Mannheim
Compact Memory

Die Welt · 1909-12-31 · 53 (31.12.1909) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
13 (1909)
Issue
53 (31.12.1909)
Date
1909-12-31
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/3315709-3316349-3316405--52685-3346442
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

festlegen, oder man legt es in Konzessionen fest, dann ist man nicht gesichert. Dr. Katzenelsohn wird mir zugeben, daß es mit einer schnellen Flüssigmachung anscheinend flüssiger Mittel eine eigene Sache ist. Also beginnen wir, damit wir das Geld haben, wenn der Moment kommt, wo wir es brauchen, schon jetzt mit der Liquidation. Dem Redner, dessen Rede die Versammlung mit größter Spannung lauscht, wird auf Wunsch der Versammlung die Redezeit verlängert. Wenn wir mit der Beteiligung an Anlagen erst dann beginnen, wenn sie uns völlig gesichert erscheinen, wenn die Verwalter der Bank die Mündelsicherheit so in den Vordergrund schieben, — glauben Sie da, daß wirklich in ein leeres Land, das erst die Möglichkeit erweisen muß, daß die Unternehmungen dort gedeihen, Kapitalisten hineinkommen, wenn wir es nicht selbst wagen, uns in die Bresche zu stellen? Wenn wir nicht glauben, daß das Geld sich dort rentiert, dann müssen wir es offen heraussagen, damit nicht die Leute ihr Geld riskieren, die wir ermuntern; und glauben wir an den Aufschwung, dann haben wir die Verpflichtung, zu beginnen. Eine große Verantwortung lastet auf uns. Aber die Chancen im Orient sind heute größer als irgendwann, und die Möglichkeit, an dem Aufschwung zu profitieren, sollten wir nicht ungenützt vorübergehen lassen; natürlich mit der nötigen Vorsicht und Sachkenntnis. Heute morgen haben Sie Franz Oppenheimer zugejubelt, der hat seinen wissenschaftlichen Namen verpfändet, obgleich er weiß, daß die Schwierigkeiten bei uns noch viel größer sind als irgendwoanders. Und wenn man ihn hier unterstützt, wohl wissend, daß ein Fehlschlagen seines Planes außerordentlich schwerwiegend ist, weil er bisher niemals erprobt ist, und der Kongreß es dennoch für seine Pflicht hält, sich durch Zeichnungen zu beteiligen, so muß das gleiche Prinzip auch für unsere Finanzinstitute gelten. (Lebhafter Beifall.) ♦ Der Redner kritisiert die Verhältnisse des I. C. T. des weitern im einzelnen im-Verhältnis zur A. P. C. Es muß der Bankleitung klar zu erkennen gegeben werden, daß es die Aufgabe unserer Bank ist, alle ihre finanziellen Methoden in der Richtung unserer lebendigen gegenwärtigen Interessen zu verwerten, und daß wir von ihr erwarten, daß sie mit aller Sachkenntnis, Energie und Verantwortung an die Dinge herangeht; sollte ein FehlschLag kommen, werden wir ihr ein Absolutorium nicht verweigern. Jede große Bank muß auf Fehlschläge hinweisen, und jede große Bank, wenn sie nichts riskiert, gewinnt nichts. (Stürmischer Beifall.) Dr. Katzenelsohn: Herr Simon rechnet beim J. C. T. nur 2% Dividende heraus, während die A. P. C. 4% oder mehr verteile. Das ist ein kleines Versehen, nur in den letzten 2 Jahren sind 4 % gegeben worden. In den ersten 4 Jahren erzielte die A. P. C. gar keine Dividende, der Durchschnitt ist also kaum 11 > °.'o. Wenn man die 50 000 Pfund beim J. C. T. durch 7 dividiert, denn 7 Jahre ist die Bank erst im Betrieb, dann gibt es über 3°|o. Wenn man mit Zahlen arbeitet, soll man mit richtigen Zahlen arbeiten. In einem Punkte hat Herr Simon recht. Was die Einlagen betrifft, da ist die A. P. C. allerdings viel weiter als der J. C. T. Aber sie arbeitet unter ganz andern Verhältnissen. In Jaffa oder Jerusalem hat jeder die Bank in der Nähe und kann seine Depositen hineintragen. Eine Bank in London ist eine ganz andere Sache. Mit den englischen Juden kann man nicht arbeiten, wegen des Sonnabendschlusses, und dann ist die Konkurrenz in London eine viel größere. (Zurufe: Ganz selbstverständlich.) Ich habe nicht gesagt: Wir müssen das Kapital freiha'ten, entweder für einen Run oder für Konzessionen. Ich sagte: Wir haben das Kapital nötig für beide Zwecke. Das Wort „mündelsicher" stammt nicht von Wolffsohn, es stammt von Herzl. Er hat es uns allen ans Herz gelegt, die Groschen des jüdischen Volkes wie Mündel- und Waisengelder zu behandeln. Das tun wir. Aber das bedeutet nicht, daß wir keine Geschäfte machen. Wir haben dort einen Umsatz von 8 300 000 Pfund jährlich, das will doch etwas bedeuten. Nun sagt Simon, und damit komme ich zum wichtigsten Punkt, daß wir unsere Gelder nach Palästina bringen sollen. Schließlich ist das ja auch der Wunsch von uns allen. Aber als ich in Palästina war und in zwei Monaten alle Geschäfte durchgesehen und untersucht habe, ob es nicht möglich ist, weitere Geschäfte zu machen, und als ich fragte, ob es nicht möglich ist, die 30 000 Pfund, die wir an Kapital noch zu emittieren haben, nunmehr der Bank zuzuführen, da antwortete mir der Manager: Sie bringen uns in Verlegenheit. Wir müssen das Geld nach London überweisen zu billigem Zinsfuß. Wir haben nur 8000 Pfund Darlehen dort, weil wir nicht mehr Geschäfte zurzeit in Palästina machen können. Die Art, wie Herr Simon über den J. C. T. sprach, war nicht die eines Freundes. Man diskreditiert ein Institut nicht öffentlich. Man sagt das am grünen Tisch, aber wir stehen auf dem Standpunkt, daß dieses Finanzinstitut noch eine große Aufgabe hat, vor allem den Zweck, den Tochterinstituten zu dienen. Herr Cohen hat von Wucherern gesprochen. Ich will hoffen, daß weder er noch irgend jemand hier dabei an die A. P. C. gedacht hat. Dr. Pasmanik (mit Beifall und Zischen empfangen): Herr Wolffsohn wird wohl sagen: Sie sind ja Arzt und Schriftsteller! Wie kommen Sie dazu, über kolonisatorische und wirtschaftliche Fragen mitzusprechen? Sie sind ja kein Kaufmann und sollten nicht über Dinge sprechen, wo es sich um Ziffern handelt! Indessen, — in jedem Parlament, wo man mit Budgets von Milliarden zu tun hat, glauben Sie, daß da lauter Kaufleute sind, die sich damit beschäftigen?. Ich drehe Wolffsohns Worte um: Man kann ein guter Kaufmann sein und ist trotzdem nicht imstande, eine sozialpolitische Bewegung nach allen Richtungen zu leiten. Kaufmann sein allein, genügt nicht. Wissen Sie, wer sich heutzutage als einziger Repräsentant des politischen Zionismus in der ganzen Palästinadebatte gezeigt hat? Das war unser lieber Franz Oppenheimer. (Beifall.) Der Zionismus muß anstreben, Milliarden, Hunderte von Millionen zu bekommen. Das war der große Gedanke Herzls. Meinen Sie wirklich, daß wir mit den 8 000 000 der Banken die jüdische Frage lösen? Die 8 000 000 an und für sich sind nichts, wenn wir sie nicht weiter entwickeln, wenn aus den 8 nicht 80 und aus den 80 nicht 800 Millionen werden. Und dazu gibt es nur zwei Wege, der eine ist der von Herzl: Propaganda, Agitation. Dieser Weg führt nicht zum Ziel. Da ist es nur möglich, vorwärts zu kommen, indem man in Palästina arbeitet und mit belebendem Beispiel wirkt. Ich werde keine Kritik üben, weil ich merke, daß ich mit meiner Kritik kein sonderliches Glück habe, aber ich fürchte, daß die Tatsachen, die ich Ihnen anführe, die herbste Kritik sein werden. Da hat Warburg zwei Versuche gemacht, die Privatinitiative anzuregen: eine Plantagengesellschaft in Galiläa, wissen Sie, wer daran teilgenommen hat? Diese Verschwörer von der russischen Landsmannschaft, dann Warburg vom Aktionskomitee und dann der hochherzige Kremenezki, der überall zu haben ist, wo Geld in Palästina gebraucht wird. Ich übe keine Kritik. Das zweite war der Versuch, eine Immobiliengesellschaft zu bilden. Ich bekam auch einen Brief, ich sollte subskribieren lassen. In Genf gibt es nicht viele Zionisten und keinen einzigen reichen, auch mich eingeschlossen (Heiterkeit), dagegen reiche Juden, und die sagten uns: Warum ist dieser Name nicht da, und dieser Name? Und wissen Sie, nach welchem Namen sie mich fragten? Ich übe keine Kritik. Einige kleine Kritiken gegen Prof. Warburg, große Kritiken habe ich nicht gegen ihn. Erstens: das Palästinaamt ist etwas zu teuer. Der zweite Vorwurf: Man zersplittert unsere Arbeit zu sehr, so daß unter den kleinen Projekten die großen leiden. Es gibt nur zwei Wege in Palästina: der Versuch, die industrielle Kolonisation zu entwickeln, und dann die Agrikultur. Im vorvorigen Jahr ist eine ganze Masse reicher Juden nach Palästina gekommen, um sich dort zu etablieren. Sie hatten Geld und mußten zurückfahren, nur weil man ihnen nicht sagen konnte, was sie mit dem Geld anfangen sollten. Im vorigen Jahre sind auf diese Weise über 30 Millionen Frcs. nach Palästina gekommen jiind mußten zurückwandern, weil das Geld keine Verwendung fand. In einem solchen Lande kann nicht ein einzelner Versuche machen, dazu muß ein Bureau da sein. Weiter: Was soll hier der Kongreß beschließen, wenn zwischen unsern Leitern solche Widersprüche sind, wie zwischen Warburg und Dr. Katzenelsohn? Warburg schreibt in seinem Bericht, man solle den Moment nicht verpassen, und Katzenelsohn sagt, für Konzessionen sei die Zeit noch nicht gekommen (Dr. Katzenelsohn ruft!: „Umgekehrt habeich gesagt") So? dann müssen Sie den Antrag Simon sofort annehmen; an Ihrer Abstimmung werde ich sehen, wer recht hat. Ich bin mit Dr. Oppenheimer darin einverstanden, daß die Basis der Kolonisation die Agrikultur sein muß. Es handelt sich erstens um die Vorbereitung der Menschen, aus den Juden Ackerbauer zu machen, und zweitens die Mittel zu erwerben, diesen Menschen die Möglichkeit zu geben, sich zu etablieren. Der wichtigste Punkt, der Zentralpunkt 'unserer Arbeit ist die Tätigkeit der D. P. L. D. C. Das ist nicht vom Kongreß ausgegangen, ist unter dem Widerstand unserer Leiter entstanden (Zuruf: Von wem?) Von Co wen! Wenn die Parole vom Kongreß ausgegangen < wäre, würden wir dann nur über eine so lächerlich kleine Summe verfügen wie jetzt? Einer der Beschlüsse dieses Kongresses muß es sein, eine Parole auszugeben, für die P. L. D. C. in der nächsten Zeit alle Mittel zur Verfügung zu stellen; das zweite Mittel ist die Schaffung eines Agrarfonds, aber das darf nicht einer Kommission überlassen werden, sondern das muß der Kongreß selbst beschließen. Dies wird vielleicht der einzige reale Beschluß des Kongresses sein. Wir wollen zu unsern Wählern mit etwas Konkretem kommen. (Beifall.) . Und dann die furchtbar schwierige Arbeiterfrage. Wenn ganz Palästina von Juden bewohnt sein wird, und es sind keine jüdischen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.