Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 13 (1909)
- Issue
- [Sonder-Ausgabe] Nr. 5 (30.12.1909)
- Date
- 1909-12-30
- Page
- Seite 1223 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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ist im jüdischen Lande, die ihre Ausbildung in jüdischem Geiste nach jeder Richtung hin dort erhalten hat, dann wird diese Generation mit der Judenfrage eher fertig werden, als wir auf unsern Kongressen. Aber kehren wir zu unsern industriellen Möglichkeiten zurück! Es ist zwar sehr schön und gut, wenn die Industrie aus den Landesprodukten ihre Erzeugnisse herstellen kann; sie muß aber auch die Möglichkeit haben, diese Erzeugnisse dorthin zu bringen, wo man sie gut verwerten kann. «. Der Handel, der mit der Industrie und mit der Landwirtschaft immer Hand in Hand geht, braucht gute und schnelle Verkehrsmittel, damit die Güter rasch dorthin geschafft wrerden, wo sie bald und vorteilhaft verkauft werden können. Für die Industrie eröffnet sich da eine schöne Perspektive, Palästina braucht Wege und* Brücken, Elektrizitätswerke und Wasserkraftanlagen, Eisenbahnen und Häfen, Kais und Handelseinrichtungen. Die Küstenfahrt ist schon heute von Bedeutung. Als Absatzgebiet kommt vor allem xÄgypten in Betracht. Der Import ist von £ 473000 im Jahre 1904 auf £ 803000 im Jahre 1908 und der Export von £ 295000 auf £ 556000 gestiegen. Alle östlichen Häfen des Mittelmeers unterhalten rege Beziehungen mit Palästina. Mit der Zeit wird sich auch die Schiffahrt auf dem Toten Meer und dem Tiberiassee entwickeln. Der Fremdenverkehr wächst von Jahr zu Jahr und wird ohne Zweifel noch bedeutend zunehmen. Der Name Jerusalem wird immer seine Zugkraft behalten, und Plätze, wie Tiberias, die Umgebung von Haifa und der Libanon, sind für einen Erholungsaufenthalt wie geschaffen. Auf dem Gebiet des Hotelwesens ist in Palästina noch alles zu tun, gute Hotels gibt es dort nur sehr wenige. Aber das Hotelwesen kann man kaum mehr als zu der Industrie gehörend bezeichnen. Aus dem bisher Gesagten wird Ihnen klar sein, daß schon heute verschiedene Industriezweige gute Aussicht bieten, und zwar diejenigen in erster Reihe, die mit dem Ackerbau und der Gartenwirtschaft in engem Zusammenhang stehen und die Verarbeitung der Landwirtschaftsprodukte zum Zweck haben. Ich nenne Fabriken von Frucht- und Gemüsekonserven, Mehlmühlen, Ölpressen zur Verarbeitung der in großen Mengen vorhandenen OKvenprodukte, ebenso Sesamölpressen Als entwicklungsfähig dürfen hier genannt werden die Parfümerieerzeugung und die Ölextraktproduktion, die bei ähnlichen Floraverhältnissen in den südeuropäischen Ländern zur Blüte gelangt sind. Die meisten dieser Unternehmungen sind Kleinbetriebe mit geringem Kapital und geringer Arbeiterzahl. Dies trifft im großen ganzen auch bei den Seifensiedereien zu, die die Ölproduktenabfälle verarbeiten, ferner bei den Gerbereien und Lederfärbereien, bei der Wollwäscherei und bei der Seilerei. Es gibt auch Zement- und Steinfabriken, Dachziegeleien und Maschinenfabriken. Je nach Bedarf werden mehrere dieser Unternehmungen existieren können. Falls die Baumwollanpflanzungen in Palästina Erfolg haben, wird mit der Zeit sicher auch eine Spinnerei- und Weberei-Industrie entstehen und gedeihen können. Ich erwähnte schon den Bedarf an großen öffentlichen Arbeiten, Transportunternehmungen und dergleichen, großen Bahnbauten, die, nachdem Palästina jetzt bald mit der Bagdadbahn verbunden sein wird, das Land auch mit Ägypten verbinden werden. Für die jüdischen Kolonien sind Kleinbahnen erforderlich, z. B. würde eine Kleinbahn von Jaffa nach Pethach- Tikwah und Rischon-Lezion sich wahrscheinlich heute schon als sehr rentabel erweisen. Was der Boden Palästinas an Mineralien enthält, ist noch eine offene Frage. Wir wissen also nicht, ob sich dort mit der Zeit vielleicht auch eine Minenindustrie wird entwickeln können. Gerade in diesen Tagen findet die Ausschreibungstatt für eine Ausbeutung der Phosphatlager bei Salt. Es ist aber fraglich, ob diese Lager reichhaltig genug sind, daß bei den gestellten schweren Konzessionsbedingungen sich Liebhaber für dieselben finden werden. Möglicherweise wird sich eine Salzgewinnung aus dem Toten Meere als vorteilhaft erweisen; außerdem die Gewinnung von Brom und Paraffin, die Ausbeutung der Schwefellager und die Gewinnung von Asphalt. Das sind alles industrielle Möglichkeiten, die wir nach unsern Kräften fördern wollen. Und welches sind diese Kräfte? Das sind in erster Reihe zuverlässige und fähige Fachleute, dann aber unsere materiellen Hilfsmittel, die Bank und der Nationalfonds. Was der Jüdische Nationalfonds ist und will, das ist jedem Juden, sogar den Nichtzionisten, ohne weiteres verständlich. Die Sammlungen für den Nationalfonds sind darum populär, und der Fonds wächst von Tag zu Tag. Für die Bank hat die zionistische Organisation einmal eine große Anstrengung gemacht, und dieser Anstrengung verdanken wir unsere Nationalbank. Ich bin der Meinung, daß die zionistische Organisation diese beiden großen Institute, die Bank und den Nationalfonds, sorgsam hüten muß und zu weitern großen Aufgaben erst dann schreiten darf, wenn die Zeit dafür reif ist. Unsere Organisation soll sich weder direkt noch indirekt mit Sachen befassen, die aus Mangel an Geld und Leuten schon bei der Gründung zum Tode verurteilt sind. Sie soll ihre Mittel vorzugsweise " den großen gemeinnützigen Unternehmungen zuwenden. Es gibt gewiß auch viele kleine Unternehmungen, die rentabel sein können, aber mit diesen Unternehmungen kann unsere Organisation als solche sich nicht befassen. Sie muß sich darauf beschränken, solche Unternehmungen durch ihre Finanzinstitute in bescheidenem Maße zu unterstützen. Hier muß in erster Reihe die Privatinitiative eingreifen. •: Jf* Handelt es sich aber um irgendeine wirklich große Sache, irgendeine große Konzession, dann werden wir wissen, was wir zu tun haben. Ich kann Ihnen mitteilen, daß gerade jetzt ein ausgezeichneter Mitarbeiter, Wasserbautechniker im niederländischen Staatsdienst, sich im Auftrage unserer Bank in Palästina befindet. Der betreffende Herr hat unentgeltlich seine Dienste angeboten, um über ein aktuelles Projekt sein Gutachten abzugeben. Wir wollen in Palästina arbeiten. Wir sind uns dessen vollkommen bewußt, daß jede größere Arbeit neues Leben in das Land bringt und ein Ansporn für andere Unternehmungen sein kann. Aber wir wollen nicht mit dem Kopf durch die Wand, wir wollen sicher gehen, denn jedes Mißlingen kann unsere Sache gefährden. Ich warne Sie davor, daß Sie sich nicht imponieren lassen durch manche Projekte, von denen man Sie glauben machen will, daß die zionistische Organisation sie ausführen müsse. Diese Projekte sind zum großen Teil die reinsten Hirngespinste. Und