Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 13 (1909)
- Issue
- [Sonder-Ausgabe] Nr. 5 (30.12.1909)
- Date
- 1909-12-30
- Page
- Seite 1217 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 5 -^—L DIEB ein Bild frischer gesunder Entwicklung. Die Bilanz. wächst regelmäßig und rapid und ist in zwölf Monaten von 48000 auf 92 000 Pfund gestiegen. Der Gewinn für 15 Monate beträgt trotz Gründungsspesen und Abschreibungen netto 71;« oder per anno 6 %. Wichtiger als der Gewinn aber ist, daß wir eine beständige Vertretung in Konstantinopel haben, und daß es uns endlich gelungen ist, in der Metropole des türkischen Reiches festen Fuß zu fassen. Es ist zu hoffen, daß das Ergebnis ein großes Werk sein wird, wenn es vorläufig auch noch klein ist. (Beifall.) Zur größern Schwester, der A. P. C. übergehend, gibt der Berichterstatter die- Ziffern des von 1904 bis 1909 von 39000 auf 70000 türkische Pfund angestiegenen Aktienkapitals, der Schulden beim I. C. T., die zunächst von 13000 auf 84490 Pfund stiegen, um im letzten Jahr auf 8000 Pfund zu sinken, der Einlagen, die von 1 Million Francs auf 4l/2 Millionen gestiegen sind, und der Investierungen in Palästina, die von 1323000 auf 6181 000 Francs anstiegen. Die Investierung der Geschäfte ging immer höher und höher, proportional der Entwicklung des Landes, viel schneller als~ die Einlagen der Bank. Der Import und Export von Palästina, der vor 20 Jahren auf dem Niveau von je 5 Millionen stand, vor 5 Jahren 12 Millionen betrug, beträgt jetzt zirka 25 Millionen Francs. In den letzten Jahren haben sich Export und Import beinahe verdoppelt. Ein Teil dieser Vergrößerung ist zweifellos der A. P. C. zu verdanken, und kein geringerer als der Direktor der Imperial Ottomane-Bank hat mir erklärt, daß sie lediglich der A. P. C. zu verdanken ist. (Lebhafter Beifall. Hört, hört!) Die Einlagen derA.P.C. sind wohl größer als die aller andern Banken in Palästina zusammen, (Beifall.) Der Redner geht auf die Einzeitätigkeit der A. P. C. ein: den Kredit an Kolonisten, Vorschüsse bis zur nächsten Ernte, Kredite für Plantationen, ebenso an Vereine wie Menucha Wenachla, Agudath, Netaim usw. Kein Institut existiert in Palästina, das nicht einen Kredit von der A. P. C. hat. Ebenso steht es mit der leider noch sehr schwach entwickelten Industrie. Natürlich erfordert dieses Gebiet in einem Lande wie Palästina besondere Vorsicht; und was den kaufmännischen Kredit anlangt, so nehmen wohl fast alle Juden, die ein kaufmännisches Geschäft haben, den Kredit der A. P. C. in Anspruch. Die Bank hat eine Reihe von neuen Geschäftszweigen eingeführt, den Holzimport, den Orangenexport, ja sogar den Wechsel wohl überhaupt erst geschaffen. Sie hat zur Belebung des Landes beigetragen, zur Gündung von Leihgenossenschaften; es bestehen 28 Genossenschaffen mit 1183 Mitgliedern. Sodann entwickelt sie eine Reihe anderer Tätigkeiten, z. B. Landerwerb für eigene und fremde Rechnung. Ferner Häuserbau: zwei Stadtviertel mit 100 Häusern hat sie in Jerusalem erbaut, 60 in Jaffa, 10 in Haifa. Dies, sowie langfristige Kredite an Plantationsbesitzer sind ermöglicht durch den Kredit des Nationalfonds. Momentan stehen wir in Unterhandlung mit der „Esra" wegen des Baues von Arbeiterwohnungen. Für die Kolonisten werden Landwirtschaftsmaschinen beschafft, eine Viehversicherungsgesellschaft ist gegründet. Der allerwichtigste Teil unserer Tätigkeit in Palästina ist aber dieGewinnung oder Übernahme von Konzessionen. Schienen und Drähte, die Nerven und Muskeln eines Landes, gilt es dort erst hineinzubringen. Es ist das eine Lebensfrage für das Land, seine Erschliessung. Ehe das neue Regime kam, war es überhaupt ausgeschlossen, auf diesem Gebiete etwas zu erhalten. Seitdem haben wir alle Hände voll damit zu tun. Es ist eine ganze Reihe von Projekten, für die man sich interessiert, und wir haben eine sehr schwierige Position: auf der einen Seite abzuwiegeln; denn wenn etwas mißlingt, ist es nicht nur eine Frage verlorenen Geldes, sondern auch unseres Prestiges und unserer Stellung. (Sehr wahr!) Anderseits dürfen wir auch keinen Mangel an Initiative zeigen. Wir müssendes unternehmen, was annehmbar ist. Zwischen diesen beiden Polen geht unsere Tätigkeit, und ich hoffe, daß wir bald zu bessern Ergebnissen kommen werden, als es bis heute in der Kürze möglich war. Dies betrachten wir als das allerwichtigste, und es £ELT 1217 wird jedenfalls nichts unterlassen werden, was dagemacht werden kann. Der Gewinn für 1909 wird voraussichtlich ebenso wie 1908 lOOOOOFrs. betragen, so daß also mindestens dieselbe Dividende wie voriges Jahr wird gegeben werden können, voraussichtlich eine höhere. (Beifall.) Die Bankpolitik in Palästina ist eine sehr schwere Aufgabe. Die Verhältnisse des Landes müssen studiert, das Material muß da erst geschaffen werden, eine gesunde kommerzielle Basis und dann ein richtiges Verhältnis zwischen der Lage des Landes und der Tätigkeit der Bank, daß man nicht Unternehmungen unterstützt, die das Land noch nicht vertragen kann, auf der andern Seite aber alles, was nötig ist, unterstützt. Wir tun schon eher etwas zu viel als zu wenig; jedenfalls ist eine Vergrößerung der Geschäfte der A. P. C. bei der gegenwärtigen Lage nicht möglich. (Hört, hört!) Ich glaube, es wird bald möglich sein. Wenn wir erst einen Export nicht von 15, sondern von 25 Millionen haben werden, dan i werden wir ein Kapital von 12 statt von 6 Millionen brauchen; aber man kann nicht künstliche Unternehmungen schaffen, sondern man muß sich mit solchen Unternehmungen befassen, die für das Land nötig sind und passen. Wir sina1 dort im Lande ein Fakt r allerersten Ranges geworden. Diese Auffassung habe ich noch von jedem Palästinenser gehört, von Bankleuten, Kolonisten, Kaufleuten, Juden und Arabern; darin sind sie alle einig. Mit ihrem Netz von Filialen hat die Bank erst Leben in das Land gebracht, die sozialen Verhältnisse belebt. Indem wir für die Juden arbeiten, arbeiten wir für das Wohl des ganzen. Landes und für das Wohl des ganzen Ottomanischen Reiches. Bead ami ubead arzo. (Lebhafter Beifall.) Nun von den Tochterinstituten zur Hauptbank, von den Kindern zur Mutter, zum I. C. T. Der gesamte Shares-Verkauf beträgt seit 1902 18784 Pfund, fast jedes Jahr gleichmäßig. Die Hälfte unseres Kapitals wird von den Tochtergesellschaften und anderen Instituten wie die Palästinahandelsgesellschaft, das Palästina-Industrie-Syndikat, die Elansch-Expedition sowie die Whitechapel Brandl aufgebraucht. Sonst ist es ein reines Bankgeschäft. Daneben betreibt die Bank den Export von Manchester nach dem Orient. Aber im übrigen machen wir alles, was sich darbietet, wenn es nur sicher und liquid ist, weil wir Geld immer flüssig haben müssen. Das ganze Leben der Mutter konzentriert sich jetzt auf das Interesse der Kinder; es ist nicht eine stiefmütterliche Behandlung, wie manche glauben, es sind ja auch dieselben Leute an der Spitze. Die Geschäfte des I. C. T. entwickeln sich sehr gut. Die Umsätze betrugen im Jahre 1907 6300000 Pfund, 1908 6800000, 1909 bis zum 30. November 8110000, bei einem Kapital von 250000 Pfund, das beweist, daß die Bank wirklich arbeitet und daß sie existieren kann. Daß der L C. T. in bezug auf Dividende nicht an der Spitze der Banken steht, kann nicht wunder nehmen. Es sind da eine Reihe großer Schwierigkeiten, der Sonnabendschluß und leider die Tatsache, daß wir zu wenig Depots von zionistischer Seite haben. Aber immerhin haben wir in den sieben Jahren unserer Existenz 32000 Pfund Dividende ausgeworfen und eine ganze Reihe anderer Ausgaben gehabt, die zwar nicht geschäftlicher, aber um so. mehr zionistischer Natur sind. 20000 Pfund pro Jahr haben wir ausgegeben für rein zionistische Zwecke. (Hört, hört.) Und trotzdem haben wir in den letzten sechs Jahren noch 50000 Pfund mehr schaffen können, als da waren. (Hört, hört! Lebhafter Beifall.) Wir sollen ein Finanzinstrument der Bewegung sein, gewiß; aber dazu dürfen wir nicht zerstückelt werden, sonst sind wir kein Instrument, sondern ein unnützes Werkzeug. Sie müssen dafür sorgen, daß wir erhalten und verstärkt werden. Wenn wir bedenken, daß wir vor elf Jahren zaghaft an die Begründung der Bank gegangen sind und jetzt eine Bank in London und Whitechapel haben, eine ganz ansehnliche Bank in Konstantinopel und in der A. P. C. eine Gründung, die geradezu eine Umwälzung der Verhältnisse in Palästina bewirkt hat, so ist das doch nicht so wenig, wie man es von manchen Seiten darzustellen sucht. Mir 9*