Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 13 (1909)
- Issue
- 50 (10.12.1909)
- Date
- 1909-12-10
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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No. 50 DIE^ELT 1113 nicht für eine Föderation aussprechen. Wie soll dann ersichtlich sein, welche Schekelzahler, wohlgemerkt nicht Vereinsmitglieder, von der Ortsgruppe bzw. dem Fraktionsverein „umfaßt" {§ 14) werden. Also diese Form ist unmöglich, weil unlogisch. Der Entwurf beseitigt die Jahreskonferenz. Ich halte dies für untunlich, da es im Interesse der Anhänger der Bewegung geboten erscheint, daß alljährlich eine offizielle Rechenschaftsablegung erfolgt. Doch muß ihre Zusammensetzung eine andere werden, da der Entwurf eine Veränderung im Gr. A. C. vorsieht, die ich für praktisch halte. Damit nun nicht das A. C. sich selbst, sondern einer erweiterten Körperschaft Rechenschaft ablege, würde es sich empfehlen, alle Mitglieder der Zentralkomitees zur Jahreskonferenz heranzuziehen. — Für das E. A. C. wird der Name Präsidium vorgeschlagen. Ein triftiger Grund ist hierfür nicht ersichtlich. Es würde m. E. genügen, wenn der Kongreß nur den Präsidenten des E. A. C. wählt, da die zionistische Masse das größte Interesse daran hat, die Persönlichkeit zu bestimmen, die berufen ist, die Bewegung zu repräsentieren. Mehr ist aber nicht nötig. Die Erhöhung der Zahl' der Mitglieder des E. A. C. auf 5 halte ich für gut, um die jetzt nahezu herrschende Monarchie zu beseitigen. Eine Erhöhung auf 7 Mitglieder, wie gleichfalls vorgeschlagen ist, sowie die Schaffung von Ressorts halte ich im Interesse der Einheitlichkeit der Leitung für unpraktisch. Aus demselben Grunde erscheint es geraten, festzusetzen, daß möglichst drei Mitglieder des E. A. C, darunter der Präsident, an einem Orte wohnen sollen. Es würde sich auch empfehlen dem A. C. das Recht zu geben, auch Nichtmitglieder zu den Sitzungen des Gr. A. C. mit beratender Stimme hinzuzuziehen. — Ausdrücklich festgelegt werden müßte, was bisher nur interpretiert werden konnte und daher zu Mißverständnissen führte, daß die Schekelzahler einer Föderation nur innerhalb der Föderation ihr Wahlrecht zum Kongreß ausüben können. — Die Neuschaffung eines besondern Ehrengerichtshofs halte ich für unpraktisch. Seine Befugnis kann das Kongreßgericht ausüben, das zu diesem Zwecke vielleicht auf 5 Mitglieder zu erweitern wäre. Aus alledem geht hervor, daß der Entwurf eine große Reihe Mängel enthält, und daß eine eingehende Beschäftigung mit dem Statut jedem Delegierten geraten werden muß. ^^NACHRICHTEN ^| Deutschland Öffentliche jüdische Versammlung in Berlin Anläßlich der vom 19.—21. Dezember in Berlin tagenden Konferenz für hebräische Sprache und Kultur findet hier am Sonntag, den 19. Dezember, um 12 Uhr mittags, im großen Saal der „Sophiensäle", Sophienstr. 17—18, eine öffentliche jüdische Versammlung statt, in der Herr Nahum Sokolow-Köln über „die Bedeutung der hebräischen Sprache und Literatur für das Judentum" referieren wird. Alle Freunde des Hebräischen sind herzlich willkommen. Die hebräische Mittelschule Taschkemoni in Jaffa Die hebräische Mittelschule Taschkemoni in Jaffa ist berufen, in dem jüdischen Schulwesen Palästinas eine wichtige Rolle zu spielen, vielleicht, dürfen wir sagen, eine neue Ära anzubahnen. Diese Schule hat bekanntlich die Devise: -p-j min liD^n HE^ j>->N auf ihre Fahne geschrieben; sie" will einerseits das, was die Talmud Thora-Schulen immer in anerkennenswerter Weise erstrebt: eine auf tiefer Kenntnis der jüdischen Gesetzesliteratur beruhende Lebensheiligung und Charakterbildung erzielen; sie will anderseits aber auch gründliche moderne Kenntnisse vermitteln, wie sie das heutige, weitverzweigte öffentliche Leben, wie sie ganz besonders das rasch aufblühende und zu immer größererEntwicklung gelangende geschäftliche Leben in Palästina gebieterisch fordert. Aus ganz geringen Anfängen ist diese Schule erwachsen. Vor fünf Jahren wurde durch einige in Jaffa ansässige Kaufleute eine kleine Schule ins Leben gerufen. Zunächst wurden in einem bescheidenen Lokal mit kleinem Spielplatz zwei Klassen mit zusammen 13 Schülern eröffnet, die von einem Lehrer unterrichtet wurden. Da jedoch die immer größer werdenden Schwierigkeiten, der Mangel an materiellen und ideellen Mitteln die Schule nicht zur rechten Blüte gelangen ließen, trat das Schulkomitee mit dem Misrachiverband wegen Übernahme der Anstalt in Verhandlungen, und das Resultat derselben war die Bildung eines besondern Komitees, in welchem sich angesehene Männer aus allen Richtungen des traditionellen Judentums zusammenfanden. Mit dem Frühjahr dieses Jahres begann dieses Komitee seine Tätigkeit und sandte zwei tüchtige Schulmänner nach Jaffa, Herrn Oberlehrer N. Schlesinger als Direktor und Herrn Dr. Engel als Lehrer. Der neuernannte Direktor begann seine Tätigkeit mit der Aufstellung eines zweckmäßigen Lehr- und Stundenplans. Die Schüler verteilen sich auf 7 Klassen einschließlich der Vorbereitungsklasse und erhalten systematischen Unterricht in Bibel, Talmud, hebräischer Sprache, Arabisch, Französisch, Geschichte, Rechnen, Algebra, Naturkunde, Geographie und Singen. Hebräisch, die Umgangssprache der jüdischen Bevölkerung, ist Unterrichtssprache. Auch Unterricht in Handelswissenschaften ist jüngst eingerichtet worden. Es wird peinlich auf Ordnung, Reinlichkeit und stramme Disziplin gehalten. Den Direktor unterstützt bei der Durchführung seiner Maßnahmen ein Lokalkomitee, an dessen Spitze Herr Oberrabbiner A. J. Kuk von Jaffa steht. Schon nach Ablauf des ersten Halbjahres zeigt es sich, daß in dem Direktor Schlesinger ein Mann von Umsicht und Energie gewonnen wurde, der mit Hingabe und Verständnis seine schwierige und verantwortungsreiche Aufgabe erfüllt und der befähigt ist, die Schule ihrem hohen Ziel entgegenzuführen. Nachdem gleich in der ersten Zeit die Schülerzahl von 70 auf 110 gestiegen war, beträgt sie jetzt mit Beginn des zweiten Halbjahres 150, dabei mußten aber leider 30 Schüler aus Mangel an Raum zurückgewiesen werden. Das ist der überzeugendste Beweis, daß der Tachkemoni ein Bedürfnis deckt und sich weitgehendsten Ansehens und Vertrauens erfreut. Es ist zu wünschen, daß das Verständnis für die Aufgabe der Schule sich in weiten Kreisen Bahn bricht, daß sich Gönner finden, die durch Zuwendung von reichen Mitteln den Weiterausbau der Schule und die Schaffung aller notwendigen Einrichtungen ermöglichen. Spenden nimmt die Redaktion der „Welt" sowie der Kassierer Herr J. Hackenbroch, Frankfurt a. M., Röderbergweg 30, entgegen. Judaismus und Kapitalismus Wenn Prof. Sombart noch lange von Geld und Juden erzählt, wird die Singakademie bald zu eng werden. Am Sonntag war der Saal bis in die letzten Winkel überfüllt. Nicht bloß vor dem Redner im Parkett auf Sitz- und Stehplätzen sowie in den Logen, sondern auch hinter ihm auf dem Podium drängten sich die Zuhörer. Sein Thema lautete: „Wie entstand jüdisches Wesen!" Sombart führte nachstehendes aus: Die einleuchtendste und bequemste aller Erklärungen des jüdischen Wesens ist, daß es „rassemäßig" ist, d. h. daß es restlos aus der Rasse herkommt. Für diese Erklärung, die allerdings nicht zutrifft, läßt sich eine Reihe von Wahrscheinlichkeitsgründen anführen. Zuerst die große Konstanz der jüdischen Rasse. Wir wissen, daß sich wenigstens in den letzten 2000 bis 2500 Jahren die jüdische Rasse nicht wesentlich verändert hat. Was an Mischungen hinzugekommen ist, war prozentual immer unbedeutend. Die Physiognomien der Reliefs in den ägyptischen Tempeln sind photographisch ähnlich den spezifisch jüdischen Physiognomien von heute. Auch die Konstanz der seelischen Eigentümlichkeiten wird für deren Rassemäßigkeit geltend gemacht. Man braucht dabei nicht einmal an mythologische Ableitungen zu denken, denn wenn z. B. Jakob als Beispiel der Laxheit des jüdischen Wesens in geschäftlichen Dingen angeführt wird, so ist doch darauf hinzuweisen, daß sich in den Mythologien aller Völker die Hohen und Großen einander mächtig beschwindeln. Die Zweckbedachtheit und Hartnäckigkeit des jüdischen Wesens aber sind uralte historische Eigenschaften. Ebenso die jüdische Anpassungsfähigkeit und das Andauern solcher Züge auch unter veränderten Verhältnissen. Schließlich wird für die rassemäßige Grundlage des jüdischen Wesens das Vorkommen ähnlicher Züge bei andern Völkern angeführt, die, ohne dieselbe Geschichte mit den Juden zu haben, doch das gleiche rassemäßige Fundament haben, nämlich die Armenier und Griechen, die tatsächlich Blutsverwandte der Juden sind. Trotz alledem darf man bezweifeln, daß das jüdische Wesen wirklich rassetnäßig begründet ist. Zunächst wissen wir nichts über den Zusammenhang zwischen Rassemerkmalen und psychischen Qualitäten. Wir wissen ebenso wenig etwas über den Zusammenhang zwischen Schädelform und Intellekt, wie zwischen Nasenform und Gemütsveranlagung. Weiterhin kann das Alter gewisser geistiger Züge auch außerrassemäßig begründet werden, z. B. durch Tradition, die im jüdischen Volke wegen seiner langen Abgeschlossenheit und seines Familienzusammenhalts besonders stark ist. Das Andauern bestimmter Eigenschaften unter verschiedenen Umständen ist gleichfalls kein schlüssiger Beweis, zumal da Fälle bekannt sind, wo nach einem Wechsel der äußern Bedingungen tatsächlich ein Wechsel der Eigenschaften eingetreten ist. Die Gleichheit mit andern Rassen,