Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 13 (1909)
- Issue
- 4 (29.12.1909)
- Date
- 1909-12-29
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Die Olbaumspende Diese Institution hat sich über alle Erwartungen gut entwickelt, und wenn man sie noch auf dem letzten Kongreß als etwas Bedeutungsloses hinstellte, so hat sie sich jetzt als ein vorzügliches Mittel herausgestellt, um Gelder für Palästinazwecke flüssig zu machen. (Beifall.) Während auf dem letzten Kongreß erst die Hoffnung ausgesprochen wurde, bis Ende 1907 die 10 000 Bäume für den Herzlwald vollzählig zu machen, besitzt der Verein jetzt schon den Fonds für fast die dreifache Zahl von Bäumen. Nicht nur sind zwei große Baumschulen für Oliven jetzt angelegt, eine bei Beth Arif nahe Lydda, eine zweite bei Hulda an der Eisenbahn Jaffa-Jerusalem, sondern es sind schon die Vorarbeiten vollendet, um Anfang 1910 auf dem Nationalfondsland in Hulda 3000 Ölbäume auf 300 Dunam, in Beth Arif 5000 Ölbäume auf 500 Dunam anzupflanzen. Bei Hulda wird in den nächsten Jahren der Herzlwald entstehen, 15 00<J Ölbäume umfassend und mehrere Tausend andere Fruchtbäume. (Beifall.) Das schöne im orientalischen Stil gehaltene Wirtschaftsgebäude ist von der Eisenbahn aus weithin sichtbar. Auch soll die Anhöhe gärtnerischen Schmuck und parkartige Ausstattung erhalten, und das ganze Terrain soll von breiten Alleen durchschnitten werden. Es sind dies an sich zwar unwirtschaftliche Ausgaben, die der Verein aber den Manen des großen Mannes, dessen Name der Wald und die Anlage trägt, schuldig zu sein glaubt. Hoffentlich findet sich ein Verehrer Herzls resp. ein Verein oder Klub, der die Ausgestaltung des Herzlhauses und Herzlparks sowie die Pflege des letztern auf sich nimmt. Der Herzlwald wird in einzelne Haine von je 1000 Bäumen, die Haine wieder in Gärten von je 100 Bäumen geteilt werden. Ein Buch, in welchem die einzelnen Haine, Gärten und Baumreihen verzeichnet sind, wird die Namen der Spender von Ölbäumen in der Weise angeben, daß jeder Spender den mit seiner Gabe gepflanzten Baum auffinden kann. gJ^Der zweite Wald bei Beth Arif soll gleichfalls innerhalb dreier Jahre mit 15 000 Ölbäumen bepflanzt werden. Der schon vor einigen Jahren gepflanzte, 1100 Bäume umfassende Goldberghain bei Chedera (110 Dunam), macht gute Fortschritte, und auch für einen zukünftigen dritten Wald in Galiläa, dessen genaue Lage noch unbestimmt ist, sind schon nicht unbedeutende Geldmittel beisammen. Die Palestine Land Development Company legt hier für Rechnung der Ölbaumspende schon eine Baumschule an, während der Nationalfonds sich nach einem passenden hierfür zu kaufenden Land umsieht. Hoffentlich wird es möglich sein, auch dort schon bis zum Jahre 1912 12—15 000 Ölbäume anzupflanzen, so daß der Verein dann bereits über ca. 50000 Olivenbäume und 10—20000 andere Fruchtbäume verfügen wird. Auch die Organisation der Ölbaumspende hat große Fortschritte gemacht. Das Große Aktionskomitee hat während seiner Sitzung am 6. Januar 1908 die Gründung eines eingetragenen Vereins mit dem Sitz in Berlin beschlossen, und seitdem ist die langwierige Arbeit, seine bis zum 1. Dezember 1909 gesammelten Bäume in die Bücher einzutragen und für die seit Gründung des Vereins gesammelten Bäume auch Quittungskarten resp. Diplome zu verschicken, zum Abschluß gebracht. Alle diese Erfolge sind erzielt mit äußerst geringen Kosten und ohne Agitation, die sich übrigens auch schon aus dem Grunde verbietet, weil der Verein ja doch die Verpflichtung übernimmt, für jede Mk. 6.—, abzüglich der 5°/o Provision der Sammelstellen, einen Baum zu pflanzen und bis zum Ertrag zu unterhalten, was nur bei äußerster Sparsamkeit möglich ist. Die gesamten Ausgaben des Vereins Ölbaumspende für die Pflanzungen in Palästina betrugen bis zum 30. September 1909: für Chedera............Frs. 4 534.96 „ Beth Arif (einschl. 4463.— Frs. Arbeitslohn für Tiefpflügen im Herbst 1909)....., . . „ 13 938.41 „ Hulda (darunter Frs. 12 389.28 für Gebäude,;; 1 678.45?; Inventar, „ 2 515.— „ Tiefpflügen) . 17 416.! Frs. 35 890.30 Zahlreiche jüdische Arbeiter finden schon jetzt ihr Brot bei der Anpflanzung der Ölbaumwälder, auch ihre Pflege sowie die Ernte werden dauernd eine1 Menge Hände beschäftigen und dazu beitragen, einen gesunden und kräftigen jüdischen Bauernstand in Palästina zu schaffen. Was die Ergebnisse der Sammlung betrifft, so ist die Zunahme im wesentlichen darauf zurückzuführen, daß außer Deutschland jetzt auch andere Länder sich mit größern Summen an der Sammlung beteiligt haben, besonders Österreich sowie einige kleine Länder, speziell Belgien und Rumänien. Neuerdings kann man auch für Rußland, Nordamerika und Südafrika eine wesentliche Zunahme der Eingänge konstatieren, in geringerm Maße für England, Holland, Argentinien und Kanada. Besonders viel darf man sich wohl für die Zukunft von Amerika versprechen, da sich dort gewiß sehr leicht ein jüdischer;;Tree planting day" wird einführen und populär machen lassen. Jedenfalls ist schon jetzt erkennbar, daß die Ölbaumspende prädestiniert ist, eine unserer wichtigsten zionistischen Institutionen zu werden, bestimmt, um uns mit der Zeit in reichem Maße die Mittel zur Förderung von Kulturaufgaben in Palästina zuzuführen. Schon von den bis jetzt gesammelten 30 000 Bäumen versprechen wir uns für später eine Jahreseinnahme, die uns befähigt, erhebliches zu leisten, und dabei hat die überwiegende Mehrheit aller Zionisten bisher noch nicht einmal einen einzigen Baum hierfür beigetragen. Wenn jeder Zionist jährlich nur einen Baum beisteuert, so werden wir schon in wenigen Jahren ganz gewaltige, aus Millionen von Bäumen bestehende Ölbaumwälder in Palästina besitzen, die uns, ertragsfähig geworden, befähigen werden, nicht nur an die Gründung einer Hochschule heranzutreten, sondern auch sonst den verschiedensten Kultur auf gaben gerecht zu werden. (Lebhafter Beifall.) Kulturfonds Der vom Großen A. C. im vorigen Jahre begründete Kulturfonds soll während der langen Periode, bis die von der Ölbaumspende gepflanzten Bäume ertragsfähig werden, in Palästina kulturellen Aufgaben dienen. Leider ist dieser Fonds bisher noch nicht populär geworden, er betrug am 1. Juli erst ca. Jt> 5000, von denen über c^lOOO dem eisernen Fonds angehören, von dem nur die Zinsen verwendet werden dürfen. Der geringe Erfolg der Werbung findet seine Ursache großenteils darin, daß gleichzeitig eine Sammlung für den Parteifonds vorgenommen wurde. Eine wirksame