Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 13 (1909)
- Issue
- 53 (31.12.1909)
- Date
- 1909-12-31
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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DIE KÖLN AM RHEIN, KAROLINGERRING 31 ELT ERSCHEINT 1EDEN FREITAG ZENTRALORGAN DER ZIONISTISCHEN BEWEGUNG XIII. JAHRQ. KÖLN, 31. Dezember 1909 ]2l)nb n&'Wn HDD ü"' No. 53. DER IX. ZIONISTENKONGRESS (Telephonischer Spezialbericht) Vierter Verhandlungstag Mittwoch den 29. Dezember 1909 Nachmittagssitzung (Fortsetzung der Palästina-Debatte) Dr. Abraham söhn (Särbogard): Hinter uns steht das jüdische Volk. Denken Sie an das Wort Herzls: „Vorerst muß das Volk, dann wird das Land erobert werden." (Lebhafter Beifall.) Der Kulturkampf wird nicht ausbleiben. Aber jetzt darf er noch nicht ausgetragen werden. Wenn der Misrachi sich separiert hat, hat er nicht die Absicht, den Zionismus zu schwächen, sondern ihn zu stärken. (Beifall.) Werden wir verstehen, die richtige Parole auszugeben, dann ist die Invasion der Juden in Erez Jisroel ein historisches Faktum. (Lebhafter Beifall.) Cohen (Jerusalem): All die Institutionen, die Prof. Warburg genannt hat, erfordern ja Milliarden, und womit sollen die beschafft werden? Wissen Sie denn nicht, daß im gegenwärtigen Zustand der Zionismus eine konventionelle Lüge ist? Wohin sollen wir kommen? Wir leben mit den Türken und Arabern. Die Araber lesen die „Welt" sehr genau. Sie verfolgen unsere Bewegung mit größter Aufmerksamkeit, vielleicht mit viel größerer Aufmerksamkeit, als manche Führer in Palästina, die es notwendig hätten. Wenn Sie darangehen, die Vorschläge über Palästinafragen ernstlich zu beraten, so mache ich Ihnen den Vorschlag, Aktien zu zeichnen. Ich sage Ihnen: die Delegierten, vor allem das Aktionskomitee, sind berufen, Bürger von Palästina zu werden, um es kennen zu lernen, und Herren, die nicht einmal ein Stück Boden in Palästina erwerben, werden wir nicht ins Aktionskomitee entsenden. Ich habe sehr viel, aber sehr schmerzliches über Palästina zu reden. Nicht hier in der Öffentlichkeit. Ich ersuche Sie, eine Kommission zu wählen. Da werden wir anklagen. Uns ist es sehr schwer gewesen, unser schönes Geburtsland zu verlassen und in frostige Gegenden zu kommen, um frostige Herzen zu finden. Wir brauchen Zionisten in Palästina. Wir brauchen keine Wucherer (Unruhe). Wir brauchen ganze jüdische Männer. (Beifall und Zischen.) Ihre erste heilige Pflicht ist es, nach Palästina zu kommen. (Teilweiser Beifall.) Frl. Goldin (Palästina): Es ist sehr schwer, über die Frage der jüdischen Arbeiter in Palästina hier zu sprechen, nachdem die jüdischen Arbeiter in den verschiedenen Reden der Herren vom Aktionskomitee nicht einmal erwähnt worden sind. Und doch ist diese Frage die allerwichtigste; denn die jüdischen Arbeiter vertreten nicht nur ihre eigenen Interessen, sondern auch jene des gesamten jüdischen Volkes, indem sie die Kolonien vor Überfällen schützen und verteidigen. Es ist auch charakteristisch, daß selbst Herr Prof. Warburg von den Arbeitern in Kinereth nichts berichtet hat Es mag hervorgehoben werden, daß die Arbeiter dortselbst im Laufe eines Jahres viermal gewechselt haben. Die Bedingungen der jüdischen Arbeiter sind sehr schwer, und bessere zu schaffen, wäre ausschließlich die zionistische Organisation berufen. Leider geschieht dies absolut nicht. Die zionistischen Institutionen in Palästina ignorieren die Arbeiterfrage vollständig. So wurde seitens der zionistischen Bank der Streikfonds der jüdischen Arbeiter nicht ins Depot genommen. Es ist daher kein Wunder, wenn die privaten Unternehmer noch weniger Rücksicht auf die jüdischen Arbeiter nehmen. Wir müssen fordern, daß die Vertreter der jüdischen Arbeiter bei allen Aktionen, welche die Arbeiter betreffen, mitgehört werden. Der jüdische Nationalfonds, zu dem die Arbeiter ja auch beisteuern, veranlaßt die Erbauung von Häusern, bei welchen jüdische Arbeiter nicht beschäftigt werden. Wie will man aber den jüdischen Arbeitern das Verbleiben im Lande möglich machen, wenn man so vorgeht? Um die Einwanderung von jüdischen Proletariern zu sichern, muß erstens die Kolonisation nach dem Vorschlage von Dr. Oppenheimer betrieben werden. Das ist die Hauptaufgabe des Nationalfonds; zweitens müssen in den jüdischen Kolonien Bedingungen geschaffen werden, welche den jüdischen Arbeitern die Seßhaftmachung ermöglichen. Nur so wird man in der Lage sein, mit dem arabischen Arbeiter, der günstige Bedingungen hat, zu konkurrieren. Aronowitsch (Palästina): Über Palästina ist sehr viel gesprochen worden, und tatsächlich sehen wir viel Licht in Palästina. Aber dieses Licht stammt von der Ica, den Chowewe-Zion, Rothschild, von fremden Organisationen, aber nicht von uns. Die zionistische Organisation hat sehr viel im Golus getan, aber noch nichts für Palästina. Der Nationalfonds hat begonnen, in Palästina zu arbeiten. Seine Aufgabe ist es, Land zu kaufen. Natürlich müßte er dort kaufen, wo er für wenig Geld große Strecken erwerben kann. Statt dessen hat er teures Land angekauft. Er müßte natürlich nur von Nichtjuden kaufen, er hat aber nur von Juden gekauft. Dann hat er die Häuserbaugesellschaften unterstützt. Ich bin nicht der Meinung, daß er das überhaupt durfte, jedenfalls aber hätte man verlangen dürfen, daß er zur Bedingung macht, daß bei diesen Bauten nur jüdische Arbeiter beschäftigt werden. Das ist nicht geschehen. Nur 10% der Arbeiter waren Juden. Nun gibt es Leute, Vorsteher unserer Institutionen in Palästina, die behaupten, es gebe nicht genug jüdische Arbeiter für diesen Zweck. Das ist nicht richtig. In Jaffa und Jerusalem gibt es einen ausgezeichneten jüdischen Arbeiterstand, geschickt für Arbeiten aller Art. Sie sind vielleicht nicht so billig wie die nichtjüdischen Arbeiter, sie sind nicht so knechtisch, sie stellen vielleicht größere Ansprüche. Aber es sind unsere Arbeiter, die Träger unserer Zukunft, das Material, mit dem wir rechnen müssen. Die zionistische Organisation muß die jüdischen Arbeiter in Palästina unterstützen, Sie muß die Mittel zum Bau von Arbeiter Wohnungen zur Verfügung stellen. Man sagt: Wir haben keine Mittel. Das Geld, das für die Unkosten der russischen Reise unseres Präsidenten erforderlich war, hätte genügt, um einen guten Anfang für die Unterstützung der jüdischen Arbeiterschaft in Palästina zu bilden. (Unruhe.) Wir verlangen, daß eine Zentralinstanz in Palästina gebildet wird, bestehend aus den Vertretern der verschiedenen zionistischen Institutionen in Palästina, aus den Vorstehern der einzelnen Jüdischen Organisationen und den Vertretern der Arbeiterschaft. Und der gewählte Vorsitzende dieser Instanz soll Mitglied