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Die Welt · 1909-12-29 · 4 (29.12.1909) · page 10

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Journal
Die Welt
Volume
13 (1909)
Issue
4 (29.12.1909)
Date
1909-12-29
Page
– (sequence 10)
Language
German
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1204 DIE^ELT: No. 4 Das Mädchen-Waisenheim in Jerusalem wurde von uns dadurch unterstützt, daß demselben 12 Mädchen zugeführt wurden, deren Pension usw. wir aus dem Pogromfonds 'bezahlten. Da bei der Leitung der Wunsch vorhanden sein soll, dieses Institut auf das Land zu verlegen, so liegt der Gedanke nahe, für den Fall, daß in Beth Arif ein ländliches Erziehungsheim für Knaben an Stelle von Kiriath Sefer gegründet wird, hiermit auch ein solches für Mädchen zu verbinden. (Beifall.) Das Hebräische Gymnasium Dieses Institut, das unter der Obhut des Odessaer Komitees steht, wurde von uns zwar nicht direkt unterstützt, hingegen hat der N. F. den Boden angekauft, auf dem das Gymnasium erbaut werden soll, und unser Gesinnungsgenosse Moser (stürmischer Beifall), der das Geld zum Bau des Schulhauses zur Verfügung gestellt hat, hat letzteres gleichfalls dem Nationalfonds schenkungsweise übertragen. Grundstück und Haus werden dem Gymnasium für die ersten 5 Jahre zinslos überlassen; auch wurde festgesetzt, daß das Gebäude 50 Jahre lang ausschließlich für Schulzwecke verwendet werden muß. Das Palästinaamt hat die hierzu nötigen Verhandlungen geführt. Zentralbibliothek in Jerusalem Die Verhandlungen mit dieser von uns bisher mit einem kleinen Betrag unterstützten Bibliothek haben erfreuliche Fortschritte gemacht, und lassen hoffen, daß sie sich jetzt bald durch eine zeitgemäße Reorganisation zu einer auf solider Basis stehenden großen jüdischen Bibliothek entwickeln wird. Die Unterhandlungen mit maßgebenden Faktoren, um eine gemeinsame Organisation zur Leitung und Unterhaltung der zu vergrößernden Bibliothek zu schaffen, scheinen Erfolg zu versprechen. Hoffentlich wird es jetzt nicht mehr lange dauern, bis sich an Stelle des bisherigen überfüllten Bibliothekgebäudes ein schöner und würdiger Neubau erheben wird. Pflanzungsverein „Palästina" Dieser Verein soll denjenigen Juden, die wünschen, eine Scholle Boden im. Lande der Väter ihr eigen nennen zu können, ermöglichen, dieses Gebot des Talmuds ohne allzu große pekuniäre Opfer zu erfüllen, dadurch daß sie für 80 Mark eine Landparzelle von 1/11 ha mit Fruchtbäumen bepflanzt auf Lebenszeit zugeschrieben erhalten, indem die Nutznießung dieses Grundstückes ihnen jährlich als „Palästinagabe" zugestellt wird. Die erste Pflanzung von 150 Dunam ist von drei jüdischen Kolonisten in der Kolonie Rechoboth angelegt, und die Palästinagabe wird den Besitzern in diesem Jahre zum zweiten Male zugestellt werden, diesmal in Gestalt von Mandeln und Rosinen. Da der Verein keinerlei Mittel für Propagierung seiner Ideen besitzt, noch wird erlangen können, so ist die Zahl der in der Berichtsperiode neu hinzugetretenen Mitglieder auch eine geringfügige gewesen. Die Hoffnung, daß die Misraehi, in deren Sinn doch dieser Verein ganz besonders liegen muß, die Sache als die ihrige betrachten würden, hat sich bisher als irrig erwiesen und dürfte auch in Zukunft sich kaum erfüllen, da diese Föderation ja durch Übernahme der Mittelschule „Tachkemoni" in Jaffa ein Unternehmen auf sich genommen hat, das ihre Kräfte ziemlich in Anspruch nehmen wird. 7::i Aus diesem Grunde hält der Vorstand des Vereins es für das beste, daß sich der Verein der Ölbaumspende angliedert, indem letzterer die Ländereien des Pflanzungsvereins dauernd verwaltet, wofür sie nach dem Tode der einzelnen Besitzer völlig in das Eigentum des Vereins Ölbaumspende übergehen werden. Das Palästinaressort hat sich nur insofern mit diesem großenteils aus nichtzionistischen Mitgliedern bestehenden Verein beschäftigt, als es durch das Palästinaamt die Pflanzungen des Vereins kontrollieren ließ und dem Verein auch seine Räume für Beratungen usw. zur Verfügung gestellt hat. Hygienisches Institut Die in Aussicht genommene Einrichtung eines mikrobiologischen resp. hygienischen Instituts hat gute Fortschritte gemacht. Die bis heute für das Institut zusammengebrachte Summe wird wohl ungefähr die Baukosten des Instituts decken. Wenn, wie zu erwarten ist, der Nationalfonds den Boden hierzu hergeben wird, so würden also immer noch ,die Einrichtungs- und die jährlichen Unterhaltungskosten aufzubringen sein. Ein vorläufig kleiner, auf Wunsch des A. C. unter dem Palästinaressort zusammengetretener, aus Ärzten bestehender Arbeitsausschuß hat schon die Vorarbeiten begonnen, und es ist Hoffnung vorhanden, daß bald ein aus sehr guten Namen zusammengesetztes Komitee die intensivere Werbung für die Aufbringung der Fonds in die Hand nehmen wird. Leider ist uns eins der rührigsten Mitglieder dieses Ausschusses, Dr. Georg Arndt, kürzlich durch einen jähen Tod entrissen. Ein renommierter, für das Technikum in Haiffa hinausgesandter Architekt wird nach den detaillierten Angaben, die er hier erhalten hat, die Kosten des Baues berechnen und sich nach einem geeigneten Platz umsehen. Nach den vorläufigen Schätzungen scheint es, daß das Gebäude und die innere Einrichtung bei weitem nicht solch hohe Kosten machen werden, wie früher angenommen wurde. Neben der Förderung von gemeinnützigen Institutionen hat sich das Palästinaressort auch bemüht, das Interesse des privaten Kapitals für Anlagen in Palästina wachzurufen und zu pflegen. Das Palästina-Industriesyndikat Das Palästina-Industriesyndikat, eine in Berlin eingetragene Gesellschaft mit beschränkter Haftung mit einem Kapital von Mk. 100 000.—, an dem der Jewish Colonial Trust einen Anteil von Mk. 10 000.— besitzt, ist seinem Wesen nach ein Studiensyndikat, das sich bestrebt, in Palästina neue' Industrien einzuführen. Es ist das naturgemäß keine leichte Aufgabe, da das kleine Ländchen selbst noch sehr wenig aufnahmefähig ist und sowohl der Mangel guter Häfen als auch die für die Versorgung des ottomanischen Reiches ungünstige Lage Palästinas einen Export der dort hergestellten Industrieartikel in andere Länder und selbst in andere türkische Provinzen erschwert. Dazu kommt noch das Fehlen von Eisen und Kohle, in den meisten Ländern die Grundlage größerer Industrien. So haben sich denn auch die meisten Projekte als undurchführbar erwiesen, und es blieben nur kleine Industrien, die sich an lokale Absatzmöglichkeiten oder an die lokalen Produktionen anschließen. Zu erstem ist zu rechnen die Herstellung von Ziegeln und Bausteinen, zu letztern die Mühlen, Ölpressen und Ölraffinerien, Konservenfabriken, Her-

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