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Die Welt · 1909-12-28 · 3 (28.12.1909) · page 4

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
13 (1909)
Issue
3 (28.12.1909)
Date
1909-12-28
Page
– (sequence 4)
Language
German
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gearbeitet (Beifall). Der Redner geht auf deii Briefwechsel Warburg-Cowen ein. Cowen hat 8 Millionen, Warburg 50 OOO, und doch, wer zuletzt lacht, wird Warburg sein. . (Beifall und Unruhe.) Gewiß wäre es Unrecht, wenn man etwa jetzt die Leitung nach Palästina oder der Türkei verlegen würde. Aber, möge die Leitung in Köln oder Berlin bleiben, die Arbeit muß dorthin tendieren. Das ist unser Zweck. Wenn wir noch 10 oder 20 Jahre warten, geht uns die Konjunktur verloren, dann werden wir vielleicht einen politischen, aber sicher keinen Zionismus haben. (Beifall bei einem Teil der Versammlung, lebhafter Widerspruch, große Unruhe.) Dr. Braude (Lodz): Die Aufgabe des großen Aktionskomitees ist, dem Kongreß Rechenschaft zu geben, und da ist es zunächst meine Pflicht, Ihnen zu sagen, wie sich das Engere Aktionskomitee in seiner jetzigen Zusammensetzung bewährt hat. Es war ein Experiment des letzten Kongresses. Es wurde ein Mann an die Spitze gestellt, ausgestattet mit der ganzen Autorität des Parteiführers und mit dem Rechte, sich seine Mitarbeiter zu wählen, ihre Zahl und ihren Aufgabenkreis zu bestimmen. Heute steht das Engere Aktionskomitee da als das Produkt der Willensäußerung des gegenwärtigen Präsidenten. In seiner Zusammensetzung und in der Art der Geschäftsführung hat es sich nicht bewährt, es Hat die Bewegung in die Bahnen des Bureaukratismus hinübergeleitet, die den Tod jeder Bewegung bedeuten, den Tod der Arbeit: eine gute Leitung vom Standpunkt der formalen Bureauführung ist noch keine Bewegung. Wir haben heute den Schmerzenschrei aus Palästina gehört. Man sagt, die Bank wird gut geleitet. Nun, dann bedaure ich, daß sie der Tod der Arbeiten der Partei ist. (Teilweiser Beifall und Widerspruch.) Wir haben es erfahren. Wir wollten in Galizien eine Bank für die kleinen Leute begründen und haben uns an die Kolonialbank gewendet. Wir haben vom Präsidenten der zionistischen Bewegung eine sehr entgegenkommende Antwort bekommen. Wir haben Versprechungen bekommen, aber dann wurden wir vom Direktorium der Bank abgewiesen. Ein Beweis für die Berechtigung unseres Bankgründungsverlangens ist die Tatsache, daß die Bank trotz der Abweisung durch die Kolonialbank heute blüht. (Hört, hört). In Rußland und Österreich spürt man nichts von der Tätigkeit des Engern Aktionskomitees. (Zustimmung und Widerspruch.) Es ist eine bureaukratische Maschine, eine leere Maschine ohne Inhalt. Die Politik, die das Engere Aktionskomitee in der letzten Zeit getrieben hat, zielt geradezu darauf ab, dem Großen Aktionskomitee die Kontrolle zu beschneiden. Da müssen schließlich die Mitglieder des Großen Aktionskomitees die Lust an der Arbeit verlieren. Wir brauchen eine Leitung, die in Berührung mit den Pulsen der Volksbewegung steht. (Beifall, Unruhe rechts.) Greenberg (mit Beifall und Widerspruch empfangen) spricht englisch. Der Redner wendet sich gegen die Darstellung über die Angelegenheit der galjzischen Vorschußbank. Das Direktorium der Jüdischen Kolonialbank hat die Angelegenheit sehr gründlich durchgeprüft. Braude war in London gewesen, er war bei sämtlichen Direktoren der Bank. Man konnte aber auf seine Ideen nicht eingehen, weil man wünschte, das Geld der Bank hauptsächlich in Palästina anzulegen (Beifall, Widerspruch und große Unruhe) und nicht in Galizien festzulegen. Ein Gegensatz zwischen praktischem und politischem Zionismus, wie ihn Dr. Stand zu konstruieren versucht, besteht nicht politischer und praktischer Zionismus können sich vollständig decken. Greenberg führt hierfür ein Beispiel an. Vor einigen Monaten waren türkische Delegierte in England und hatten durch Vermittlung von Sir Francis Montefiore eine Besprechung mit den englischen Zionisten. Da stellte sich heraus, daß die Delegierten aus der Türkei sich feste Ansichten über den Zionismus gebildet hatten nach falschen Informationen, die man ihnen erteilt hatte. In London wurden sie eines Bessern belehrt. War das nun praktische oder politische Arbeit? (Lebhafter Beifall, Widerspruch eines Teiles der Delegierten, erneute Beifallskundgebungen.) Das ist ein Beispiel, daß praktische und politische Arbeit sich vollkommen decken. Redner war vor zwei Jahren Mitglied des E.A.C., und aus eigener Erfahrung und Anschauung kann er bezeugen, daß die Mitglieder des E.A.C. jede Proposition gefördert haben, die nützlich war für praktische Arbeit in Palästina. Prof. Warburg war durchaus nicht der einzige, der für diese praktische Arbeit war. Auch die andern Mitglieder des E. A. C. haben immer vernünftige Vorschläge für praktische Arbeit gefördert. Jeder Zionist ist für praktische Arbeit, die möglich ist. Man darf nicht unterscheiden, wie es manche tun, zwischen Zionisten, die koscher sind und solchen, die nicht koscher sind. Greenberg wendet sich unter lebhaftem Beifall der großen Mehrheit der Delegierten und andauerndem heftigem Widerspruch eines Teiles der Versammlung gegen den von Dr. Stand gemachten Versuch, Professor Warburg gegen David Wolffsohn auszuspielen. Er schließt sich aber der an der Organisation der Leitung, wie sie zurzeit ist, geübten Kritik in einem Punkte an. Für die verschiedenen Ressorts müßte man verschiedene Männer haben: einen als Führer, einen als Organisator der Bewegung und einen für die Finanzen. Aber die Hauptsache ist, daß man damit aufhört, Unterschiede zu machen zwischen Zionisten und Zionisten. Man muß die Meinungsverschiedenheiten nicht noch künstlich vergrößern. Wir müssen alle zusammenarbeiten, denn das Arbeitsfeld und Arbeitsziel ist groß. (Stürmischer Beifall und Widerspruch.) Dr. Reich (Paris): Wir haben uns nicht nach Mitarbeit des E. A. C. umgeschaut, sondern nach Anregung, nach ermutigenden Worten. Wir haben eine Reihe von hebräischen Vereinen gegründet, so einen hebräischen Schulverband. Wir haben geleistet, was wir konnten. Aber das E. A. C. hat uns^ wenig geholfen. Dr. Nordau hat richtig gesagt: Als die Umwälzung in der Türkei kam, hat die ganze zionistische Welt ihre Augen nach Köln gewandt. Aber leider mußte man sofort die Augen zurückwenden. Es ist wahr: Langsames Arbeiten ist ein Kummer, aber kein Schaden. Ich sage aber: Langes Warten ist ein Kummer, aber auch ein Risiko. Man kann riskieren, daß der Moment verpaßt wird. (Teilweiser Beifall.) Was war denn die ganze Diplomatie, die vor einigen Jahren den Kongreß beherrschte und von der wir uns jetzt befreit haben, wenn nicht das Losungswort: Warten, warten! Hat nun aber das E. A. C. uns wenigstens zugerufen: Wartet! Vertraut auf uns! Auch das haben wir nicht gehört. Wir haben gefragt, aber niemand hat uns geantwortet. Selbst wenn wir fragten nach der momentanen Lage. Wenn wir fragten, was sollen wir hoffen, dann war Schweigen. Daher auch der Mangel an intellektueller Kraft, die jetzt hinter dem Zionismus steht. Herzl setzte mit seinem Schwung, mit seinen Ideen die geistigen Kräfte, von Dr. Nordau angefangen über Zangwill und alle die andern, in Bewegung, und sie schlössen sich uns an. Heute halten sich die glänzenden Geister auswärts, weil auch unsere Leitung keine Ideen hat und keine Leitmotive gibt. Wir müssen ein großes Kollegium haben, uni wir müssen den Sitz von Köln absolut an einen andern Ort verlegen. Köln ist weder die Stadt der jüdischen Zukunft, noch der jüdischen Gegenwart. Von Köln kann man ebenso schwer mit der Türkei verhandein wie mit dem jüdischen Volke. (Beifall und Widerspruch.) Der Präsident des Kongresses, Dr. Max Nordau, erteilt hierauf dem Präsidenten des E. A. C, David Wolffsohn, das Wort1). (Die Delegierten in ihrer überwältigenden Mehrheit erheben sich von ihren Sitzen und veranstalten durch Händeklatschen und durch Hochrufe eine Kundgebung, die Herr Wolffsohn vergebens zu beendigen sucht. Als die Stärke der Beifallsrufe etwas nachgelassen hat, dringt Wolffsohns Stimme durch: „Der Beifall ist ja ganz gut, aber vielleicht nachher.") Wolffsohn beginnt mit der Erklärung, es sei nicht seine Absicht gewesen, auf dem Kongreß eine große Rede zu halten, weil eine Menge Dinge, die er zu sagen hat, Angelegenheiten betreffen, die man unter sich auszutragen habe und besser nicht damit in die Öffentlichkeit hinausgehe. Aber ein offenes Wort müsse geredet werden. In der letzten Zeit seien Dinge eingerissen, die eine Gefahr für die Bewegung darstellen, unkontrollierbare Gerüchte werden verbreitet, zionistische Zeitungen streuen gegen die Leitung, gegen einzelne Personen unwahre Behauptungen aus. Es sei so weit gekommen, daß die Verhandlungen nicht mehr auf dem Kongreß stattfinden, sondern in den Landsmannschaften, Gruppen und Konventikeln, von denen man zum Kongreß mit fertigen Meinungen komme, ohne die andere Partei angehört zu haben. (Lebhafte Zustimmung.) Das müsse offen besprochen und offen festgestellt werden. Wir sind inswischen auch so stark geworden, daß wir eine solche Feststellung ertragen können. Wolffsohn charakterisiert die Behandlung, die er systematisch von Pasmanik und den andern sich habe gefallen lassen müssen, als wenn er sich für den Posten eines Portiers der zionistischen Bewegung gemeldet hätte. (Sehr gut!) Das sei schon freilich immer so gewesen. Schon Moses wurde durch eine Rotte Korah angegriffen. Er vergleiche sich nicht mit Moses, aber sind es nicht dieselben, die unserm Herzl das Leben verbittert haben? (Große Bewegung bei den Delegierten. Von einigen Seiten kommen erregte wilde Zurufe.) Wolffsohn fragt: Fühlt sich jemand getroffen? (Lebhafter Beifall.) (Stand antwortet: Natürlich! und *) Die Rede Wolffsohns ist in der vorliegenden Nummer nur auszugsweise wiedergegeben. Eine genauere Reproduktion bringen wir in einer der folgenden Nummern.

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