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Die Welt · 1909-12-31 · 53 (31.12.1909) · page 4

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
13 (1909)
Issue
53 (31.12.1909)
Date
1909-12-31
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Arbeiter da. so ist Palästina nicht jüdisch. Nur wenn jüdische Arbeit dort sind, werden wir sagen können, es ist Erez lisroel (Beifall). Sie haben sich heute ein Zeugnis ausgestellt, das vielleicht einzig in seiner Art ist. Sie sind ja nicht alle Proletarier, zum größten Teil sind Sie jüdische Bourgeois und trotzdem haben Sie heute ein eminent soziales Institut sanktioniert, indem Sie durch Ihre Beiträge bewiesen haben, welches Interesse Sie für die Siedlungsgenossenschaften zeigen. Man wird Ihnen eine Resolution vorschlagen, ich hoffe, Sie werden sie einstimmig annehmen, das wird das einzige Mittel sein, um das jüdische Proletariat dem Zionismus zu nähern. Haben wir das jüdische Proletariat nicht, dann können wir den Zionismus nicht realisieren. (Beifall.) Nehmen Sie sich der palästinensischen Arbeiter an. Um den jüdischen Arbeiter in Palästina mit dem arabischen konkurrenzfähig zu machen, müssen Sie ihm die Möglichkeit geben, bei dem geringen Lohn, den er bekommt, — 1—1,25 Franks täglich, das ist schon viel, — annähernd menschlich zu leben. Dazu sind wenigstens Wohnungen notwendig. Tatsächlich befindet er sich in furchtbarer Lage. Ich schlage Ihnen eine Resolution vor, die von vielen unterschrieben ist. 1. Der Kongreß macht es dem E. A. C. zur Pflicht, alle Energie darauf zu verwenden, daß unsere Bankinstitute die Erwerbung von Konzessionen in Palästina in allernächster Zeit erstreben sollen. 2. Der Kongreß bestimmt: Der Nationalfonds wird beauftragt, unter Wahrung seiner statutarischen Bestimmungen noch in diesem Jahre mit dem Bau von Arbeiterwohnungen zu beginnen in allen denjenigen Kolonien, wo eine große Anzahl von jüdischen Arbeitern schon vorhanden ist: Der Nationalfonds soll den Boden hergeben, und für den Häuserbau selbst wird sich auch schon Geld finden. In der einen oder andern Form. Die Hauptsache ist, daß man an die Frage denkt. (Dr. Bodenheimer: Ich hatte schon eine solche Erklärung abgegeben.) Diese Vorschläge dürfen Sie nicht als etwas Kleinkolonisatorisches betrachten. Es sollen Beispiele sein, nicht Experimente; nicht der Goluth hat uns zusammengebracht; was uns zusammengebracht hat ist die Erez Jisroelfrage (Beifall). David Wolffsohn: Zur tatsächlichen Berichtigung. Ich habe gestern bemerkt, es sei von Prof. Warburg angeregt worden, noch einen Rechtsanwalt wegen der Agrarbankfrage nach Konstantinopel zu schicken; für diesen Zweck sollte die Bank 500 £ hergeben. Auf Wunsch des Herrn Prof. Warburg möchte ich feststellen, wie die Sache zusammenhängt. Aus dem ganzen Zusammenhang des Briefes, den Herr Prof. Warburg am 2. April an mich schrieb — Wolffsohn verliest die betr. Stellen des Briefes — mußte ich annehmen, daß diese 500 £ für den Rechtsanwalt bestimmt waren. Herr Prof. Warburg und Herr Dr. Tschlenow sagen mir jetzt, daß das nicht nur für die Reise gemeint sei, sondern allgemein für die Kosten. Ich halte es für meine Pflicht, das in dieser Weise richtig zu stellen. (Beifall.) Dr. Katzenelsohn: Ich habe nicht gesagt, die Zeit für Konzessionen sei nicht gekommen, sondern umgekehrt: vor dem neuen Regime war sie noch nicht da, aber jetzt unter dem neuen Regime müssen wir uns nach dieser Richtung hin bemühen. Jakob Moser (mit lebhaftem Beifall begrüßt) empfiehlt die Sammlung eines Betriebskapitals von 20-25000 Frs. für den Bezalel. Man werde damit sofort 50 oder vielleicht 100 Personen beschäftigen können. Motzkin: v Die Umwälzung in der Türkei hat zweifellos eine große Wandlung hervorgerufen in den Anschauungen über die Arbeit in Palästina, auch bei mir, der ich von Anfang an, auch jetzt, politischer Zionist bin. Aber diese Wandlung hat auch eine Gefahr. Kann man jetzt in Palästina arbeiten, so kann man doch dort noch nicht so arbeiten, wie gearbeitet werden muß. Täuschen wir uns darüber nicht: das jüdische Volk gewinnen wir durch die Arbeit in Palästina allein nicht. (Sehr richtig!) Hüten wir uns, daß der Zionismus nicht Palästinensismus wird. Die Gefahr ist groß, daß wir von dem Boden unserer allgemeinen Anschauungen uns auf den eines speziellen Gebietes begeben. Wenn die Palästinaarbeit den Zionismus erschöpft, dann wird man bald an uns die Frage stellen: Warum zieht ihr auf euren Kongressen nicht auch alle die andern Elemente heran, die für Palästina arbeiten, wenn sie auch nicht auf dem Boden des Zionismus stehen? Die Palästinaarbeit ist nur ein Mittel, wir verzichten durchaus nicht auf die andern. So wenig die acht Millionen sind, so brauchen wir sie doch, und die Anträge Pasmanik sind ein sehr gefährliches Experiment. Man kann auch Bankerott machen. (Sehr wahr.) Wozu brauchen wir noch Kongresse, Propaganda, Demonstrationen, wenn wir sagen, unsere ganze Tätigkeit ist die Arbeit in Palästina? Wir wollen im Gegenteil immer von neuem und immer stärker an das jüdische Volk appellieren. (Beifall.) Gerade weil das jüdische Volk noch nicht das Verständnis für die Palästinafrage hat, müssen wir die Propaganda machen. Darum beschließen wir etwas Praktisches, etwas Großzügiges für Palästina, wie die Siedlungsgenossenschaft; gewiß, dazu haben wir ein Recht; aber vor allem müssen wir den Gedanken des Zionismus hochhalten. Zurück in den Zionismus! (Lebhafter Beifall.) Trietsch: Die ganze Propaganda, die ganze Kultur, die ganzen Mittel sind für Palästina. Wenn Sie das nicht für richtig halten, dann ändern Sie das Programm, aber mißdeuten Sie es nicht. Es gibt genug Zionisten, die uns wieder zurückschrauben möchten auf den früheren Standpunkt! Propaganda und wieder Propaganda und wieder Propaganda. Es tut mir leid, daß ich in Abwesenheit von Wolffsohn sprechen muß. Er hat uns durch seine Arbeit Respekt abgenötigt. Wolffsohn hat uns wiederholt erklärt, in allem Ernst und mit einer gewissen Feierlichkeit, daß er eine Wiederwahl ins Präsidium vor dem nächsten Termin nicht annimmt. Ich hoffe, daß der Kongreß mit der Tatsache, daß er für diesen Termin nicht in Frage kommt, rechnet. Wolffsohn hat nach der großen Akklamation, die ihm zuteil wurde, geäußert, daß er wieder Mut habe, und ich freue mich darüber; denn es hat keinen Zweck, Leute mutlos zu machen, deren Tätigkeit wir brauchen. Seine gesundheitlichen Bedenken sind aber nicht gegenstandslos geworden und seine feierliche Erklärung auch nicht. Daher rechne ich mit der Tatsache, daß wir eine neue Leitung bekommen. Damit wird die Leitung wohl besser auf Palästina zugeschnitten werden. (Zur Sache!) Bisher hat der Zionismus und die koloniale Tätigkeit ausschließlich unter dem Zeichen der landwirtschaftlichen Angelegenheiten gestanden. Was wir im Referate des Herrn Kann über Handel und Industrie in Palästina gehört haben, konnten wir alle längst wissen, und die Schlußfolgerung war, die industrielle Kolonisation müsse sich auf landwirtschaftlicher Basis aufbauen. Wenn diese aber im ganzen nur achttausend Seelen umfaßt, was will man da aufbauen? Affan muß mit dieser Einseitigkeit aufhören, wir haben Wasserkräfte in Palästina, haben die weiße Kohle, und die Hausindustrie ist für die Ansiedlung von Tausenden und Abertausenden eine weit schnellere Möglichkeit als die Landwirtschaft. Erfreulich ist, daß der Nationalfonds nunmehr die Idee verläßt, ewiges Eigentum des jüdischen Volks zu sein mit der Möglichkeit, Boden zu kaufen ohne Meliorierung usw. Erfreulicherweise wird das Oppenheimer'sche Experiment von Dr. Bodenheimer unterstützt. (Vizepräsident Dr. Bodenheimer erinnert den Redner an die Geschäftsordnung und ersucht ihn dringend, sich kurz zu fassen und sich lediglich an die Sache zu halten.) Der Redner geht auf die Frage der Organisation der Leitung ein und erklärt schließlich auf die Vorhaltungen des Vorsitzenden, diese Frage beim Organisationsstatut behandeln zu wollen. Er kündigt folgende Anträge zum Palästinapunkt an: 1. Die ganze Organisation ist auf die überragende Bedeutung der Palästinaarbeit einzurichten. 2. Das spezielle Palästinaressort ist wesentlich größer zu gestalten. 3. An der Leitung, und zwar im Großen Actions-Comite, können nur überzeugte Anhänger des zionistischen Prinzips teilnehmen, also Palästinazionisten, auch ist der Einfluß derselben auf die Leitung zu stärken. 4. Die lebendige Palästinatätigkeit erfordert die Wiedereinführung jährlicher Kongresse. Prof. Warburg nimmt nunmehr unter minutenlangen Ovationen das Schlußwort und führt aus: Ich habe vermieden, mich bei den einzelnen Diskussionsreden zum Worte zu melden, weil ich es für richtiger halte, jetzt im allgemeinen die einzelnen Punkte zu behandeln, aber auch,, weil ich mit großer Freude und Befriedigung habe konstatieren können, daß nicht nur in bezug auf die Wichtigkeit der Palästinaarbeit, sondern auch in bezug auf die Wege, welche die Palästinaarbeit zu gehen hat, allgemeine Übereinstimmung herrscht. Es ist mir das ein Zeichen, daß die Idee der Palästinaarbeit, für die wir die letzten sechs Jahre gekämpft haben, uns jetzt gewissermaßen in Fleisch und Blut übergegangen ist. Die Diskussion war — man kann wohl sagen — langweilig. Aber das ist das Richtige. So soll es sein. (Beifall.) Uber die Bedeutung der Agrarfrage herrscht nur eine Meinung. Wir haben einer Reihe von Herren, die jetzt in Palästina waren, manche Anregungen zu verdanken, insbesondere Dr. Hausmann, dessen Anträgen bezüglich des Ankaufs von Unland und des Versuchs, mit dem System der Ica uns näher bekannt zu machen und eventuell mit ihr Hand in Hand zu gehen, ich nur außerordentlich zustimmen kann. Heute ist der Grundstock zu dem sehr wichtigen Institut der Siedelungsgenossenschaft gelegt worden. Hoffen wir auf den Erfolg, wenn auch Dr. Oppenheimer, so sehr ihm die Sache am Herzen liegt und er durch seine Arbeit damit verknüpft war, in bezug auf den Erfolg dieses ersten Versuchs nicht allzu sicher ist.

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