Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 13 (1909)
- Issue
- 50 (10.12.1909)
- Date
- 1909-12-10
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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, j;. % fff •r "<4' 1104 DIE monatlich für die Besoldung eines gemeinschaftlichen Lehrers aufbringen können. Auch die galiläischen Kolonien Sedjera, Mescha- Jemma und Melchamie würden sich wohl auch zu einer gleichen Ausgabe zusammentun. Bei den meisten Lehrern in den Kolonien ist ein reges Interesse für den Turnunterricht vorhanden. Es fehlt ihnen aber jede Kenntnis auf diesem Gebiete. Es wäre daher schon von Nutzen, wenn sowohl in den jüdäischen wie auch in den galiläischen Kolonien je ein halbes Jahr der Turnunterricht durchgeführt werden könnte. Die Lehrer würden die Gelegenheit benützen, um mit dem Turnunterricht bekannt zu werden und sich dann weiter darin zu vervollkommnen. Militäraushebung der nichtmuselmännischen Bevölkerung Jaffa, 24. November. Zum erstenmal fanden jetzt die Militäraushebungen auch von den Juden und Christen, die türkische Untertanen sind, statt. In Jaffa waren 38 Sefardim und 24 Aschkenasim gestellungspflichtig. Von den Erschienenen wurden 25 für den Militärdienst ausgehoben, und zwar sind 10 Gestellungspflichtige von den Jahren 1879 und 1880 für den Landsturm (Redif) bestimmt. Einer vom Jahre 1881 hat ein halbes Jahr, 6 vom Jahre 1882 haben ein Jahr, 5 vom Jahre 1884 haben drei Jahre zu dienen. Von den übrigen sind 6 ganz befreit worden, und 2 haben sich als ausländische Untertanen legitimiert. In der Militärkommission waren auch die Juden durch einige Mitglieder vertreten. Bestattung eines sefardischen Juden aus Ägypten Jaffa, 22. November. Vorgestern wurde in Palästina der Leichnam eines angesehenen sefardischen Juden namens Mussri, der in Ägypten verschieden ist, seinem letzten Willen gemäß zur Bestattung auf palästinensischem Boden nach Jaffa gebracht und sofort nach Jerusalem weiter transportiert. Hier fand das Begräbnis unter großer Beteiligung der Bevölkerung statt. Fast alle Sefardim waren zum Leichenbegängnis erschienen, das durch sein gemessenes sefardisches Zermoniell einen würdevollen Eindruck machte. Sämt- ELT: No. 50 liehe sefardische Chachamim erschienen in Begleitung der Kawassen der Konsulate, des Chachatn Baschi und der Anglo Palestine Co. Am Grabe wurden zahlreiche Ansprachen gehalten, in denen insbesondere die gute jüdische Gesinnung des Verstorbenen gepriesen wurde. Der Sohn (ein in Ägypten wohnhafter Arzt) spendete anläßlich des Begräbnisses seines Vaters viel zugunsten wohltätiger Institutionen in Palästina. Kongreßdelegierte aus Palästina Die durch die meisten Schekel vertretene Misrachi-Organisation wählte zu Delegierten für den kommenden Kongreß die Herren Hermann Struck aus Berlin und Rabbiner Gutmann aus Jaffa, die Organisation „Hapoel Hazair" wählte Herrn Ahronowicz, der Verein „Makkabi" in Jerusalem den hebräischen Schriftsteller und Subdirektor der A. P. C. Herrn Eisenstadt. In Jaffa nahmen von über 100 Wahlberechtigten 37 an der Wahl des Delegierten teil. Mit überwiegender Stimmenmehrheit (25 Stimmen) wurde Herr Dr. Kohan-Bernstein zum Delegierten gewählt, nach dem Herr Scheinkin die meisten Stimmen (7) auf sich vereinigte, so daß letzterer als Ersatzmanu gewählt wurde. Auch die Kolonien dürften Dr. Kohan-Bernstein mit dem Kongreßmandat betrauen. Hebräischer Verlag in Palästina Die Herren Dr. Lurie und der hebräische Dichter Ben-Zion (Guttmann) wollen einen Verlag zur Herausgabe hebräischer Bücher ins Leben rufen und zu diesem Zwecke eine ausgedehnte Propaganda entfalten, um durch Absetzung von Aktien das für dieses Unternehmen notwendige, ziemlich erhebliche Kapital aufzubringen. In erster Linie wird an die Herausgabe von Büchern für die Jugend und von populären Schriften gedacht, im allgemeinen aber soll das Programm dieses Verlags ein ganz weites sein und Bücher, Kunstwerke und periodische Schriften wissenschaftlichen, belletristischen und sonstigen Inhalts umfassen. Diese Idee hat bereits Freunde in Palästina gefunden und dürfte auch im Auslande auf Sympathie rechnen. (□□□□□□ A--O FEUILLETON □ □□□ -—^ O ££)? DREI CHANUKAHS J'l'1'« hi : l I | f*"> ' A. Vi j > )r i %y vr > \m < klH$ ilöfc' ■\\ N \ ]' ,mW (Eine Skizze) Von D. Glückmann Es ist ein dunkler, regnerischer Novemberabend. . . . Ein klagender, schneidender Wind dringt durch die Kleider, bohrt sich in den Körper und scheint bis an die Seele zu dringen, — auch diese mit einer Eisschicht umgeben zu wollen. . . . Es ist schmutzig, ach, so schmutzig in unserm ärmlichen Städtchen, schmutzig und dunkel. Und traurig. Aber bei uns zu Hause ist es warm, hell und freundlich. Wir sind alle in festlicher Stimmung. Heute ist der erste Chanukah-Abend, heute wird das erste Lichtchen angezündet, das erste Makkabäerlicht. Eine kleine Wachskerze! . . . Welche Freude, welcher ergreifende Genuß für ein Kinderherz! Im Kamin brennt es heller als sonst. Die Wärme hat etwas Weiches, Kosendes an diesem Abend. ... In der Luft schwebt etwas Weihevolles. Der ganzen lieben, trauten Familie hat sich diese Empfindung mitgeteilt. Heute lieben wir alle einander inniger. Ein neuer Quell der Liebe scheint hervorgebrochen zu sein! . . Wo sein Beginn ist, ich weiß es nicht. Aber ich fühle, daß Chanukah dieser Quell ist! . . . Verschwommene und dem Kinde unverständliche Schatten der Vergangenheit schweben in der Luft und flüstern mir leise, leise von Liebe, Liebe und Liebe. . . . Die Wände des Zimmers scheinen weißer geworden und von einer eigenen, geheimnisvollen Lichtflut beleuchtet zu sein. . . . Die dunkeln Flecken an den Fenstern, hinter denen die stockfinstere Nacht gähnt, erzählen mir von der Wärme und dem Lichte der Chanukah-Nacht. Und wir alle, alle fühlen wir diesen weichen, kosenden Feiertagshauch. ... Ich bin zehn Jahre alt. ... Ich bin schon ein Gymnasiast. . . . Aber weder der Einfluß meiner Kameraden, noch die „Wissenschaft" können meiner religiös-nationalen Stimmung auch nur im geringsten Abbruch tun. Ich erwarte Chanukah mit wahrem Entzücken, mit dem ehrfurchtsvollen Schauer des gläubigen Juden und der zappelnden Freude des Kindes, für das der Feiertag eine Epoche bedeutet! Ich weiß im voraus alles, was kommen wird. Wenn der Vater sein Abendgebet beendet hat, wird er ein Päckchen dünner, gelber Wachskerzen in die Hand nehmen. . . . Zwei von diesen Kerzen wird er für den heutigen Abend auswählen; die eine wird er anzünden, die andere an dem Türpfosten befestigen. Dann werden wir Männer, so viele unser sind, die Mützen aufsetzen, uns alle herumdrängen und aufmerksam das Gebet anhören. . . Mitten im Gebete wird der Vater das an dem Türpfosten angeklebü Lichtlein anzünden. . . . Und während diese Kerze langsam unc mühsam auflodert, werden wir in die höchste Erregung versetz werden: das ist der Höhepunkt der Feier und unserer Stimmung Aus tiefster Seele werden wir alle im Chor „Omein" sagen, - und die Feier ist zu Ende. Hernach erwarten uns die Erzähluni des Vaters über die Makkabäer, „Dreidl" und Pfannkuchen. Ich weiß das alles im voraus — und erwarte die Zeremonie mit echt kindlicher, unverminderter Neugier. Diese Zeremonie is' für mich alt und ewig neu. . . . Für meinen kindlichen Verstanc sind die Makkabäer ein interessantes Märchen, das ich wieder um immer wieder hören möchte. Für mein kindliches Gemüt ist di Zeremonie und alles, was darauf folgt, eine Quelle der Festesfreude eine Zerstreuung in dem langweiligen Einerlei meines Lebens: der Besuche des Gymnasiums, den Stunden usw. . . . Sie sind mir lieb und wert, der heroische Kampf der Makkabäei die nationale Kraft, die Qualen und der Triumph des Volkes. Ic bin ihnen dankbar dafür, daß ^sie mir den Chanukah-Abend gegebe, mit den freundlich brennenden Kerzen, der Erzählung des Vaters den Liedern und dem „Dreidl". Was brauche ich noch mehr? Aber da ist auch noch etwas anderes, Komplexeres. Ein schauerndes Ahnen des unbekannten Gottes, dem mein Vater dient der kluge, ernste Vater und auch die fromme Mutter____ Die Kindes seele nimmt unmittelbar, ohne nachzudenken, die Andachtsstimmun;: in sich auf. ... Es ist mir so traurig und so wohl ums Herz. . .