Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 13 (1909)
- Issue
- 53 (31.12.1909)
- Date
- 1909-12-31
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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des E. A. C. sein. Ich verlange ferner, der Nationalfonds soll weiter Boden in Palästina erwerben, ihn parzellieren und jüdischen Arbeitern in Erbpacht geben. Der J. C. T. soll sein ganzes Kapital nach Palästina überführen. Er soll versuchen, Konzessionen zu erhalten, soll überhaupt auf breiter Grundlage arbeiten. Er soll eine gewisse Summe den jüdischen Arbeitern leihweise zur Verfügung stellen, damit sie in die Lage versetzt werden, in den bestehenden jüdischen Kolonien Arbeiterkolonien zu bilden. Dr. Boden heim er: Der prinzipielle Standpunkt der Herren Vorredner deckt sich im großen und ganzen mit dem meinigen. Die Herren erheben nur den Vorwurf, daß die Aufgaben des N. F. in Palästina nicht richtig erfüllt werden. Wir haben zur Ausführung unserer Zwecke in Palästina das Palästinaamt eingerichtet, und für uns ist das Palästinaamt, an dessen Spitze Herr Dr. Rupin steht, die Behörde, mit welcher wir verkehren und die uns über die Vorgänge in Palästina unterrichtet. Es wird nun hier von dem Vorredner behauptet, daß die Erklärung nicht zutreffe, daß bei dem Häuserbau in Jaffa jüdische Arbeiter beschäftigt würden, sondern daß nur 10 ° o derselben zur Arbeit herangezogen worden sind. Nach unsern Informationen ist dies nicht richtig. Ich habe hier einen Bericht des Palästinaamts vom 14. Dezember 1909, aus dem hervorgeht, daß z. B. beim hebräischen Gymnasium ausschließlich jüdische Arbeiter beschäftigt wurden und daß bei den übrigen Häuserbauten, soweit nur Arbeiter sich in Jaffa gemeldet hatten, sie zur Arbeit herangezogen wurden. Nur in einem Falle wurden die jüdischen Arbeiter bei Beginn des Baues von einem Hausbesitzer übergangen. Es wurde jedoch durch ein Schiedsgericht die Angelegenheit dahin beigelegt, daß der Unternehmer sich verpflichtete, in erster Linie die jüdischen Arbeiter aus Jaffa zu berücksichtigen. Das ist der Bericht unseres ersten Beamten in Palästina, und wir hatten bis jetzt noch nie Veranlassung, an der Richtigkeit seiner Informationen irgendwie zu zweifeln. Ich muß aber den Vorrednern zum Vorwurf machen, daß sie es bisher nicht der Mühe wert fanden, dem Direktorium des Nationalfonds ihrerseits über die Sache zu schreiben, statt hier auf dem Kongreß Anklagen zu erheben. Dr. Bernstein-Kohan: Jeder, der in Palästina längere Zeit die Verhältnisse aufmerksam beobachtet hat, weiß, wie schädlich und einander widersprechend die Tätigkeit unserer verschiedenen zionistischen Bureaus sich erweist. Außerdem betragen die Ausgaben der jetzt funktionierenden vier Bureaus pro Jahr nicht minder als 50 000 Frs. Damit eine Einheit in der Arbeit dieser Bureaus erzielt werden soll, wäre es passend, alle die vier Bureaus in eins verschmelzen zu lassen. Die Aufgaben des vereinigten Zentralbureaus würden dementsprechend folgenden Inhalt erhalten: 1. würde dieses Bureau die einzig autoritative Quelle bilden, welche Auskunft und Hilfe für den Landankauf in Palästina, auf Wunsch auch Parzellierung des Landes, auf sich nehmen könnte. 2. würde es verpflichtet sein, Informationen jeder Art zum Zwecke der Obersiedlung zu erteilen. 3. sollte es ein Vermittlungsbureau für Arbeiter und Kolonisten bilden, welches kollegial arbeiten soll mit den Vorstehern der Arbeitergruppen und der Arbeitgeber. Hierdurch könnten frühzeitig alle Mißverständnisse und Streitigkeiten aus dem Wege geschafft werden. 4. sollte das Bureau die allgemeine Inspektion, Kontrolle und Registrierung der Leistungen auf dem Kulturgebiete im breiten Sinne des Wortes auf sich nehmen. 5. würde die wichtigste Aufgabe des Bureaus die Organisation der palästinensischen Juden sein. Zum Zwecke der Kontrolle und der ständigen Fühlung mit der lokalen zionistischen Organisation, wäre es von großer Wichtigkeit, das Organisationsstatut in dem Sinne umzuändern, daß für Palästina das Recht einer palästinensischen Landsmannschaft mit einem entsprechenden Landeskomitee ohne Rücksicht auf dieZahl der gesammelten Schekel eingeräumt würde. Zum Zwecke der ständigen Fühlung mit dem engern Aktionskomitee wäre es wünschenswert in Palästina selbst ein Mitglied des Engern Aktionskomitees ansässig zu haben. Ich wage diesen Vorschlag, obgleich man vielleicht wieder sagen wird, ich spekulierte damit auf ein Amt. Unter Leitung desselben könnte das Zentralbureau gestellt werden. Endlich wäre es sehr wichtig, daß die Leitung der A. P. C. in Jaffa bei Beratungen über neue Unternehmungen in Palästina unbedingt das Landeskomitee in pleno heranziehen sollte. David Wolffsohn: Ich bin ganz der Ansicht des Herrn Kohan-ßernstein, daß es viel besser wäre, wenn wir ein einheitliches Bureau hätten. Wir haben uns die größte Mühe gegeben, die Bureaus zu vereinigen, aber die Herren in Palästina wollten esnicht. Es war nicht möglich. Herr Dr. Kohan-Bernstein meinte, in Palästina müsse eine Landesorganisation geschaffen werden. Ich wundere mich über ihn, der doch gewiß unser Organisationsstatut kennt. Wir müßten dazu unser Statut ändern. Es wird ja so gesprochen, als ob wir Palästina und die Palästinenser schlechter behandeln als irgendeine andere Landsmannschaft. Aber das ist durchaus nicht der Fall. Wenn in Palästina nur einige hundert Schekelzahler sind, so ist eine Föderation nicht möglich, denn nur 3000 Schekelzahler können eine solche bilden. Was durch das Organisationsstatut gegeben ist, braucht man wohl nicht erst zu fordern, das existiert doch. Stellen Sie morgen bei der Frage der Organisation einen entsprechenden Antrag. Nun will aber Herr Dr. Kohan-Bernstein ein Mitglied des E. A. C. in Palästina haben. Das ist allerdings eine ganz andere Sache. Er hat mir Unrecht getan. Es war durchaus keine Verdächtigung, wenn ich vorgestern dazwischen rief: Aha! Damit habe ich nicht seine Person gemeint, vielleicht tat er es selbst, denn sonst wüßte ich nicht, warum er sich getroffen gefühlt hat. Ich habe an jhn dabei nicht einmal gedacht. Und nun nur noch eins: Dr. Kohan-Bernstein sagte, die Bank arbeite nicht zionistisch. Aus seinem Munde klingt das als ein besonders schwerer Vorwurf, daß die Bank nicht zionistisch arbeitet. Früher hat er den Satz gesprochen, daß sogar Araber bei der Bank ihre Einlagen machen, und hat das als Beweis dafür angeführt, daß die Banken nicht zionistisch arbeiten. Geehrter Kongreß! Wollen Sie, daß wir so arbeiten, daß die Araber nicht Einlagen machen? Nein, Sie wollen das nicht, dann lassen Sie nur die Bank so arbeiten, wie sie arbeitet. Wenn sie gut in Palästina arbeitet, dann arbeitet sie zionistisch, und wenn sie schlecht arbeiten wird, — ich möchte die passende Bezeichnung nicht anwenden. (Lebhafter Beifall.) Julius Simon: Der J. C. T. führt nur ein Scheinleben. Herr Katzenelsohn hat gestern zusammengestellt, was die Bank seit ihrem Bestehen an Dividenden und daneben an außerordentlichen Ausgaben geleistet hat, und kam zum Resultat, daß bisher 50 000 £ von der Bank verteilt worden seien, nach Abzug der Gründungsspesen und aller Spesen. Das sind 20% des Aktienkapitals, und auf 10 Jahre verteilt ergibt das eine durchschnittliche Verzinsung von 2%. Dagegen hat die A. P. C. 4°/o oder mehr verteilt. Der J. C. T. müßte im Verhältnis zum Aktienkapital im Vergleich mit der A. P. C. das Vierfache an Depositen haben. (Hört, hört.) Man war damals der Ansicht, daß der J. C. T. Gelder flüssig halten müsse für irgend bestimmte Zwecke. Ich will nicht darauf zurückkommen, daß man damit einen politischen Zweck gemeint hat. Eine Bank kann nur dann als Bank ernst genommen werden, wenn sie sich von keinen andern Prinzipien leiten läßt als von banktechnischen. Dann würde die Bank so gut wie jede andere Bank gute Dividenden bezahlen können, und das Vertrauen wäre so groß, daß ihre Aktien als gute Anlagen gelten würden. Hätten wir die Bank rein vom geschäftsmäßigen Standpunkt betrachtet, dann würden wir heute nicht über 55 000 £ verfügen, sondern über das Zehnfache. Dann würden wir viel mehr fremde Kapitalien heranziehen. Man hat nicht begriffen, daß die Kräfte einer Bank nicht in den eigenen Mitteln lägen, sondern im ganzen Aufbau, im Geschäftskredit. Dies ist lediglich eine Kritik der Entwicklung, obgleich es heute zu spät ist, daraus noch praktische Konsequenzen zu ziehen. Aber wenn man als die Aufgabe der Bank betrachtet, keine Geschäfte zu machen, sondern sie lediglich für einen bestimmten Zweck bereit zu halten, dann hätte man unsere Bank nicht zur Farce einer Bank erniedrigen dürfen. Es ist absurd, zwei Dinge zu vereinigen: mündelsichere Anlage und geschäftliche Rentabilität. Wir haben von Wolffsohn gehört, er sei stolz darauf, daß die Mittel der Bank mündelsicher angelegt sind. Eines ist falsch. Entweder sich auf den engbegrenzten Standpunkt stellen, daß* das Geld liquid ist, oder Geschäfte machen zu wollen. Die Folge davon ist, daß wir unsern Kredit, ich will nicht sagen, eingebüßt, aber geschädigt haben. Ich stelle folgenden Antrag: „Der Kongreß ist der Ansicht, daß die gegenwärtige geschäftliche Tätigkeit des J. C. T. in Europa außerhalb der Interessensphäre der zionistischen Bewegung liegt. (Beifall.) Der Kongreß fordert allmähliche Liquidation der europäischen Geschäfte des J. C. T. und Überleitung seiner Mittel nach Palästina." (Beifall.) Die Begründung des ersten Teils dieses Antrags ist klar. Und was den zweiten Teil anlangt, was hat es für einen Zweck, die Bank weiter in London vegetieren zu lassen, wenn es uns nichts nutzt? Alle unsere Interessen sind doch heute mit Palästina verknüpft, aber nicht mit Europa. Ich mute dem Kongreß nicht zu, sich irgendwie darüber zu äußern, in welchem Tempo die Liquidation geschehen soll. Ich denke an allmähliche Liquidation. Dr. Katzenelsohn sagte uns gestern, die Mittel der Bank seien flüssig. Daraus ergebe sich die geringe Rentabilität. Er sagte weiter, daß die Flüssigkeit der Mittel notwendig sei, weil wir für unsere Tochterinstitute Reserven brauchen für den Fall eines Run oder für die Erwerbung von Konzessionen. Diese beiden Begriffe widersprechen sich. Entweder man braucht das Geld, um gegen einen Run gesichert zu sein, dann darf man es nicht in Konzessionen