Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 13 (1909)
- Issue
- 4 (29.12.1909)
- Date
- 1909-12-29
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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No. 4 -01E% Möge jeder sein Scherflein beitragen, damit diese Leute nicht enttäuscht und des langen Wartens überdrüssig, auszuwandern gezwungen sind. Die Sammlung für die P. L. D. C. betrachten wir als eine der wichtigsten Gegenwartsarbeiten für Palästina. (Lebhafter Beifall.) Bezalel Vorzüglich hat sich die Kunstgewerbeschule „Bezalel" in Jerusalem entwickelt (stürmischer Beifall), die nun das neue schöne Hans, ein Eigentum des Nationalfonds, bezögen hat. Dank der Rührigkeit des Vereins und der Beliebtheit der Institution selbst, hat sich auch die finanzielle Grundlage derselben, die uns früher recht viel Sorge machte, wesentlich verbessert. Nicht nur haben dazu die reichlichen Unterstützungen der zionistischen Einzelpersonen, Ortsgruppen und Vereine in der ganzen Welt beigetragen, sowie die von ihnen veranstalteten Ausstellungen der in der Schule hergestellten kunstgewerblichen Gegenstände, sondern auch das Aktionskomitee hat diese Institution sehr wesentlich dadurch unterstützt, daß es die Miete für den Verein bezahlt hat. Auch hat das Palästinaamt eine dauernde Kontrolle über die Schule ausgeübt. Daß sich das kunstgewerbliche Niveau der Schule in den zwei Jahren sehr gehoben hat, beweisen die hier in Harnburg in einem Nebensaale des Kongreßgebäudes zur Ausstellung gelangten Erzeugnisse derselben, die orientalischen Knüpfteppiche, Filigranarbeiten, Kupfergegenstände in Damaskusart inkrustierte Holzarbeiten, sowie Holzschnitzereien und ßilderrahmen, Es mag noch besonders erwähnt werden, daß vor kurzem in der Schule der tausendste Teppich fertiggestellt worden ist, womit eine kleine Feier verbunden wurde. Auch eine Kunstkorbflechterei und ein lithographisches Atelier sind der Schule angegliedert worden. Nicht weniger als 170 Personen finden jetzt im Bezalel ihren Unterhalt, von denen im Teppichafelicr ca. 60 Mädchen und Frauen, im Filigranatelier ca. 40 jemenitische Juden, die sich vorzüglich hierfür eignen, beschäftigt werden. In der Mal- und Zeichenklasse werden zurzeit 22 Schüler unterrichtet. Im Damaskus- Metallatelier sind ca. 15, im Kolzatelier ca. 20, im lithographischen Atelier ca. 5, in der Korbflechterei ca. 6 Leute beschäftigt. Leider hat die Schule den Tod des Zeichen- und Mallehrers am Bezalel, S. Hirszenberg, zu beklagen, dessen schöne, von unserm Gesinnungsgenossen Glicenslein hergestellte Bronzebüste, der Schule eine dauernde Erinnerung an diesen seltenen Mann sein wird. Auch das mit der Kunstgewerbeschule verknüpfte Kunst- und kunstgewerbliche Museum hat bedeutende Fortschritte gemacht. Die schönste Zierde desselben wird das auf dem Haager Kongreß der Schule versprochene, seitdem vollendete und hier auf dem Kongreß zum erstenmal öffentlich ausgestellte Selbstporträt unseres Altmeisters Joseph Israels bilden. Möge diese hochherzige Schenkung bei den übrigen großen jüdischen Künstlern das Bedürfnis wecken, gleichfalls in Meisterwerken, und möglichst in Selbstporträts unserm jüdischen Nationalmuseum der Zukunft vertreten zu sein. Dann wird die Zeit gekommen sein, wo Jerusalem nicht nur wegenseiii er heiligenStütten, sondern auch wegen seiner jüdischen Kunstschätze ein Anziehungspunkt für die Reisenden bilden wird. Der Anfang ist schon gemacht, indem gelegentlich der letzten Bezalelausstellung in LT =- — 1203 München eine Reihe schöner, gleichfalls im Kongreßgebäude ausgestellter Kunstwerke dem Museum geschenkt wurde, darunter Bilder von Herrmann, Borchart, Schülein, Oppenheimer, Neustädter, Portner, Wahle sowie von Professor Kaufmann eine Plakette „Liebermann" sowie eine Gipsgruppe „David und Goliath". Ferner hat der verstorbene Maler Hirszenberg eines seiner besten Bilder dem Bezalel-Museum geschenkt, wie ja auch das Gipsmodell von Glicensteins monumentalem yMessiasu im Garten des Bezalel sehr stimmungsvoll zur Aufstellung gelangt ist. (Beifall.) Auch das antiquarische Museum des Bezalel hat sich dank dem Sammlertalent von Professor Schatz in reicher Weise vermehrt, und es wird sich., wie wir hoffen, schon in nächster Zeit eine besondere Organisation bilden, um dieses Gebiet in ganz anderer Weise zu fördern, als es bisher bei den beschränkten Mitteln möglich war. Schließlich ist des Natur historischen Museums zu gedenken, das zwar noch klein ist, aber sich besonders in zoologischer Beziehung dank den Bemühungen des Herrn Aharoni schon einen gewissen Ruf erworben hat. Die Leitung des Vereins Bezalel hat Herrn Aharoni jetzt von der Pllicht, hebräischen Unterrieht an der Schule zu geben, dispeniert, damit er sich in Zukunft ausschließlich als Gustos des Museums dieser Aufgabe widmen kann und auch Zeit findet, um hierfür größere Reisen in Palästina und den Nachbarländern zu machen. Kiriath=Sefer Die ländliche Schule Kiriath-Sefer bei Beth Arit wurde von uns durch Verpachtung des Nationalfondsgutes Beth Arif bei Lydda und durch Überweisung einiger Knaben aus den Mitteln des Pogromfonds unterstützt. Sie hat aber in ihrer bisherigen Form aufgehört zu existieren. Nachdem Herr Beikind aus finanziellen Gründen nicht mehr imstande war, die Schule weiterzuführen, hat er kontraktgemäß das schöne Gebäude dem Nationalfonds übergeben. Es wird in Erwägung zu ziehen sein, ob es sich nicht für uns empfiehlt, dort auf gesicherter Grundlage ein ländliches Erziehungsheim für Knaben zu schaffen, wie sie sich in Europa sosehr bewährt haben, sowohl in England als auch in Deutschland und in der Schweiz. Da die Zinsen unseres schon über Ji 216 000 betragenden Pogromfonds schon jetzt für die Erziehung verwaister oder sonst durch die Pogrome in Not geratener Kinder benutzt werden, so ist die finanzielle Grundlage für das Erziehungsheim eigentlich schon gegeben. Den noch fehlenden Betrag zu beschaffen, dürfte nicht allzu schwer sein. Es würde eventuell schon genügen, wenn sich eine Anzahl von Gemeinden, Vereinen oder Logen bereit erklärten, durch jährliche Zahlungen das Recht zu erlangen, dort einen Zögling unterzubringen. Da aber immerhin geraume Zeit vergehen wird, bis man die Mittel zusammen haben wird, um mit Aussicht auf Erfolg das Erziehungsheim zu begründen, so wird geplant, das Haus in Beth Arif bis dahin der Ölbaumspende als Wirtschaftsgebäude zu verpachten. Waisenpflege in Palästina Dem Waisenhaus für Knaben in Jerusalem wurden 4 Knaben zugeführt, die aus dem Pogromfonds unterhalten werden.