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Die Welt · 1909-12-30 · [Sonder-Ausgabe] Nr. 5 (30.12.1909) · p. Seite 1220

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Journal
Die Welt
Volume
13 (1909)
Issue
[Sonder-Ausgabe] Nr. 5 (30.12.1909)
Date
1909-12-30
Page
Seite 1220 (sequence 6)
Language
German
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1220 DIE^ELT No. 5 der des Kleinbetriebs gleichwertig ist. Ich habe bestimmte Grundlagen für meine Annahme, daß schon in der ersten Zeit die Roherträge eines genossenschaftlichen Betriebs um mindestens 50°/o höher sein werden als die eines normalen Großbetriebs, und daß der vermeidbare Verbrauch an totem und lebendem Inventar auf kaum mehr als sich vermindern wird. So werden wir die Kreditbasis schaffen, die wir brauchen. Wir wollen der Schnorrerei ein Ende machen. Wir brauchen Milliarden, um unser Ziel zu erreichen. Mindestens Hunderte von Millionen. Und das schenkt uns kein Mensch, das borgt man nur, wenn man auf Verzinsung rechnen kann. Wir sind kein Wohltätigkeitsverein. Handelte es sich nur darum, ein paar Juden wohlhabend zu machen, oder 20000 geschulte Arbeiter zu Bauern zu machen, dann hätte ich Wichtigeres zu tun. Hier handelt es sich nicht um eine Ölbaumspende — oder doch: Ja, wir wollen den Ölbaum des jüdischen Volkstums wieder ins Land pflanzen, einen Herzlwald, einen einzigen Baum, aber der soll so hoch wachsen, daß er das ganze Land überschattet. (Lebhafter Beifall.) Ich bin ein ehrlicher Mensch und will Ihnen nicht verhehlen, daß das, was wir versuchen wollen, scheitern kann. Die Schwierigkeiten sind ungeheuer, auf unerprobtem Lande, mit unerprobten Menschen unter immerhin politisch noch unsichern Verhältnissen gilt es zu arbeiten. Es gilt das Land zu suchen, das geeignet ist, es gilt die Menschen zu finden, die die Leitung haben, und die Menschen, die sich unterordnen sollen. Das sind kolossale Schwierigkeiten. Es ist ein hoher Preis, aber auch ein hohes Ziel. Selbst ein Mißerfolg würde nichts weiter bedeuten als von vorne anzufangen. (Zustimmung.) Verfügten wir über die Millionen der Ica, dann wäre ich sicher, denn wir würden an sechs Stellen zugleich anfangen, und vier davon würden glänzend gelingen. Zu den andern Schwierigkeiten kommt die des Unternehmens selbst. Aber ich verlange von Ihnen, ich fordere von Ihnen, daß Sie helfen. Ich fordere es im Namen ihrer eigenen Worte. Es ist furchtbar leicht, mit Reden die Luft zu erschüttern und sich als großen Anhänger des Gedankens auszugeben, wrenn es nicht weiter geht als bis in den ersten Vorhof des Portemonnaies. (Sehr gut.) Jetzt hören wir fortwährend von einem begeisterten Patriotismus, von einem überquellenden Nationalgefühl. Für solche Ziele gingen früher Brüder und Schwestern ins Meer und ins Feuer. Da tun Sie wenigstens das lumpige Bißchen und geben Sie so viel Geld für die, die Sie an Ihre Spitze gestellt haben, von denen Sie verlangen, daß sie nicht nur die Direktive und Initiative üben, sondern daß sie auch etwas leisten sollen. (Lebhafte Zustimmung.) Dann geben Sie wenigstens das lausige Geld. (Stürmischer Beifall.) Es ist verdammt billig, nur einfach alle zwei Jahre hierherzukommen und uns, die wir mit blutigen Knöcheln am Steuer stehen, zu sagen: Ihr leistet nichts, leistet erst etwas! (Lebhafter Beifall.) Seid ihr so begeisterte Zionisten, dann gebt nicht nur das, was ihr entbehren könnt, ohne daß ihr euch ein Diner abspart,dann gebt soviel.daß es euch ins Mark schneidet. Wir führen einen Krieg und zum Kriegführen gehört erstens Geld, zweitens Geld und drittens Geld. Wenn wir fortwährend vor der pupillarischen Sicherheit des Nationalfonds stehen, wenn wir für den Bakschich für eine Reise der Untersuchimgskommission kein Geld haben, dann wird mir manchmal mies und moos. (Heiterkeit und Zurufe.) Es wird mir zugerufen: Es wird uns mies ohne Moos. (Große Heiterkeit.) Der N. F. hat die geistreiche Bestimmung, daß er zwar Land kaufen, aber nicht in Valeur setzen darf. Man darf Zeug kaufen, aber sich keine Hosen davon machen lassen. Wir bringen folgende Resolution ein: „Der IX. Zionistenkongreß hält an den Beschlüssen der früheren Kongresse fest, die genossenschaftliche Siedelungsmethode in den Tätigkeitsbereich der zionistischen Organisation aufzunehmen. Um die Durchführung dieses Beschlusses zu ermöglichen, überläßt der Nationalfonds pachtweise der zu errichtenden genossenschaftlichen Kolonie den erforderlichen Boden. Um das Betriebskapital aufzubringen, wird durch eigene Sammlung ein Genossenschaftsfonds gebildet, der an den Jüdischen Nationalfonds angegliedert wird. Er wird verwaltet von einem Komitee, bestehend aus Vertretern des Direktoriums des Nationalfonds und der Arbeiterschaft.t; Ich bitte um einstimmige Annahme. (Lebhafter Beifall.) Wir brauchen Ihr Geld, aber vor allem brauchen wir Ihr Vertrauen. Der jüdische Arbeiter hat schon so viel Theorie im Leibe, daß es schwer fallen wird, mit ihm auszukommen. (Heiterkeit und sehr wahr!) Es gibt zahlreiche Arbeiter, die selbst das Verhältnis zwischen einem genossenschaftlichen Leiter und seinen Arbeitergenossen, über die er kommandiert, ansehen, als ob es sich um eine kapitalistische Ausbeutung des Proletariats handelt. Das ist das Schwere für uns, daß wir nicht nur aus dem Acker, sondern auch aus den Gehirnen viel Unkraut ausroden müssen. (Sehr wahr!) Und dazu brauchen wir das Vertrauen aller Kreise. Wenn niemand Unkraut sät zwischen uns und denen, die uns das erarbeiten sollen, dann wird es gehen, sonst wird es nicht gehen. Im übrigen möchte ich der Resolution hinzufügen: Die Arbeiter, die wir dort ansiedeln, die sollen nichts geschenkt haben. Wir wollen das uns gegebene Geld verzinsen und zurückzahlen, und ich hoffe hochverzinsen. Die Form wird schon gefunden werden. Gestern früh sind in unserm engern Kreise in 4 Stunden 11000 Frs. gesammelt worden für den Genossenschaftsfonds. (Beifall.) Wir werden die Liste herumgehen lassen. Juda erwartet, daß jedermann seine Schuldigkeit tun wird. (Lebhafter Beifall.) Es handelt sich nicht um milde Gaben, es handelt sich um den ersten Versuch jüdischer Großkolonisation, und da soll man mehr tun, als einem leicht ist. Wir brauchen im ganzen 100000 Frs., denn die andere Hälfte gibt uns der Nationalfonds, wenn wir sie aufbringen. Diejenigen, die es am nächsten angeht, die jüdischen Proletarier in Palästina, sind opferwillig, die werden ihr Scherflein sammeln. Wir haben oben am Tisch gesammelt, und der erste Beitrag war eine hohe vierstellige Zahl, die der Prächtigste unter uns mit großem Opfermut gegeben hat. (Lebhafter Beifall.) Es wäre eine Schande, wenn unten im Saal dieselbe Summe nicht noch einmal zusammenkäme. (Stürmischer langanhaltender Beifall.) Sokolow teilt mit, daß ein Bukarester Verein für diesen Zweck 1000 Frs. gezeichnet hat. (Lebhafter Beifall.) Dr. Bodenheimer: Herr Dr. Franz Oppenheimer hat in sehr geistreicher Auseinandersetzung das Prinzip der Genossenschaftsgründung dargestellt Er hat erklärt, die Statuten des Nationalfonds lassen es nicht zu, daß dieser den Boden, den er erwirbt, in Bewirtschaftung bringt, und hat Schlußfolgerungen daran geknüpft. Ich möchte nicht, daß der Kongreß unter dem Eindruck steht, die Statuten des Nationalfonds seien so beschaffen, daß man nicht in der Lage ist, zu tun, was vernünftig ist. Wir sehen in der Administrierung solcher Ländereien auch bei einer Genossenschaftssiedelung und vielleicht gerade erst recht bei einer Genossenschaftssiedelung, die einen ersteh Versuch bedeutet, eine riskante Unternehmung, die nach unserer Ansicht der Nationalfonds nicht auf seine eigne Kappe nehmen darf. Anderseits halten wir es, wie ich gestern ausführte, für eine unabweisbare Pflicht des N. F., ein solches Unternehmen wie die Genossenschaftsgründung auf das ernsteste zu unterstützen (lebhafter Beifall). Ich habe daher im Einverständnis mit den Mitgliedern des Direktoriums mit Dr. Franz Oppenheimer Beratungen gepflogen über die Art und Weise, wie ein solches Unternehmen gefördert werden könnte, und ich habe die Grundsätze mit ihm vereinbart, die im großen ganzen dem Antrag Oppenheimer entsprechen. Wir sind der Ansicht, wenn von den andern Seiten der Sache ein solches Vertrauen entgegengebracht wird, daß man einen Fonds von 100 000 Frs. für diesen Zweck zusammenbringt, dann ist der Nationalfonds berechtigt, die Mittel die erforderlich sind, um das Land in Betrieb zu setzen, auch zu gewähren. (Lebhafter Beifall.) Das Risiko trifft dann nicht den Nationalfonds, sondern die, die mit vollem Bewußtsein sich an diesem Unternehmen mit Beiträgen beteiligen. (Lebhafter Beifall.) Dr. Niemriower, Jassy: Die Palästinaarbeit ist nunmehr die Seele der ganzen Bewegung, ihr ein und alles. Die Zionisten in Rumänien haben zu den ersten gehört, die gleich den russischen Zionisten Kolonien in Palästina gegründet haben, und die, obgleich Rumänien das klassische Land der Judennot ist, stets opferwillig gespendet haben. Sie betrachten es als Aufgabe der Partei, in Palästina mehr zu tun. Die praktische Arbeit ist auch das beste Agitationsmittel für uns. Wir können uns freuen, daß der Komplex der Fragen, "die jetzt auf der Tagesordnung stehen, ein anderer ist als in den ersten Tagen, wo Delegierte und Leitung sich gegenseitig ihre Sünden vorwarfen. Wir müssen auf Taten hinweisen können. In Rumänien, wo man unter der Leitung unseresFödera.tionspräsidenten M. Heinr. §chein praktisch arbeitet, geht man daran, eine Kolonie für die rumänischen Juden zu gründen, und wir verlangen von Ihnen Unterstützung, nachdem wir Frs. 30000 für den Nationalfonds gespendet haben. Die Kolonisationsarbeit hat man in den letzten Jahren in den Hintergrund gestellt. Wir freuen uns, daß Prof. Warburg in seinem Bericht die Bedeutung der praktischen Tätigkeit betont. Wir müssen zu der alten Idee neue hinzufügen. Jeder Kongreß muß gewissermaßen alt-neu sein, muß das Werk fortsetzen. Geben Sie den Juden die Möglichkeit, in das Land ihrer Väter zurückzukehren! (Beifall.) M. Heinr. Schein (Galatz): Die Rumänische Landes-Föderation gibt für den Oppenheimerschen PJan außer den Mk. 1000, die schon gezahlt sind, noch weitere Frs. 2000.—. (Beifall.) Sie will dabei nicht stehen bleiben. (Lebhafter Beifall.) Prof. Weil (Frankfurt): Ich spreche als Mitglied der Misrachi- Föderation, aber vom allgemeinen zionistischen Gesichtspunkte aus. Wir sind erst einige Monate alt, der Benjamin unter den zionistischen Landsmannschaften und Vereinigungen. Aber wir sind nicht müßig gewesen. Wir sind von palästinensischen Gesinnungsgenossen

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