Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 13 (1909)
- Issue
- 3 (28.12.1909)
- Date
- 1909-12-28
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Beifall und Widerspruch.) Man hat auch nicht konkrete Fälle angeführt, in denen etwas schlecht gemacht worden ist. In Bausch und Bogen hat man über die Leitung den Stab gebrochen. Alles sollte schlecht, nichts gut gemacht worden sein. Ich stehe der Leitung fern und habe keinen Anlaß, ihr Verteidiger zu sein. Ich hätte manches zu tadeln. Ich hätte wohl gewünscht, daß in Palästina intensiver gearbeitet worden wäre. (Stürmischer Beifall.) Aber das kann mich nicht dazu bewegen, die Leitung gleich zu verurteilen. Ich muß mir doch sagen, .daß diese Männer, die nach striktem Pflichtgefühl handeln und die mit den Dingen in engstem Konnex stehen, zwingende Gründe gehabt haben. (Stürmischer Beifall.) Wenn man hier nachweist, daß man an die Leitung mit positiven Vorschlägen herangetreten ist, und daß man diese nicht hat hören wollen, dann wäre der Tadel berechtigt. Davon habe ich aber nichts gehört. Hier spricht man immer nur großartige Phrasen. Da können Sie doch nicht verlangen, daß wir mit einstimmen in die Verurteilung der Leitung. (Stürmischer Beifall, Zurufe.) Wenn Sie präzise Vorschläge gemacht und die Leitung sie abgelehnt hat, so wiederholen Sie sie hier. Der Kongreß ist die Instanz, dann zu entscheiden. (Stürmischer Beifall.) Schmerzhaft hat es mich berührt, daß Dr. Pasmanik die Taten, die die Leitung gemacht hat, ironisierte. Aus dieser Art merkte man die Absicht heraus, den Gegner vernichtend zu treffen. (Beifall und Murren.) So hat er über die Reise des Präsidenten nach Rußland gesprochen. Eine Reise nach Rußland gehört für einen europäischen Juden nicht zu den Vergnügungen. (Beifall und Widerspruch). Er verlangt, daß der Präsident seine Reise den russischen Mitgliedern hätte anzeigen sollen. Das zeugt von einer großen politischen Unreife. (Lärm.) Der Präsident hat klug und vernünftig gehandelt, wenn er nur die Stellen besucht hat, mit denen er zu verhandeln hatte. Für die Verbindung mit den Organisationen ist der Kongreß da. Seitdem der jetzige Präsident an der Spitze steht, ist in vielen Ländern energisch Ordnung geschaffen worden. An verschiedenen Stellen waren arge Mißstände, deren Beseitigung kein Bureaukratismus war. (Stürmische Zustimmung.) Bei uns in Ungarn bestand die Gefahr, daß unserer Bewegung durch die jüdischen Assimilanten der Strick um den Hals gelegt werde. Wir wandten uns an unseren Präsidenten, und dieser kam mit dem nächsten Zuge zu uns und arbeitete mit Hochdruck. (Stürmischer Beifall.) Seiner Energie und seinem Selbstbewußtsein gelang es, mit den höchsten Behörden Vereinbarungen zu treffen, auf Grund deren wir weiter arbeiten können. Wenn Ungarn heute hier vertreten ist, so verdanken wir es unserem Präsidenten. (Stürmischer Beifall.) Das zeigt doch, daß, wenn man sich in geeigneter Form an die Leitung wendet, die Anregungen beachtet werden. (Erneuter Beifall.) (Die Fortsetzung des Berichtes über die Nachmittagssitzung folgt in der nächsten Nummer.) Das Schauturnen der jüdischen Turnerschaft zu Ehren des Kongresses Am Sonntagabend fand in der Merckhalle des Zoologischen Gartens ein Schauturnen der jüdischen Turnerschaft des „Verbandes der jüdisch-nationalen Turnvereine" statt. Es war eine herzerfreuende Veranstaltung, eine wunderschöne Abwechselung nach den anstrengenden Verhandlungen des ersten Kongreßtages. Eine köstliche Frische, eine wundervolle Energie durchglühte diese Veranstaltung, die dem Eifer, dem Opfermut, der nationalen Hingabe der jungen jüdischen Turner ein glänzendes Zeugnis ausstellte. Es waren wohl 3000 Zuschauer, die den weiten Saal und seine große Galerie füllten und die Turner mit stürmischen Hedadrufen begrüßten, als sie in geordnetem Zuge in den Saal zogen. „Über 100 Turner aus den verschiedenen Vereinen Deutschlands, Österreichs und Ungarns hatten sich zu dieser Demonstration des jungen Muskeljudentums zusammengefunden, und dazu kam eine ad hoc gebildete Riege von Hamburger Damen, wohl auch an die 100. Die Festrede hielt der ehemalige Vorsitzende der jüdischen Turnerschaft Dr. Ernst Tuch. In freudigen, begeisternden Worten feierte er das nationale Empfinden, das sich in dieser Veranstaltung ausdrückt. Er gedachte des ersten Schauturnens der jüdischen Turnerschaft auf dem 6. Kongreß in Basel. Seitdem sei die jüdische Turnerschaft beträchtlich gewachsen, und gewachsen sei auch der nationale Sinn, der sie durchglühe. In ernsten Worten erinnerte er an das Hinscheiden des Vorsitzenden der jüdischen Turnerschaft, Dr. Georg Arndt, der mitten aus seiner Arbeit für sein Volk, mitten aus den Vorbereitungen für diese Veranstaltung durch einen frühen Tod allzu jäh dahingerafft worden ist. Die Turnerschaft hat zum bleibenden Gedächtnis dieses hervorragenden Mannes eine Georg-Arndt-Stiftung gegründet, die der Stärkung und Ausbreitung der jüdischen Turnerschaft gewidmet sein soll. Dann folgten die turnerischen Veranstaltungen an den Geräten. Die glänzend verlaufenen Freiübungen waren bereits vor der Rede des Herrn Dr. Tuch erfolgt. Alle Übungen machten einen glänzenden Eindruck, wurden exakt und sicher ausgeführt und bewiesen das Können dieser jungen begeisterten Scharen. Dann folgte das Damenturnen, von denen besonders die Tanzriegen ein wunderschönes Bild boten. Das war eine Summe von Schönheit und Grazie, wie man sie in dieser Form bei jüdischen Veranstaltungen selten gesehen haben dürfte. Dann sprach Dr. Nordau. Man hörte in dieser ernsten Ansprache den Stolz und die tiefe Freude eines Mannes, der seinen Traum verwirklicht sieht. Das Muskeljudentum ist Wirklichkeit geworden. Es folgten die Sonderübungen der Vereine aus Köln, Berlin und Budapest, alles sehr gute, wirksame Darbietungen, gut ausgedacht und tadellos ausgeführt, und zum Schluß ein Tauziehen, das die rege Teilnahme der Zuschauer fand. Ein gut verlaufener Kommers schloß die Veranstaltung. Entwurf eines neuen Organisationsstatuts I. Programm § 1. Der Zionismus erstrebt für das jüdische Volk die Schaffung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina. II. Allgemeine Bestimmungen § 2. Die zionistische Organisation umfaßt diejenigen Juden, welche sich mit diesem Programm einverstanden erklären, Schekelzahler sind und einer Landesorganisation angehören. § 3. Die zionistische Organisation gliedert sich nach Maßgabe dei Landesgesetze in Mitglieder der Landesorganisationen, Vereine, Ortskomitees, Distriktskomitees, Delegiertentag und Zentralkomitees der Landesorganisationen. An der Spitze der Gesamtorganisation steht Präsidium, Aktionskomitee und Kongreß. III. Organe der zionistischen Organisation § 4. Die Organe der zionistischen Organisation sind: 1. Vereine oder Ortskomitees, das sind Vereinigungen von Mitgliedern einer Landesorganisation, entweder ausschließlich zum Zwecke der Verbreitung und Förderung der zionistischen Idee in einem bestimmten Orte oder Bezirke (Ortsvereine, Ortsgruppen und zionistische Komitees), oder solche Vereinigungen von Mitgliedern einer Landesorganisation, welche sich zur Erreichung eines speziellen Zweckes innerhalb der zionistischen Bewegung zusammengeschlossen haben. 2. ' D istriktskomitees (Kreiskomitees). Das sind Verbände von zionistischen Vereinen innerhalb eines großem, örtlichen Bezirks. 3. Delegiertentag und Zentralkomitees der Landesorganisationen. Das sind die Generalversammlung bzw. die Exekutivausschüsse aller zionistischen Vereine eines Landes. 4. Kongreß. Das ist die periodisch tagende Versammlung von Delegierten der zionistischen Organisation der ganzen Welt. Er ist das Hauptorgan der zionistischen Organisation. 5. Aktionskomitee. Das ist der ständige Ausschuß des Kongresses, welcher dessen Stelle vertritt, solange der Kongreß nicht tagt. 6. Präsidium. Das ist das Exekutivorgan des Aktionskomitees und des Kongresses. IV. Mitgliedschaft § 5. Mitglied eines zionistischen Vereins oder Ortskomitees kann jeder Jude männlichen oder weiblichen Geschlechts werden, welcher das Alter von 18 Jahren erreicht hat. Die Mitglieder sind verpflichtet, den Schekel und Landesbeitrag regelmäßig jährlich zu entrichten. V. Landesorganisation § 6. Alle zionistischen Vereine oder Ortskomitees eines Landes sind verpflichtet, sich zu einer Landesorganisation zusammen-