Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 13 (1909)
- Issue
- 53 (27.12.1909)
- Date
- 1909-12-27
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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waren, erteilte der Präsident des A.-C. Wolffsohn das Wort dem Präsidenten des Deutsch-Israelitischen Synagogen-Verbandes Hamburg, Dr. Levy. Dr. Levy, Präsident des Deutsch-Israelitischen Synagogenverbandes Hamburg: Mir ist von seiten unseres Synagogenverbandes die ehrenvolle Aufgabe zuteil geworden, Sie, meine verehrten Glaubensbrüder und Glaubensschwestern auf herzlichste zu begrüssen und Ihnen ein weitschallendes Scholaum Aleichem zuzurufen. Ihnen allen, die Sie, von fern und nah, aus Nord und Süd, Ost und West zu uns geeilt sind, Ihnen allen möge in herzlichster Weise der Friedensgruß entboten sein, und Friede und Eintracht möge Ihre Beratungen zu gutem Ziele führen. (Beifall.) Ihr Banner schmückt das Wort des fürstlichen Sängers:;;Wenn ich dein, du hehre Gottesstadt, wenn ich dein jemals vergessen könnte, dann möge diese meine Rechte kraftlos niedersinken, verdorrt möge mir meine Zunge am Gaumen kleben, wenn ich dein, o Zion, nicht ewig eingedenk bleiben werde, wenn ich dich nicht als das höchste Ziel aller meiner Sehnsucht, als Gipfelpunkt aller meiner Freude immerdar betrachten würde." Dieses Gefühl heißester Sehnsucht, meine verehrten Freunde, welches Ihre Brust so mächtig schwellt, Ihr Herz so freudig erbeben macht, dieses Gefühl der Sehnsucht teilen wir alle insgesamt voll und ganz mit Ihnen. (Lebhafter Beifall.) Auch uns zieht es mit aller Macht nach Zion, auch bei uns ist die heilige Stadt und das gelobte Land der Gipfelpunkt aller unserer Wünsche. Auch uns zieht es mit jeder irdischen Macht zu dem von Qott geweihten Boden, zu der vom Allmächtigen geheiligten Stätte. Und glauben Sie nicht, daß wir müßig zusehen, in Untätigkeit verharren wollen. Nein und abermals nein! Arbeiten wollen wir mit Ihnen (Stürmischer Beifall), arbeiten wollen wir mit unserer ganzen Kraft an dem Weg, der uns nach Zion führen soll. (Beifall.) Mit Ihnen wollen wir das herrliche und wahre Wort des großen Herzl zur Verwirklichung bringen: Erst ins Judentum zurück, dann erst ins Judenland! (Stürmischer Beifall.) An dieser Arbeit wollen wir uns alle insgesamt beteiligen, mit der ganzen Macht unseres geistigen Könnens, mit dem ganzen Aufgebot unserer physischen Kräfte. Mit Ihnen allen wollen wir uns laut unseres Judentumes rühmen, mit Ihnen wollen wir es voller Stolz der ganzen weiten Welt verkünden: Ich bin ein Iwri, ich gehöre zu dem kleinen, mißachteten, mißhandelten, aber glaubensstarken, geistig und sittlich hochstehendem Volke der Hebräer. (Stürmischer anhaltender Beifall.) Dr. Kalmus: Im Namen der Zionistischen Ortsgruppe Hamburg-Altona begrüße ich den IX. Zionisten-Kongreß aufs herzlichste. Wir sind glücklich und stolz, den Tag zu erleben, an dem die Abgeordneten des jüdischen Volkes aus allen Teilen der Welt in unserer Mitte zusammentreten und somit ein Stück jüdischer Geschichte inmitten unserer alten Gemeinde sich abspielt. Die Hamburger Zionisten haben beschlossen, von festlichen Veranstaltungen zu Ehren der Delegierten abzusehen. Besser als rauschende Feste stimmt zu dem Ernste des Tages und zur Not unseres Volkes die Schaffung von bleibenden Werken. Wir stiften daher zur ewigen Erinnerung an die Hamburger Tagung eine Kongreßspende. Sie soll in Höhe von Mk. 3000 den Grundstock bilden zu einer Stipendienstiftung für junge Juden, die an höheren Schulen und Lehranstalten in Erez Israel ihre Ausbildung erhalten. Möge die junge Saat, die wir aussäen in trüber Zeit, aufgehen und reiche Früchte tragen in lichteren Tagen. (Lebhafter langanhaltender Beifall.) Präsident David Wolffsohn: Ein Punkt unseres Programms ist auch die Eroberung der jüdischen Gemeinden. Daher gebe ich jetzt das Wort dem Vertreter der Nachbargemeinden Altona, Wandsbek und Kiel. Dr. Franck, Vorstandsmitglied derGemeinde inAltona (lebhaft begrüßt): Herr Präsident, hoher Kongreß! Der Vorstand der hochdeutschen Israelitengemeinde zu Altona hat mich mit der ehrenvollen Aufgabe betraut, dem IX. Zionistenkongreß den herzlichsten Willkommengruß zu entbieten. Ich komme dieser Aufgabe um so freudiger nach, als ich mich rühmen darf, seit dem ersten Baseler Kongreß des Jahres 1897 zu Ihnen zu gehören, und als ich einen Wunsch erfüllt sehe, dem ich als Delegierter der Ortsgruppe Hamburg-Altona im Auftrage der deutschen Landsmannschaft in der Schlußsitzung des V. Kongresses Ausdruck gegeben habe, den Wunsch, den Kongreß hier in Hamburg veranstalten und begrüßen zu dürfen. Meine Herren! Sie haben soeben aus dem Munde des Vorsitzenden des Hamburger Synagogen-Verbandes freundliche Worte der Begrüßung entgegengenommen. Die Altonaer Gemeinde, vertreten durch ihren Vorstand, schließt sich ihnen von ganzem Herzen an, denn sie glaubt gewissermaßen ein historisches Recht zu besitzen, Sie, meine Herren Delegierten und Teilnehmer des Kongresses, auch ihrerseits als ihre Gäste zu betrachten. Denn sie bildete in den drei vereinigten Gemeinden Altona-Hamburg-Wandsbek den Vorort, und es war ihr in einem Zeitraum von nahezu zwei Jahrhunderten in führender Stellung keine unrühmliche Rolle in der Geschichte dieser drei Gemeinden beschieden. . Meine Damen und Herren! Die Mitglieder der Verwaltung in ihrer Gesamtheit bekennen sich nicht zum Zionismus, die zionistische Idee ist nur in einer Minderheit vertreten. Aber der Vorstand betrachtet es als eine Ehrenpflicht, seiner hohen Achtung und Bewunderung Ausdruck zu geben dem Andenken des Mannes, der diesen Kongreß geschaffen (stürmischer Beifall), allen ferner, die ihre beste Kraft der Sache des jüdischen Volkes wreihen und die von nah und fern, von allen Teilen der Erde zu dieser Beratung zusammengekommen sind. Er konnte sich die ehrende Anerkennung einer Bewegung nicht versagen, die mit mächtigem Weckruf das jüdische Stammesbewußtsein neubelebt. Die Solidarität aller Glieder des jüdischen Volkes wird neu verkündet und ist bestrebt, unserm armen gehetzten Volke Ruhe und Sicherheit zu verschaffen. Der Vorstand handelt darin nur im Sinne einer alten Gemeindetradition. In meiner Heimatgemeinde, m. D. u. H., hat es nie ein Ghetto gegeben, hat es nie an stolzen aufrechten Männern gefehlt, die bei entschiedener. Wahrung ihrer Anschauungen und Interessen die Überzeugung Andersdenkender zu achten gewohnt waren und die nur in gegenseitiger Duldung den Frieden und die Wohlfahrt der Gesamtheit gewährleistet sahen. Schulz der Minderheit galt stets als oberstes Gesetz. Und dank diesem Prinzip sind die Stürme, die so manche blühende Gemeinwesen in Deutschland im Verlaufe der letzten 100 Jahre von Grund aus zerstört haben, an ihrem festen