Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 13 (1909)
- Issue
- 51 (17.12.1909)
- Date
- 1909-12-17
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Nicht genug Lob kann der endlosen, unermüdlichen Hingabe aller Turner und Turnerinnen gespendet werden, die zum großen Teil mit dreifacher Arbeit, Gesang oder Tanz, Theaterspiel und Turnen belastet waren. Bei den Mitgliedern des Vorstandes kamen noch die immensen Organisationsmühen dazu. Alles aber wurde mit einer Lust und Freudigkeit bewältigt, die ihresgleichen suchen; jeder tat sein Bestes und wuchs an der Sache selber. Alle fühlten, daß hier ein tiefer Ernst, ein Großes hinter der spielenden Außenseite der Veranstaltung lag. So war das Makkabäerfesr des Konstantinopeler „Makkabi" ein großer, allseitiger Erfolg. Der moralische war außerordentlich. Der Erziehungswert des Abends für die Jugend ist garnicht hoch genug zu bewerten. Die Aufführung war aber auch allen Lobes würdig. Obwohl mit den elementarsten Theaterschwierigkeiten, wie ungeübten Dilettanten, und vor allem einer viel zu kleinen Bühne, zu kämpfen war, wurde doch schließlich Bewundernswertes geleistet. Der Juda des Herrn Abramowitz, der Matthatias des Herrn Ziffer und von den Nebengestalten der SimeT des Herrn Körb er und der Jojakim des Herrn Berkowitz waren Leistungen, die die Grenze des Dilettantentums überschritten. Zum Erfolge der Aufführung trug nicht wenig die Tanzeinlage bei, die zugleich einen Ruhepunkt inmitten der aufregenden Dichtung bildete. Otto Ludwig läßt den von der Schafschur zum häuslichen Fest heimgekehrten Matthatias von tanzenden Mägden begrüßen- Dreizehn anmutige Turnerinnen in wundervollen altjüdischen Kostümen tanzten diesen orientalischen, mit Stilvoliendung inszenierten Reigen, dessen Bild nicht so leicht aus der Erinnerung schwinden wird. Aber das Theaterspiel war nur ein einziger und kleiner Teil des umfassenden, künstlerisch zusammengestellten Festprogramms. Der jüdische Gesangverein „Renanah", der zum großen Teil Turner des „Makkabi" zu seinen Sängern zählt, brachte unter Leitung seines verdienten Dirigenten Herrn Goldenberg in trefflich geschultem vierstimmigem Männerchor die hebräischen Lieder „Maos zur jeschuati", das von Herrn Körber komponierte und dem Turnverein gewidmete „Schalom" und die „Hatikwah" zu wirkungsvollem Vortrag. Herr Henri Goldstein spielte mit Meisterschaft seinen dem Verein zu dem Feste verehrten „Makkabäermarsch" und erntete großen Beifall. Geradezu hervorragend waren, wie immer, die turnerischen Darbietungen, die in Fahnenübungen der Mädchenriege, Ringerstellungen und Reckübungen der^ Peraer Männerriege, den Gewehrübungen der neuen Hasköer Abteilung, die geradezu frappierende Fortschritte gemacht hat, und in Boxerstellungen der Jugendabteilung bestanden. Man hatte treffliche Gelegenheit festzustellen, was der Konstantinopeler „Makkabi" nicht nur in Spiel und Sang, sondern auch in ernster, körperlicher Arbeit zu leisten imstande ist. Die Kommandosprache war hebräisch. Die Leitung lag, wie immer, in den bewährten Händen des unermüdlichen Turnwarts Ziffer, Geehrter Herr Redakteur! In der Nummer 47 Ihrer Zeitung Seite 1038 (vom 19. v. Mts.) haben Sie sich erlaubt zu behaupten, ich hätte die Ziffern in meiner Zeitung gefälscht, indem ich absichtlich den Betrag von 1231.50 Piaster als einen Betrag von 123 150 Piaster angegeben habe. Ich protestiere mit Entrüstung gegen diese vollständig unbegründete Beschuldigung. Zu Gunsten Ihrer Ehrenhaftigkeit will ich annehmen, Sie seien absichtlich irregeleitet worden, denn ich kann nicht annehmen, daß Sie dazu fähig waren, Ihren Lesern zu verhehlen, daß es sich hier um einen einfachen Druckfehler handelt. Die Notiz, die ich in meiner Zeitung aus der „Aurore" zitiert habe, lautet folgendermaßen: „Aus 43 Büchsen, die man in unserer Stadt geleert hat, wurden 123 150 Piaster entnommen, d. h. 28,63 pro Büchse. Die 23 Büchsen die nach dem Pessach-Fest geleert worden sind, ergaben 850, d. h. 21.87 pro Büchse. Es ist also eine Steigerung zu verzeichnen." Man muß entweder blödsinnig oder von einem , empörenden Zynismus befangen sein, um öffentlich zu sagen, daß es sich hier um eine böswillige Fälschung handelt, denn wenn der Schriftsetzer den Punkt zwischen der Ziffer 3 und 1 anstatt zwischen 1 und 5 gesetzt hat, so ist ja unmittelbar darauf der Beweis gegeben, daß es nur ein Druckfehler ist. Ersieht man denn nicht aus derselben Notiz, daß die 43 Büchsen einen Betrag ergeben haben, der 28.63 pro Büchse beträgt, also zusammen 1231.50 und nicht 123 150? Ich will annehmen, daß Ihr Berichterstatter sich wohl gehütet hat, Ihnen den Text der inkriminierten Notiz mitzuteilen. Auch in diesem Falle sind Sie kaum zu entschuldigen Herr Redakteur. Sie sollten wenigstens diese Beschuldigung mit einem gewissen Vorbehalt erheben, da doch weder die bürgerlichen Gesetze noch die jüdische Religion Ihnen gestattet, jemand zu beleidigen, ohne Beweise in Händen zu haben. Ich verlange von Ihnen, Herr Redakteur, die Veröffentlichung dieses Briefes an derselben Stelle Ihres Blattes, wo Sie die Beschuldigung gegen mich veröffentlicht haben. Empfangen Sie, Herr Redakteur, usw. gez. David Fresco. Anmerkung der Redaktion.Wir drucken bereitwilligst diese eigenartige Berichtigung des Herrn David Fresco ab, weil sie die Art und Weise beleuchtet, wie Herr Fresco „polemisiert". Er beschwert sich systematisch über Beschuldigungen, die gegen ihn erhoben werden, und gegen die Schärfe der Polemik. Indessen gebraucht er Ausdrücke wie „blödsinnig", „empörender Zynismus" und dergl., während in der Notiz unseres Berichterstatters einfach eine Tatsache festgestellt worden ist. Herr Fresco fragt nach Beweisen. Der Beweis ist ja in seinem eignen Blatt abgedruckt: die falsche Summe. Kein Leser seines Blattes wird sich in seinen Kalkulationen und in den Launen des Schriftsetzers orientieren. Der ganze Artikel des Herrn Fresco entspricht auch dieser Summe; es ist ein gewaltiger Protest gegen die Erhebung der Summen für ausländische politische Zwecke in der Türkei. Solche geharnischten Proteste erläßt man nicht gegen die Sammlung einer Bagatelle von 220 Mk. Möchte doch Herr Fresco einsehen, daß nicht nur die „Umstellung des Kommas", sondern sein ganzer Kampf gegen den Zionismus, seine furchtbar leidenschaftlichen Angriffe und seine ganze Beweisführung ein großer Druckfehler sind. Das Zionistische Zentralbureau während des Kongresses Die Kölner Bureaus haben ihren Sitz bereits nach Hamburg-verlegt. Alle für das Zionistische Zentralbureau oder das Hauptbureau des Jüdischen Nationalfonds bestimmten Briefe und Sendungen sind vom heutigen Tage ab bis zum Schlüsse des Kongresses an das Bureau des Neunten Zionistenkongresses, Hamburg, Gr. Bleichen 651 (Feiephonamt IV Nr, 5555, Telegrammadresse: Orghip) zu adressieren.