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Die Welt · 1909-12-29 · 4 (29.12.1909) · page 5

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Journal
Die Welt
Volume
13 (1909)
Issue
4 (29.12.1909)
Date
1909-12-29
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Jetzt weiß ich, daß Cowen wenigstens Umschau hält. Ich fürchte aber, seine Umschau wird nicht viel nützen, weil er sie von seiner Stube in London hält. Was ich verlange, ist, daß man wirklich Umschau hält, d. h. nicht in London oder sonstwo die Sache an sich herankommen läßt, sondern daß man an Ort und Stelle arbeitet und zusieht, was da vorgeht. (Lebhafte Zustimmung.) Daß ich eingefährlicherAntizionistbin,habenSiegewißmitErstaunen gelesen. (Heiterkeit.) Ich freue mich jedenfalls, daß Sie einem gefährlichen Antizionisten so aufmerksam zuhören. (Heiterer Beifall). Das der J. C. T. schon den großen Teil seiner Gelder in Palästina und der Türkei angelegt hat, entspricht nicht den Tatsachen. Simon aus Mannheim hat in der „Rundschau" die Zahlen mitgeteilt. Es sind nur 2/s. Ich bin kein Geschäftsmann. Ich habe stets kaufmännische Berater zugezogen, aber nicht, wie Wolffsohn meint, unverantwortliche Berater, sondern für alle zionistischen Unternehmungen diejenigen, die die Bewegung dafür bestimmt hat. (Beifall.) Ich schätze die Begeisterung, die früher infolge des Chartergedankens herrschte und auf der unsere Institute beruhen, außerordentlich hoch ein. Trotzdem glaube ich, daß diese Entwicklung der Vergangenheit angehört und daß das wichtigste Mittel, das heutige Mittel zur Erreichung unseres Endzwecks die Erwirkung der wirtschaftlichen Präponderanz in Palästina ist. (Beifall.) Meinen Eintritt in die Bewegung habe ich seinerzeit davon abhängig gemacht. * So lange der Charterismus herrschte, habe ich zwar meinen Schekel bezahlt, habe mich aber äußerlich nicht als Zionist manifestieren können. Erst nach dem fünften Kongreß, als Herzl zur Auffassung kam, daß man in Palästina Vorarbeiten schon jetzt machen müsse, da sagte ich, jetzt ist meine Zeit gekommen. Jetzt kann ich mitarbeiten. (Lebhafter Beifall.) Trotzdem habe ich die große Bedeutung der ersten Arbeit nicht unterschätzt, denn ich bin stolz darauf, daß diese rein geistige, wenn auch irrtümliche Bewegung einen so großen praktischen Niederschlag erzeugt hat, wie es mit unserer Bank tatsächlich der Fall ist (Stürmischer Beifall.) Nunmehr zum Bericht: Bericht des Palästina-Ressorts Das Palästina-Ressort, das auf dem Haager Kongreß am 20. August'1907 eingesetzt wurde, hat im wesentlichen die Aufgabe, die Palästinaarbeit zu organisieren und zu leiten. Zu diesem Zwecke wurde ihm ein aus einem oder mehreren besoldeten Beamten bestehendes Palästinaamt unterstellt. Zu seiner Unterhaltung sollen 25 °/o aller Einnahmen des A. C, sofern sie nicht für andere Zwecke bestimmt sind, sofort nach Eingang dem Palästinaressort beim Jewish Colonial Trust zur Verfügung gestellt werden. Außerdem sollen ihm die für seine besondern Zwecke gesammelten und gespendeten Beiträge zufließen. Als besondere Aufgaben wurden dem Palästinaressort noch aufgetragen: 1. die Frage der Siedlungsgenossenschaft zu studieren; 2. den Bilduhgsanstalten in Palästina seine besondere Aufmerksamkeit zuzuwenden und zu trachten, für deren Zwecke einen besondern Fonds zu schaffen. Das Palästinaamt, das bald nach dem Kongreß in Jaffa geschaffen wurde, hat sich vortrefflich bewährt, und die ganze Zeit hindurch hat das Ressort stets'mit dem'Palästinaamt in bestem Einvernehmen gearbeitet. Das Aktionskomitee verfügt hierdurch über ein Organ in Palästina, das stets imstande ist, ihm die zuverlässigsten Informationen zu erteilen, die AVünsche desselben in kürzester Frist auszuführen und die von unserer Organisation geschaffenen oder mit ihr in Zusammenhang stehenden Institutionen dauernd zu inspizieren resp. zu leiten. Während die Vorgängerin des Palästinaressorts, die Palästinakommission, stets Schwierigkeiten hatte, ihre Pläne in Palästina zur Ausführung zu bringen, so ist das Palästinaressort in dieser Beziehung in einer sehr viel angenehmem Lage. Naturgemäß und nicht zum Schaden unserer Bewegung verlegt sich das Zentrum unserer Palästinaarbeit hierdurch immer mehr nach Palästina selbst. Immerhin wird ein Ressort außerhalb Palästinas so lange noch nötig sein, als die Zentrale unserer Bewegung noch in Europa liegen wird. Auch wird es noch lange dauern, bis es möglich sein wird, von Palästina aus unsere Stammesgenossen in gleicher Weise zu bearbeiten, wie es von einer der großen Zentren Europas aus geschehen kann. Naturgemäß verursacht das Palästinaamt bedeutende Kosten, wenngleich über die Hälfte seines Jahresbudgets von J6 20 000 durch andere Institutionen, für welche das Palästinaamt arbeitet, getragen wird. Das Bureau des Palästinaressorts in Berlin hatte infolge der Einrichtung des Palästinaamtes nur eine geringere Bedeutung. Es bestand außer dem ehrenamtlich fungierenden Chef lediglich aus einem Beamten und einer Schreibkraft, wozu dann in diesem Jahre noch eine Hilfskraft für die Buchführung hinzukam. So war es denn möglich, mit den vom Kongreß bewilligten Einnahmen nicht nur die Ausgaben zu decken, sondern auch die von der Palästinakommission übernommenen Schulden in Höhe von ^9134.21 zu tilgen. Freilich mußte das Palästinaressort die äußerste Sparsamkeit walten lassen und .sich jeder pekuniären Unterstützung palästinensischer Institutionen sowie jeder größern, nicht durch andere Geldmittel bestrittenen Propaganda für Palästinazwecke enthalten. Vor allem mußte zu unserm Leidwesen die Herausgabe einer eigenen Zeitschrift als Fortsetzung der von des Palästinakommission herausgegebenen drei Bände „Altneuland" 1904—1906 und des einen Bandes „Palästina" 1907 aufgegeben werden. Wenn auch gewissermaßen als Fortsetzung dieser Zeitschrift von privater Seite mit einer kleinen Unterstützung des Ressorts eine Monatsschrift „Palästina" in München herausgegeben wurde, so läßt sich dieselbe doch weder nach Inhalt noch nach Form mit der erwähnten Zeitschrift der Palästinakommission vergleichen. Unser Streben muß darauf gerichtet sein, möglichst bald in Palästina selbst ein unsern wirtschaftlichen und kulturellen Zielen dienendes Organ zu schaffen. Die vom Pälästinaamt herausgegebene, monatlich, in der letzten Zeit alle 14 Tage erscheinende Palästina-Korrespondenz kann sich naturgemäß nur mit wenigen aktuellen Fragen befassen. Auch auf wissenschaftliche Forschungsarbeiten mußten wir aus dem gleichen Grunde verzichten. Wir hoffen aber, daß sich auch hierfür bald eine gesunde, wenn auch nicht gerade zionistische Basis finden lassen wird, ohne daß wir genötigt sind, die unserer Bewegung zur Verfügung stehenden Fonds hierfür zu verwenden. Hingegen war das Palästinaressort bemüht, die Verbreitimg der Palästinakenntnis in anderer Weise zu lordern. Einerseits führte es eine sehr ausgedehnte Korrespondenz über Palästina und sandte Tausende von Informationen und Aufklärungen überall dorthin, wo sie verlangt wurden; anderseits veranlaßte es den Druck sowie die Verbreitung kleiner Flugblätter über verschiedene wichtige Themen: Weshalb ist es Pflicht eines jeden Juden, die Kolonisation Palästinas zu fördern? Was ist die Ölbaumspende? Ölbaumspende und Zionismus. Anlage von Pflanzungen in Palästina. Der Bodenerwerb in Palästina.

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