem Jüdischen Nationalfonds übergebe, damit dann auf diesem Boden die jüdischen Arbeiter Palästinas und anderer Länder kolonisiert werden." Der Antrag wird angenommen. (Beifall.) Antrag: „Der Kongreß erkennt den Wert und die Bedeutung der Verbesserung des Standes der jüdischen Arbeiter durch verschiedene Maßnahmen, wie Arbeiterstätten in der Nähe der Kolonie, billige Wohnungen usw., an. Der Nationalfonds soll den Boden dazu hergeben." Vorsitzender Dr. Bodenheimer: Die Sache ist durch den gestrigen Beschluß über den Antrag Pasmanik erledigt. David Wolffsohn: Es geht doch nicht, daß hier fortwährend Anträge eingebracht werden, über die ohne weiteres abgestimmt wird. Wir wollen hier doch nicht Anträge beschließen, mit denen wir uns unter Umständen lächerlich machen. Wenn irgend einer eine Idee hat, so ist ja leicht möglich, daß man durch eine Diskussion ihn von dieser Idee abbringt, aber wir können doch nicht über jeden Antrag, der hier heraufkommt, ohne weiteres abstimmen. Ich möchte Sie also bitten, nur solche Anträge zur Abstimmung zu bringen, die eine größere Anzahl von Unterschriften tragen. Ich glaube, es steht im Statut. Dr. Bodenheimer: Die Anträge hatten alle die nötige Anzahl von Unterschriften. Wolffsohn: Ich bitte dann, die 20 Narnen des vorhin angenommenen Antrages über das Dunam Land zu verlesen. Dr. Bodenheimer: Es sind allerdings nicht 20 Unterschriften, denn die Schriftführer, die einen Antrag überreichen, können nicht übersehen, daß es gerade 20 Namen sind. Wolffsohn: Die Schriftführer werden doch bis 20zählen können. Antrag Dr. Daiches: „Behufs Ausgestaltung des Kulturfonds erklärt es der Kongreß als wünschenswert, daß von jedem Zionisten ein freiwilliger Beitrag in der Minimalhöhe des bisherigen Schekels geleistet wird." Der Antrag wird abgelehnt. Antrag Dr. Niemirower: „Von den für den Nationalfonds gesammelten Geldern möge jährlich für jedes Land entsprechend der von diesem Lande eingelaufenen Summe einigen armen Juden in Palästina Land zugewiesen werden." Für die übrigen Kosten der Kolonisierung würden evtl. die Gemeinden aufkommen. Vorsitzender Dr. Bodenheimer: Der Antrag ist so unbestimmt, daß er in dieser Form nicht zur Abstimmung gebracht werden kann. Ich nehme ihn als Material für den Nationalfonds entgegen. Und nun folgt ein Antrag, der der Erörterung nicht mehr bedürfen wird, es ist der Antrag Oppenheim er, unterschrieben von einer großen Zahl von Delegierten: „Der IX. Zionistenkongreß hält an den Beschlüssen der frühern Kongresse fest, die genossenschaftliche Siedelungsmethode in den Tätigkeitsbereich der zionistischen Organisation aufzunehmen. Um die Durchführung dieses Beschlusses zu ermöglichen, überläßt der Nationalfonds pachtweise der zu errichtenden genossenschaftlichen Kolonie den erforderlichen Boden. Um das Betriebskapital aufzubringen, wird durch eigne Sammlung ein Genossenschaftsfonds gebildet, der an den Jüdischen Nationalfonds angegliedert wird. Er wird verwaltet von einem Komitee, bestehend aus Vertretern des Direktoriums des Nationalfonds und der Arbeiterschaft." Trietsch: Ich hatte gestern dazu einen Antrag eingereicht, den ich jetzt als Amendement zum Antrag Oppenheim einbringe: „Für die Durchführung der von Oppenheimer vorgeschlagenen Siedelungsgenossenschaft sollen die Mittel in der Höhe bis zu 200 000 Frcs. vom Nationalfonds bewilligt werden." Wir haben schon so viele Zwecke, für die gesammelt wird, daß wir nicht noch unnötig sammeln sollten für einen Zweck, für den der Nationalfonds geben kann. Was darüber privatim noch aufkommt, kann zur Vergrößerung und Konsolidierung der Siedelungsgenossenschaft dienen. Vorsitzender Dr. Bodenheimer: Die Mitglieder des Direktoriums des Nationalfonds erklären, daß sie diesen Vorschlag nicht annehmen können. Wir haben in eingehender Beratung mit Dr. Oppenheimer und seinen Freunden die Bedingungen festgestellt, unter denen der Nationalfonds in der Lage ist, sich zu beteiligen. Der Antrag Oppenheimer wird einstimmig angenommen. Die Feststellung wird mit lebhaftem Beifall begrüßt.