Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 13 (1909)
- Issue
- [Sonder-Ausgabe] Nr. 5 (30.12.1909)
- Date
- 1909-12-30
- Page
- Seite 1225 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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bemüht, überall die Organisation straffer zu gestalten, Sammelstellen einzurichten, Nationalfonds-Kommissionen zu bilden und die Tätigkeit derselben mit Rat und Tat zu unterstützen. Dies ist auch fast von allen Sammelstellen ausnahmslos anerkannt worden, und haben sich dieselben gewöhnt, durch einen regelmäßigen Briefwechsel alle auftauchenden Fragen mit uns zu erörtern und unsern Rat und unsere Hilfe anzurufen Die stets wachsende Ziffer der Spenden ist der beste Beweis für den Erfolg unserer Arbeit, und kann ich Ihnen die erfreuliche Mitteilung machen, daß unser Nationalvermögen einschließlich der Ölbaumspende zum Schlüsse dieses Jahres den Wert von mindestens zwei Millionen Mark darstellen wird und der Spendeneingang dieses Jahres ungefähr 400 000 Mark beträgt. (Cebhafter Beifall.) Hierbei ist die Verrnögensvermehrung, die der Nationalfonds durch die Spende des hebräischen Schulgebäudes seitens des Herrn Moser erfahren hat, noch nicht berücksichtigt. Es ist dies eine Rekordziffer, die wir bis jetzt noch nicht erreicht hatten. Eine organisatorische Schwierigkeit entstand dadurch, daß s. Zt. die Ölbaumsfjeride durch die Gründung des eingetragenen Vereins „Ölbaumspende" von dem Nationalfonds losgetrennt worden -war. Diese Lostrennung war lediglich aus formellen Gründen erfolgt. Bei dieser Trennung ging das A. C. von der Voraussetzung aus, daß der Olbaumfonds nach wie vor, als ein Teil des N. F., von diesem verwaltet werden sollte. Die Leitung des Vereins Ölbaumspende war jedoch anderer Ansicht. Um den hieraus entstehenden Schwierigkeiten zu begegnen, wird es notwendig sein, daß der Kongreß seine Meinung dahin zu erkennen gibt, daß die 01baumspen.de zwar gesondert zu verwalten, jedoch als Teil des Nationalfonds zu betrachten sein soll. % Vor einer schwierigen Frage stand sodann die Verwaltung des N. F. in der Angelegenheit der Schenkung, welche unser verehrter Gesinnungsgenosse, Herr Friedensrichter Moser, dem Nationalfonds in Form eines Schulgebäudes für eine höhere Schule in Jaffa zu machen beabsichtigte. In der Presse und in Versammlungen wurde das A. C. und der Nationalfonds angegriffen in der falschen Voraussetzung, daß es sich um eine Schenkung handle, die der N. F. dem Hebräischen Gymnasium zu machen beabsichtige. Wir haben nunmehr in der letzten Generalversammlung des N. F. die Mitteilung machen können, daß gerade der umgekehrte Fall vorliegt, nämlich, daß der Nationalfonds durch die Gewährung eines Beitrages von Frs. 30000 zum Landerwerb für ewige Zeiten in den Besitz eines schönen Schulgebäudes gelangt, welches Herr Friedensrichter Moser mit einem Aufwände von über Frcs. 100000 in Jaffa errichtet und dem N. F. geschenkt hat. Die N. F.-Verwaltung glaubte im Interesse des jüdischen Volkes und gernäß den Besiimmungen seines hohen Zweckes zu handeln,, wenn sie diese Spende dankend annahm. In der Zwischenzeit hat der N. F. auch den Plan, ein mustergültiges jüdisches Viertel in Jaffa zu schaffen, dadurch gefördert, daß er der A. P. C. einen Betrag von lU Million Frcs. zu diesem Zweck zur Verfügung gestellt hat. Die Frage der Bewilligung oder Nichtbewilligung dieser Kredite ist früher viel umstritten worden, aber die Stimmen, die sich hiergegen gewendet haben, sind zum größten Teil verstummt, nachdem jetzt dieses Viertel in Jaffa entsteht und heute schon von allen Seiten bestätigt wird, daß dasselbe in hohem Maße dazu dient, das Ansehen der jüdischen Bevölkerung in Jaffa zu heben. Ungefähr 60 Häuser, von schönen Straßenzügen durchzogen, in deren Mitte auf erhöhtem Platz das Hebräische Gymnasium aufragt, mit Wasserleitung und Kanalisation und allen hygienischen Einrichtungen einer modernen Stadt versehen, erheben sich in der Nähe der Meeresküste und werden in Kürze eine Zierde der Stadt bilden. Ein Mißklang störte nur die Harmonie des Erfolges, der leider von der Presse in ungebührlicher Weise aufgebauscht wurde. Die Häuserbaugenossenschaft geriet nämlich in Streit mit der Vereinigung der jüdischen Arbeiter, welche, wie es scheint, zum Teil nicht ganz berechligte Forderungen für ihre Beteiligung an der Arbeit stellten. Dieser Streit ist durch die Intervention der A. P. C. beigelegt worden. Es ist also eine Unwahrheit, wenn einzelne Blätter berichten, daß jüdische Arbeiter bei der Erbauung dieses Viertels nicht beschäftigt worden seien. Es ist vielmehr richtig, daß das Hebräische Gymnasium ausschließlich von jüdischen Arbeitern in Palästina errichtet wird und bei den übrigen Häusern die jüdischen Bauhandwerker Jaffas Beschäftigung finden. (Lebhafter Beifall.) Ich betrachte es als eine ganz selbstverständliche Pflicht jeder jüdischen Organisation in Palästina, in allererster Linie unsere jungen jüdischen Arbeiterpioniere zu beschäftigen und zu fördern. Anderseits müssen aber die Leiter dieser Arbeiterorganisationen sich dessen bewußt sein, daß man in einem jungen, erst im Werden begriffenen wirtschaftlichen Gemeinwesen bei Lohnkämpfen nicht nach demselben Grundsatze verfahren darf, wie dies in den großen kapitalistischen Zenlren Europas vielleicht notwendig ist. Hier in Palästina kommt außer dem Klasseninteresse auch noch der nationale Gedanke in Frage. Der Kapitalismus in Palästina ist noch nicht stark genug, daß er solchen Kämpfen und Schwierigkeiten gewachsen wäre. Man hat mit Unrecht dem N. F. den Vorwurf gemacht, daß er in diese Streitigkeiten nicht eingegriffen habe. Diejenigen, die einen solchen Vorwurf erheben, mögen doch bedenken, daß die Verwaltung des N. F. so weit von dem Schauplatz dieser Lohnstreitigkeiten entfernt ist, daß sie unmöglich ein Urteil in diesen Fragen fällen und ihren Einfluß nach der einen oder andern Seite mit genügender Energie geltend machen kann. Es wird Sache einer national-jüdischen Erziehung in Palästina sein, die Ursachen solcher Streitigkeiten zu beseitigen, Arbeit und Kapital zu versöhnen und dasselbe zum Wettstreit für die Entwicklung unseres Landes zu vereinigen. Die Verwaltung des N. F. wird jedenfalls bei allen diesen Fragen das nationale jüdische Interesse in die erste Linie stellen. Wir haben uns auch bei der Konsolidierung landwirtschaftlicher Genossenschaften dadurch beteiligt, daß wir der A. P. C. ein Darlehn von 200 000 Frcs. für solche Zwecke gewährt haben. Man hat nun gegenüber der Nationalfondsverwaltung von manchen Seiten den Vorwarf erhoben, daß sie die Gelder in systemloser Weise verwende. Dieser Vorwurf ist meines Erachtens nicht begründet. Es ist selbstverständlich, daß wir bei der Übernahme