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Die Welt · 1909-12-27 · 53 (27.12.1909) · page 4

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
13 (1909)
Issue
53 (27.12.1909)
Date
1909-12-27
Page
– (sequence 4)
Language
German
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mit der Finsternis des Vorurteils in der Türkei selbst. Es erfüllt uns mit besonderer Genugtuung, hier zum erstenmal Delegierte aus der Türkei unter uns zu sehen. Sie kommen aus dem Lande, nach dem unsere Blicke mit Liebe und Hoffnung gerichtet sind. Sie kommen aus einem scharfen Ringen mit allerlei Mächten des Mißverständnisses und des Vorurteils. Aus diesem Ringen haben sie ihren Ehrenschild glänzend zurückgebracht. Seid uns gegrüßt, unsere Brüder aus dem Osten! Ihr findet bei uns offene Arme und für euch warm schlagende Herzen. Ihr wäret nicht nur Beobachter, sondern auch Mitwirkende an dem historisch bedeutsamen Prozeß der Vereinigung der Aschkenasim und Sephardim, die die zionistische Idee zusammengeführt hat und die uns mit großen Hoffnungen für die Wiederbelebung unsererNation und für die Fortführung unseres Werkes erfüllt. Nehmt in eure Heimat vom zionistischen Kongreß den Ausdruck der brüderlichen Liebe und der herzlichen Aufmunterung mit! Verehrter Kongreß! Der Schwerpunkt unserer Arbeit liegt in Palästina. Wir treten dort langsam, aber sicher aus der Periode des Chaos heraus. Herzl, dessen großer Schatten unser heimlicher Führer ist, hat das Wort „Altneuland" gegeprägt. Es war ein prophetisches Wort. Wir sehen jetzt, wie Palästina zu neuem Leben erwacht, wie es ein Gebiet aussichtsreicher Unternehmungen und grandioser Verkehrspläne geworden ist. Das Land unserer Sehnsucht geht offenbar einer raschen und gedeihlichen Entwicklung entgegen. Dieser Entwicklung haben wir nach Maßgabe unserer Kräfte die größte Sorgfalt zugewandt. Unsere Finanzinstitute haben sehr viel dazu beigetragen, durch einen gesunden und rationellen Kredit die kolonisatorischen und industriellen Anlagen zur Entfaltung kommen zu lassen. Das Palästinaamt erfüllte gewissenhaft seine Aufgabe, allen vorhandenen und entstehenden Einrichtungen mit Rat und Tat beizustehen. Unser Nationalfonds, der uns allen so teuer ist und sich so schön entwickelt, hat nicht nur die;;Palestine Land Development Company", den „Bezalel", das „Hebräische Gymnasium", die „Häuserbaugenossenschaften0, zweckentsprechend unterstützt, sondern auch Unternehmungen außerhalb des Zionismus stehender Organisationen, wie z.B. dem „Technikum", das vom „Hilfsverein der Deutschen Juden* in Haifa gegründet wird, durch Hergabe des Rodens eine Förderung angedeihen lassen. Zum Andenken des 60. Geburtstages unseres allverehrten Meisters Max Nord au, den wir in diesem Jahre zu feiern die Freude hatten. haben wir den Anfang zur Gründung eines Mikrobiologischen Instituts gemacht, und eine Reihe anderer Arbeiten, die zum Ausbau unserer Institutionen nötig sind, wurden eingeleitet und befinden sich in der Bearbeitung. Auch auf dem Gebiete unserer Organisation werden Sie die Wahrnehmung machen, daß wir uns mit dem Ausbau aller Teile desselben eifrig beschäftigt haben. In unserm Zentralbureau ist jetzt der Zusammenhang zwischen allen Institutionen unserer Organisation hergestellt und zusammengefaßt. Bei vollständiger Wahrung der Selbständigkeit unserer verschiedenen Institutionen ist die Möglichkeit für . eine einheitliche Leitung jetzt erzielt worden. Das Gleichgewicht in unserm Budget ist endlich hergestellt, und wird es jetzt hier unsere Aufgabe sein, diese gesunde Grundlage uns auch fernerhin durch Beschaffung der Mittel dauernd zu erhalten. Unsere Organisation befindet skh in einer stetigen Entwicklung. Es zeigt sich daher die Notwendigkeit, unsere Satzungen dieser Entwicklung anzupassen. Sie werden sich daher auch mit der Abänderung unseres Organisationsstatuts eingehend zu beschäftigen haben. Alle diese Fragen werden die Grundlagen unserer Arbeit auf diesem Kongreß sein. Es werden Ihrer Beschlußfassung seitens der betreffenden Instanzen Vorschläge unterbreitet werden, die Ihrer vollen Aufmerksamkeit würdig sind. Wir wollen nicht ruhmredig auf unsere Arbeiten und Erfolge hinweisen. Was wir geschaffen haben, bildet nur Bausteine für das Fundament des großen Gebäudes und ist nur der Anfang. Die geordneten Verhältnisse, denen wir in der Türkei entgegengehen, werden uns jetzt die Möglichkeit geben, mit größerer Energie und bessern Erfolgaussichten vorzugehen, Arbeiten zu unternehmen, die notwendig sind, um die Bedingungen für eine geordnete Einwanderung und zweckentsprechende Kolonisation zu schaffen. Wir dürfen nie vergessen, daß unsere Arbeiten die Sache unseres Volkes bedeuten, und müssen daher diese Arbeiten mit dem Ernst und der Ruhe machen, wie sie eine Volkssache erfordert. Unsere Hauptaufgabe muß daher in erster Linie darauf gerichtet sein, das Volk zur Solidarität, zur Opfg^willigkeit und zur Selbsthilfe zu erziehen, denn unsere Stärke ist das Volk. Wie dieses fest, einig und stark sein wird, das wird von bestimmender Wirkung auf unsere Erfolge sein. Unsere Kraft ist, Gott sei Dank, ungebrochen. Unbekümmert um rechts und links, um Gnadensonne oder Sturm, ohne Leidenschaft werden wir unsere Arbeit fortsetzen und unsere Pflicht tun. Wir arbeiten im Namen eines historisch kundgegebenen Volkswillens, der über alle Wandlungen erhaben ist. Jeder andere glühende Eifer kann erkalten, jede andere Kraft erlahmen, oder es können auch sonstige bisher niedergedrückte Leidenschaften plötzlich emporlodern, die dem Fühlen und Denken eine andere Richtung geben, das Wirken und Streben in andere Bahnen leiten, aber der durch Jahrtausende bewährte Volkswille muß bleiben. Durch den Kampf mit den Hindernissen wird dieser Wille nur gestählt. Die Wahrheit, Gerechtigkeit und Vernunft brauchen manchmal Zeit, sich durchzuringen, aber so lange hat ja die Geduld keines einzigen Volkes gedauert wie die des unsrigen. Der Zionismus wurde als Utopie betrachtet, als er ins Dasein trat. Nur von wenigen für lebenskräftig gehalten, hat er im Laufe der Zeiten schon zahlreiche Kreise von seiner Bedeutung zu überzeugen vermocht. Wir müssen uns weiter Achtung verschaffen; wir werden gehört werden, wenn wir sprechen, und unsern Versicherungen wird man Glauben schenken, wenn wir stark und einig sind. Schreiten wir aufrecht vorwärts! Ich eröffne den Kongreß! Minutenlang jubelte die Zustimmung der Versammlung, die die programmatischen Feststellungen Wolffsohns in ihren einzelnen Phasen begleitet hatte, von neuem dem Präsidenten entgegen und stempelte sie damit zum Programm dieses Kongresses. Als der Beifall und das Händeklatschen und das Hochrufen endlich verklungen

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